Die vorliegende Thesis beschäftigt sich mit der Darstellung des Werkes "Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses", des Philosophen Michel Foucault, aus dem Jahre 1975. Hierbei soll der Fokus primär auf der historischen Entwicklung von der Marter- und Folterstrafe zu einer Disziplinargesellschaft liegen. Interessant für die Analyse ist hierbei, dass sich jegliche Ansätze, des von Foucault kritisierten Strafvollzugs des 19. Jahrhunderts, im heutigen Strafsystem wieder finden. Eben diese Strafanstalten sollen in dieser Arbeit näher betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Überblick in Foucaults Werk
Exkurs: Über die Macht
3. Die Marter
4. Ein verändertes Strafsystem
5. Besserung der Seele anstatt Folter und Strafe
6. Formen der Disziplinierung
6.1 Macht und Körper
6.2 Parzellierung
6.3 Das Panoptikum
7. Institution Gefängnis
8. Kritik am Gefängnis
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit Michel Foucaults Werk „Überwachen und Strafen“ auseinander, um die historische Transformation vom öffentlichen Strafvollzug hin zur modernen Disziplinargesellschaft und deren Auswirkungen auf das Individuum zu analysieren.
- Historische Entwicklung von Marter und öffentlicher Folter
- Wandel des Strafsystems im 19. Jahrhundert
- Die Rolle von Disziplin und Mikrophysik der Macht
- Architektur der Kontrolle: Das Panoptikum
- Kritik an der Institution Gefängnis
Auszug aus dem Buch
6.3 Das Panoptikum
Nach dem Vorbild des Sozialreformers Jeremy Bentham entwickelte sich im 19. Jahrhundert das Panoptikum. Dieses ist wie folgt aufgebaut: Das Panoptikum ist ein ringförmiges Gebäude, welches einen hohen Turm in seiner Mitte umschließt. Der Ring ist in verschiedene kleine Parzellen unterteilt, in die die sich auf dem Turm befindliche Person jederzeit Einblick hat, ohne selbst gesehen zu werden. Jede Zelle hat zwei Fenster. Eines richtet sich auf den Turm in der Mitte, das andere gibt den Blick nach draußen frei (Ruffing 2008, S.63). Somit ist eine Überwachung durch den Menschen im Turm durchgängig gegeben, wohingegen die gefangene Person nicht einsehen kann, ob sie in einem bestimmten Moment beobachtet wird.
Die besondere Aufgabe des Panoptikums ist demnach „[…] die Schaffung eines bewußten und permanenten Sichtbarkeitszustandes beim Gefangenen, der das automatische Funktionieren der Macht sicherstellt“ (Foucault 1994, S. 258). Der Wächter im Turm des Panoptikums wird im übertragenen Sinne hingegen von der Gesellschaft observiert und kann jederzeit von einem anderen Funktionsträger ausgetauscht werden (Sarasin 2005, S. 139).
Für Foucault bildet das Panoptikum den architektonischen Ursprung des modernen Gefängnisses, welches durch das Überwachungssystem und die damit einhergehende neue Form der Disziplinierung gänzlich auf körperliche Züchtigungen verzichten kann (vgl. ebd., S. 139). Der_die Insasse_in internalisiert die Vorstellung der ständigen Kontrolle und der Disziplinarmacht und richtet sie gegen sich selbst. Diese unumgängliche Tatsache verhindert jegliches Aufbegehren gegen die Macht. „Wann immer man es mit einer Vielfalt von Individuen zu tun hat, denen eine Aufgabe oder ein Verhalten aufzuzwingen ist, kann das panoptische Schema Verwendung finden, […]“ (Foucault 1994, S. 264). Heute erscheint das Panoptikum als etablierter Teil der Gesellschaft die mit ihren Krankenhäusern, Asylen Klöstern etc., ebenfalls eine kostengünstige Unterbringung fokussiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Thesis thematisiert die historische Entwicklung vom Strafvollzug hin zur Disziplinargesellschaft anhand von Foucaults Hauptwerk.
2. Überblick in Foucaults Werk: Hier werden die philosophischen Grundlagen Foucaults erläutert, insbesondere seine Thesen zur Transformation gesellschaftlicher Verhältnisse.
