Die Wirkung von Yoga auf Dyspnoe, körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität bei Patienten mit COPD

Ein Literaturreview


Bachelorarbeit, 2018

49 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zusammenfassung/Summary

2. Hintergrund
2.1. COPD (Epidemiologie, Auswirkungen auf das Leben)
2.2. Management und Therapie der COPD
2.3. Evidenz für Yoga als Therapiemethode
2.4. Messung von Dyspnoe, körperlicher Leistungsfähigkeit und Lebensqualität bei COPD
2.5. Fragestellung /Ziel der Arbeit

3. Methodik und Vorgehensweise
3.1. Datenquellen und Suchstrategie
3.2. Auswahl der Studien
3.3. Datenextraktion
3.4. Beurteilung der Qualität der Studien

4. Ergebnisse
4.1. Auswahl der eingeschlossenen Studien
4.2. Zusammenfassung der extrahierten Studien
4.2.1. Probanden
4.2.2. Interventionen
4.2.2.1. Arten, Dosierung und Ziele der Interventionen
4.2.2.2. Anleitung der Übungen, selbstständiges Üben und Betreuung der Probanden
4.2.3. Kontrollgruppen
4.2.4. Outcome Messungen
4.3. Bewertung der Studien nach der PEDRO-Skala
4.4. Effekte der Interventionen
4.4.1. Effekte auf Dyspnoe
4.4.2. Effekte auf Dyspnoe abhängigen Stress
4.4.3. Effekte auf forcierte exspiratorische Einsekunden- kapazität FEV1
4.4.4. Effekte auf körperliche Leistungsfähigkeit
4.4.5. Effekte auf die Lebensqualität

5. Diskussion
5.1. Zusammenfassung der Evidenz
5.2. Interpretation der Ergebnisse
5.2.1. Dyspnoe, Dyspnoe abhängiger Stress, FEV1
5.2.2. Körperliche Leistungsfähigkeit
5.2.3. Lebensqualität
5.3. Ergänzende Betrachtungen
5.3.1. Sicherheit
5.3.2. Ausführung der Yoga-Interventionen
5.3.3. Compliance
5.4. Limitationen der Arbeit

6. Fazit und Ausblick

7. Anhang: Abkürzungen und Begriffe

8. Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen

Grafik 1: Auswahl der Studien

Tabelle 1: Übersicht über die Probanden und Interventionen der untersuchten Studien

Tabelle 2: Übersicht der Interventionsprotokolle in den untersuchten Studien

Tabelle 3: Übersicht über die einbezogenen Outcome-Messungen der untersuchten Studien

Tabelle 4: Bewertung der Studien nach der PEDRO-Skala

Tabelle 5: Dyspnoe nach dem 6MWT (modifizierte Borg-Skala 0-10)

Tabelle 6: Dyspnoe abhängiger Stress (modifizierte Borg-Skala 0-10)

Tabelle 7: Forcierte exspiratorische Einsekundenkapazität (% vom Soll)

Tabelle 8: Sechs Minuten Gehtest (6MWT)

Tabelle 9: Muskelkraft

Tabelle 10: Fatigue

Tabelle 11: St. George Respiratory Questionnaire (SGRQ und SGRQ-C) Tabelle 12: COPD Assessment Test (CAT)

