Durch diese Arbeit soll ein detaillierter und vergleichender Blick auf die Kommunalaufsichtsregime in zwei Bundesländern gerichtet werden, da die bisherigen Ansätze in der Literatur den Rechtsrahmen vergleichsweise oberflächlich vergleichen und zudem überwiegend auf die Entwicklung neuer Lösungsansätze verzichten. In den Vergleichsländern ist die Kommunalaufsicht jeweils dreistufig aufgebaut und den Behörden stehen repressive sowie präventive Aufsichtsmittel zur Verfügung, um ihre gesetzlich festgelegten Aufgaben zu erfüllen.
Diese Aufgaben sind namentlich in der Ausübung der Wächter- sowie der Schutzfunktion zu sehen und erstrecken sich ebenso auf die Kontrolle des haushaltswirtschaftlichen Handelns der Gemeinden. Der umfangreichste Teil der Arbeit behandelt den Vergleich der aufsichtsrechtlichen Mittel, welche den Behörden zur Verfolgung ihrer Ziele zur Verfügung stehen. Im Zuge des Vergleichs kann insbesondere konstatiert werden, dass Bayern im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen weitaus umfangreichere Genehmigungsvorbehalte in der Gemeindeordnung normiert, während Nordrhein-Westfalen stattdessen auf ein sanktionierendes Haushaltssicherungskonzept setzt. Zudem konnte bundeslandübergreifend festgestellt werden, dass der Einsatz repressiver Aufsichtsmittel lediglich nachrangig und zögerlich erfolgt und insofern von einer Kultur der Nichtanwendung gesprochen werden kann.
Die Analyse identifiziert sodann verschiedene Schwächen des Rechtsrahmens und zeigt auf, inwiefern die Kommunalaufsichtsbehörden durch die bestehenden Regeln an einer effektiven Aufgabenwahrnehmung gehindert werden. Hauptsächlicher Kritikpunkt ist dabei die Wahrnehmung der Wächter- sowie die Schutzfunktion durch die identische Behörde. Der Funktionsdualismus sorgt insofern für unklare Verantwortlichkeiten, da die Kommunalaufsicht regelmäßig zwei unterschiedlichen Anforderungsgedanken entsprechen muss und dadurch keine eindeutige Identität entwickeln kann.
Somit stellt der Funktionsdualismus auch eine sinnige Erklärung für die in der Praxis zu beobachtenden unterschiedlichen Aufsichtsphilosophien zwischen Aufsichtsbehörden dar. Stellt die Bewertung quasi die Diagnose dar, so sind in den anschließend vorgetragenen Lösungsansätzen Therapiemöglichkeiten zur Behebung der konstatierten Schwächen zu sehen. Die Formulierung von Lösungsansätzen unterscheidet die vorliegende Masterarbeit maßgeblich von weiten Teilen der bisherigen Literatur und stößt damit in eine klaffende Lücke.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Stand der Literatur und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Fallauswahl und Vorgehen
2 Zur kommunalen Verschuldung
2.1 Interdependente Ursachenbündel kommunaler Haushaltsdefizite
2.1.1 Exogene Ursachen kommunaler Haushaltsdefizite
2.1.2 Endogene Ursachen kommunaler Haushaltsdefizite
2.2 Opferthese versus Verschwendungsthese
3 Unentbehrlichkeit eines Regimes der finanziellen Kontrolle
3.1 Grundsätzliche Bedeutung der Kontrolle
3.2 Unzulänglichkeiten der marktlichen Kontrolle
3.2.1 Nicht-existenter Eigenkapitalmarkt
3.2.2 Wenig disziplinierender Fremdkapitalmarkt
3.2.3 Wenig disziplinierender Absatzmarkt
3.3 Unzulänglichkeiten der Kontrolle durch die Wähler
3.3.1 Ambivalente Interessen des Wählers
3.3.2 Wahlparadoxon (paradox of voting)
3.4 Implikationen des Konnexitätsprinzips
4 Akteure der finanziellen Kontrolle von Kommunen
4.1 Örtliche Prüfung
4.2 Überörtliche Prüfung
4.3 Kommunalaufsicht
4.3.1 Staatliche Aufsicht in Abhängigkeit der wahrgenommenen Aufgaben
4.3.2 Organisatorische Ansiedlung
4.3.3 Wesen der Kommunalaufsicht
4.3.4 Funktionen und Instrumente der Kommunalaufsicht
4.3.4.1 Repressive Aufsichtsmittel
4.3.4.2 Präventive Aufsichtsmittel
5 Kommunalaufsicht im Vergleich der Bundesländer Bayern und Nordrhein-Westfalen
5.1 Zum Begriff der Effektivität
5.2 Organisatorische Ansiedlung und Aufgabenspektrum
5.2.1 Organisatorische Ansiedlung der Kommunalaufsicht
5.2.2 Aufgabenspektrum
5.3 Aufsichtsrechtliche Mittel in Bayern und Nordrhein-Westfalen
5.3.1 Informations-/Unterrichtungsrecht
5.3.2 Beanstandungs- und Aufhebungsrecht
5.3.3 Anordnungsrecht
5.3.4 Recht der Ersatzvornahme
