Seit Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts lässt sich ein Paradigmenwechsel bei der Unternehmensfinanzierung feststellen. Die Eigenkapitalfinanzierung über die Börse nimmt an Bedeutung zu und verdrängt die klassische Unternehmensfinanzierung über die Banken. Deshalb ist eine zunehmende Shareholderorientierung bei Entscheidungen des Managements feststellen. Dabei ist die Steigerung des Shareholder-Values unter Rendite- und Risikogesichtspunkten ein vorrangiges Interesse. Eine jeweils der Risikosituation angemessene Verzinsung des eingesetzten Kapitals zu gewährleisten, steht dabei im Mittelpunkt des unternehmerischen Handelns.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, verschiedene Methoden zur Ermittlung risikoadju stierter Kapitalkosten aufzuzeigen. Dazu wird in Kap. 2 zunächst der Risikobegriff eingeführt. Nach einführender Definition des Kapitalkostenbegriffes in Kap. 3 widmet sich dieser Abschnitt anschließend den Verwendungsmöglichkeiten der Kapitalkosten sowie der WACC Konzeption. Der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit liegt auf der Vorstellung von Methoden zur Bestimmung von Eigenkapitalkosten auf Gesamtbetriebsebene in Kap. 3.5 sowie in Kap. 3.6, in dem Ansätze zur Bestimmung divisionaler Kapitalkosten aufgezeigt werden. Abschließend werden in Kapitel 4 einige ausgewählte Ansätze an Hand eines selbsterstellten Beispiels verdeutlicht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Risikobegriff
2.1 Definition
2.2 Messung von Risiken
2.3 Klassifizierung und Systematisierung
3 Ermittlung risikoadjustierter Kapitalkosten
3.1 Der Begriff der Kapitalkosten
3.2 Verwendungsmöglichkeiten der Kapitalkostenbestimmung
3.3 WACC
3.4 Auswirkungen der Kapitalstruktur auf die Kapitalkosten
3.5 Methoden zur Bestimmung der Eigenkapitalkosten auf Gesamtbetriebsebene
3.5.1 Überblick
3.5.2 CAPM und APT
3.5.3 Binomialmodell
3.6 Methoden zur Ermittlung divisionaler Kapitalkosten
3.6.1 Überblick
3.6.2 Vergleichende Methoden
3.6.3 Analytische Methoden
3.6.4 Qualitative Methoden
4 Beispiel
4.1 Berechnung von Eigenkapitalkosten auf Gesamtbetriebsebene
4.2 Bestimmung divisionaler Kapitalkosten
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die systematische Darstellung und Analyse verschiedener wissenschaftlicher Methoden zur Ermittlung risikoadjustierter Kapitalkosten. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Anwendbarkeit dieser Modelle sowohl auf Gesamtbetriebsebene als auch für einzelne Unternehmensdivisionen unter Berücksichtigung spezifischer Risikofaktoren.
- Vergleich quantitativer Verfahren wie CAPM, APT und Binomialmodelle.
- Analyse qualitativer Ansätze zur Bestimmung divisionaler Kapitalkosten.
- Untersuchung des Einflusses der Kapitalstruktur auf die Kapitalkosten.
- Praktische Verdeutlichung durch ein fiktives Unternehmensbeispiel.
- Kritische Würdigung der Datenverfügbarkeit und Methodenprämissen.
Auszug aus dem Buch
3.5.2 CAPM und APT
Dem CAPM liegen die Erkenntnisse der Portfoliotheorie von Markowitz zu Grunde, bei der durch eine Mischung von Wertpapieren in einem Portfolio das Risiko, von ihm unsystematisches Risiko genannt, reduziert werden kann, sofern die Renditen der Wertpapiere nicht vollständig positiv korrelieren. Übrig bleibt das systematische – nicht diversifizierbare - Risiko. Das CAPM stellt bei einem Gleichgewicht auf dem Kapitalmarkt ein Erklärungsmodell für die Renditen risikoreicher Anlagen dar, wobei dieses Modell den folgenden zentralen Annahmen unterliegt.