1. Zusammenfassung/ Summary

1.1. Zusammenfassung

Dyspnoe ist das vorherrschende Symptom bei der chronischen obstruktiven Lungen- erkrankung (chronic obstructive pulmonary disease, COPD), welches Einschränkungen der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität nach sich zieht. Aktuelle Forschungsarbeiten zeigen, dass Hatha-Yoga positive Wirkungen auf die Lungenfunktion bei Patienten mit COPD hat. Diese Arbeit gibt einen Überblick über die derzeitige Evi- denz zu Techniken des Yoga auf Dyspnoe, körperliche Leistungsfähigkeit und Lebens- qualität von Patienten mit COPD. Die Datenbanken Cochrane Library, Pubmed und PEDro wurden nach relevanten Studien durchsucht. Primäre Outcomes waren die Geh- strecke im 6 Minuten Gehtest (6MWT), die Beurteilung der Dyspnoe nach dem 6MWT anhand der Borg Skala, sowie Ergebnisse des St. George’s Respiratory Questionnaire (SGRQ und SGRQ-C)) und des COPD Assessment Test (CAT). Sieben randomisierte kon- trollierte Studien und eine Studie im Pre-Post-Design mit insgesamt 287 Patienten im Alter zwischen 48 und 87 Jahren mit mittlerer bis schwerer COPD erfüllten die Ein- schlusskriterien. Die Interventionen umfassten Atemübungen (Pranayama), körperliche Übungen (Asana), Meditation und Entspannung. Yoga verbesserte teilweise signifikant Dyspnoe, körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität anhand der untersuchten Outcomes. Somit kann es als einfache kostengünstige Maßnahme die pulmonale Reha- bilitation von COPD Patienten ergänzen.

Schlüsselwörter:

Chronische obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Dyspnoe, körperliche Leistungsfähigkeit, Lebensqualität, Yoga, Pranayama

1.2. Summary

Dyspnea is the most prevalent symptom in chronic obstructive pulmonary disease (COPD) and associated with decreased exercise tolerance and quality of life. Currently several studies show positive effects of yoga on dyspnea in the management of COPD. This review examines the evidence for the effectiveness of yoga-Interventions for releaving dyspnea and enhancing exercise tolerance and quality of life in COPD. Cochrane Library, Pubmed and PEDro databases were searched for relevant articles. Primary outcomes were 6MWD, Dyspnea (Borg scale), St. George’s Respiratory Ques- tionnaire (SGRQ und SGRQ-C)) and COPD Assessment Test (CAT). Seven randomized con- trolled trials and one pre-post design study involving 287 COPD patients (middle to se- vere) aged between 48 and 87 years fulfilled the inclusion criteria. Interventions com- prised pranayama, asana, surya namaskar, meditation and relaxation. Evidence suggested that yoga has a positive effect on limiting dyspnea and improving exercise tolerance and quality of life. It is cost effective and easy to implement in pul- monary rehabilitation.

Keywords:

chronic obstructive pulmonary disease, dyspnea, exercise tolerance, quality of life, yoga, pranayama

2. Hintergrund

2.1. COPD (Epidemiologie, Auswirkungen auf das Leben)

Die Chronische Obstruktive Lungenerkrankung (COPD, Chronic obstructive pulmonary disease) wird von der Leitlinie der deutschen Atemwegsliga definiert sie als eine Erkrankung, die verhindert und behandelt werden kann. Charakteristisch ist eine progrediente, nicht vollständig reversible Obstruktion der Atemwege. Häufig tritt sie in Verbindung mit einem Lungenemphysem auf. Verantwortlich für ihre Entstehung ist eine Entzündungsreaktion, die durch inhalierte Partikel oder Gase hervorgerufen wird. In den meisten Fällen ist Zigarettenrauch die Ursache (Vogelmeier et al., 2007).

Gegenwärtig ist die COPD mit steigender Prävalenz, Morbidität und Mortalität die vierthäufigste Todesursache weltweit. Die jährlichen Gesamtkosten der COPD in Deutschland werden derzeit auf 5,47 Milliarden Euro geschätzt (Vogelmeier et al., 2007). Patienten mit COPD leiden besonders unter Dyspnoe und damit einhergehender eingeschränkter körperlicher Leistungsfähigkeit (Kaminsky et al., 2017). Die bei COPD typische schnelle flache Atmung führt zur Ermüdung der respiratorischen Muskulatur. Hyperinflation senkt das Zwerchfell, verkürzt respiratorische Muskelfasern und führt so zu einer Einschränkung der Kontraktionsfähigkeit. Zudem wird der Gasaustausch ineffizient. Atemlosigkeit und Dyspnoe sind die Folge (Borge et al., 2014).

Zusätzliche Symptome sind Husten, Auswurf und wiederkehrende Atemwegsinfekte.

