Der Jihadismus in der Sahelzone Afrikas


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
23 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Einleitung

1. Salafismus

2. Verbreitung des Salafismus in Afrika

3. Jihadismus
3.1. Begriffserklärung
3.2. Jihadistische Salafisten
3.3. Jihadismus in Afrika
3.3.1. Mali
3.3.2. Nigeria

4. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Salafismus und insbesondere Jihadismus breiten sich auf der gesamten Welt immer mehr aus. Besonders die prekäre Lage in der Sahelzone gibt den Kämpfern, die für den „wahren Islam“ eintreten und brutale Gewalt ausüben, Platz, um sich auszubreiten. Hierbei liegt das Problem vor allem in der Instabilität der Staaten, der Korruption, aber auch in der Perspektivlosigkeit vieler junger Erwachsener. Auch der Drogenschmuggel und Lösegeld-Erpressungen sorgen dafür, dass jihadistische Gruppen an Macht gewinnen. Diese Arbeit beschäftigt sich nun mit der Situation von Extremismus und Radikalisierung in der Sahelzone Afrikas.

Einleitung

Eine Facette des Islams ist der Islamismus, heute bekannt als Salafismus. Diese Strömung entstand in etwa in den 1920er Jahren und grenzt sich von dem religiösen Alltag der meisten Muslime ab. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht dabei jedoch wieder eine Abgrenzung innerhalb der Salafisten und zwar die Jihadisten, welche durch extreme Gewalt auffallen (vgl. Seidensticker 2016, S. 7). Jihadismus ist mittlerweile auf der gesamten Welt verbreitet und die einzelnen Gruppen kämpfen gegen die westliche Erziehung und für die Einführung der Sharia, des Islamischen Rechts.

Abbildung 1 zeigt verschiedene Jihadistische Gruppen verteilt über Afrika, Asien und Australien.

Abb. 1: Weltkarte Jihadismus (Quelle: Jörger 2014).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Arbeit beschäftigt sich nun mit dem Jihadismus in Afrika, insbesondere in der Sahelzone. Zur Sahelzone zählen die Staaten Mauretanien, Senegal, Mali, Burkina Faso, Niger, Tschad, Sudan und der Nordosten von Äthiopien (vgl. Kußerow 2014, S. 117).

Inhaltlich gliedert sich die Arbeit in eine kurze Einführung in den Salafismus, wobei auch auf die Verbreitung in Afrika eingegangen wird. Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich mit Jihadismus, dabei wird der Begriff erklärt und die Situation in Afrika beleuchtet, insbesondere die jihadistischen Gruppen in Mali und Nigeria. Abschließend wird im Fazit nochmals die Lage diskutiert und die Problematik mit Lösungsversuchen dargestellt.

1. Salafismus

Der Salafismus wird als religiöse Strömung innerhalb des Islams gesehen und soll den Begriff „Islamismus“ oder auch „islamistischer Extremismus“ im 20. Jahrhundert abgelöst haben. Es gibt viele Definitionen des Islamismus, die meist durch verschiedene Ansichten und Interessen geprägt sind (vgl. Seidensticker 2016, S, 9- 14). Seidensticker definiert Islamismus folgendermaßen:

„Beim Islamismus handelt es sich um Bestrebungen zur Umgestaltung von Gesellschaft, Kultur, Staat oder Politik anhand von Werten und Normen, die als islamisch angesehen werden“ (Seidensticker 2016, S. 9).

Der Begriff Salafismus wird vom arabischen Wort al-salaf al-salih abgeleitet und geht auf die ersten drei Generationen von Muslimen im 7. Jahrhundert zurück. Es wird angenommen, dass die ersten drei Generationen eine besonders „reine“ Form des Islams ausgeübt haben und die Salafisten wollen danach leben und die Ungläubigen (Kuffar) auf den richtigen Weg führen. Ihr Wissen über den „wahren Islam“ entnehmen sie dem Koran und der Sunna und als oberstes Ziel gilt die Einführung des islamischen Rechts, der Sharia (vgl. Schröter 2015, S. 1). Schröter definiert Salafismus als Gruppe innerhalb des Islams.

„Der Salafismus stellt eine schnell wachsende Bewegung innerhalb des Islam dar und er existiert in allen Ländern, in denen sunnitische Muslime leben“ (Schröter 2015, S. 2).

Eine Trennung zwischen konservativen Muslimen, also denen, die nicht nach salafistischen Ideologien leben, und salafistischen Muslimen ist aber nicht einfach, da sich meist auch dem Salafismus verschriebene Muslime als Muslime sehen und in diesem Sinne keine Abgrenzung vornehmen. Sie grenzen sich jedoch stark von der Ideologie ab und behaupten, nur ihre Ansicht des Islams sei der wahre Islam (vgl. Schröter 2015, S. 1).