5.3.5 Bestellung eines Beauftragten und der beratende Sparkommissar
5.3.5.1 Bestellung eines Beauftragten
5.3.5.2 Der beratende Sparkommissar
5.3.6 Auflösung der Vertretungskörperschaft
5.3.7 Vorzeitige Beendigung der Amtszeit des Bürgermeisters
5.3.8 Beratung
5.3.9 Anzeige- und Vorlagepflichten
5.3.9.1 Haushaltssatzung
5.3.9.2 Kreditähnliche Rechtsgeschäfte
5.3.10 Genehmigungsvorbehalte und Zulassung von Ausnahmen
5.3.10.1 Kreditähnliche Rechtsgeschäfte
5.3.10.2 Gesamtgenehmigung des Gesamtbetrags der vorgesehenen Kreditaufnahmen für Investitionen und Investitionsförderungsmaßnahmen
5.3.10.3 Einzelgenehmigung bei Kreditbeschränkungen nach dem StWG
5.3.10.4 Genehmigungsvorbehalte bezüglich der Kassenkredite
5.3.10.5 Gesamtgenehmigung des Gesamtbetrags der Verpflichtungsermächtigungen
5.3.10.6 Genehmigung eines Haushaltssicherungskonzeptes
5.4 Tatsächliche Anwendung der Aufsichtsmittel
5.4.1 Wenig restriktiver Mitteleinsatz
5.4.2 Divergierende Aufsichtspraxis
5.5 Zusammenfassung
5.6 Bewertung
5.6.1 Bewertungskriterien
5.6.2 Unklare Verantwortlichkeiten
5.6.3 Geeignetheit der präventiven Aufsichtsinstrumente
5.6.4 Durchsetzbares Sanktionspotenzial
6 Erarbeitung von Lösungsansätzen
6.1 Zur Notwendigkeit neuer Lösungsansätze
6.2 Zugrundeliegende Kriterien
6.3 Lösungsansätze
6.3.1 Trennung von Wächter- und Schutzfunktion
6.3.2 Rotation des Aufsichtspersonals
6.3.3 Punktuelle Erweiterung der Genehmigungsvorbehalte sowie des Haushaltssicherungskonzeptes
6.3.3.1 Erweiterungen in Bayern
6.3.3.2 Erweiterungen in Nordrhein-Westfalen
6.3.4 Normierung eines Publikationsrechtes
7 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Effektivität der Kommunalaufsicht in den Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen als Teil der institutionalisierten finanziellen Kontrolle von Kommunen, um Schwächen im aktuellen Rechtsrahmen zu identifizieren und neue Lösungsansätze zur Steigerung der Aufsichtseffektivität zu entwickeln.
- Vergleich der organisatorischen Ansiedlung und des Aufgabenspektrums der Kommunalaufsicht.
- Gegenüberstellung und Bewertung der verschiedenen aufsichtsrechtlichen Instrumente in Bayern und Nordrhein-Westfalen.
- Identifikation von Faktoren, die eine effektive Aufgabenwahrnehmung der Kommunalaufsicht behindern (Funktionsdualismus).
- Entwicklung von Lösungsansätzen, insbesondere durch Funktionstrennung, Personalrotation und Anpassung von Genehmigungsvorbehalten.
Auszug aus dem Buch
Unentbehrlichkeit eines Regimes der finanziellen Kontrolle
Aus den soeben angeführten Gründen soll im folgenden Kapitel aus einer ökonomischen Perspektive heraus erörtert werden, weshalb eine institutionalisierte Form der finanziellen Kontrolle von Kommunen unerlässlich ist. Generell besteht die Notwendigkeit effektive Vorkehrungen zu treffen, welche die Gesamtheit der Bürger vor im ungünstigsten Falle ausschließlich eigennutzorientierten Politikern und Bürokraten bewahrt. Jene beiden Gruppen können durch ihr dadurch motiviertes Handeln das Gebot der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit wiederkehrend verletzten und somit zu ineffizientem Haushaltsgebaren beitragen. Durch Ausschlussverfahren manifestiert sich dabei die zentrale Bedeutung eines institutionalisierten Systems der finanziellen Kontrolle zur Erreichung dieses Ziels, denn so stellen sich einerseits marktliche Kontrolle wie auch Kontrolle durch den Wähler als entweder faktisch nicht existent beziehungsweise unzulänglich dar. Zudem suggeriert die Ausgestaltung des Konnexitätsprinzips die Etablierung eines Systems der finanziellen Kontrolle der Kommunen durch das finanzierende Bundesland (vgl. Glöckner/Mühlenkamp 2009, S. 398). Zunächst werden jedoch grundsätzliche Bedeutung und Funktionen von Kontrolle näher beleuchtet und selbige in den Managementzyklus der kommunalen Ebene eingeordnet. Dies soll verdeutlichen, an welchen Stellen Kontrolle Wirkung entfalten kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der kommunalen Aufsicht ein, identifiziert eine Forschungslücke in der detaillierten vergleichenden Analyse von Aufsichtsregimen und definiert das Ziel der Arbeit sowie das qualitative methodische Vorgehen.
