Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Pedagogy - General

Probleme der zweisprachigen Kinder im Vorschulalter

Title: Probleme der zweisprachigen Kinder im Vorschulalter

Diploma Thesis , 2005 , 93 Pages , Grade: 1,6

Autor:in: Elena Rauch (Author)

Pedagogy - General
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Zahl der Menschen, deren Muttersprache nicht mit der Sprache des Landes, in dem sie leben, identisch ist, nimmt weltweit regelmäßig zu. Immer mehr Kinder wachsen zwei- oder mehrsprachig auf, weil sie mehr als nur eine Sprache benötigen, um sozial agieren zu können. Die zunehmende weltweite Mobilität ist das Resultat verschiedener Faktoren, wie beispielsweise Reisen, Studien- bzw. Aufenthalten aus beruflichen Gründen im Ausland oder der Zwang, das eigene Land aus politischen, religiösen oder ökonomischen Gründen verlassen zu müssen. Als Konsequenz aus dieser gesteigerten Mobilität ergibt sich für viele Kinder die Möglichkeit des bilingualen Erstspracherwerbs bzw. des natürlichen Zweitspracherwerbs.

Bereits 1967 hat Ruke-Dravina die Tendenz einer zunehmenden Mehrsprachigkeit in der modernen Gesellschaft erkannt und eine pluralistische Haltung gefordert:

„Da die Mehrsprachigkeit sich m. E. in der Zukunft in allen Ländern weiter und weiter verbreiten wird und ein Kennzeichen der zukünftigen Gesellschaft darstellt, geht es nicht an, die Erscheinung abzustreiten oder zu verhindern. Statt dessen wäre es mehr am Platz, den negativen Einfluss des sozialpsychischen Zwanges, wo dieser noch vorkommt und zuweilen ernsthafte psychische Hemmungen und Störungen verursacht, zu mildern oder ganz zu eliminieren.“
(Ruke-Dravina 1967, S.99f)

Der sozial-psychische Zwang ist unter anderem auf die Doktrin des Nationalstaates „une nation, une culture, une langue“, die seit der französischen Revolution in Europa verbreitet ist und auf sprachlicher Ebene die „Einheitssprachenideologie“ (Bartsch 1993, S. 4) hervorgebracht hat, zurückzuführen. Diese äußert sich in der Auffassung, „der Mensch sei im Grunde einsprachig, Zweisprachigkeit sei nur von der gesellschaftlichen Elite zu bewältigen, und die gleich gute Beherrschung zweier Sprachen überfordere das durchschnittliche Kind“ (Stölting 1980, S. 15). Dabei handelt es sich bei dem Phänomen Zweisprachigkeit weder um etwas Geheimnisvolles noch um etwas Exotisches, sondern um einen der möglichen Normalfälle.

Die Wurzeln dieser negativen Einstellungen zur Zweisprachigkeit sind in ideologisch gefärbten Veröffentlichungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu finden. Sie ziehen sich bis heute, oft in versteckter Form durch die pädagogische und psychologische Literatur (vgl. z. B. Wieczerkowski 1965, S. 41), in denen man den Zweisprachigen unter anderem Orientierungslosigkeit und eine gespaltene Persönlichkeit nachsagt. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Wie kommt das Kind zur Sprache?