Grundsätzlich können drei Typen von salafistischen Gruppierungen unterschieden werden. Die Puristen oder auch Quietisten, welche vor allem die Lehre des Islams durch Missions- und Bildungsarbeit verbreiten wollen. Sie sind meist friedlich und werden dadurch auch von anderen salafistischen Gruppierungen kritisiert. Eine weitere Gruppierung sind die politischen Salafisten. Sie wollen vor allem die Einführung eines islamischen Staats durch politische Bestrebungen vorantreiben und beteiligen sich an Wahlen. Sie nehmen zwar nicht aktiv am bewaffneten Kampf gegen die Ungläubigen teil, jedoch Befürworten sie deren Methode. Die dritte Gruppe sind die Jihadisten, welche den bewaffneten Kampf gegen die Ungläubigen führen (vgl. Elischer 2014, S. 2). Auf eben jene Gruppe, die Jihadisten, konzentriert sich diese Arbeit, wobei dabei das Augenmerk auf der Situation in Afrika, besonders in der Sahelzone, liegt. Zunächst jedoch noch eine kleine Einführung über den Salafismus und dessen Verbreitung in Afrika.

2. Verbreitung des Salafismus in Afrika

In Afrika herrschte in der muslimischen Gemeinschaft nie eine religiöse Einheit. Es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen arabisch-fundamentalistischen Strömungen und Anhängern des Sufismus. Sufismus ist eine Strömung des Islams, welche den Koran mit dem ortsgebundenen Kontext in Verbindung setzt. Die Salafisten sehen diese Auslegungen jedoch kritisch und sehen eine Gefährdung der Reinheit der islamischen Lehre. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gewinnt der Salafismus immer mehr an Bedeutung und mittlerweile ist er die am schnellsten wachsende Denkschule in Afrika. Vor allem die Demokratisierung der 1990er Jahre und die freie Religionsausübung trug dazu bei, dass sich der Salafismus etablieren und ausbreiten konnte. Vor allem die schlechte sozioökonomische und wirtschaftliche Lage in Afrika veranlasst viele, sich zum Salafismus zu bekennen. Denn durch Wohlfahrtsverbände, vor allem von der arabischen Halbinsel, können die Salafisten der Bevölkerung geben, wozu der Staat nicht fähig ist. Dies betrifft vor allem Sicherheit, Gesundheit und Bildung. Durch Koranschulen wird die Bevölkerung im Sinne des „wahren Islams“ gebildet und dies fördert wiederum die Ausbreitung.

Die nachfolgende Abbildung 2 zeigt einige dieser Wohlfahrtsverbände mit deren Herkunftsland und die Art der Güter und Dienstleistungen, welche durch sie bereitgestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Islamistische Wohlfahrtsverbände in Afrika (Quelle: Elischer 2014, S. 4).

Dabei wird bezweifelt, dass Gruppen, welche dem Salafismus angehören, friedlich mit anderen Muslimen oder auch anderen Religionen zusammenleben können. Es gibt sogar Annahmen, dass sich friedliche Puristen zu politischen Salafisten bis hin zu kämpferischen Jihadisten weiterentwickeln. Auch Elischer verfolgte diese Theorie und untersuchte die sieben afrikanischen Länder Nigeria, Mali, Niger, Somalia, Kenia, Äthiopien und Südafrika. Dabei betonte Elischer, dass dies keine ausreichende Studie sei, um die Annahmen endgültig zu falsifizieren oder zu verifizieren. Die Analyse gab jedoch Aufschluss über die bisherige Entwicklung in den verschiedenen Ländern und es konnte keine Entwicklung hin zu gewaltbereiten Jihadisten bestätigt werden. Somit kann man Salafisten nicht mit radikalen Jihadisten gleichsetzen.

3. Jihadismus

3.1. Begriffserklärung

Jihadismus leitet sich vom arabischen Wort „jihad“ ab. Der Jihad geht auf den Propheten Mohammed zurück, welcher kriegerische Auseinandersetzungen mit dem nichtmuslimischen Volk hatte, und wird als Verteidigung des Islams angesehen. Dabei wird zwischen dem großen Jihad (jihad al-akbar) und dem kleinen Jihad (jihad al-ashgar) unterschieden. Der große Jihad bezieht sich hierbei auf die Person selbst und betrifft den Kampf gegen den „inneren Schweinehund“. Der kleine Jihad beschreibt den Kampf gegen die „Ungläubigen“. Wobei alle als ungläubig angesehen werden, die nicht nach den Vorstellungen des Islams leben. Der Jihad wird als Pflicht eines jeden Mannes gesehen und der Tod als Märtyrer auf Gottes Weg, mit dem Eingang ins Paradies und mit 72 Jungfrauen belohnt (Schröter 2015, S. 1).

