Die Arbeit untersucht, inwiefern kognitive-sprachliche Lernprozesse im Deutsch-als-Zweitsprache-Unterricht durch Rückgriffe auf den Englischunterricht in den Herkunftsländern optimiert werden können. Als Methode wird eine Fallstudie durchgeführt. In dieser werden zuvor entwickelte Mehrsprachigen Aufgabenplattformen im DaZ-Unterricht getestet und im Anschluss mit Hilfe von empirischer Datenerhebung evaluiert.
Können die Schülerinnen und Schüler von dem Zusammenspiel zweier Fremdsprachen ohne Heranziehung der Muttersprache profitieren? Können Mehrsprachige Aufgabenplattformen auch dann sinnvoll zum Lehren und Lernen der deutschen Sprache eingesetzt werden, wenn die Lernenden Deutsch noch gar nicht und Englisch nur rudimentär beherrschen?
Als Methode der Untersuchung führt die Arbeit eine Fallstudie durch. Dafür wird zunächst die Bedeutung der Sprache für den (Sprach-) Unterricht analysiert. Darüber hinaus wird in diesem Teil der Arbeit eine Begriffsdifferenzierung zwischen Deutsch als Zweit- und Deutsch als Fremdsprache vorgenommen.
Im Anschluss geht es um die Methodik des Fremdsprachenunterrichts. Dazu werden hier zunächst verschiedene Sprachlehrkonzepte vorgestellt und kritisch bewertet. Anschließend kommt es zu einer Vorstellung von Sprachlehrmethoden sowie Mehrsprachigen Aufgabenplattformen, einschließlich des handlungsorientierten Unterrichts und diverser didaktischer Mehrsprachigkeitskonzepte.
Nach einer Beschreibung der praktischen Konstruktion und Anwendung von Mehrsprachigen Aufgabenplattformen erfolgt eine Bewertung der Ergebnisse. Abschließend kommt es zu einem Gesamtfazit über die Anwendbarkeit von Mehrsprachigen Aufgabenplattformen in (Flüchtlings-) Sprachlernklassen vor dem Hintergrund der theoretischen Grundlagen und der praktisch durchgeführten Fallstudie.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bedeutung von Sprache im (Sprach-) Unterricht
2.1 Deutsch als Fremd- oder als Zweitsprache
2.2 Einflussfaktoren bei Flüchtlingen als L2-Lerner
2.2.1 Alter
2.2.2 Soziale Faktoren
2.2.3 Affektive und attitudinale Faktoren
2.2.4 Kognitive Faktoren
3. Methodik des L2-Unterrichts
3.1 Historie der Methoden im L2-Unterricht
3.1.1 Grammatik-Übersetzungs-Methode
3.1.2 Audiolinguale/Audiovisuelle Methode
3.2 Handlungsorientierter Unterricht
3.2.1 Kommunikativ-pragmatischer Ansatz
3.2.2 Der Interkulturelle Ansatz
3.3 Mehrsprachigkeitsdidaktik
3.3.1 Krefelder Modell
3.3.2 Konzept der Begegnungssprachen
3.3.3 Konzept der Europaschulen
3.3.4 Tertiärsprachenkonzept
3.3.5 Thannhauser Modell
3.3.6 Nationale und internationale Konzepte für die Zukunft
4. Mehrsprachige-Aufgabenplattformen
4.1 Ziele der MAPs
4.1.1 Förderung produktiver Fähigkeiten
4.1.2 Förderung der Interkulturellen Kompetenz
4.2 Orientierungen für die Entwicklung der MAPs
4.2.1 Orientierung an der thematisch-situativen Progression
4.2.2 Orientierung an der lexikalischen Progression
4.2.3 Orientierung an der grammatischen Progression
4.2.4 Orientierung an entwicklungspsychologischen Voraussetzungen
4.2.5 Scaffholding als Hilfsmittel
5. MAPs - Eine Fallstudie
5.1 Entwicklungspsychologische Voraussetzungen
5.1.1 Bedingungsfaktoren des Projektes Sprachlernklasse
5.1.2 Erhebung des Sprachstands der Sprachlerner
5.2 Thematisch-situative Progression
5.3 Lexikalische Progression
5.4 Grammatikalische Progression
5.5 Scaffholding als Hilfsmittel
6. Ergebnisse
6.1 Beobachtungen
6.2 Auswertung Fragebogen
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern der Einsatz von „Mehrsprachigen Aufgabenplattformen“ (MAPs) kognitiv-sprachliche Lernprozesse im Deutsch-als-Zweitsprache-Unterricht unterstützen kann, wenn Englisch als Brückensprache fungiert und die Lernenden keine gemeinsame Herkunftssprache besitzen. Dabei wird evaluiert, ob diese Methode auch für Schüler anwendbar ist, die über nur rudimentäre Englischkenntnisse verfügen.