Häufig entstehen hieraus systemische Konsequenzen wie allgemeine Dekonditionierung, Muskelschwäche und Gewichtsverlust. Die verstärkte Rechtsherzbelastung kann zudem zu einem Cor pulmonale führen (Vogelmeier et al., 2007). Aufgrund der resultierenden reduzierten körperlichen Aktivität entstehen weitere Probleme wie soziale Isolation, emotionale Probleme und Depression, die die Lebensqualität zusätzlich beeinträchtigen (Gosselink et al., 2008).

2.2. Management und Therapie der COPD

Oberstes Ziel der Behandlung ist laut der KNGF Leitlinie zu COPD die Verbesserung der Lebensqualität durch Förderung von Aktivität und Partizipation. Neben Aufklärung und Schulung des Patienten kommen sowohl in Langzeittherapie als auch bei der Behand- lung akuter Exazerbationen Maßnahmen zur Reduktion von Atemnot, Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit und Sekretlösung der Atemwege zur Anwendung. (Gosselink et al., 2008).

Neben der Basistherapie gilt bei COPD-Patienten im fortgeschrittenen Stadium die Symptomkontrolle als primäres Ziel einer erfolgreichen Behandlung. Hierbei hat beson- ders die Kontrolle der Dyspnoe als das am stärksten belastende Symptom Einfluss auf die körperlichen Funktionen und die Lebensqualität (Abernethy, Uronis, Wheeler & Cur- row, 2009).

Eine der häufigsten evidenzbasierten Atemtechniken zur Kontrolle akuter Dyspnoe bei COPD Patienten ist die sogenannte „Lippenbremse“ PLB (pursed lip breathing,). Diese wird unter verlangsamter Ausatmung gegen den Druck der fast vollständig geschlossenen Lippen ausgeführt, wodurch ein Kollaps der Atemwege verhindert wird. In Kombination mit einer vorgebeugten und unterstützten Körperhaltung wird der Druck der Bauchwand erhöht, die Funktion der respiratorischen Muskulatur gefördert, und der Gebrauch akzessorischer Muskulatur reduziert (Abernethy et al., 2009).

Die deutsche Atemwegsliga empfiehlt neben der Ausschaltung von Risikofaktoren und einer medikamentösen Langzeittherapie Maßnahmen zur Patientenschulung und Ernährungsberatung, sowie Physiotherapie, insbesondere Atemtherapie und körper- liches Training (Vogelmeier et al., 2007). Ziele dieser Übungen sind die Förderung des kardiorespratorischen Systems, der Muskelkraft und Ausdauer sowie der Beweglichkeit. Hierdurch wird u.a. die Atemarbeit reduziert, Entspannung gefördert und das Atem- zugsvolumen vergrößert bei gleichzeitiger Verringerung der Atemfrequenz Gosselink et al. (2008)

Ergänzend kommen apparative Therapieoptionen sowie bei ausgeprägtem Lungen- emphysem operative Behandlungsmaßnahmen hinzu. Eine wichtige Komponente im Langzeitmanagement stellt die pulmonale Rehabilitation als zeitlich begrenzte komplexe Behandlungsmaßnahme dar (Vogelmeier et al., 2007). Diese dient der Verbesserung von körperlichen und psychischen Ressourcen von COPD Patienten und umfasst neben Atemtherapie ein aktives Training der Muskulatur, Patientenschulung und Maßnahmen zur Verhaltensänderung. (Ranjita, Hankey, Nagendra, & Mohanty, 2016).

2.3. Evidenz für Yoga als Therapiemethode

Vor etwa 3000 Jahren entstand Yoga in Indien als ein ganzheitlicher Weg der Lebens- führung zur Optimierung von physischem, mentalem und seelischem Wohlbefinden (Dalmann & Soder, 2016). Eine stark wachsende Zahl an Forschungsarbeiten zum Thema Yoga dokumentiert heute auch in Europa und den USA seine positiven Effekte auf die Gesundheit in verschiedensten Gebieten der Medizin. Als einige Beispiele seien muskuloskelettale Probleme, Depression, Krebs, Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf- und Lungen-Erkrankungen genannt (Cramer, 2015).