1.1 Stufenförmige Entwicklung der Sprache

1.2 Merkmale des Spracherwerbs

1.3 Bedeutung und Funktion der Sprache für Kinder

1.4 Kommunikative und egozentrische Funktion der Kindersprache

1.5 Bedeutung der non-verbalen Kindersprache

2. Zweisprachigkeit

2.1 Mehrsprachigkeit in der Gesellschaft

2.1.1 Historischer Rückblick

2.1.2 Mehrsprachigkeit und Mehrkulturalität

2.1.3 Kulturelle Identität

2.1.4 Mehrsprachigkeit heute

2.2 Zweisprachigkeit in der Wissenschaft

2.2.1 Versuch einer operationalen Definition

2.2.2 Kategorisierung der Zweisprachigkeit

2.2.3 Zweisprachigkeit in der Wissenschaft

2.2.3.1 Entwicklungsstufen bei einem Doppelspracherwerb

2.2.3.2 Entwicklungsstadien beim Zweitspracherwerb

2.2.4 Kontrastiv- und Identitätshypothese

2.3 Bedeutung der Erstsprache für die Zweisprachigkeit

2.3.1 Zum Begriff der Muttersprache

2.3.2 Erstsprache in den ersten Lebensjahren

2.3.3 Erstsprache als Vorteil

3. Probleme der zweisprachigen Kinder

3.1 Zweisprachigkeit als Abweichung

3.2 Zweisprachigkeit und Intelligenzentwicklung

3.3 Psychologische Probleme

3.3.1 Bedeutung der Zweisprachigkeit für den Prozess der kindlichen Identitätsentwicklung

3.3.2 Stigmatisierung bei Kindern

3.3.2.1 Sprachliche Stigmatisierung bei Kindern

3.3.3 Psychologischer Aspekt des Stotterns

3.3.4 Sprachlosigkeit im Kindergarten

3.4 Linguistische Probleme

3.4.1 Anzeichen der instabilen zweisprachigen Kompetenz

3.4.2 Sprachwahl und Kodewechsel bei Kindern

3.4.3 Interferenz

3.4.4 Probleme der richtigen Zuordnung

3.5 Bildungspolitische Probleme

3.5.1 Doppelte Halbsprachigkeit

3.5.1.1 Kritik und der bildungspolitische Aspekt

3.6 Aussichten für die Schulzeit der halbsprachigen Kinder

4. Sprachförderung

4.1 Konzepte zur Sprachförderung zweisprachiger Kinder im Kindergarten

4.1.1 Defizittheorie

4.1.2 IFP-Modell

4.1.3 Fortbildungskurse für Erzieherinnen

5. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die oft fälschlicherweise als rein negativ wahrgenommenen Auswirkungen von Zweisprachigkeit bei Vorschulkindern zu untersuchen, ideologisch bedingte Vorurteile abzubauen und den komplexen, vielschichtigen Prozess des zweisprachigen Spracherwerbs zu beleuchten.

  • Stufenmodell der kindlichen Sprachentwicklung
  • Differenzierung zwischen verschiedenen Formen der Zweisprachigkeit
  • Analyse psychologischer und linguistischer Probleme (wie Stigmatisierung und Interferenz)
  • Kritische Auseinandersetzung mit der "Doppelten Halbsprachigkeit"
  • Bewertung von Sprachförderkonzepten im Kindergartenbereich

Auszug aus dem Buch

1.4 Kommunikative und egozentrische Funktion der Kindersprache

Die kommunikative Funktion ist, dem allgemeinen Verständnis von Sprache nach, deren Hauptfunktion. Die Möglichkeit, sich mit anderen zu verständigen und auszutauschen, Informationen weiterzugeben oder zu empfangen, ist in erster Linie an Sprache gebunden. In Kommunikationsmodellen wird dabei zwischen Sender und Empfänger unterschieden, zwischen denen über einen Kanal Mitteilungen transportiert werden.

So einfach, wie sich das Modell auf den ersten Blick darstellt, so kompliziert erweist sich Kommunikation auf den zweiten Blick. Es ist kein mechanischer Ablauf, wie mit den Begriffen „codieren, senden, empfangen, decodieren“ nahegelegt wird, sondern ein zwischenmenschlicher Austausch. Dabei können neben der Sprache unterschiedliche Mittel eingesetzt werden und vor allem ist der persönliche Erfahrungshintergrund von Empfänger und Sender und ihre Beziehung zu einander für die Interpretation des Gesagten ausschlaggebend.

Welche Rolle spielt die Kommunikation für das Kind? Die Beziehung zu anderen Personen wird von Beginn an mit Sprache verbunden und zu einem wesentlichen Teil über Sprache gestaltet. Mit Sprache werden nicht nur Mitteilungen und Botschaften gesendet, sondern ebenfalls emotionale Stimmungen, die für Kinder von fundamentaler Bedeutung sind. Der emotionale Aspekt der sprachlichen Zuwendung ist speziell im Säuglings- und Kleinkindalter für eine bestmögliche kindliche Entwicklung von äußerster Wichtigkeit. Bei Kindern im vorschulischen Alter relativiert sich dies jedoch, da die Kommunikation nunmehr weitere Funktionen, Informationen und Mitteilungen für sie enthält.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der weltweit zunehmenden Mehrsprachigkeit ein und hinterfragt kritisch die historisch gewachsenen, oft negativen Einstellungen zur Zweisprachigkeit, um die Forschungsfrage nach den tatsächlichen linguistischen und psychologischen Problemen bei Vorschulkindern zu motivieren.

1. Wie kommt das Kind zur Sprache?: Dieses Kapitel beschreibt den natürlichen Spracherwerb, die verschiedenen Entwicklungsstufen, sowie die Bedeutung und Funktionen der Sprache (kommunikativ, egozentrisch, non-verbal) als notwendige Grundlage für das Verständnis bilinguale Erziehung.

2. Zweisprachigkeit: Es erfolgt eine wissenschaftliche Verortung der Zweisprachigkeit unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Mehrsprachigkeit, verschiedener Definitionen, Kategorisierungen und Hypothesen (Kontrastiv-/Identitätshypothese) sowie eine eingehende Analyse der Bedeutung der Erstsprache.

