Der Einfluss des Umfeldes auf die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern in der Vorpubertät. Unter Einbezug des montessorisch pädagogischen Gedankens


Diplomarbeit, 2018
24 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Theoretische Betrachtungsweise der Entwicklung
1.1 Definition und Begriffserklärungen
1.2 Verständnis der Sozialerziehung nach Montessori
1.2 Persönlichkeitsentwicklung
1.3.1 aktive Selbststeuerung
1.3.2 unbewusste Prozessen
1.3.3 Bildung der Persönlichkeit
1.3.4 Selbstwertgefühl
1.3.5 Liebe und Gerechtigkeit
1.3.6 Identität und Rolle

2 Methodik und Möglichkeiten der Umsetzung im pädagogischen Alltag
2.1 Voraussetzungen für eine Unterstützung (Raum, Freiheit, Disziplin)
2.2 Der Erwachsene
2.3 Veränderung der Sinneseindrücke „Polarisation der Aufmerksamkeit“
2.4 Stabilisierung des Selbstkonzepts Moralerziehung
2.5 Erdkinder - Schulen
2.6 Bedeutung des Vorbildes
2.7 Kosmische Erziehung in der Schularbeit

3 Zusammenfassung und Ausblick

4 Literatur und Quellenverzeichnis

5 Anlagenverzeichnis

Vorwort

In der heutigen, von Leistungsdruck, Anpassung und Indoktrination geprägten Gesellschaft wird die Spanne zwischen arm und reich immer größer. Es spielt, trotz unserer modernen aufgeklärten Gesellschaft, eine große Rolle aus welchem Milieu das einzelne Kind entstammt und wie es selbst sowie sein unmittelbares soziales Umfeld finanziell aufgestellt sind und welche Freiheiten und Bildung genossen werden können, bzw. dürfen. Dabei zeigt sich das Armut in unserer so reichen Gesellschaft ein großes Risiko für die Entwicklung von Kindern ist. Entwicklungsdefizite, die in den frühen Jahren gelegt werden, lassen sich später nur noch mit erheblichem Aufwand nachholen. Diese Fehlentwicklung zieht sich bis in das Jugendalter durch und schafft eine hohe Anzahl an „Problemkindern“ mit Verhaltensauffälligkeiten, Verhaltensschwierigkeiten oder Verhaltensstörungen. Irreparable Schäden an Körper und Psyche sind die Folge. Das stellt sich mir die Frage, ist unser Schulsystem, sind unsere Erziehungsmethoden und ist unser Blick auf unserer Kinder von Verantwortung und Partizipation geprägt. Sind wir überhaupt noch in der Lage oder wollen wir unsere Kinder wirklich verstehen. Die Stiftung Achtung! Kinderseele - Stiftung für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen spricht von knapp 20 Prozent seelischer erkrankter Kinder unter 18 Jahren, d.h. knapp vier Millionen Kinder und Jugendliche, weisen psychische Auffälligkeiten in Deutschland auf. In meiner erzieherischen Tätigkeit musste ich ein gewaltiges Ausmaß an emotionalen Eindrücken sowie der Umfang der persönlichen Erlebnisse der Kinder erfahren und diese Erkenntnisse trafen mich im besonderen Maße. Diese Flut an Informationen zu bewältigen und geeignete Strategien zu entwickeln, mich selbst zu regulieren sowie den Kindern einige Hilfsangebot anzubieten und damit beidseitig Stabilität und Balance zu schaffen, bedeuteten einen unheimlich großen Kraftakt für mich. Wobei ich das Mitgefühl für die Kinder und die Mitnahme von Traurigkeit in meinen privaten Bereich kaum vermeiden konnte. Ich habe versucht, dieses die Kinder nicht spüren zu lassen. Wobei ich aber immer bestrebt war, kongruent und echt zu sein. Die pädagogischen Ansätze von Maria Montessori halfen mir, mein Handeln und mich selbst zu reflektieren und Handlungsalternativen in der Arbeit mit Heranwachsenden zu entwickeln. Wir als Erziehende sind ein wesentlicher Teil des Umfeldes der Kinder und Jugendlichen.