Die heute am häufigsten genutzte Form ist der Hatha-Yoga (Papp, Wändell, Lindfors, & Nygren-Bonnier, 2017). Seine wichtigsten Elemente sind Körperübungen (Asana), Atemübungen (Pranayama), sowie Entspannung und Meditation (Dalmann & Soder, 2016). Wesentlich dabei ist ein intern gerichteter mentaler Focus auf Atmung, Körperwahrnehmung und Energiegefühl (Ranjita et al., 2016). Weitere Bestandteile des Hatha Yoga sind gesunde Ernährung und positives Denken (Norweg Collins, 2013).

Im 19. Jahrhundert fanden insbesondere die Asanas Einzug in die westliche Welt (Taneja, 2014). Diese können sowohl für einige Sekunden bis Minuten ruhig gehalten, als auch dynamisch ausgeführt werden, indem der Übende sich mehrmals hintereinander in die Endposition hinein und wieder herausbewegt. Je nach Dauer, Geschwindigkeit und Intensität der Ausführung fördern Asanas somit Beweglichkeit, Kraft und Propriozeption (Srinivasan, 2016). Nach Liu et al. (2014) können Yoga-Übungen durch Entspannung der Brustmuskulatur die Lungen weiten und so die aerobe Ausdauer erhöhen, die Blutzirku- lation fördern, die Kraft der respiratorischen Muskulatur steigern und durch effiziente Nutzung der Atemhilfsmuskulatur eine tiefere Atmung ermöglichen.

Eine Sonderform der Asanas ist Surya Namaskar (Sonnengruß). Hierbei handelt es sich um eine Bewegungsabfolge aus 12 Asanas, die in wechselnder Reihenfolge Vor-und Rückbeugen enthält und vom Stehen bis in die Bauchlage und wieder zurückführt, wo- durch die Herz-Kreislauftätigkeit angeregt wird (Karthik, Chandrasekhar, Ambareesha, & Nikhil, 2014).

Entspannung (Shavasana) wird im Hatha Yoga meist am Ende einer Asana-Übungs- sequenz in Rückenlage für 10 bis 15 Minuten geübt. Hierbei wird die Muskulatur willentlich entspannt, während die Aufmerksamkeit auf verschiedene Körperwahrnehmungen gerichtet ist (Subramanya & Telles, 2009).

Pranayama besteht aus den drei Phasen "Puraka" (Einatmung), "Kumbhaka" (Anhalten des Atems) and "Rechaka" (Ausatmung), wobei die Übungen in der Betonung einzelner Aspekte sowie im Tempo der Ausführung variieren (Sharma et al., 2013). Bisherige Studien zeigten bei gesunden Probanden, dass sowohl schnell als auch langsam ausgeführte Atemübungen positive Wirkungen unter anderem auf das kardiovaskuläre System und die Lungenfunktion haben (Dinesh et al., 2015).

Meditation umfasst ein breites Spektrum an Techniken zur Fokussierung und Lenkung der Aufmerksamkeit, beispielsweise auf Körperwahrnehmungen, Betrachtung der Ge- danken oder des Atems. Abhängig von der Technik wurden bereits verschiedene positive Wirkungen auf die Gesundheit wissenschaftlich dokumentiert: Über einen längeren Zeit- raum praktiziert senkt sie beispielsweise Herzschlag- und Atemfrequenz, Sauerstoffver- brauch und Blutlaktatwerte und führt zu Verbesserung von Perzeption, Aufmerksamkeit und Kognition (Telles, Singh, Gupta, & Balkrishna, 2016). Ebenso werden Mechanismen zur Regulation von Emotion und Stress gefördert (Ranjita, Badhai, Hankey & Nagendra, 2016).

Im Yoga-Sutra definiert Patanjali Yoga als das „zur Ruhe bringen der Gedanken im Geist“. Bei Vollendung dieser Praxis durch Konzentration der Aufmerksamkeit auf ein kontempliertes Objekt löst sich das Ich-Bewusstsein auf und ein Zustand vollkommener Ruhe und reiner Erkenntnis (Samadhi) wird erreicht (Feuerstein, 2013).

