Das Mosaikdiptychon, mit welchem ich mich in dieser Arbeit beschäftigen werde, entstand in der ersten Hälfte des 14. Jh., vermutlich vor 1354. Es zeigt auf zwei Tafeln mit jeweils sechs Abschnitten Szenen aus dem Leben Christi und Mariae im Rahmen eines sog.
Dodekaortions, worauf ich weiteren Verlauf der Arbeit noch näher eingehen werde. Auf dem linken Flügel des Diptychons sind die Verkündigung an Maria, die Geburt Christi, die Darstellung im Tempel, die Taufe Christi, die Verklärung Christi auf dem Berge Tabor und die Auferweckung des Lazarus abgebildet, auf dem rechten Flügel der Einzug in Jerusalem, die Kreuzigung Christi, die Anastasis, die Himmelfahrt Christi, Pfingsten und der Tod Mariae.
Dieses Miniaturmosaik-Diptychon ist mit einer Größe von 27 x 17,5 cm (ohne Rahmen) recht kleinformatig. Der Künstler ist unbekannt, urkundlich bewiesen ist jedoch Konstantinopel als Ort der Herstellung.
Das Diptychon wurde im Jahre 1395 von der venezianischen Adligen Nicoletta di Antonio Grioni der Kirche S. Giovanni vermacht. Es handelt sich hierbei vermutlich um ein Kunstwerk aus kaiserlichem Besitz, und es wird vermutet, dass es sogar im Chrysotriklinion ausgestellt wurde. Heute befindet es sich im Museo di S. Maria del Fiore in Florenz. In der vorliegenden Arbeit werde ich mich auf die Beschreibung und Analyse des linken Diptychon-Flügels beschränken.
Zunächst werden in dieser Arbeit die historischen Hintergründe des Bildthemas näher beleuchtet werden. Nach einer kurzen Beschreibung der Technik in Bezug auf Herstellung und Kolorit werden im Rahmen einer ikonographischen Analyse das Bildthema, sowie der Aufbau des Werkes näher betrachtet, was dann zu einer ikonographischen Untersuchung ausgewählter Themen führen wird. Hierbei soll die Darstellung der Bildthemen mit den literarischen Quellen in Verbindung gebracht, und etwaige Abweichungen analysiert werden.
Die Arbeit wird mit einem kurzen Fazit schließen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Hintergrund
3. Technik
3.1. Herstellung
3.2. Kolorit
4. Ikonographische Analyse
4.1. Einordnung des Bildthemas
4.2. Der Aufbau
4.3. Ikonographische Untersuchung
4.3.1. Geburt Christi
4.3.2. Darbringung im Tempel
4.3.3. Verklärung Christi
4.3.4. Die Auferweckung des Lazarus
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der detaillierten Beschreibung und ikonographischen Analyse des linken Flügels eines byzantinischen Miniaturmosaik-Diptychons aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Ziel ist es, die dargestellten Szenen des Dodekaortions zu entschlüsseln, deren inhaltliche Struktur zu erläutern und diese mit den zugrunde liegenden literarischen Quellen abzugleichen.
- Historische Entwicklung byzantinischer Mosaikikonen
- Materialtechnik und Herstellungsweise von Miniaturmosaiken
- Ikonographische Bestimmung des Dodekaortion-Zyklus
- Vergleichende Analyse zwischen Bilddarstellung und biblischen Textquellen
- Symbolik und Bedeutung ausgewählter christlicher Heilsereignisse
Auszug aus dem Buch
4.2. Der Aufbau:
Das zu analysierende Werk ist wie schon erwähnt der linke Flügel eines kleinformatigen Mosaikdiptychons. Die Tafel ist in sechs gleichgroße Felder untergliedert, welche jeweils eine der oben schon genannten Szenen beinhalten.
Die Darstellung des Bilderzyklus’ beginnt im linken oberen Feld mit der Verkündigung an Maria durch den Engel Gabriel. Dieser scheint von links auf Maria zuzugehen. Er hat die rechte Hand in einem Redegestus erhoben. Maria steht mit gesenktem Kopf, den Blick zu Boden gerichtet vor einem Hauseingang. Ihre ganze Haltung strahlt demutsvolle Ergebenheit aus. Im Gegensatz zu dem Engel, welcher in der Seitenansicht abgebildet ist, steht Maria frontal zum Betrachter, wobei sie sich ganz leicht dem Engel zuwendet.