3.2. Jihadistische Salafisten

Eine Abgrenzung zwischen jihadistischen Salafisten und Jihadisten, welche nicht dem Salafismus angehören, ist schwer und nicht immer klar vollziehbar. Daher werden die Jihadisten meist als radikalisierte Untergruppe des Salafismus angesehen. Für die Jihadisten steht der Kampf im Heiligen Krieg an erster Stelle.

Historisch gesehen gibt es seit den 1970er Jahren einen Diskurs über die Legitimität des Jihadismus und seine politischen Motive. Dabei haben sich drei Denkschulen abgezeichnet, auf welche der Jihadismus beruht. Dazu zählen die Nationalisten, die klassischen Internationalisten und die antiwestlichen Internationalisten.

Die Nationalisten beschränken sich auf den Kampf gegen die Regierung im jeweiligen Heimatstaat. Ihr Kampf ist dem „nahen Feind“ verschrieben.

Die klassischen Internationalisten führen ihren Kampf gegen besetzte muslimische Gebiete und kämpfen um deren Befreiung.

Die antiwestlichen Internationalisten führen ihren Kampf gegen die westliche Welt, vor allem gegen die USA.

Zu erwähnen bleibt, dass sich viele Nationalisten und auch klassische Internationalisten den antiwestlichen Internationalisten um 2001 anschlossen (Steinberg 2012, S. 4-5).

3.3. Jihadismus in Afrika

In vielen Gebieten in Afrika, in denen Jihadismus verbreitet ist, besitzt der Staat wenig Legitimität. Die Regierung kann meist nicht für Sicherheit garantieren und der Bevölkerung mangelt es an Vertrauen. Es entsteht ein Vakuum, das die Regierung nicht füllen kann. Jihadistische Gruppen nutzen dies aus und versorgen die Bevölkerung mit dem, was der Staat ihnen nicht geben kann. In den Sahelgebieten kommt dazu, dass sich die Bevölkerung der Peripherie meist zu ihren Nachbarn auf der anderen Seite der Grenze näher und verbundener fühlt als zu der eigenen meist küstennahen Hauptstadt. Dies zeigt sich zum Beispiel in Mali, wo Jihadisten im Norden mehr Interesse an den Nachbarländern Mauretanien, Libyen, Algerien und Niger zeigen als an der Hauptstadt Bamako.

Die jihadistischen Gruppen versuchen einen Nationalstaat zu schaffen, jedoch verfolgen sie auch immer mehr eine transnationale Weltsicht, die eine weltumspannende islamische Gemeinschaft anstrebt (vgl. Steinberg/ Weber 2015, S. 7- 8).

Die nachfolgende Abbildung 3 gibt Aufschluss über die Stabilität einzelner afrikanischer Länder. Dabei indizieren grün hinterlegte Felder die Zeiten der Stabilität und rot hinterlegte Felder von Unruhen dominierte Jahre. Mit einem X versehene Felder kennzeichnen Jahre, in welchen Putschversuche gegen den Staat stattfanden. Mit einem C markierte Felder zeigen militärische Konflikte inklusive Rebellionen. PU steht für Politische Unruhen und T für Terrorismus. Sichtbar wird, dass Terrorismus ab 2003 in Mali und Niger zur Destabilisierung des Landes führten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Entwicklung Politischer Stabilität in Afrika (Quelle: OECD/ SWAC 2014, S. 178).

Der arabische Frühling (2011) verstärkte eine Regionalisierung der jihadistischen Gruppen. Proteste und Unruhen schwächten den Staat. Dies hatte besonderen Einfluss auf Nord-Mali und Nigeria und stärkte die dort vorherrschenden jihadistischen Gruppen wie Al-Qaida im islamischen Maghreb, kurz AQIM (Mali), und Boko Haram (Nigeria) (vgl. Steinberg/ Weber 2015, S. 12-13).

Die nachfolgende Abbildung 4 zeigt die Position jihadistischer Gruppen in Afrika. Sichtbar wird, dass besonders AQIM in Nordmali und dessen Grenzgebieten großflächig verbreitet ist. Boko Haram kontrolliert ein großflächiges Gebiet in Nigeria und seinen Grenzgebieten. In Somalia kontrolliert die jihadistische Gruppe Al Shabab ein großflächiges Gebiet im Süden, auf welches in dieser Arbeit jedoch nicht weiter eingegangen wird, da es die Sahelzone nur entfernt betrifft.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Der Jihadismus in der Sahelzone Afrikas
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
23
Katalognummer
V439333
ISBN (eBook)
9783668788862
ISBN (Buch)
9783668788879
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jihadismus, sahelzone, afrikas, salafismus, extremismus, radikalisierung
Arbeit zitieren
Stefanie Seebacher (Autor), 2017, Der Jihadismus in der Sahelzone Afrikas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/439333

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