Moderne Forschung löst Yoga aus seinem kulturell-spirituellen Hintergrund heraus, wodurch es auch für westliche Menschen ohne Zugang zur traditionellen Yoga- Philosophie leicht zugänglich wird (Cramer, 2015). Gleichzeitig wird in der heutigen na- turwissenschaftlich geprägten Medizin verstärkt nach Ansätzen gesucht, die körperliche, geistige und seelische Anteile des Menschen beachten und die Potentiale und Res- sourcen des einzelnen Patienten zu nutzen vermögen (Dalmann & Soder 2016). Yoga kann hierzu sowohl in Form ganzheitlicher, auf traditionellen Yoga-Techniken auf- bauender Programme seinen Beitrag leisten, als auch durch eine Integration einzelner Elemente des Yoga in andere Therapieverfahren. Häufig wird im angloamerikanischen Sprachraum Yogatherapie in Einzel- statt in Gruppensettings angewandt, die vorhan- dene Studienlage deutet aber darauf hin, dass dies nicht essentiell ist. Ebenso wenig scheint die Yogatherapie nach heutigem Forschungsstand an eine bestimmte Yogaform gebunden zu sein (Cramer, 2015).

Nach Santaella et al. (2011) geht bereits der normale physiologische Alterungsprozess mit einer Abnahme der Lungenfunktion einher. In einer randomisierten kontrollierten Untersuchung wiesen sie nach, dass bestimmte Yoga Atemübungen (Bhastrika), über vier Monate die Lungenfunktion und die Kraft der inspiratorischen und exspiratorischen Muskulatur bei gesunden älteren Menschen signifikant verbessern können. In vielen Programmen zu pulmonaler Rehabilitation ist Yoga bereits ein fester Bestand- teil der Übungstherapie (Ranjita, Badhai et al., 2016). Eine Studie von Vempati, Bijlani und Deepak (2009) zeigte, dass die Kombination aus Yoga Körperübungen, Pranayama und Meditation auf verschiedene Parameter der Lungenfunktion bei Patienten mit mil- dem bis moderatem Asthma bronchiale positive Auswirkungen hat und die Broncho- konstriktion verringert. Zudem verbesserte Yoga die Lebensqualität (quality of life, QOL) und reduzierte den Bedarf an Notfall- und Langzeit- Medikation stärker als konventionel- le Therapie allein. Mittlerweile wird Yoga zur Behandlung von Asthma weltweit immer populärer. Als ganzheitliche Therapie hat Yoga dabei das Potential, sowohl physische als auch psychologische Leiden bei Asthma zu lindern (Yang et al., 2016). Erste Ergebnisse aus Untersuchungen in Form von Patientenbefragungen zur Anwen- dung eines Yoga-Programmes bei COPD Patienten wurden bereits 1978 von Tandon ver- öffentlicht. Nach einer elfmonatigen Interventionszeit zeigte sich eine erhöhte körper- liche Leistungsfähigkeit, schnellere Erholung nach körperlicher Anstrengung, bessere Kontrolle akuter Dyspnoe und verbesserte Sputum-Elimination im Vergleich zu konven- tioneller Physiotherapie.

In der aktuellen Forschung hat sich Yoga in verschiedenen Untersuchungen zum Krank- heitsbild der COPD bewährt: Nach einer Untersuchung von Pomidori, Campigotto, Amatya, Bernardi und Cogo (2009) konnte bereits eine einmalige Anwendung von Yoga- basierten Atemtechniken bei COPD Patienten zu einem tieferen und langsameren Atemmuster während der Übung führen und die Blut-Sauerstoffsättigung signifikant verbessern. Die Übungen waren darauf ausgerichtet, das Zwerchfell und den Brustkorb zu mobilisieren und zeigten eine gute Verträglichkeit ohne Steigerung der Dyspnoe. Borge, Hagen, Mengshoel, Omenaas, Moum und Wahl (2014) wiesen in einer Über- sichtsarbeit zu unterschiedlichem respiratorischem Muskeltraining bei COPD positive Effekte von Yoga-Atemübungen auf die Lebensqualität nach. Lorenc, Wang, Madge, Hu, Mian und Robinson (2014) fanden in ihrer Übersichtsarbeit zu meditativer Bewegung für COPD Patienten eine Verbesserung der forcierten exspiratorischen Einsekundenkapazi- tät (FEV1) durch Yoga. Liu et al. (2014) verglichen unterschiedliche Ansätze zu Yoga- Training bei COPD Patienten und fanden Verbesserungen der FEV1 und der Gehstrecke im 6 Minuten Gehtest (6MWD).

