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Jugendsprache im mehrsprachigen Kontext. Das Kiezdeutsche

Title: Jugendsprache im mehrsprachigen Kontext. Das Kiezdeutsche

Term Paper , 2018 , 17 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Esra Sahin (Author)

German Studies - Linguistics
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Jugendsprache ist seit jeher ein spannendes Thema, denn das Stirnrunzeln und Kopfschütteln der Nichtjugendlichen über diese Sprache war und ist schon immer allgegenwärtig. Oft wird die Sprache der Jugendlichen bemängelt und sogar als Grund für den sogenannten Sprachverfall angesehen. Jedoch bediente sich sogar Goethe schon im 18. Jahrhundert, wie viele Studierende seiner Zeit, zum Beispiel dem Präfixoid sau- in seiner hyperbolischen Funktion und grenzte sich somit sprachlich stark ab von den sogenannten Philistern, also engstirnigen Spießbürgern, die so ganz anders als seine Altersgenossen und Kommilitonen waren. Heute mag man das Intensivierungsformativ sau- auch in anderen Varietäten als der Jugendsprache finden, was ein Indiz für die Wechselwirkungen der Varietäten darstellt. Besonders anschaulich wird mit Hilfe dieses Beispiels auch, dass keine andere Varietät solch einem stetigen Wandel unterworfen und so schnelllebig ist, wie die Jugendsprache. Was gestern in war, ist heute out. Nicht ohne Grund wird jährlich das Jugendwort des Jahres gekürt oder immerfort ein neues Wörterbuch zur aktuellen Jugendsprache publiziert. Wenn man derzeit Jugendliche in der Öffentlichkeit dabei beobachtet, wie sie mit Altersgenossen kommunizieren, ist es nicht ungewöhnlich, wenn mal Sätze wie Yallah, Bus kommt, lass‘ gehen! oder Selam Bra, was geht? fallen. Dies geht ungemein mit Migration, Verstädterung, Globalisierung und Medieneinfluss einher. Aus diesem Grund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit Jugendsprache im mehrsprachigen Kontext. Um die Verortung der Jugendsprache innerhalb der Varietätenlinguistik nachzuvollziehen, folgt eingangs eine kurze Erläuterung zu Sprachvarietäten bzw. ihren Klassen. Im weiteren Verlauf soll der Begriff der Jugendsprache sowie ihre bisherige Erforschung erörtert und in den Kontext der kulturellen und sprachlichen Diversität gebracht werden. Zur Veranschaulichung folgt anschließend die Darstellung des Kiezdeutschen samt Merkmalen und Funktionen

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Jugendsprache

2.1 Jugendsprachforschung

2.2 Funktionen und Merkmale

3 Jugendsprache im mehrsprachigen Kontext

3.1 Mehrsprachigkeit

3.2 Kiezdeutsch

4 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Phänomene der Jugendsprache sowie deren Verortung innerhalb der Varietätenlinguistik. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich Jugendsprache in einem durch Globalisierung, Migration und Medieneinflüsse geprägten mehrsprachigen Kontext konstituiert, welche Funktionen sie erfüllt und wie sich das aktuelle Phänomen des Kiezdeutschen als Ausdruck kreativer Sprachgestaltung abgrenzen lässt.

  • Varietätenlinguistische Einordnung von Jugendsprache
  • Geschichte und Entwicklung der Jugendsprachforschung
  • Soziale und identitätsstiftende Funktionen jugendsprachlicher Merkmale
  • Mehrsprachigkeit und Kontaktphänomene in urbanen Räumen
  • Kiezdeutsch als multiethnische Sprachvarietät

Auszug aus dem Buch

3.2 Kiezdeutsch

Kiezdeutsch ist ein von der Sprachwissenschaftlerin Heike Wiese geprägter Begriff, der die multiethnische Jugendsprache, anders wie etwa die Kanak Sprak oder das Türkendeutsch, von einer negativ besetzten Assoziation und ethnischen Zuordnung loslösen soll.

Mit Kiezdeutsch - allgemein verstanden als Alltagssprache im Kiez, wobei das nordostdeutsch, besonders berlinisch gebrauchte Wort Kiez einen Stadtteil bzw. kleineren, abgesonderten Ortsteil bezeichnet - ist etwa Mitte der 90er Jahre eine Jugendsprache in den Blick der Öffentlichkeit getreten, die sich in urbanen Wohngebieten mit hohem Migrantenanteil herausgebildet hat, in Berlin z.B. in den Stadtbezirken Wedding, Kreuzberg und Neukölln (Ludwig 2009: S. 119; Hervorhebungen im Original).

