Missbrauchsprävention bei Kindern im Grundschulalter


Hausarbeit, 2003
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Begriffsklärung
2.1 Sexueller Missbrauch
2.2 Prävention
2.2.1 Allgemein
2.2.2 Der Präventionsbegriff bezogen auf sexuellen Missbrauch

3 Notwendigkeit der Präventionsarbeit
3.1 Zahlen und Fakten
3.2 Das traditionelle Präventionsmuster
3.3 Geschlechtsspezifische Sozialisation

4 Zielsetzung und Grundsätze

5 Anforderungen an den Sozialpädagogen vor und während einer Präventionsveranstaltung
5.1 Selbstreflexion
5.2 Auswahl der Methode für eine bestimmte Präventionsveranstaltung
5.3 Schaffung einer offenen und sicheren Atmosphäre innerhalb der Präventionsveranstaltung

6 Schluss

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Prävention ist eine Investition in die Zukunft ist die Botschaft eines Buches von Barbara Kavemann und dem Bundesverein zur Prävention von sexuellem Mißbrauch an Mädchen und Jungen e.V..

Dieses Zitat verdeutlich, um was es in der Präventionsarbeit im Hinblick auf sexuellen Missbrauch geht – die Veränderung von gesellschaftlichen Strukturen um Missbrauch zu verhindern!

Das Thema meiner Hausarbeit ist „Missbrauchsprävention bei Kindern im Grundschulalter“.

Ich entschied mich, dieses Thema zu behandeln, weil ich selbst schon aktiv an einer Präventionsveranstaltung im Rahmen eines Praktikums teilgenommen habe und somit schon Vorstellungen vom Ablauf und Durchführung einer Präventionsveranstaltung habe. Die Hausarbeit bot mir die Möglichkeit, dieses praktische Wissen theoretisch zu untersuchen.

Aus Umfangsgründen wird es mir nicht möglich sein, speziell auf die Grundlagen der Präventionsarbeit einzugehen, sofern diese von Instanzen wie Schule und Elternhaus ausgehen (beispielsweise die Wichtigkeit der Sexualerziehung in der Schule oder Einbezug der Eltern in Präventionskonzepte).

In meiner Hausarbeit beschränke ich meine Ausführungen des weiteren auf eine Präventionsveranstaltung in einer Schule, die beispielsweise von einem Sozialpädagogen einer bestimmten Beratungsstelle gestaltet werden kann.

Der Grund für meine Entscheidung, die Präventionsarbeit mit der Gruppe der Grundschulkinder zu beleuchten, liegt darin, dass Grundschulkinder statistisch gesehen die größte Gruppe der sexuell Missbrauchten darstellt und somit in diesem Bereich eine gesteigerte Handlungsnotwendigkeit besteht.

In meiner Hausarbeit gehe ich ausschließlich auf die Primärprävention ein. In diesem Zusammenhang behandele ich jedoch nicht die Arbeit mit Eltern.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Kinder fremder Herkunft in der Schulklasse sind, die möglicherweise eine andere Erziehungsart genossen haben – ich werde jedoch in meiner Hausarbeit den Aspekt der interkulturellen Prävention nicht beleuchten.

Der Hauptteil meiner Hausarbeit gliedert sich in die Punkte Begriffsklärung, Notwendigkeit der Präventionsarbeit, Zielsetzung und Grundsätze der Präventionsarbeit und Anforderungen an den Sozialpädagogen vor und während einer Präventionsveranstaltung.

In der Begriffsklärung werde ich die Begriffe sexueller Missbrauch und Prävention erläutern. Die Begriffsklärung soll dazu dienen, Zusammenhänge zu verdeutlichen. Beispielsweise werde ich die Begriffe Sekundärprävention und Tertiärprävention definieren, obgleich ich in meiner Arbeit nicht weiter darauf eingehe. Die Klärung dieser Begriffe ist jedoch von Nöten, da Primär – und Sekundärprävention oft nahtlos ineinander übergehen.

Im dritten Kapitel werde ich die Notwendigkeit von Präventionsarbeit aus den hohen Zahlen von Missbrauchsfällen an Kindern heraus darstellen. Danach werde ich die geschlechtsspezifische Sozialisation von Jungen und Mädchen sowie das althergebrachte Präventionsmuster als gesellschaftliche Aspekte, die Präventionsarbeit nötig machen, erklären.