Diese Beispiele zeigen die vielfältigen Therapiemöglichkeiten des Yoga und ihre positi- ven Wirkungen auf verschiedene Aspekte der COPD. Methoden zur Entspannung, Kör- perübungen, Atemübungen, sowie deren Kombination bilden hierbei facettenreiche the- rapeutische Möglichkeiten, die als Ergänzung zu bisherigen Therapiestandards dienen können (Taneja, 2014).

2.4. Messung von Dyspnoe, körperlicher Leistungsfähigkeit und Lebensqualität bei COPD

Nach Norweg und Collins (2013) zeigte sich in bisherigen Untersuchungen, dass Dyspnoe ein besserer Prädiktor für Mortalität ist, als die Ergebnisse einer Messung der FEV1. Die American Thoracic Society’s (ATS) 2012 Leitlinie unterteilt Dyspnoe in drei Hauptkom- ponenten: sensorische perzeptuelle Wahrnehmung, affektiven Stress und Symptom- bedingte Einschränkung bzw. Belastung. Diese komplexen Zusammenhänge können nur durch die subjektive Beurteilung des Patienten sinnvoll erfasst werden (Norweg & Collins, 2013). Bei chronischen Lungenerkrankungen hat sich hierzu unter anderem die Borg Skala etabliert (Ries, 2005). Da Dyspnoe zudem stark beeinflusst wird durch negative Gefühle, Angst und Stress, muss auch die affektive Komponente evaluiert werden (Norweg & Collins, 2013), weshalb auch der Dyspnoe-abhängige Stress in dieser Arbeit aufgenommen werden soll.

Zur Erfassung der körperlichen Leistungsfähigkeit stellt die Gehgeschwindigkeit eine Screening Methode dar, die zusätzlich zur Lungenfunktion von weiteren systemischen Effekten der COPD abhängig ist. Im Sechs-Minuten-Gehtest (6MWT) können mit ihr durch die erreichte Wegstrecke (6MWD, 6-minutes walk distance) klinisch relevante Bezugspunkte zur Aussage über die Veränderung des Leistungsstandes bei COPD Patienten festgelegt werden (Karpman & Benzo, 2014).

Lebensqualität (Quality of life, QOL) ist ein Konzept, das sehr unterschiedliche Aspekte des individuellen Erlebens in sich vereint, beispielsweise gesundheitsbezogene, krank- heitsspezifische oder globale Lebensqualität (Borge et al., 2014). Diese Übersichtsarbeit bezieht sich zur Erfassung der Lebensqualität auf Ergebnisse des St. George’s Respiratory Questionnaire (SGRQ und SGRQ-C)) und des COPD Assessment Test (CAT). Der St. George’s Respiratory Questionnaire (SGRQ) ist ein für Patienten mit Atemwegserkran- kungen validierter Fragebogen zur Lebensqualität. Er gliedert sich in die drei Hauptkom- ponenten Symptoms“, „Activity“ und „Impacts“ (Donesky, Selman, McDermott, Citron, & Howie-Esquivel, 2017). Die „Symptoms“- Komponente bezieht sich auf Schweregrad und Häufigkeit von Symptomen des Atmungssystems. „Activity“ beschreibt Tätigkeiten, die Atemlosigkeit hervorrufen oder von ihr limitiert werden. Unter „Impacts“ werden verschiedene durch Atemwegserkrankungen eingeschränkte Aspekte der sozialen Inter- aktion und Psychologie erfasst (Fulambarker, Farooki, Kheir, Copur, Srinivasan & Schultz, 2012). Eine COPD-spezifische validierte Version stellt der SGRQ-C dar, wobei die Scores zur Originalfassung äquivalent sind. (Meguro, Barley, Spencer & Jones, 2007)

