Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem wirtschaftlichen Wachstumsprozess und den damit einhergehenden Strukturveränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft im „Dritten Reich“. Aufgrund der inkonsistenten Datenlage und wirtschaftlicher Besonderheiten einer Kriegswirtschaft wird hierbei auf die Vorkriegszeit, namentlich den Zeitraum 1933 bis 1939, abgestellt.
Zunächst stellt sich die Frage nach der quantitativen Seite des Wachstums, die hier mittels des Indikators reales Volkseinkommen pro Kopf analysiert wird. In Überleitung zu einer qualitativ gearteten Analyse des Wachstums wird anschließend auf die Verbindung zwischen dem Wachstum einer Volkswirtschaft und dem hierdurch angestoßenen Strukturwandel innerhalb derselben eingegangen.
Anhand ausgesuchter makroökonomischer Strukturen wird im weiteren Verlauf der Arbeit der Frage nachgegangen, in welche Richtung und in welcher Intensität ein Wandel im untersuchten Zeitraum vor sich ging. Eine Einbettung der betrachteten Prozesse in einen weiteren historischen Zeitlauf ist hierzu unabdingbar, da eine Bewertung ohne diese erweiterte Perspektive sich dem Vorwurf der Spekulation ausgesetzt sähe.
Zusätzlich wird in einem weiteren Blickfeld ein kurzer Vergleich zur Phase des deutsche n „Wirtschaftswunders“ gezogen, der sich aufgrund der zeitlichen Nähe beider Zeitabschnitte anbietet, da sich hierdurch grundlegende Prämissen und Vorbedingungen der einander gegenübergestellten Phasen ähnlich ausnehmen und zudem eine ähnliche Wachstumsdynamik zu konstatieren ist.
In einem abschließenden Fazit wird aus den vorgenommenen Betrachtungen heraus die Frage diskutiert, ob die beobachtbaren Entwicklungen im Zeitraum 1933 bis 1939 stärker und satisfizierender hätten ausfallen können. Damit wird implizit auch eine Bewertung der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik im Hinblick auf den untersuchten Themenkreis vorgenommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wachstum im Deutschen Reich 1933 – 1939
3. Strukturwandel im Nationalsozialismus
3.1. Wertschöpfungsstruktur
3.2. Beschäftigtenstruktur
3.3. Verwendungsstruktur des Sozialprodukts
4. Gegenüberstellung zur Phase des „Wirtschaftswunders“
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den wirtschaftlichen Wachstumsprozess und die damit verbundenen Strukturveränderungen im Deutschen Reich zwischen 1933 und 1939. Das primäre Ziel ist es, die Qualität dieses quantitativ belegten Wachstums kritisch zu hinterfragen, den Strukturwandel zu untersuchen und die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik durch einen Vergleich mit der Phase des „Wirtschaftswunders“ in den fünfziger Jahren zu bewerten.
- Quantitative Analyse des Wachstums des realen Volkseinkommens
- Untersuchung der Wertschöpfungs- und Beschäftigtenstruktur
- Analyse der Verwendungsstruktur des Sozialprodukts
- Vergleich der Wirtschaftsleistung mit dem „Wirtschaftswunder“
- Bewertung der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik hinsichtlich langfristiger Entwicklungschancen
Auszug aus dem Buch
3.1. Wertschöpfungsstruktur
Zur Lokalisierung der Wertschöpfung werden die Bereiche Primär-, Sekundär- und Tertiärsektor heranzogen, wobei die Zuordnung zu den einzelnen Bereichen je nach Datenquelle leicht variiert. Grundsätzlich dient diese Unterteilung sowohl dazu, eine Rangordnung der Konsumentennachfrage gemäß der Intensität des Bedarfs abzubilden als auch die auf der Angebotsseite durch veränderte Produktivitäten verursachten Verschiebungen zu veranschaulichen. Die beiden entscheidenden Einflussgrößen Arbeitsproduktivität und fortschreitende relative Sättigung des Verbrauchers werden somit in dieser Struktur berücksichtigt, wobei anzumerken ist, dass letztere nur indirekt über den Verbrauch auf die Produktion einwirkt.