Empathie und Zuneigung, sowie Akzeptanz und Verständnis für das Verhalten eines Kindes schafften dabei einen wertvollen positiven Bindungseffekt in einer Erzieher-Kind-Beziehung Die Auseinandersetzung mit Verhaltensstörungen hat, in den letzten Jahren an Bedeutung und Brisanz gewonnen. Mit verantwortlich dafür sind unter anderem spektakuläre Gewaltakte in Schulen, insbesondere von Schülern gegenüber den Lehrern. Aber viel bedeutsamer als die Aktualität ist für mich der vielfältige Umgang mit den Verhaltensstörungen in den verschiedensten Feldern der pädagogischen Praxis, welche mir oft unmittelbar begegneten.

1 Theoretische Betrachtungsweise der Entwicklung

1.1 Definition und Begriffserklärungen

Um so ein vielschichtiges Thema zu bearbeiten, ist notwendig einige Begrifflichkeiten zu klären und zu betrachten. Der Umwelt oder dem Umfeld des Kindes werden zwei verschiedenen Betrachtungen in unserer Gesellschaft zuteil, dabei spielen die Nähe zum Menschen, sowie der Sozialstatus eine Rolle.

Die weitere Umwelt bilden die Tradition des Volkes, die besondere Wertehierarchie der Gemeinschaft, in der wir aufwachsen sowie die Statussymbole der Sozialschicht und der Berufsgruppe, welche unsere Eltern angehören. Vorerst werden diese fraglos und unbewusst übernommen, ebenso wie die Gewohnheiten, Einstellungen, Vorurteile, gültige Meinungen und Verhaltensmuster. Das individuelle Schicksal des Einzelnen kann von soziokulturellen Faktoren abhängen. Einem Kind aus einer tieferen Sozialschicht, welches begabt ist, bleibt beispielsweise eine höhere Schulbildung verwehrt, da Bildung in dessen Sozialschicht kein Prestige darstellt. (Schenk-Danzinger 1993, Seite 21)

Die engere Umwelt ist der engste Kreis. Dieser Einflussbereich ist der der Familie, der Schule und des engeren Freundeskreises der Gleichaltrigen. Trotz der vielen Möglichkeiten der offenen Gesellschaft, hat jede Familie ihre eigene Werthierarchie und ihre besonderen Verhaltensmuster, an die sich die Kinder vorerst selbstständig anpassen.

Die Familie aber bildet dabei die wichtigste Institution für die gesunde Entwicklung eines Kindes, bei der Emotionen, Wertmaßstäbe und Lern- und Erlebnismöglichkeiten vielfältigster Art vermittelt werden können. (Schenk-Danzinger 1993, Seite 21 - 23)

Entwicklung beschreiben wir heute als einen komplexen, fortschreitenden Prozess von Wechselwirkungen zwischen der strukturellen Reifung (Altersreife), den individuell-genetischen Anlagen (körperlicher Gestalt, Intelligenz, Musikalität etc.), den Umwelteinflüssen und schließlich der Art sowie Intensität der individuellen Selbststeuerung.

(Hobmair 1997, Seite 219 - 220)

Montessori, gliederte die Entwicklung eines Kindes in drei Phasen

Erstes Kindheitsstadium: 0 - 6 Jahre

Zweites Kindheitsstadium: 6 – 12 Jahre

Jugendstadium: 12 – 18 Jahre

Die erste Kindheitsphase, im Alter von 0 bis 6 Jahren, ist dabei das wichtigste Stadium des Lebens. In dieser Zeit bilden sich bei den Kindern Persönlichkeit und individuelle Fähigkeiten heraus. Eine Entwicklung des Geistes und der Psyche finden statt und das Kind hat eine Vielzahl von Eindrücken von außen zu verarbeiten. Diese kann es nicht filtern, aber aufnehmen. In dieser Phase liegt der Schwerpunkt der Montessoripädagogik. Im zweiten Stadium, die sogenannte labile Phase, sind Kinder besonders für äußere Reize und empfänglich und fähig sich intensiv, konzentriert mit einer Beschäftigung auseinanderzusetzen. In dieser sensiblen Phase lösen bestimmte Materialien hohe Konzentrationsmomente aus, welche zu effektiven Lernen führen. Der Übergang zum Erwachsenenalter findet im dritten Stadium statt.