Der COPD Assessment Test (CAT) stellt ein valides, reliables und standardsisiertes Messinstrument zur Erfassung des Einflusses der COPD auf Gesundheit und Wohlbefinden dar (Ranjita, Badhai et al., 2016). Nach Gupta, Pinto, Morogan und Bourbeau, (2014) stellt er die gesundheitsbezogene Lebensqualität dar und gibt die Ansprechbarkeit auf Behandlungseffekte bei COPD Patienten wieder.

2.5. Fragestellung /Ziel der Arbeit

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur Wir- kung unterschiedlicher Techniken des Yoga auf Dyspnoe, körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität bei Patienten mit COPD zu geben. Die Studien werden in Bezug auf Probanden, Interventionen, Kontrollgruppen und Messung der Outcomes miteinander verglichen.

3. Methodik und Vorgehensweise

3.1. Datenquellen und Suchstrategie

Die Datenbanken Cochrane Library, Pubmed und PEDro wurden mit den folgenden Schlagwörtern in verschiedenen Kombinationen durchsucht:

Yoga, yogatherapy, yogatherapy techniques [MeSH], COPD, chronic pulmonary disease, COLD, chronic lung disease, [MeSH], breathing exercise, pranayam, pranayama [MeSH], asana, yogasana, yogasan [MeSH].

Die Suche wurde begrenzt auf Veröffentlichungen zwischen 2005 und 2017 in Deutsch oder Englisch. Alle potentiell relevanten Artikel einschließlich Reviews und Meta-Ana- lysen wurden in die Vorauswahl mit aufgenommen um die Literaturverzeichnisse auf zusätzliche relevante Veröffentlichen zu untersuchen.

3.2. Auswahl der Studien

Die Auswahl erfolgte nach folgenden Einschlusskriterien:

Population:

Um einen möglichst umfassenden Überblick über den derzeitigen Forschungsstand zu erhalten, waren Patienten mit COPD aller Schweregrade in die Erhebung eingeschlossen. Begleiterkrankungen und Altersdifferenzierung stellten keine Erhebungsparameter dar.

Intervention:

Die berücksichtigten Yoga-Techniken umfassten Übungen jeder Tradition in Form von Asanas, Pranayama sowie mit Asanas und Pranayama kombinierte Techniken und Kombinationen mit anderen Behandlungen.

Kontrollgruppe:

Eingeschlossen in die Übersichtsarbeit wurden randomisierte kontrollierte Studien mit Vergleichen zu jeder möglichen Kontrollintervention (andere Übungstherapie, usual care, Warteliste), ebenso Studien ohne Kontrollgruppe, die Vergleiche aus Pre-und Post- Tests anstellten.

Outcome:

Primäre Outcomes waren die Gehstrecke im Sechs-Minuten Gehtest (6MWD) zur Beurteilung der körperlichen Leistungsfähigkeit, die Beurteilung der Dyspnoe nach dem Sechs-Minuten-Gehtest (6 MWT) anhand der Borg Skala, sowie Ergebnisse des St. George’s Respiratory Questionnaire (SGRQ und SGRQ-C)) und des COPD Assessment Test (CAT) zur Erfassung der Lebensqualität.

Als Sekundäre Outcomes wurden die forcierte exspiratorische Einsekundenkapazität (FEV1) in Prozent vom Sollwert, Muskelkraft, sowie Messungen mithilfe der Borg-Skala zu Dyspnoe-abhängigem Stress und Fatigue definiert.

3.3. Datenextraktion

Name der Autoren, Veröffentlichungsjahr, Einschlusskriterien der Studie, Anzahl, Geschlechterverteilung und Alter der Probanden je Gruppe, sowie Art, Häufigkeit und Dauer der Intervention wurden so genau wie möglich aus der Studienbeschreibung übernommen und wiedergegeben (siehe Tabelle 1). Die Outcome Messungen wurden in einer separaten Tabelle zusammengefasst (siehe Tabelle 3). Eine genaue Auflistung der Yoga-Interventionsprotokolle findet sich in Tabelle 2.

