Das Zeitalter der Aufklärung war für die heutige Pädagogik eines der bedeutsamsten Jahrhunderte, weshalb es auch das pädagogische Jahrhundert genannt wird. Wilhelm von Humboldt und Johann Friedrich Herbart zählen zu den berühmtesten Vertretern der Pädagogik. Humboldt und Herbart lebten nicht nur beide im Zeitalter der Aufklärung, sondern sie verfassten auch unterschiedliche Bildungstheorien, weshalb es sehr interessant ist, diese miteinander zu vergleichen. Doch bevor die Theorien miteinander verglichen werden können, muss zunächst der Hintergrund dieser Theorien durchleuchtet werden. Das heißt, zuerst muss geklärt werden, warum das Zeitalter der Aufklärung auch pädagogisches Jahrhundert genannt wird und vor allem, wodurch dieses Jahrhundert geprägt ist. Wie sah es mit der Pädagogik vor dem Zeitalter der Aufklärung aus und was hat sich im Zeitalter der Aufklärung geändert? Anschließend folgt der direkte Vergleich von Wilhelm von Humboldt und Johann Friedrich Herbart. Hier müssen zuerst beide unterschiedlichen Theorieansätze mit ihren Begrifflichkeiten erörtert werden. Als Vergleichsgrundlage dient das Werk „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“ (1792) und „Theorie der Bildung des Menschen“ (1793/1794) von Wilhelm von Humboldt und verschiedene Werke von Johann Friedrich Herbart. Nach der Auseinandersetzung mit den beiden Bildungstheorien Humboldts und Herbarts werden zum Schluss noch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Theorien herausgefiltert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Exkurs: Das pädagogische Jahrhundert
3. Bildung nach Humboldt
3.1. „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“
3.1.1. Kraft
3.1.2. Höchste und proportionierlichste Bildung der Kräfte zu einem Ganzen
3.1.3. Freiheit
3.1.4. Mannigfaltigkeit der Situationen
3.2. „Theorie der Bildung des Menschen“
3.3. Die Bedeutsamkeit der Sprache
4. Bildung nach Herbart
4.1. Die Regierung
4.2. Der Unterricht
4.2.1. Der „Erziehende Unterricht“
4.2.2. Drei weitere Unterrichtsformen
4.3. Die Zucht
5. Der Vergleich zwischen Wilhelm von Humboldt und Johann Friedrich Herbart
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Bildungstheorien von Wilhelm von Humboldt und Johann Friedrich Herbart zu analysieren und kritisch miteinander zu vergleichen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrem pädagogischen Denken herauszuarbeiten.
- Historischer Kontext der Aufklärung als "pädagogisches Jahrhundert"
- Humboldts Theorie der Selbstbildung, Kraft und Sprache
- Herbarts System der Regierung, des Unterrichts und der Zucht
- Vergleichende Analyse der Konzepte von Bildsamkeit und individueller Entfaltung
Auszug aus dem Buch
3.1. „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“
In „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“ definiert Humboldt den wahren Zweck des Menschen:
„Der wahre Zweck des Menschen- nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt- ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen. Zu dieser Bildung ist die Freiheit die erste, und unerlassliche Bedingung. Allein ausser der Freiheit erfordert die Entwikkelung der menschlichen Kräfte noch etwas andres, obgleich mit der Freiheit eng verbundenes, Mannigfaltigkeit der Situationen“ (Flitner/Giel 2010, Band I, S.64).
In diesem Zitat wird deutlich, dass vor allem vier zentrale Termini entscheidend sind: die Bildung der Kraft, „die höchste und proportionierlichste Bildung dieser Kräfte zu einem Ganzen“, Freiheit und „Mannigfaltigkeit der Situationen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das pädagogische Jahrhundert und skizziert die Fragestellung für den Vergleich der Theorien von Humboldt und Herbart.
2. Historischer Exkurs: Das pädagogische Jahrhundert: Dieses Kapitel erläutert den gesellschaftlichen Wandel vom Absolutismus zur Aufklärung und die damit verbundene Neuentdeckung der Kindheit.
3. Bildung nach Humboldt: Es werden Humboldts zentrale Bildungsbegriffe, seine Theorie der Kraft, die Rolle der Freiheit sowie die Bedeutung der Sprache detailliert dargelegt.
4. Bildung nach Herbart: Hier erfolgt eine Analyse der Herbartschen Instrumente der Erziehung: Regierung, Unterricht und Zucht.
5. Der Vergleich zwischen Wilhelm von Humboldt und Johann Friedrich Herbart: Dieses Kapitel führt die pädagogischen Prinzipien beider Denker zusammen und arbeitet ihre Divergenzen und Übereinstimmungen heraus.
6. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Reflexion über die Bedeutung der Theorien und einem Ausblick auf weiterführende Fragestellungen.
Schlüsselwörter
Aufklärung, Pädagogik, Wilhelm von Humboldt, Johann Friedrich Herbart, Bildungstheorie, Selbstbildung, Erziehender Unterricht, Kraft, Bildsamkeit, Freiheit, Regierung, Zucht, Individualität, Menschenbildung, Vernunft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Bildungstheorien der bedeutenden Pädagogen Wilhelm von Humboldt und Johann Friedrich Herbart im Kontext des Zeitalters der Aufklärung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Konzepte der Selbstbildung, die Rolle von Staat und Gesellschaft, die Bedeutung von Sprache sowie die erzieherischen Methoden (Unterricht und Zucht).
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die pädagogischen Ansätze beider Theoretiker durch einen direkten Vergleich kritisch gegenüberzustellen und deren Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zu explizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturtheoretische Analyse, die auf der kritischen Auseinandersetzung mit Primärquellen und fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die individuelle Darstellung von Humboldts Bildungsideen und Herbarts Systematik der Erziehung, gefolgt von einem direkten Vergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Aufklärung, Bildung, Selbstbildung, Erziehender Unterricht, Kraft, Bildsamkeit und Charakterstärke.
Warum spielt die Sprache bei Humboldt eine so wichtige Rolle?
Für Humboldt ist Sprache das essenzielle Hilfsmittel, um den Austausch zwischen dem Individuum und der Welt zu ermöglichen und die Entfremdung als Teil des Bildungsprozesses zu begreifen.
Inwiefern unterscheiden sich Regierung und Zucht bei Herbart?
Während die Regierung darauf abzielt, durch äußere Disziplinierung Ordnung zu schaffen und den Heranwachsenden vor Gefahren zu schützen, zielt die Zucht langfristig auf die Ausbildung der Charakterstärke und der sittlichen Individualität ab.
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- Johanna Hoffmann (Autor:in), 2018, Bildungstheorien im Zeitalter der Aufklärung. Ein Vergleich von Wilhelm von Humboldt und Johann Friedrich Herbart, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/439436