Die Entwicklung vollzieht sich aus dem inneren des Kindes, entsprechend den Bedingungen seiner Umgebung. Ein individueller Prozess, nach dem eigenen, inneren Bauplan des Kindes. Der innere Bauplan ist somit sein eigenes Entwicklungspotential.

Montessori setzt dabei auf zwei Grundgedanken:

Der Mensch ist nicht von Anfang an mit einem voll leis­tungs­fä­hi­gen Gehirn aus­ge­stat­tet. Die Ent­wick­lung des Gehirns voll­zieht sich durch gemach­te Erfah­run­gen.

Gene­tisch bedingte Potentiale eines Men­schen kön­nen nur inner­halb bestimm­ter Zeit­fens­ter zur Rei­fe gebracht wer­den. Dazu sind müssen erfor­der­li­chen Res­sour­cen unein­ge­schränkt ver­füg­bar sein.

Die Auf­bauphase und nach­fol­gen­de Aus­bau­pha­se der Per­sön­lich­keit kann nur durch eine anhaltende Aktivierung erfolgen. (http://www.educaretion.de)

Verhaltensstörung ist ein von den zeit- und kulturspezifischen Erwartungsnormen abweichendes maladaptives Verhalten, das organogen und/oder milieureaktiv bedingt ist, welche aufgrund der Mehrdimensionalität, der Häufigkeit und des Schweregrades die Entwicklungs-, Lern- und Arbeitsfähigkeit sowie das Interaktionsgeschehen in der Umwelt beeinträchtigt und ohne besondere pädagogische-therapeutische Hilfe nicht oder nur unzureichend überwunden werden kann. (Myschker 1999, Seite 41)

Maria Montessori beschreibt in ihren Aufzeichnungen, dass das Ziel die Gesundheit der Psyche ist und mit dieser Gesundheit in jedem normalen Kind soziale Haltung, freiwillige Disziplin und Gehorsam, sowie Willensstärke entstehen lässt. Voraussetzung dafür ist die Einheit von Gedanken und Haltungen. Damit der Mensch seinen eigenen Rhythmus findet und sich formen, disziplinieren und bilden kann, sollte seine Entfaltung in Harmonie geschehen.

Der Umbau des Gehirnes eines Jugendlichen ist wichtig für die Reifung und für die emotionale Entwicklung, führt aber bei den Jugendlichen selbst zu Verunsicherung und Stimmungsschwankungen. Montessori geht davon aus, das Jugendliche alle Kraft und Kompetenzen mitbringen, um diese große Aufgabe zu bewältigen, gemäß dem inneren, individuellen Bauplan. Diese Zeit der Jugendlichen, so Montessori, ist die Zeit der besonderen Fähigkeiten, Fertigkeiten und von innen geleiteten Interessen. (Schäfer 2005, Seite 35 – 37)

Auch Montessori ist die gute Haltung und das Wissen über die Entwicklung der Jugendlichen sehr wichtig, da Erziehung nicht nur eine Methode oder eine Praxis darstellt.

Jugendliche entwickeln sich nicht ausschließlich aus sich selbst heraus, sondern immer in der Wechselwirkung mit ihrer Umwelt. Sie benötigen eine Umgebung, in dem ihre Sinne angeregt, verfeinert und benutzt werden können. Weitere wertvolle Erfahrungen, die in den im Gehirn anknüpfen und gespeichert werden können.

1.2 Verständnis der Sozialerziehung nach Montessori

Grundsätzlich beschreibt Montessori Erziehung nicht als eine Frage des Unterrichts, sondern als eine soziale Frage ersten Ranges, da sie die einzige ist, welches die gesamten Menschen betrifft. Dabei ist unsere Aufgabe, die Förderung des sozialen Lebens der Jugendlichen durch eine konkrete, indirekte Leitung der Aktivitäten der Jugendlichen. Die Kontinuität der sozialen Umgebung ist dabei genauso ausschlaggebend, wie deren Gestaltung. Für Montessori war klar, dass junge Menschen keine Verhaltensweisen vererbt bekommen, sondern von früh an sittliche und soziale Erziehung notwendig sei. Wir, Eltern, Lehrer, Erzieher, als Begleiter schaffen die Möglichkeiten und geben die Hilfen, damit sich ein mündiger, selbstständig und verantwortungsvoll handelnder Mensch entwickelt. Gerade im Jugendalter, sagt Montessori, liegt der Schwerpunkt für die soziale Erziehungsaufgabe. Als eine signifikante Entwicklungsaufgabe des Jugendalters stellt sie den Erwerb sozialer Kompetenzen heraus. Die Betrachtung des Menschen, mit seinen Lebensbedürfnissen, bildet die Grundlage einer sozialen Erziehung und die Entwicklung des sozialen Sinnes.

