Nicht immer ist Diskriminierung eindeutig feststellbar, leicht messbar und wertungsfrei behandelt. Konsequenz davon ist, dass es leicht passieren kann, dass Diskriminierung gerne verharmlost oder auch übertrieben wird. Gerade Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt stellt ein problematisches Thema dar, welches äußerst schwer zu bewerten ist. Ziel dieser Arbeit ist es, Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt näher zu beleuchten und die häufigsten Missverständnisse zu widerlegen. Die Arbeit wird sich der Einfachheit halber in der Regel auf die Geschlechterdiskriminierung beziehen, wenn nicht explizit anders vermerkt. Dabei orientiert sich diese Arbeit vor allem anhand zweier Schwerpunkte: Der erste hat zum Gegenstand, dass Diskriminierung trotz aller Bemühungen, sie zu bekämpfen noch existent sowie nachweisbar ist und nicht mit Ungleichheit verwechselt werden sollte. Der zweite Schwerpunkt beschäftigt sich mit den Gesetzen des Marktes, die durch Diskriminierung an ihrer vollen Entfaltung gehindert werden. Es sollte im Verlauf der Arbeit klar werden, dass Diskriminierung für den freien Wettbewerb eine Mobilitätsbarriere darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was hat man unter Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt zu verstehen?
2.1. Formen der Diskriminierung
2.2. Schwierigkeiten bei der Erfassung von Diskriminierung
3. Quellen der Diskriminierung
3.1. Persönliche Vorurteile
3.1.1. Vorurteile von Seiten der Arbeitgeber
3.1.2. Vorurteile von Seiten der Mitarbeiter
3.1.3. Vorurteile von Kunden
3.2. Statistische Diskriminierung
3.3. Nonkompetitive Quellen der Diskriminierung
3.3.1. Crowding
3.3.2. Unterschiedliche Suchkosten
4. Ist Diskriminierung „rational“?
5. Empirie: Einkommensdiskriminierung
5.1. Untersuchungen des Zentralinstituts für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)
5.2. Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
6. Empirie: Allokative Diskriminierung
6.1. Bertrand & Mullainathans Feld-Experiment zur Diskriminierung von Afroamerikanern
6.2. „Blindes Vorspielen“ bei der Einstellung von Musikerinnen
7. Empirie: Evaluative Diskriminierung
8. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das theoretische Konstrukt der Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt zu beleuchten, häufige Missverständnisse zu klären und empirische Ansätze zur Untersuchung solcher Mechanismen aufzuzeigen, wobei insbesondere der Fokus auf der Geschlechterdiskriminierung liegt.
- Differenzierung zwischen Diskriminierung und allgemeiner Ungleichheit
- Theoretische Quellen und Formen der Diskriminierung (persönliche Vorurteile, statistische Diskriminierung, nonkompetitive Faktoren)
- Ökonomische Rationalitätsprüfung von Diskriminierung
- Empirische Analysen zur Einkommens-, allokativen und evaluativen Diskriminierung
Auszug aus dem Buch
2. Was hat man unter Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt zu verstehen?
Ehrenberg und Smith zufolge liegt Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt vor, „if individual workers who have identical productive characteristics are treated differently because of the demographic groups to which they belong.“
Auch wenn diese sehr knappe Definition recht allgemein klingt, trennt sie das Konstrukt Diskriminierung sehr scharf ab. So werden systematische Ungleichheiten nicht mit einbezogen, auch wenn diese auf der Basis von Diskriminierung entstehen können. Dennoch muss man erwähnen, dass Ungleichheiten auch produktive Charakteristika beeinflussen und beinhalten, die wiederum auf dem Arbeitsmarkt zu Tage kommen können. So haben die Mitglieder zweier Gruppen mit systematisch verschiedenen Eigenschaften auch bei Absenz von Diskriminierung unterschiedliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Diese Unterscheidung, sowie der Hinweis darauf, ist besonders wichtig, denn die Trennung zwischen Ungleichheit und Diskriminierung wird in der Literatur nicht immer klar getroffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Konstrukt der Diskriminierung ein, definiert den Fokus auf Geschlechterdiskriminierung und legt die wissenschaftliche Zielsetzung der Arbeit fest.
2. Was hat man unter Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt zu verstehen?: In diesem Kapitel wird eine präzise Definition von Diskriminierung erarbeitet und von allgemeinen Ungleichheiten sowie anderen Voreinflüssen abgegrenzt.
3. Quellen der Diskriminierung: Hier werden die drei Hauptursachen für diskriminierende Praktiken – persönliche Vorurteile, statistische Diskriminierung und nonkompetitive Quellen – theoretisch analysiert.
4. Ist Diskriminierung „rational“?: Dieses Kapitel untersucht aus ökonomischer Sicht, ob Diskriminierung in einem freien Markt überhaupt rational begründbar ist oder ob Marktkräfte ihr entgegenwirken.
5. Empirie: Einkommensdiskriminierung: Anhand von ZEW- und IAB-Studien wird das Ausmaß der Lohnkluft zwischen Männern und Frauen sowie deren Ursachen empirisch beleuchtet.
6. Empirie: Allokative Diskriminierung: Dieses Kapitel präsentiert experimentelle Studien, die belegen, wie Diskriminierung bei Einstellungs- und Auswahlprozessen stattfindet.
7. Empirie: Evaluative Diskriminierung: Es wird die berufliche Segregation analysiert und der Zusammenhang zwischen Frauenanteil in Berufen und deren Entlohnung empirisch dargestellt.
8. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bekräftigt die Notwendigkeit, Diskriminierung als existent und nachweisbar zu betrachten, trotz der methodischen Herausforderungen bei deren Messung.
Schlüsselwörter
Diskriminierung, Arbeitsmarkt, Geschlechterdiskriminierung, Gender Wage Gap, Lohndiskriminierung, Humankapital, statistische Diskriminierung, allokative Diskriminierung, evaluative Diskriminierung, Vorurteile, Marktmechanismen, berufliche Segregation, Einkommensdifferenzen, Mobilitätsbarrieren, Rationalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Phänomen der Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, trennt es begrifflich von allgemeinen Ungleichheiten und untersucht dessen Existenz sowie Mechanismen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition des Diskriminierungsbegriffs, die theoretischen Ursachen sowie die empirische Überprüfung mittels verschiedener ökonomischer Studien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt näher zu beleuchten, häufige Missverständnisse zu widerlegen und empirische Ansätze zur Identifikation und Messung diskriminierender Verhaltensweisen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein theoretisch-empirischer Ansatz verfolgt, wobei ökonomische Theorien (wie das Smithsche Ausgleichstheorem) durch die Auswertung empirischer Studien und Dekompositionsverfahren ergänzt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erläuterungen zu den Ursachen von Diskriminierung sowie in drei empirische Abschnitte zu Einkommens-, allokativer und evaluativer Diskriminierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Diskriminierung, Gender Wage Gap, Arbeitsmarkt, Humankapital, statistische Diskriminierung und ökonomische Rationalität.
Welche Rolle spielt die statistische Diskriminierung?
Sie beschreibt, wie Arbeitgeber aufgrund durchschnittlicher Gruppenmerkmale Entscheidungen treffen, wenn individuelle Daten über Bewerber unzureichend sind.
Wie kann das „blinde Vorspielen“ Diskriminierung reduzieren?
Es eliminiert die Information über das Geschlecht im Auswahlprozess, wodurch Fähigkeiten unvoreingenommen bewertet werden können, was nachweislich die Einstellungschancen für Frauen erhöht.
- Quote paper
- Konrad Brylla (Author), 2005, Die Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43920