Eine Steigerung des Pro-Kopf-Volkseinkommens, wie sie weiter oben für den hier betrachteten Zeitabschnitt dargelegt wurde, führt dabei in der Regel zu einer Abnahme der relativen Nachfrage nach Produkten des primären Sektors hin zu solchen des sekundären Sektors und im weiteren Verlauf auch zu solchen des tertiären Sektors. Tabelle 2 zeigt für die Phase des Nationalsozialismus sowohl eine relative Abnahme des primären als auch des tertiären Sektors, wohingegen der sekundäre Sektor ein deutlich zunehmendes relatives Gewicht in der Struktur der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung gewann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Untersuchung des wirtschaftlichen Wachstums und der Strukturveränderungen im „Dritten Reich“ und setzt diese durch einen Vergleich mit der Nachkriegszeit in einen historischen Kontext.
2. Wachstum im Deutschen Reich 1933 – 1939: Dieses Kapitel dokumentiert den quantitativen Anstieg des realen Volkseinkommens pro Kopf, der das Vorkrisenniveau übertraf, und verweist auf die Dynamik der Erholung.
3. Strukturwandel im Nationalsozialismus: Hier wird untersucht, inwiefern das Wachstum mit einem qualitativen Wandel der Wirtschaftsstruktur einherging, wobei die Disproportionalität der Sektorentwicklung im Fokus steht.
3.1. Wertschöpfungsstruktur: Es wird analysiert, wie sich die Anteile von Primär-, Sekundär- und Tertiärsektor an der Wertschöpfung in diesem Zeitraum veränderten.
3.2. Beschäftigtenstruktur: Dieses Unterkapitel beleuchtet die Interdependenz zwischen Beschäftigungsverschiebung und Wertschöpfungsänderung sowie die Zögerlichkeit der Landflucht.
3.3. Verwendungsstruktur des Sozialprodukts: Es wird aufgezeigt, wie die Konsumquote zugunsten des staatlich finanzierten Rüstungsaufwandes und der Investitionen sank.
4. Gegenüberstellung zur Phase des „Wirtschaftswunders“: Das Kapitel stellt die Ergebnisse der Vorkriegszeit der wirtschaftlichen Entwicklung der fünfziger Jahre gegenüber, um qualitative Unterschiede in der Nachhaltigkeit der Strukturveränderungen aufzuzeigen.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass trotz des hohen quantitativen Wachstums die qualitative Entwicklung mangelhaft blieb und die Wirtschaftspolitik langfristige Chancen versäumte.
Schlüsselwörter
Wirtschaftswachstum, Nationalsozialismus, Strukturwandel, Wertschöpfungsstruktur, Beschäftigtenstruktur, Sozialprodukt, Konsumquote, Investitionsquote, Wirtschaftswunder, Kriegswirtschaft, Volkseinkommen, Rüstungspolitik, Arbeitslosigkeit, Deutschland, Wirtschaftsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Wachstum und dem damit verbundenen Strukturwandel in Deutschland im Zeitraum 1933 bis 1939.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung des Volkseinkommens, die Verschiebung der Sektorenanteile bei Wertschöpfung und Beschäftigung sowie die Verwendung des Sozialprodukts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Bewertung der Qualität des Wachstums im „Dritten Reich“ und dessen langfristige ökonomische Nachhaltigkeit im Vergleich zur Nachkriegszeit.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine makroökonomische Analyse, gestützt auf historische Statistiken, um quantitative Wachstumsraten mit qualitativen Strukturveränderungen in Korrelation zu setzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Wertschöpfungs-, Beschäftigten- und Verwendungsstruktur und kontrastiert diese Ergebnisse mit der Phase des „Wirtschaftswunders“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Wirtschaftswachstum, Strukturwandel, Rüstungspolitik, Konsumquote und das „Wirtschaftswunder“.
Warum wird das Wirtschaftswachstum zwischen 1933 und 1939 als zwiespältig bewertet?
Obwohl ein kräftiges quantitatives Wachstum stattfand, blieb der begleitende Strukturwandel schwach, da er primär durch Rüstungsausgaben statt durch langfristige Rationalisierung vorangetrieben wurde.
Wie unterscheidet sich die Strukturveränderung im „Dritten Reich“ von der des „Wirtschaftswunders“?
Im „Wirtschaftswunder“ erfolgte ein deutlich rascherer und nachhaltigerer Abbau des Primärsektors, begleitet von einer investitionsstärkeren und marktwirtschaftlicheren Entwicklung.
Welche Rolle spielte die Konsumquote in der nationalsozialistischen Wirtschaft?
Die Konsumquote sank drastisch, was nicht primär auf eine natürliche Höherentwicklung zurückzuführen war, sondern auf den massiven staatlichen Konsum durch die Aufrüstung.
- Quote paper
- Felix Cuny (Author), 2005, Wachstum und Strukturwandel im "Dritten Reich", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44076