Kiez wird jedoch auch synonym für Rotlicht- und Vergnügungsviertel genutzt, was auch als Hinweis für die soziale Herkunft seiner Sprecher verstanden werden kann. Die Soziolinguistin Diana Marossek hingegen gebraucht die Bezeichnung Kurzdeutsch, um die Sprecher nicht auf soziale Randgruppen zu reduzieren und zugleich auf die verkürzte Sprache hinzudeuten (Ich gehe ins Kino → Ich geh Kino). Aufgrund des mehrsprachigen Kontexts findet der Begriff des Kiezdeutschen im weiteren Verlauf der Arbeit Anwendung.

Kiezdeutsch hat innerhalb kürzester Zeit viele Innovationen hervorgebracht und sich rasch zu einer Varietät entwickeln können. Doch gerade deshalb ist Kiezdeutsch sehr umstritten, da seine Verfechter darin eher einen defizitären Sprachgebrauch als spielerisch kreativen Umgang mit Sprache sehen. Doch bei Kiezsprache handelt es sich nicht etwa um einen ungesteuerten Spracherwerb des Deutschen wie etwa dem Gastarbeiterdeutsch, sondern vielmehr um ein kreatives Mittel von Jugendlichen mit dem Ziel der Innovation und Distinktion.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Jugendsprache ein, diskutiert den öffentlichen Diskurs über Sprachverfall und definiert den Fokus der Arbeit auf Jugendsprache im mehrsprachigen Kontext.

2 Jugendsprache: Dieses Kapitel verortet Jugendsprache in der Varietätenlinguistik, beleuchtet die Geschichte der Forschung und analysiert Funktionen wie Identitätsbildung sowie sprachliche Merkmale wie Wortbildung und Entlehnungen.

3 Jugendsprache im mehrsprachigen Kontext: Dieser Abschnitt thematisiert den Einfluss von Migration und Mehrsprachigkeit auf die Sprache Jugendlicher und analysiert das Kiezdeutsch als dynamische, multiethnische Varietät.

4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, entkräftet die These des Sprachverfalls und unterstreicht die kreative, identitätsstiftende Rolle von Jugendsprachen wie Kiezdeutsch.

Schlüsselwörter

Jugendsprache, Varietätenlinguistik, Kiezdeutsch, Mehrsprachigkeit, Identitätsbildung, Distinktion, Sprachwandel, Ethnolekt, Migration, Soziolekt, Sprachkontakt, Sprachvarietäten, Wortbildung, Sprachgebrauch, Jugendsprachforschung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Betrachtung von Jugendsprache, ihrer sozialen Einordnung und ihrer Entwicklung innerhalb einer zunehmend mehrsprachigen Gesellschaft.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Themen umfassen die soziolinguistische Klassifizierung von Jugendsprache, die Geschichte ihrer Erforschung, ihre Funktionen bei der Identitätsstiftung sowie das spezifische Phänomen des Kiezdeutschen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis für Jugendsprache zu schaffen, die als kreatives Mittel der sozialen Abgrenzung und Identitätsbildung fungiert, anstatt sie lediglich als „Sprachverfall“ zu deuten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse varietätenlinguistischer Standardwerke sowie der Auswertung empirischer Studien zur sprachlichen Praxis Jugendlicher in mehrsprachigen Kontexten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Grundlagen der Jugendsprache als diastratische Varietät erläutert, gefolgt von einer Analyse des Einflusses von Mehrsprachigkeit durch Migration, illustriert am Beispiel des Kiezdeutschen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Jugendsprache, Mehrsprachigkeit, Kiezdeutsch, Identitätsbildung, Soziolekt, Ethnolekt und Sprachwandel charakterisiert.

Wie unterscheidet sich Kiezdeutsch vom sogenannten Gastarbeiterdeutsch?

Kiezdeutsch ist keine ungesteuerte Lernervarietät, sondern ein bewusstes, kreatives Mittel von Jugendlichen zur Innovation und sozialen Markierung, während Gastarbeiterdeutsch als Erwerbsvarietät der ersten Migrantengeneration zu verstehen ist.

Warum wird Kiezdeutsch oft kontrovers diskutiert?

Die Kontroverse beruht darauf, dass Kritiker Kiezdeutsch häufig als defizitären Sprachgebrauch missverstehen, während Sprachwissenschaftler darin einen spielerisch-kreativen Umgang mit sprachlichen Ressourcen erkennen.

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Details

Title
Jugendsprache im mehrsprachigen Kontext. Das Kiezdeutsche
College
University of Paderborn  (Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Course
Sprachvarietäten des Deutschen
Grade
2,0
Author
Esra Sahin (Author)
Publication Year
2018
Pages
17
Catalog Number
V439487
ISBN (eBook)
9783668792654
ISBN (Book)
9783668792661
Language
German
Tags
Jugendsprache Mehrsprachigkeit Kiezdeutsch Sprachvarietäten Türkendeutsch Varietätenlinguistik HeikeWiese EvaNeuland multiethnisch
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Esra Sahin (Author), 2018, Jugendsprache im mehrsprachigen Kontext. Das Kiezdeutsche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/439487
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