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Carl Joseph von Trotta in Joseph Roths "Radetzkymarsch" - eine späte Heldenfigur?

Title: Carl Joseph von Trotta in Joseph Roths "Radetzkymarsch" - eine späte Heldenfigur?

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 19 Pages , Grade: 2

Autor:in: Andreas Lehmann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Am besten starb man für ihn bei Militärmusik, am leichtesten beim Radetzkymarsch. Die flinken Kugeln pfiffen im Takt um den Kopf Carl Josephs, sein blanker Säbel blitzte, und Herz und Hirn erfüllt von der holden Hurtigkeit des Marsches, sank er hin in den trommelnden Rausch der Musik, und sein Blut sickerte in einem dunkelroten und schmalen Streifen auf das gleißende Gold der Trompeten, das tiefe Schwarz der Pauken und das siegreiche Silber der Tschinellen. 1 So imaginiert der fünfzehnjährige Carl Joseph von Trotta in Joseph Roths Roman Radetzkymarsch den idealtypischen Heldentod für seinen Kaiser, den er früher oder später zu erleiden überzeugt ist; tatsächlich auch kommt der Hauptakteur am Ende des Romans als junger Leutnant auf einem Schlachtfeld des gerade ausgebrochenen Ersten Weltkriegs um. Jedoch stirbt er „nicht mit der Waffe, sondern mit zwei Wassereimern in der Hand.“2 Stirbt so ein Held? In der umfangreichen Literatur zum Werk Joseph Roths finden sich, wie sich noch ze igen wird, die gegenläufigsten Meinungen, was die Interpretation des Todes von Carl Joseph von Trotta anlangt. Scheible 3 hat darauf hingewiesen, dass dieser Tod nicht isoliert, sondern nur im Kontext der ganzen Lebensumstände und des Werdegangs des Leutnants gedeutet werden kann. Dem ist zuzustimmen, wenn man unterstellt, dass in Roths Hauptwerk4, das dessen „seelische Obsession“5 – nämlich den Untergang seiner geliebten Heimat, der alten Habsburger-Monarchie – zum Thema hat, der schon ziemlich zu Anfang des Romans angedeutete Tod des maßgeblichen Protagonisten nicht irgendeine Episode darstellen kann, sondern in einem übergeordneten Zusammenhang innerhalb des Werks konstituiert sein muss.


Es wird also im Rahmen dieser Arbeit unter anderem zu klären sein, welche Bedeutung die k. u. k. Monarchie für die Familiengeschichte derer von Trotta hat, inwieweit Carl Joseph dadurch geprägt ist bzw. welche anderen Determinanten für seine Persönlichkeit noch vorliegen und inwiefern das in seinem Denken, Fühlen und Handeln Niederschlag findet. In einem zweiten Schritt sollen die im Roman wiederkehrenden Motive auf ihre Funktion hin untersucht werden, um in einem dritten Abschnitt zu prüfen, ob und inwieweit eigene Ansichten Roths, sowohl persönlicher als auch politischer Art, im Roman auszumachen sind. Schließlich soll vor dem Hintergrund der widerstreitenden Forschungsmeinungen der Tod des Leutnant Carl Joseph von Trotta diskutiert werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Wie stirbt ein Held?

II. Carl Joseph zwischen Familie, persönlichem Umfeld und Historie

1. Die k. u. k. Monarchie

2. Die sozialen Kontakte Carl Josephs

3. Der Drang zur Scholle – Carl Josephs Wurzeln

III. Wiederkehrende Motive

IV. Die Haltung des Autors

V. Der Tod am Bahndamm

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht den Roman "Radetzkymarsch" von Joseph Roth mit einem Fokus auf die Figur des Carl Joseph von Trotta. Ziel ist es, die vielschichtigen Hintergründe seines Todes zu analysieren, wobei die familiäre Prägung durch die k. u. k. Monarchie, die Bedeutung wiederkehrender Motive und die politische Haltung des Autors kritisch beleuchtet werden, um zu klären, ob der Tod des Protagonisten als bloßer Suizid oder als komplexer, symbolisch aufgeladener Heldentod zu deuten ist.

  • Die dynastische und historische Bindung der Familie Trotta an die Habsburger-Monarchie.
  • Die psychologische Analyse von Carl Josephs Vereinsamung und Identitätssuche.
  • Die Symbolkraft der "Heimat" Galizien und der Einfluss militärischer Traditionen.
  • Der Zusammenhang zwischen der Entstehungszeit des Romans und der pessimistischen Weltsicht Joseph Roths.
  • Die literarische Interpretation von Carl Josephs Tod im Kontext christlicher und heldenhafter Symbolik.

Auszug aus dem Buch

I. Wie stirbt ein Held?

Am besten starb man für ihn bei Militärmusik, am leichtesten beim Radetzkymarsch. Die flinken Kugeln pfiffen im Takt um den Kopf Carl Josephs, sein blanker Säbel blitzte, und Herz und Hirn erfüllt von der holden Hurtigkeit des Marsches, sank er hin in den trommelnden Rausch der Musik, und sein Blut sickerte in einem dunkelroten und schmalen Streifen auf das gleißende Gold der Trompeten, das tiefe Schwarz der Pauken und das siegreiche Silber der Tschinellen. 1

So imaginiert der fünfzehnjährige Carl Joseph von Trotta in Joseph Roths Roman Radetzkymarsch den idealtypischen Heldentod für seinen Kaiser, den er früher oder später zu erleiden überzeugt ist; tatsächlich auch kommt der Hauptakteur am Ende des Romans als junger Leutnant auf einem Schlachtfeld des gerade ausgebrochenen Ersten Weltkriegs um. Jedoch stirbt er „nicht mit der Waffe, sondern mit zwei Wassereimern in der Hand.“2 Stirbt so ein Held?