Im Kapitel 4 – Zielsetzung und Grundsätze der Präventionsarbeit – werde ich ausgehend von der Notwendigkeit der Präventionsarbeit Möglichkeiten erläutern, wie Änderungen von gesellschaftlichen Strukturen zur Verhinderung von Missbrauch herbeigeführt werden können bzw. wie diese in einer Präventionsveranstaltung unter Zuhilfenahme von sechs Präventionsgrundsätze umgesetzt werden können.

Im 5. Kapitel möchte ich die Anforderungen an den Sozialpädagogen vor und während einer Präventionsveranstaltung beleuchten. Der Sozialpädagoge hat die zentrale Rolle in der Präventionsveranstaltung und ist zum großen Teil für das Gelingen dieser verantwortlich. Es geht in diesem Kapitel darum, was der Sozialpädagoge beachten muss, damit die Präventionsveranstaltung erfolgreich verläuft. Ich werde mich dabei auf die persönlichen Anforderung an den Sozialpädagogen durch Selbstreflexion beziehen, jedoch auch auf sein methodisches Vorgehen im Hinblick auf die Auswahl der Methode für die Veranstaltung sowie die Schaffung einer offenen Atmosphäre, ohne welche die Umsetzung des Präventionsziels nicht möglich wäre.

2 Begriffsklärung

2.1 Sexueller Missbrauch

Eine allgemein gültige Definition von sexuellem Missbrauch gibt es bis heute nicht. Dies ist größtenteils drauf zurückzuführen, dass es schwer festzusetzen ist, ob der Körperkontakt zwischen Erwachsenen und Kindern der normale, für Kinder wichtige Austausch von Zärtlichkeiten ist und ab wann die Grenze zum sexuellen Missbrauch überschritten wird.

Jedoch gibt es Definitionskriterien, über welche der Begriff „sexueller Missbrauch“ konkretisiert werden kann (vgl. May 1997, S 226/227; Frei 1997, S. 12):

- Befriedigung eigener Bedürfnisse des Missbrauchenden (verbal, physisch aber auch visuell)
- Alters- und Entwicklungsunterschied zwischen Täter und Opfer (somit Ausnutzung einer Vertrauensbeziehung)
- Ausnutzung einer Machtposition des Missbrauchenden durch seine körperliche und geistige Überlegenheit
- Physischer und /oder psychischer Zwang wird vom Missbrauchenden ausgeübt (Druck der Geheimhaltung)
- Ausübung körperlicher Gewalt
- Fehlende wissentliche Zustimmung des Kindes
- Verletzung des körperlichen Selbstbestimmungsrechts des Kindes

2.2 Prävention

2.2.1 Allgemein

Der Begriff Prävention ist vom lateinischen Wort „praevenire“ abgeleitet und bedeutet „zuvorkommen“. Allgemein wird unter der Prävention verstanden, etwas zu verhindern, bevor es geschehen kann oder einem Handlungsverlauf zuvorzukommen.

2.2.2 Der Präventionsbegriff bezogen auf sexuellen Missbrauch

Ausgehend von der allgemeinen Definition bedeutet Prävention „(...) sexuellen Missbrauch von vornherein zu verhindern, frühzeitig zu beenden und spätere Täterschaft zu vermeiden.“ (Kerger 2000, S.6).

Es werden drei Präventionsebenen unterschieden, die ich im Folgenden auf den Begriff des sexuellen Missbrauchs angewandt kurz darstellen möchte (vgl. ebd., S.6) :

1. Die Primärprävention:

Ziel der Primärprävention ist es, sexuelle Übergriffe von vornherein zu verhindern. Dies beinhaltet einerseits die Stärkung und Aufklärung von Kindern, andererseits aber auch die Aufklärung und Information von Eltern.

2. Die Sekundärprävention:

Der Begriff Sekundärprävention ist gleichzusetzen mit dem Begriff Intervention. Das Ziel ist es, stattfindenden Missbrauch zu unterbinden und zurückliegende Missbrauchsfälle aufzudecken.

3. Die Tertiärprävention:

Ziel der Tertiärprävention ist die Minderung der Folgeschäden sexuellen Missbrauchs. Hierbei geht es um die Aufarbeitung von erlebtem sexuellen Missbrauch mit Hilfe von Therapeuten. Tertiärprävention meint die Arbeit mit Opfern, aber auch die Arbeit mit Sexualstraftätern.