In der Darstellung scheint Maria eher eingeschüchtert als erschreckt zu sein. Über dem Nimbus, der den Kopf des Engels umgibt, sind (vermutlich) griechische Schriftzeichen zu erkennen, wie auch in allen anderen Feldern des Diptychons, welche vermutlich den Titel der Szene, Metamorphosis, bedeuten sollen.
Im oberen rechten Feld befindet sich die Darstellung der Geburt und des Bades Christi. Im Zentrum der Darstellung ist Maria zu erkennen, wie sie halb aufgerichtet in der Geburtshöhle sitzt. Sie hat den Kopf auf die linke Hand aufgestützt und scheint nach rechts aus dem Bild herauszublicken. Rechts neben ihr steht die Krippe mit dem Kind darin, auf dessen Kopf direkt ein Lichtstrahl fällt. Rechts oberhalb der Krippe, auf dem Berg ist der Engel des Herrn zu erkennen, wie er einem Hirten die Geburt Christi verkündet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Objekts, Eingrenzung der Fragestellung auf den linken Flügel des Diptychons und Skizzierung der methodischen Vorgehensweise.
2. Historischer Hintergrund: Erläuterung der Bedeutung und Tradition byzantinischer Mosaikkunst sowie der historischen Einordnung der Miniaturmosaiken im 14. Jahrhundert.
3. Technik: Beschreibung der handwerklichen Herstellung der Tesserae und Analyse des Farbeinsatzes (Kolorit).
4. Ikonographische Analyse: Untersuchung des Bildprogramms (Dodekaortion) und detaillierte Analyse der einzelnen Szenen wie Geburt, Darbringung, Verklärung und Lazarus-Erweckung.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der kulturellen und künstlerischen Bedeutung des Diptychons sowie des Niedergangs dieser Kunstform nach 1453.
Schlüsselwörter
Byzantinische Kunst, Mosaikdiptychon, Ikonographie, Dodekaortion, Miniaturmosaik, Tesserae, Konstantinopel, Verkündigung an Maria, Geburt Christi, Darbringung im Tempel, Verklärung Christi, Auferweckung des Lazarus, Sakrale Kunst, Bildprogramm, Heilsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den linken Flügel eines byzantinischen Miniaturmosaik-Diptychons aus dem 14. Jahrhundert und untersucht dessen ikonographischen Gehalt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die kunsthistorische Einordnung, die spezifische Mosaiktechnik sowie die ikonographische Deutung der dargestellten biblischen Szenen des sogenannten Dodekaortions.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die präzise Analyse des Bildprogramms, der inhaltlichen Details der Szenen sowie deren Abgleich mit biblischen und literarischen Quellen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine ikonographische Analyse angewandt, die das Werk formal beschreibt und in den Kontext der christlichen Bildtradition stellt.
Welche Inhalte umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil behandelt den historischen Kontext, die technische Beschaffenheit des Mosaiks, den strukturellen Aufbau des Werkes und eine tiefgehende ikonographische Untersuchung einzelner Szenen.
Welche Begriffe charakterisieren den Inhalt am besten?
Wesentliche Begriffe sind Byzanz, Dodekaortion, Ikonographie, Tesserae, christliche Heilsgeschichte und religiöse Bildprogramme.
Wie unterscheidet sich die Darstellung der Geburt Christi im Diptychon von den Evangelien?
Das Diptychon integriert das nicht explizit schriftlich bezeugte "Bad des Kindes", welches ein charakteristisches, vermutlich aus Ägypten stammendes Motiv der Kunst des Ostens darstellt.
Welche Bedeutung haben die verhüllten Hände der dargestellten Personen?
Die verhüllten Hände fungieren als Zeichen tiefer Ehrfurcht, welches sich aus dem byzantinischen höfischen Zeremoniell ableitet.
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- Anna Damm (Author), 2004, Byzantinisches Mosaikdiptychon, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43961