In der umfangreichen Literatur zum Werk Joseph Roths finden sich, wie sich noch zeigen wird, die gegenläufigsten Meinungen, was die Interpretation des Todes von Carl Joseph von Trotta anlangt.

Scheible 3 hat darauf hingewiesen, dass dieser Tod nicht isoliert, sondern nur im Kontext der ganzen Lebensumstände und des Werdegangs des Leutnants gedeutet werden kann. Dem ist zuzustimmen, wenn man unterstellt, dass in Roths Hauptwerk4, das dessen „seelische Obsession“5 – nämlich den Untergang seiner geliebten Heimat, der alten Habsburger-Monarchie – zum Thema hat, der schon ziemlich zu Anfang des Romans angedeutete Tod des maßgeblichen Protagonisten nicht irgendeine Episode darstellen kann, sondern in einem übergeordneten Zusammenhang innerhalb des Werks konstituiert sein muss.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Wie stirbt ein Held?: Dieses Kapitel führt in die Fragestellung der Arbeit ein und kontrastiert die kindliche Vorstellung eines heldenhaften Todes mit der profanen Realität des Todes des Protagonisten am Ende des Romans.

II. Carl Joseph zwischen Familie, persönlichem Umfeld und Historie: Hier wird der Einfluss der k. u. k. Monarchie als Schicksalsmacht auf die Familie Trotta untersucht sowie Carl Josephs soziale Isolation und seine erfolglose Suche nach authentischen Wurzeln analysiert.

III. Wiederkehrende Motive: Dieses Kapitel behandelt zentrale Leitbilder wie den Radetzkymarsch und das Porträt des Großvaters, die den stetigen Identitätsdruck und das Gefühl der Entfremdung auf Carl Joseph verdeutlichen.

IV. Die Haltung des Autors: Der Fokus liegt auf Joseph Roths Sympathien für slawische Figuren sowie seiner persönlichen Identifikation mit der "Generation des Untergangs" und dem verlorenen Österreich.

V. Der Tod am Bahndamm: Das Kapitel diskutiert kontroverse Forschungsmeinungen zum Tod des Leutnants, die von bloßem Selbstmord bis hin zur christlich-symbolischen Deutung als Erlöserfigur reichen.

Schlüsselwörter

Radetzkymarsch, Joseph Roth, Carl Joseph von Trotta, k. u. k. Monarchie, Heldentod, Habsburgerreich, Identitätssuche, Untergang, Leutnant, Solferino, Literaturanalyse, österreichische Literatur, Motivik, Erzählhaltung, Suiziddeutung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Figur des Carl Joseph von Trotta in Joseph Roths Roman „Radetzkymarsch“ und untersucht insbesondere die Bedeutung seines Todes im Kontext des Zusammenbruchs der österreichisch-ungarischen Monarchie.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die dynastische Verflechtung der Familie Trotta mit der Monarchie, die psychologische Isolation des Protagonisten und die Rolle wiederkehrender Motive als Symbole für den historischen Untergang.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist die kritische Beantwortung der Frage, ob der Tod des Protagonisten als bewusster Suizid zu interpretieren ist oder ob er im Sinne einer symbolischen Erlöserfigur innerhalb des monarchischen Zerfalls gesehen werden muss.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext eng mit etablierter Sekundärliteratur verknüpft, um widerstreitende Forschungsmeinungen zu evaluieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der familiären Historie, eine Analyse von Motiven wie dem Radetzkymarsch, eine Betrachtung der politischen Einstellung des Autors sowie eine detaillierte Diskussion der verschiedenen Interpretationsansätze zum Romanende.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie „Radetzkymarsch“, „k. u. k. Monarchie“, „Identitätssuche“, „Untergang“ und „literarische Motivik“.

Warum wird der Tod am Bahndamm als problematisch für die Helden-Interpretation angesehen?

Da der Leutnant nicht in einer glorreichen militärischen Schlacht stirbt, sondern bei einer profanen Tätigkeit, kollidiert dieser Tod mit dem traditionellen Verständnis von Heldenmut, was zur Debatte um den „Sühnetod“ führt.

Welche Rolle spielen die slawischen Bauern für das Verständnis der Identität von Carl Joseph?

Die slawischen Bauern dienen dem Protagonisten als Projektionsfläche für seine Suche nach ursprünglichen Wurzeln, wobei seine Versetzung an die östliche Grenze des Reiches seine Fremdheit und seine schließliche Desillusionierung verdeutlicht.

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Details

Title
Carl Joseph von Trotta in Joseph Roths "Radetzkymarsch" - eine späte Heldenfigur?
College
LMU Munich
Grade
2
Author
Andreas Lehmann (Author)
Publication Year
2005
Pages
19
Catalog Number
V43950
ISBN (eBook)
9783638416306
ISBN (Book)
9783638806473
Language
German
Tags
Trotta Radetzkymarsch Heldenfigur Roth Joseph
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Lehmann (Author), 2005, Carl Joseph von Trotta in Joseph Roths "Radetzkymarsch" - eine späte Heldenfigur?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43950
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