2 Zur kommunalen Verschuldung: Das Kapitel kategorisiert die Ursachen für kommunale Haushaltsdefizite in exogene und endogene Faktoren und beleuchtet die konträren Positionen der Opfer- und der Verschwendungsthese.
3 Unentbehrlichkeit eines Regimes der finanziellen Kontrolle: Es wird ökonomisch begründet, warum eine institutionalisierte Kontrolle notwendig ist, da marktliche Mechanismen und die Kontrolle durch Wähler als unzureichend identifiziert werden.
4 Akteure der finanziellen Kontrolle von Kommunen: Hier werden die Akteure des institutionalisierten Kontrollsystems – örtliche Prüfung, überörtliche Prüfung und Kommunalaufsicht – sowie deren Funktionen und Instrumente systematisch vorgestellt.
5 Kommunalaufsicht im Vergleich der Bundesländer Bayern und Nordrhein-Westfalen: Der Hauptteil der Arbeit bietet einen detaillierten Rechtsvergleich der Aufsichtsregime beider Länder, analysiert die praktische Anwendung der Mittel und bewertet deren Effektivität anhand definierter Kriterien.
6 Erarbeitung von Lösungsansätzen: Auf Basis der vorangegangenen Analyse werden konkrete organisatorische und instrumentelle Verbesserungsvorschläge zur Steigerung der Effektivität der Kommunalaufsicht entwickelt.
7 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, wobei die Notwendigkeit eines Kulturwandels und die Implementierung vorgeschlagener Lösungsansätze zur Stärkung der Aufsicht hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Kommunalaufsicht, Haushaltsdefizit, Kommunalverschuldung, Finanzielle Kontrolle, Rechtsvergleich, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Haushaltskonsolidierung, Präventive Aufsichtsmittel, Repressive Aufsichtsmittel, Kassenkredite, Haushaltsicherungskonzept, Effektivität, Selbstverwaltung, Konnexitätsprinzip
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit primär?
Die Arbeit untersucht das Handeln und die Effektivität der Kommunalaufsicht als Teil der institutionalisierten finanziellen Kontrolle in den Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen, um die Verschuldung von Kommunen besser zu verstehen und zu bekämpfen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Ursachen kommunaler Verschuldung, die Notwendigkeit staatlicher Kontrolle, die Akteure dieses Kontrollsystems sowie ein detaillierter Rechtsvergleich der Aufsichtsregime.
Welches Hauptziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Schwächen in den Aufsichtsregimen zu identifizieren, die eine effektive Arbeit der Kommunalaufsicht behindern, und darauf aufbauend konkrete Lösungsansätze zur Effektivitätssteigerung zu erarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt ein qualitatives Vorgehen in Form eines Rechtsvergleichs der kommunalaufsichtlichen Regimes in Bayern und Nordrhein-Westfalen, ergänzt durch eine ökonomische Perspektive auf die Kontrollmechanismen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil erfolgt der detaillierte Vergleich von Aufgaben, organisatorischer Ansiedlung und Instrumenten (z.B. Beanstandungsrechte, Genehmigungsvorbehalte) sowie die Bewertung der Aufsichtspraxis anhand spezifischer Kriterien.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe sind Kommunalaufsicht, Haushaltskontrolle, Finanzrecht, Verschuldungsursachen, Rechtsvergleich, Verwaltungseffektivität, Haushaltskonsolidierung und kommunale Selbstverwaltung.
Warum wird der Funktionsdualismus als problematisch angesehen?
Der Funktionsdualismus bedeutet, dass dieselbe Behörde sowohl die Wächter- als auch die Schutzfunktion innehat; dies führt zu unklaren Verantwortlichkeiten, da die Aufsicht zwischen sanktionierender Kontrolle und beratender Unterstützung hin- und hergerissen ist.
Wie unterscheidet sich die Genehmigungspraxis bei kreditähnlichen Geschäften?
In Bayern bedürfen kreditähnliche Rechtsgeschäfte einer Einzelgenehmigung durch die Aufsicht, während in Nordrhein-Westfalen lediglich eine Anzeigepflicht besteht.
Was schlägt der Autor zur Verbesserung der Aufsichtseffektivität vor?
Zu den Vorschlägen zählen die organisatorische Trennung von Wächter- und Schutzbehörden, eine verpflichtende Rotation des Aufsichtspersonals sowie die punktuelle Erweiterung von Genehmigungsvorbehalten und die Einführung eines Publikationsrechts für die Aufsicht.
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- Maximilian Eckhardt (Autor), 2017, Die Kommunalaufsicht als Teil der institutionalisierten finanziellen Kontrolle von Kommunen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/439408