3.4. Beurteilung der Qualität der Studien

Zur genaueren Einschätzung der Aussagekraft der Studien wurden die randomisierten kontrollierten Studien nach PEDRO (Morton, 2009) hinsichtlich ihrer Güte beurteilt (siehe Tabelle 3). Wenn in der Beschreibung keine explizite Angabe zu einem item gemacht wurde, wurde dies mit 0 bewertet.

4. Ergebnisse

4.1. Auswahl der eingeschlossenen Studien

Nach der Überprüfung der Titel und Abstracts wurden acht relevante Studien in die Übersichtsarbeit eingeschlossen. Grafik 1 zeigt das Vorgehen bei der Auswahl. Zwei Veröffentlichungen (Ranjita, Badhai et al., 2016 und Ranjita, Hankey et al., 2016) beziehen sich dabei auf dieselbe Studie, stellen jedoch unterschiedliche Messungen vor und wurden daher beide in die Übersichtsarbeit aufgenommen.

Grafik 1: Auswahl der Studien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.2. Zusammenfassung der extrahierten Studien

4.2.1. Probanden

Die ausgewählten Studien schlossen insgesamt 287 Patienten in einem Alter zwischen 48 und 87 Jahren ein. Die Gesamtzahl der Patienten, die eine Yoga-Intervention er- hielten, war hierbei 164. 123 Probanden dienten als Kontrollgruppe. Eine Studie im PrePost Design besaß keine Kontrollgruppe (Fulambarker et al., 2012).

Die Anzahl der Probanden war in der Studie von Donesky et al. (2017) mit 15 Personen am geringsten, bei Ranjita, Badhai et al. (2016), bzw. Ranjita, Hankey et al. (2016) mit 72 Personen am höchsten.

In allen Studien waren die Gruppen hinsichtlich Durchschnittsalter, Geschlechtervertei- lung und Schweregrad der Erkrankung mit der jeweiligen Kontrollgruppe vergleichbar. Die Patienten von Gupta, Gupta, Sood und Arkham (2014) und Ranjita, Hankey et al. (2016) waren mit einem Durchschnittsalter von 52,5 bzw. 53,7 Jahren um ca. 20 Jahre jünger als die Patienten der anderen Studien. Während es sich bei den meisten Proban- den um ehemalige Raucher handelte, arbeiteten Ranjita, Hankey et al. (2016) mit ehe- maligen Kohlebergbau-Arbeitern. Ein aktueller Tabakkonsum galt in allen Studien als Ausschlusskriterium.

Die Krankheitsbilder der einzelnen Studien unterschieden sich hinsichtlich des Schwere- grades der COPD und Komorbiditäten. Die niedrigsten Ausgangswerte der FEV1 hatten die Probanden bei Kaminsky et al. (2017) mit 43% ± 16 % (Interventionsgruppe) bzw. 42% ± 13% (Kontrollgruppe) vom Normwert, während die Probanden von Gupta et al. (2014) Werte von 51,2% ± 8,7% (Interventionsgruppe) bzw. 49,6% ± 8,6% (Kontroll- gruppe) erreichten. Die Patienten von Donesky et al. (2017) litten zusätzlich an einer Herzinsuffizienz der NYHA-Stufe I-III.

Tabelle 1: Übersicht über die Probanden und Interventionen der untersuchten Studien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

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Details

Titel
Die Wirkung von Yoga auf Dyspnoe, körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität bei Patienten mit COPD
Untertitel
Ein Literaturreview
Hochschule
SRH Hochschule Heidelberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
49
Katalognummer
V439401
ISBN (eBook)
9783668797338
ISBN (Buch)
9783668797345
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chronische obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Dyspnoe, Lebensqualität, Yoga, Pranayama, Asanas, Yogatherapie, COPD
Arbeit zitieren
Marcia Kasparbauer (Autor), 2018, Die Wirkung von Yoga auf Dyspnoe, körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität bei Patienten mit COPD, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/439401

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