3. Probleme der zweisprachigen Kinder: Dieses Kapitel untersucht die bei zweisprachigen Kindern auftretenden Herausforderungen, darunter Stigmatisierung, psychologische Aspekte wie Stottern, sprachliche Probleme (Interferenz, Kodewechsel) und bildungspolitische Begrifflichkeiten wie die "Doppelte Halbsprachigkeit".

4. Sprachförderung: Hier werden unterschiedliche Konzepte zur Sprachförderung im Kindergarten – von der kritisch beleuchteten Defizittheorie bis hin zum bilingualen IFP-Modell und Fortbildungskursen – vorgestellt und hinsichtlich ihrer praktischen Auswirkungen bewertet.

5. Zusammenfassung: Die Autorin fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, räumt mit Mythen über Intelligenzminderung auf und plädiert für eine wertschätzende, tolerante Umgebung, die Zweisprachigkeit als wertvolle Kompetenz statt als Defizit betrachtet.

Schlüsselwörter

Zweisprachigkeit, Spracherwerb, Erstsprache, Zweitsprache, Identitätsentwicklung, Mehrsprachigkeit, Vorschulkind, Stigmatisierung, Interferenz, Kodewechsel, Doppelte Halbsprachigkeit, Sprachförderung, Bilingualismus, Kommunikation, Migrationshintergrund

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Situation zweisprachig aufwachsender Kinder im Vorschulalter, wobei der Fokus auf den linguistischen, psychologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen liegt, denen diese Kinder in einem oft monolingual ausgerichteten Bildungssystem begegnen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen sind der natürliche Spracherwerb, Definitionen und Konzepte der Zweisprachigkeit, die kindliche Identitätsentwicklung, sprachliche Probleme wie Interferenz und Kodewechsel sowie die Möglichkeiten der pädagogischen Sprachförderung im Kindergarten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, den ideologisch geprägten, oft negativen Blick auf Zweisprachigkeit wissenschaftlich fundiert zu korrigieren, die tatsächlichen Herausforderungen dieser Kinder zu verstehen und Wege für eine erfolgreiche, unterstützende Sprachpädagogik aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender pädagogischer, psychologischer und linguistischer Studien, die die Autorin kritisch gegeneinander abwägt und mit Beobachtungen aus der Praxis sowie Einzelfallbeispielen verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei große inhaltliche Blöcke: die theoretischen Grundlagen des Spracherwerbs, eine ausführliche wissenschaftliche Einordnung der Zweisprachigkeit sowie eine detaillierte Analyse der Probleme von zweisprachigen Kindern (z. B. Identitätskonflikte, sprachliche Stigmatisierung, schulische Aussichten).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zweisprachigkeit, Erstsprache, Identitätsentwicklung, Sprachförderung, Interferenz, Kodewechsel, Bilingualismus und Stigmatisierung sind die zentralen Begriffe, die den Inhalt der Arbeit maßgeblich bestimmen.

Warum wird der Begriff "Muttersprache" in der Arbeit vermieden?

Die Autorin verzichtet auf den Begriff "Muttersprache", da dieser in der deutschen Tradition stark ideologisch belastet ist und keine präzise wissenschaftliche Grundlage bietet, um die vielfältigen, oft mehrsprachigen Identitäts- und Erwerbssituationen von Kindern mit Migrationshintergrund angemessen zu beschreiben.

Wie bewertet die Autorin die "Doppelte Halbsprachigkeit"?

Die Autorin setzt sich sehr kritisch mit diesem Begriff auseinander. Sie argumentiert, dass er wissenschaftlich wenig fundiert ist und oft als stigmatisierendes Instrument dient, um die sprachliche Verarmung zu pathologisieren, anstatt die Ursachen in der einseitigen, defizitorientierten Pädagogik und gesellschaftlichen Diskriminierung zu suchen.

Welche Rolle spielt der Kindergarten für zweisprachige Kinder?

Der Kindergarten ist laut Arbeit die erste und entscheidende Bildungseinrichtung, die den Grundstein für die sprachliche Identität und den späteren Schulerfolg legt. Eine zu einseitige Ausrichtung auf die deutsche Sprache ohne Anerkennung der Erstsprache wird hierbei als Gefahr für die kindliche Identitätsentwicklung bewertet.

Excerpt out of 93 pages  - scroll top

Details

Title
Probleme der zweisprachigen Kinder im Vorschulalter
College
Free University of Berlin
Grade
1,6
Author
Elena Rauch (Author)
Publication Year
2005
Pages
93
Catalog Number
V44062
ISBN (eBook)
9783638417235
ISBN (Book)
9783656073840
Language
German
Tags
Probleme Kinder Vorschulalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Elena Rauch (Author), 2005, Probleme der zweisprachigen Kinder im Vorschulalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44062
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  93  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint