In ersten Teil seines Werkes liefert der Autor einen kurzen Überblick über die wichtigsten Staatstheorien, wobei er sich insbesondere mit Rousseaus „Gesellschaftsvertrag“ auseinandersetzt, dessen Verständnis elementar wichtig für die Auseinandersetzung mit Schmitt ist.
Im 2.Teil der Arbeit setzt sich der Autor dann mit dem Hauptwerk des deutschen Staatsrechtlers Carl Schmitt auseinander. Dieser hatte 1923 in seinem Werke „Zur geistesgeschichtlichen Lage des heutigen Parlamentarismus“ versucht, eine Antwort auf die Frage zu finden, warum es im Laufe des 19.Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu der nicht zwangsläufigen Symbiose von Parlamentarismus und Demokratie gekommen war. Schmitt versuchte die Frage zu beantworten, ob der Parlamentarismus ein ihm eigenes Ideal beinhalten würde, oder ob das Parlament nur der mangelhafte Versuch einer technischen Organisationsform war. Schmitt zeigte auf, dass das Parlament eine Idee des liberalen Geistes des 19.Jahrhundert war, welches glaubte, das ökonomische Gesetz des freien Marktes in die politische Arena transportieren zu können.
Ursprünglich aus dem Glauben entstanden , dass sich die im Volke unterschiedlich verteilten Vernunftpartikel im Parlament sinnvoll zusammenfügen würden, sah sich Schmitt nicht zuletzt durch seine eigenen Erfahrungen mit der Unfähigkeit der Weimarer Demokratie eines besseren belehrt. Nicht das gemeinsame Ringen um die beste Lösung sei Ziel des Parlamentes geworden, sondern vielmehr die Beherrschung der Minderheit. Die hinter dem Gedanken des Parlamentes stehende Idee war pervertiert worden.
Im 3.Teil der Arbeit beschäftigt sich der Autor mit der Rolle Schmitts in der Weimarer Republik. Insbesondere wird ein Blick auf Schmitts Rolle im sogenannten Parteienstaatsstreit geworfen, wo um die verfassungsrechtliche Rolle der Parteien gerungen wurde, die heute durch Art. 21 GG zugunsten der Parteien entschieden worden ist.
Auch werden einige der damals angedachten Gegenentwürfe zum Parteienstaat dargestellt. Der Schwerpunkt fällt dabei auf Oswald Spenglers „Autoritativem Sozialismus“ und Othmar Spanns „Ständestaat“.
Im letzten Teil beschäftigt sich der Autor dann noch mit der Bedeutung Carl Schmitts in der Gegenwart. Carl Schmitts Kritik am Parteienstaat ist, wie die ansteigenden Rezensionen über ihn zeigen, zeitlos.
Inhaltsverzeichnis
I. Schmitts Grundthese
II. Die Ursprünge der Staats-, Demokratie- und Parlamentarismustheorien
a) Staatsabsolutistische Theorie
b) Liberalistische Theorie
c) Radikaldemokratische Theorie
III. Prinzipien des Parlamentarismus
1. Auslese des politischen Personals
2. Diskussion
3. Öffentlichkeit
4. Gewaltenteilung
IV. Die Rolle Schmitts in dem Streit um die Parteienstaatslehre
1. Die positivistische Lehre vom Parteienstaat
aa) Organisation der Gesellschaft, der Staatswillensbildung und der Staatsorgane
bb) Führerauslese
2. Kritik an der Lehre vom Parteienstaat
3. Gegenentwürfe zum Parteienstaat
a) Ständestaat
b) Autoritativer Sozialismus
c) Rätesystem
V. Schmitts Interpretation des Marxismus- „Die Extreme berühren sich“
VI. Die Bedeutung Schmitts für die Gegenwart
VII. Biographie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Kritik von Carl Schmitt am parlamentarischen System der Weimarer Republik, hinterfragt die theoretischen Grundlagen der Demokratie sowie des Parteienstaates und setzt diese in den Kontext aktueller gesellschaftspolitischer Herausforderungen.
- Geistesgeschichtliche Grundlagen von Staats- und Demokratietheorien
- Kritische Auseinandersetzung mit den Prinzipien des Parlamentarismus
- Analyse der Rolle der Parteien in der Weimarer Staatslehre
- Vergleich der Staatsmodelle: Parlamentarismus, Ständestaat und autoritärer Sozialismus
- Interpretation der marxistischen Theorie durch Carl Schmitt
Auszug aus dem Buch
a) Die Staatsabsolutistische Theorie
Grundannahme der Staatsabsolutisten, deren wichtigste Vertreter Thomas Hobbes (1588-1679) und Jean Bodin (1529-1596) gewesen sind, war, daß es einen Naturzustand gebe, in dem alle Menschen gegeneinander kämpften (bellum omnium contra omnes). Dieser bereits von Platon so beschriebene Kampf aller gegen alle bringe dabei zwei menschliche Leidenschaften zum Tragen. Das Machtstreben gegenüber anderen Menschen und die Furcht, das Opfer des Machtstrebens anderer zu werden. „Der Mensch ist des Menschen Wolf, aber auch des Menschen Hase.“ (homo homini lupus, sed homo homini lepus). Dieser bei Thomas Hobbes formulierte Satz sollte zeigen, daß der Mensch grundsätzlich gezwungen sei, zwischen diesen beiden Leidenschaften zu navigieren.
Um aber diesem Dilemma zu entkommen, bediene sich der Mensch seiner ihm von Natur aus gegebenen Vernunft. Sie bewirke, daß er seine ungezügelte Freiheit, inklusive des Rechts des Stärkeren, auf ein Gebilde übertrage, welches den Krieg aller gegen alle, den Zustand totaler Anarchie, beende. Der Mensch verliere hierdurch aber nur scheinbar seine Freiheit. Die Übertragung der Macht auf den Staat garantiere ihm dafür im Gegenzug den Frieden und in dessen Gefolge auch wiederum die individuelle Freiheit. Es bestehe also nur scheinbar ein Gegensatz zwischen abgetretener Macht und errungener Freiheit.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Schmitts Grundthese: Einführung in die Fragestellung, ob das Parlament eine substanzielle Grundidee besitzt oder lediglich eine funktionalistische Organisationsform darstellt.
II. Die Ursprünge der Staats-, Demokratie- und Parlamentarismustheorien: Untersuchung der historischen Wurzeln von Staatsideen bei den Liberalisten und Rousseau im Kontext der Aufklärung.
III. Prinzipien des Parlamentarismus: Kritische Prüfung der Kernargumente für das Parlament, nämlich Personalauslese, Diskussion, Öffentlichkeit und Gewaltenteilung.
IV. Die Rolle Schmitts in dem Streit um die Parteienstaatslehre: Analyse der Debatte um den Parteienstaat in der Weimarer Republik und der Versuche positivistischer Staatsrechtler, Parteien als konstitutive Elemente zu legitimieren.
V. Schmitts Interpretation des Marxismus- „Die Extreme berühren sich“: Darstellung von Schmitts Sicht auf die marxistische Dialektik und die Entwicklung zur Theorie der direkten Aktion.
VI. Die Bedeutung Schmitts für die Gegenwart: Reflexion über die heutige Relevanz von Schmitts Kritik an Pluralismus, Parteienstaat und dem Vertrauensverlust in das repräsentative System.
VII. Biographie: Kurzbiografie von Carl Schmitt von seiner Ausbildung im Kaiserreich bis zu seiner Tätigkeit und politischen Haltung in der Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus.
Schlüsselwörter
Carl Schmitt, Parlamentarismus, Weimarer Republik, Parteienstaat, Demokratie, Staatslehre, Absolutismus, Liberalismus, Rousseau, Gewaltenteilung, Politische Theorie, Autoritarismus, Marxismus, Rechtsstaat, Volkssouveränität.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser Seminararbeit?
Die Arbeit untersucht kritisch die Staats- und Demokratietheorien von Carl Schmitt, insbesondere seine scharfe Analyse des parlamentarischen Systems in der Weimarer Republik.
Welche politischen Strömungen werden als Ursprung der Staatstheorien betrachtet?
Es werden primär die staatsabsolutistische, die liberalistische und die radikaldemokratische Theorie im Zeitalter der Aufklärung beleuchtet.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung in Bezug auf den Parlamentarismus?
Das Ziel ist es zu hinterfragen, ob der Parlamentarismus eine eigene ideologische Grundidee besitzt oder lediglich als technisches Organisationsinstrument dient, das in der Praxis die ursprünglichen Versprechen wie "Wahrheitsfindung durch Diskussion" nicht einhält.
Welche wissenschaftliche Methodik wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine geistesgeschichtliche und politikwissenschaftliche Analyse, die einschlägige Originalschriften von Schmitt sowie zeitgenössische und spätere wissenschaftliche Diskurse (z.B. Kelsen, Thoma, Spengler) gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung parlamentarischer Prinzipien, den Streit um die Parteienstaatslehre in der Weimarer Zeit, Gegenentwürfe wie den Ständestaat oder das Rätesystem sowie eine Analyse des marxistischen Denkens aus Schmitts Sicht.
Welche Schlüsselbegriffe definieren den Inhalt?
Zu den Kernbegriffen gehören das Freund-/Feindschema, der "Starke Staat", Parteienkritik, Pluralismus, das Parlament als "Fassade" und das Spannungsfeld zwischen Liberaldemokratie und Autoritarismus.
Wie bewertet der Autor die gegenwärtige Situation des parlamentarischen Systems im Vergleich zu Weimar?
Der Autor stellt eine gewisse Zeitlosigkeit von Schmitts Kritik fest und vergleicht das damalige "System Weimar" mit heutigen Problemen wie Politikverdrossenheit und dem wahrgenommenen Verlust an demokratischer Legitimation.
Welche Rolle spielt die Biographie von Carl Schmitt in der Arbeit?
Die Biographie dient dazu, Schmitt als "Kind seiner Zeit" einzuordnen und seine theoretischen Positionen in den Kontext seines Lebensweges im Kaiserreich, der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus zu stellen.
- Quote paper
- Dpilom-Finanzwirt Falk-Christian Barzik (Author), 2005, Auseinandersetzung mit Carl Schmitts "Zur geistesgeschichtlichen Lage des heutigen Parlamentarismus" von 1923, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44072