- Bedeutung von Sprachregistern und Kognition im Unterricht
- Entwicklung und Legitimation des Konzepts der Mehrsprachigen Aufgabenplattformen
- Transfer zwischen Englisch (L3) und Deutsch (L2) bei Flüchtlingsschülern
- Praktische Erprobung durch Fallstudien in Sprachlernklassen
- Analyse von Sprachlernmotivation und Lernstand mittels Sprachenporträts
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Kommunikativ-pragmatischer Ansatz
In Anlehnung an Erkenntnisse Chomskys bezüglich linguistischer Kompetenz, Mitte der 1970er Jahre, prägte Hymes den Begriff kommunikative Kompetenz. Während Chomsky strukturell-grammatische Kompetenz als entscheidend für L2-Erwerb betrachtete, sah Hymes den wichtigsten Faktor in den Regeln sozial-kultureller Interaktion. Die kommunikative Kompetenz ist dabei ein umfassender Sammelbegriff für „u.a. Sprachkompetenz, Gesprächskompetenz, pragmatische und soziolinguistische Kompetenz.“ (Kniffka & Siebert-Ott 2009: 91f). Der Teilaspekt der Pragmatik steht in diesem Zusammenhang für das Sprechen als Form der menschlichen Handlung. Sprechakte stehen also im Fokus des KP-Ansatzes. Im Detail bedeutet dies, dass Lerner verstehen müssen, dass Sprechintentionen auf verschiedenste Weise realisierbar sind. Es gilt Möglichkeiten zu finden, die sowohl gegenüber dem Gesprächspartner, als auch in der Gesprächssituation angemessen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Herausforderungen der Sprachförderung von Flüchtlingen und stellt die Relevanz von Mehrsprachigkeitskonzepten vor.
2. Bedeutung von Sprache im (Sprach-) Unterricht: Dieses Kapitel definiert Sprache als aktives Werkzeug, erläutert die Relevanz verschiedener Sprachregister und untersucht die psychologischen Aspekte des internen Sprachhandelns.
3. Methodik des L2-Unterrichts: Hier werden historische und moderne Sprachlehrmethoden kritisch analysiert, um das theoretische Fundament für mehrsprachige Ansätze zu legen.
4. Mehrsprachige-Aufgabenplattformen: Das Kapitel führt das Konzept der MAPs ein und beschreibt deren Ziele sowie die notwendigen Orientierungspunkte für die praktische Gestaltung im Unterricht.
5. MAPs - Eine Fallstudie: In diesem Kapitel wird die konkrete Anwendung der MAPs in einer Sprachlernklasse beschrieben, inklusive der Erhebung der Sprachvoraussetzungen und der methodischen Durchführung.
6. Ergebnisse: Die Ergebnisse aus Beobachtungen und Fragebögen zur Fallstudie werden dargestellt und hinsichtlich der Akzeptanz und des Lernfortschritts der Schüler analysiert.
7. Fazit: Die Arbeit zieht eine abschließende Bilanz über die Anwendbarkeit von MAPs in Flüchtlings-Sprachlernklassen und leitet Empfehlungen für die zukünftige Unterrichtspraxis ab.
Schlüsselwörter
Mehrsprachigkeit, Deutsch als Zweitsprache, DaZ, Mehrsprachige Aufgabenplattformen, MAPs, Spracherwerb, Flüchtlings-Sprachlernklasse, Englisch als Brückensprache, Sprachmittlung, Handlungsorientierter Unterricht, Interkulturelle Kompetenz, Sprachregister, Sprachlernporträts, Sprachdidaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit?
Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit von sogenannten „Mehrsprachigen Aufgabenplattformen“ (MAPs) als didaktisches Instrument in Sprachlernklassen für geflüchtete Schüler.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind Sprachdidaktik, der Einfluss von L3 (Englisch) auf das Erlernen der L2 (Deutsch) sowie die Bedeutung von kognitiven und sozialen Faktoren beim Zweitsprachenerwerb.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel besteht darin zu prüfen, ob kognitiv-sprachliche Lernprozesse durch gezielte Rückgriffe auf Englisch gefördert werden können, auch wenn die Lernenden Deutsch noch nicht beherrschen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt als Forschungsmethode eine Fallstudie, in der das theoretische Konzept der MAPs praktisch erprobt und mittels qualitativer Beobachtungen sowie Fragebögen evaluiert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Sprachdidaktik, die detaillierte Beschreibung der MAPs-Methodik und die praktische Durchführung der Fallstudie innerhalb einer niedersächsischen Sprachlernklasse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Mehrsprachigkeitsdidaktik, MAPs, DaZ-Unterricht, Sprachstandserhebung und interkulturelle Kompetenz.
Welche Rolle spielt Englisch in diesem Konzept?
Englisch dient als „Brückensprache“, die den Schülern helfen soll, Strukturen der deutschen Sprache besser zu verstehen und zu erschließen.
Wie gehen die Schüler mit der Methode der Sprachenporträts um?
Die Schüler nutzten diese Methode, um ihre persönliche Sprachbiografie zu visualisieren; dabei zeigte sich eine hohe Motivation, obwohl die schriftliche Begründung aufgrund von Sprachbarrieren eine Herausforderung darstellte.
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- Sascha Ranke (Author), 2016, Mehrsprachige Aufgabenplattformen in Sprachlernklassen. Deutsch als Zweitsprache für Flüchtlinge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/439390