(Ludwig, Fischer, Klein-Landeck 2005, Seite 9 – 25)

1.2 Persönlichkeitsentwicklung

Diese Bedürfnisse der Jugendlichen muss man erkennen und berücksichtigen und dafür sorgen, dass sich Potentiale der jungen Menschen entfalten können. Nicht der junge Mensch muss sich der Umgebung anpassen, sondern das System muss sich am Potential des Jugendlichen und seinen individuellen Bedürfnissen anpassen. Dabei ist es wie anfangs erwähnt wichtig Räume zu schaffen, den Jugendlichen zu akzeptieren, zu respektieren und wert zu schätzen. Also auch den jungen Menschen in ihrer Ganzheit sehen und die nötige Wertschätzung und Achtung entgegenbringen, damit sich dessen Fähigkeiten entsprechend weiterentwickeln können.

Eine normale Entwicklung kann nur zustande kommen, wenn alle Faktoren, welche die Veränderung des Organismus auslösen und in Gang halten, auch aktiv selbst gesteuert werden dürfen, um die Ausbildung der Persönlichkeit voranzutreiben. Von großer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Selbststeuerung, welche bewusst, also aktiv, durch den Menschen erfolgt. Es geht darum ein Bewusstsein für die Persönlichkeitswerte zu entwickeln. Liebe und Aufmerksamkeit, tragen zum fühlen des eigenen Wertes bei. Fühlt sich ein junger Mensch unabhängig, ist sich seines Auftretens sicher und weiß wie er in verschiedenen Situationen handeln soll, so schafft er damit die Basis zur Persönlichkeitsentwicklung. (Ludwig, Fischer, Klein-Landeck 2005, Seite 9 – 25)

1.3.1 aktive Selbststeuerung

Weite soziale Erfahrungen ermöglichen wir den Kindern durch Selbsttätigkeit. Ein Kind muss Hindernisse überwinden und erkennen, dass es selbst schwierige Aufgaben bewältigen kann. (Ludwig, Fischer, Klein-Landeck 2005, Seite 30 - 31)

Solche selbststeuernde Tendenzen machen sich früh bemerkbar und treten während der gesamten Kindheit auf. Die Erziehung der Kinder legt den gelassenen Spielraum für diese Tendenzen fest. Das Fördern der Selbstständigkeit, das Gewähren von Entscheidungsfreiheit, das Ermutigen für die verschiedensten Vorhaben sowie das Belohnen bei Erfolgen oder das Trösten sowie das Nichtbestrafen bei Misserfolgen schaffen motivierte und leistungsfähige Kinder. Das Nichtfördern der Selbstständigkeit, seltenes Lob und häufige Kritik sowie Bestrafung oder auch Nichtbeachtung schränken Kinder in der Ausprägung der Selbststeuerung stark ein.

Von entscheidender Bedeutung wird die aktive Selbststeuerung in der Pubertät, da der junge Mensch sich zukunftsgerichtet orientiert sowie erste Lebensziele und -pläne erkennen lässt. Seine Kräfte werden in die Richtung dieser Pläne gelenkt um diese zu realisieren. Ist die frühe Erziehung sehr einengend verlaufen, so fehlen diese Kräfte.

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Details

Titel
Der Einfluss des Umfeldes auf die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern in der Vorpubertät. Unter Einbezug des montessorisch pädagogischen Gedankens
Autor
Jahr
2018
Seiten
24
Katalognummer
V439569
ISBN (eBook)
9783668797499
ISBN (Buch)
9783668797505
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einfluss, umfeldes, entwicklung, kinder, beispiel, vorpubertät, alter, jahren, einbeziehung, gedankens
Arbeit zitieren
Jan Hausburg (Autor), 2018, Der Einfluss des Umfeldes auf die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern in der Vorpubertät. Unter Einbezug des montessorisch pädagogischen Gedankens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/439569

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