Exkurs: Über die Macht: Dieser Abschnitt analysiert das Machtverständnis als Mikrophysik, das nicht unterdrückend, sondern subjektkonstituierend wirkt.
3. Die Marter: Es wird die öffentliche Hinrichtung des 18. Jahrhunderts beschrieben, die zur Machtdemonstration des Souveräns diente.
4. Ein verändertes Strafsystem: Dieses Kapitel behandelt den Wandel der Strafphilosophie weg vom Körper hin zur Seele des Individuums Ende des 18. Jahrhunderts.
5. Besserung der Seele anstatt Folter und Strafe: Hier wird der Fokus auf die Disziplinierung und Heilung von Häftlingen durch Experten wie Psychologen und Pädagogen gelegt.
6. Formen der Disziplinierung: Es werden Methoden wie standardisierte Abläufe und die Parzellierung des Raums analysiert, um Bürger zu kontrollieren.
6.1 Macht und Körper: Dieses Unterkapitel untersucht, wie Disziplin durch ständige Wiederholung und Dressur zur wirtschaftlichen Nutzbarmachung des menschlichen Körpers führt.
6.2 Parzellierung: Hier wird erklärt, wie räumliche Anordnungen in Institutionen wie Klöstern oder Gefängnissen die ständige Überprüfbarkeit von Individuen sicherstellen.
6.3 Das Panoptikum: Das Kapitel beschreibt das Panoptikum als architektonische Umsetzung permanenter Überwachung, bei der der Beobachtete sich selbst kontrolliert.
7. Institution Gefängnis: Foucault skizziert hier die Aufgaben des Gefängnisses, insbesondere die Sammlung von Informationen und die Kategorisierung von Häftlingen.
8. Kritik am Gefängnis: Dieses Kapitel thematisiert die Unzulänglichkeit der Gefängnisstrafe bezüglich der Kriminalitätsprävention sowie die psychischen Auswirkungen auf Inhaftierte.
9. Fazit: Die Arbeit resümiert die Entstehung der modernen Disziplinargesellschaft und Foucaults Plädoyer für eine kritische Überprüfung gesellschaftlicher Ziele.
Schlüsselwörter
Michel Foucault, Überwachen und Strafen, Disziplinargesellschaft, Macht, Mikrophysik der Macht, Panoptikum, Strafvollzug, Subjektivierung, Gefängnis, Disziplin, Körper, Seele, Kontrolle, Transformation, Kriminalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Michel Foucaults Werk „Überwachen und Strafen“ von 1975 und untersucht den historischen Wandel von der öffentlichen Folter hin zum modernen, disziplinierenden Strafsystem.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Machttechniken, die historische Veränderung des Strafrechts, die Architektur der Überwachung sowie die disziplinierende Wirkung gesellschaftlicher Institutionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Darstellung der historischen Entwicklung zur Disziplinargesellschaft und die kritische Hinterfragung, wie heutige Strafanstalten weiterhin Macht über Körper und Seele ausüben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse und philosophische Aufarbeitung des foucaulschen Werkes unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird der Übergang von öffentlicher Marter zu strukturierten Gefängnissystemen, die Rolle des Panoptikums und die allgemeine Funktionsweise der Disziplinarmacht in der modernen Gesellschaft erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Macht, Disziplin, Panoptikum, Gefängnis und Subjektivierung.
Welche Rolle spielt der Körper in Foucaults Theorie des Strafens?
Foucault zeigt auf, dass der Körper früher öffentliches Ziel der Marter war, während er im modernen Gefängnis Gegenstand einer gezielten Dressur und Überwachung zur ökonomischen Nutzbarmachung wird.
Warum hält Foucault das Panoptikum für den Ursprung der modernen Überwachung?
Weil es durch seine Bauweise einen „permanenten Sichtbarkeitszustand“ schafft, der dazu führt, dass Individuen die Kontrolle internalisieren und sich selbst disziplinieren.
Welche Kritik äußert die Arbeit am heutigen Gefängniswesen?
Die Arbeit weist darauf hin, dass Gefängnisse Kriminalität kaum minimieren, sondern als Mikrokosmos eigene Regeln produzieren, die oft nicht zur echten Resozialisierung, sondern zu weiterem Stress und Stigmatisierung führen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2014, Die Entwicklung zur Disziplinargesellschaft nach Foucault in "Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/440836