3 Notwendigkeit der Präventionsarbeit

Im Folgenden möchte ich klären, welche Aspekte die Präventionsarbeit heute nötig machen: Warum braucht es eigentlich Präventionsarbeit?

3.1 Zahlen und Fakten

20389. Dies ist die Zahl der erfassten Missbrauchsfälle an Kindern im Jahre 2002 laut der polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes (davon sind 75,4% der Opfer weibliche und 24,6% männlich).

Es wird jedoch angenommen, dass die Dunkelziffer etwa um das zehnfache höher ist.

Dies stellt für mich den ersten Aspekt der Notwendigkeit von Präventionsarbeit dar. 20389 Missbrauchsfälle sind 20389 Fälle zu viel. (vgl. Anhang 1)

18572 dieser Kinder waren zwischen 6 und 14 Jahre alt. Da ich in meiner Hausarbeit besonders auf die Präventionsarbeit mit Grundschulkindern eingehe (Altersgruppe der 6- bis 10-jährigen), die in der Statistik des Bundeskriminalamtes nicht gesondert erfasst worden sind, ist für meine Hausarbeit noch eine weitere Zahl von Bedeutung:

„(...)das Altersmaximum bei Missbrauchsbeginn liegt mit 42, 8% zwischen sechs und acht Jahren (...)“ (Klees 1992, S. 65; zit. n. Fürniss 1989, S. 69). Diese Aussage macht deutlich, dass Grundschulkinder am gefährdetsten sind, Opfer sexuellen Missbrauchs zu werden.

3.2 Das traditionelle Präventionsmuster

Ein weiterer Aspekt, der Präventionsarbeit nötig macht, ist das immer noch vorherrschende traditionelle Präventionsmuster in Elternhaus, Schule, Medien und allgemein in der Gesellschaft – Prävention als Warnung vor dem „bösen Fremden“, dem „schwarzen Mann“.

Wenn ich mich an meine eigene Kindheit erinnere, fallen mir selbst einige Beispiele ein, wie mich meine Mutter vor Fremden warnte. Ich solle keinesfalls mitgehen, selbst wenn mir jemand Süßigkeiten anbietet oder mir etwas schönes zeigen möchte. Wenn ich mitginge, würde er mich nicht mehr nach Hause lassen und mir etwas Böses antun.

Ich selbst wusste nach den Warnungen meiner Mutter nicht genau, warum ich nicht mit einem Fremden mitgehen dürfe und fragte mich, was mir der Fremde Böses tun könnte.

Wie erwähnt hat sich diese Präventionsmethode bis heute kaum geändert. Aus diesem Grund muss Prävention auch hier ansetzen, denn die Warnung vor dem „bösen Fremden“ zielt auf die Umgehen von Gefahrensituationen ab. Dies aber führt zu Verunsicherung der Kinder, sie bekommen Angst. Diese Angst wiederum schwächt ihr Selbstbewusstsein, und sie werden abhängig von den „guten Erwachsenen“ wie Familienmitgliedern und Lehrern. Daraus wird ersichtlich, dass die althergebrachte Prävention nicht über den hauptsächlichen Gefahrenort, den sozialen Nahbereich der Kinder, aufklärt. Somit hat das Kind kaum eine Chance, sich gegen sexuelle Übergriffe aus diesem zu wehren.

Daraus wird ersichtlich, dass die Warnung vor dem „bösen Fremden“ keinesfalls gegen Missbrauch schützt, sondern eher noch die Voraussetzungen für sexuellen Missbrauch schafft (vgl. Braun / Enders 1997, S. 255).

Dies soll nicht bedeuten, es gäbe keine Fremdtäter (Täter, die dem Kind gänzlich unbekannt sind). Fakt ist jedoch, dass die Täter zum überwiegenden Teil Angehörige oder Bekannte des Kindes sind (vgl. ebd., S. 252- 255).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Missbrauchsprävention bei Kindern im Grundschulalter
Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
22
Katalognummer
V43964
ISBN (eBook)
9783638416412
Dateigröße
772 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Missbrauchsprävention, Kindern, Grundschulalter
Arbeit zitieren
Christine Schlapa (Autor), 2003, Missbrauchsprävention bei Kindern im Grundschulalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43964

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