Der Betrachtungszeitraum umfasst eine Periode, in der risikoscheue Anleger als Preisnehmer am Kapitalmarkt auftreten und dabei den erwarteten Risikonutzen ihres Endvermögens maximieren. Es werden von jedem Akteur identische Wahrscheinlichkeitsverteilungen hinsichtlich den Erwartungswerten und Varianzen der Risikorenditen angenommen. Dabei wird ein vollkommener und informationseffizienter Kapitalmarkt unterstellt, indem alle Anlagemöglichkeiten beliebig teilbar sind und alle Informationen jedem kostenlos zur Verfügung stehen. Der Marktzutritt ist jederzeit möglich, die Anlage und Aufnahme von Kapital erfolgt zu einem einheitlichen, nicht beeinflussbaren sowie risikofreien Zinssatz und sämtliche Marktunvollkommenheiten wie Steuern oder Transaktionskosten werden ausgeblendet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den Paradigmenwechsel hin zur Shareholderorientierung und definiert das Ziel, verschiedene Methoden zur Ermittlung risikoadjustierter Kapitalkosten aufzuzeigen.
2 Risikobegriff: Es erfolgt eine theoretische Einordnung von Risiko und Unsicherheit sowie eine Erläuterung der quantitativen und qualitativen Risikomessung und -klassifizierung.
3 Ermittlung risikoadjustierter Kapitalkosten: Dieser Hauptteil analysiert theoretische Kapitalkostenansätze, den WACC, die Auswirkungen der Kapitalstruktur sowie spezifische quantitative und qualitative Bestimmungsmethoden.
4 Beispiel: Hier werden die zuvor theoretisch erläuterten Methoden anhand eines fiktiven Unternehmensszenarios (QXL AG) konkret angewendet und gegenübergestellt.
5 Schlussbetrachtung: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und diskutiert die Herausforderungen bei der Anwendung zukunftsorientierter Renditeforderungen.
Schlüsselwörter
Kapitalkosten, Risikoadjustierung, Eigenkapitalkosten, CAPM, WACC, Diversifikation, Risikobegriff, Portfoliotheorie, Unternehmensbewertung, Dividendenansatz, Gewinnbeta, Binomialmodell, Branchenbeta, Shareholder-Value, Finanzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die wissenschaftliche Fundierung und praktische Anwendung verschiedener Methoden zur Ermittlung risikoadjustierter Kapitalkosten im Kontext der Unternehmenssteuerung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Risikobegriff, die Bestimmung von Eigenkapitalkosten auf Gesamtbetriebs- und Divisionaler Ebene sowie der Einfluss von Kapitalstrukturentscheidungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Methoden zur Ermittlung von Kapitalkosten aufzuzeigen und deren Eignung für die Unternehmenspraxis sowie Investitionsentscheidungen zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoretischen Literaturvergleich kombiniert mit einem angewandten Beispiel (Case Study), um die Funktionsweise von Modellen wie CAPM und dem Binomialmodell zu verdeutlichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretische Herleitung der Kapitalkostenbegriffe, die Darstellung von Bewertungsmodellen und die qualitative Differenzierung divisionaler Kostenstrukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Kapitalkosten, Risikoadjustierung, CAPM, WACC und diverse Diversifikationsstrategien.
Warum wird das Binomialmodell in dieser Arbeit diskutiert?
Es wird als Alternative zum CAPM eingeführt, da es die Eigenkapitalkosten auf Basis einer funktionalen Beziehung zwischen Cash-Flow-Wachstumsraten und Marktrenditen bestimmt und somit unabhängig von den restriktiven Annahmen des CAPM ist.
Was unterscheidet die "analytischen Methoden" von den "vergleichenden Methoden"?
Vergleichende Methoden nutzen Betawerte von Referenzunternehmen, während analytische Methoden versuchen, die Risikoprämie direkt aus den internen Daten des Rechnungswesens des jeweiligen Unternehmensbereichs abzuleiten.
- Quote paper
- Jens-Oliver Schünzel (Author), Daniel Heinen (Author), Martin Mosebach (Author), 2005, Ermittlung risikoadjustierter Kapitalkosten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44052