Das Russische Reich unter Katharina II.

Welche infrastrukturellen Defizite machte sie im russischen Reich ihrer Zeit aus und wie versuchte sie diese in den Jahren ihrer Regierungszeit zu beheben?


Term Paper, 2017
11 Pages, Grade: 1,7

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Themenvorstellung und Kontext
1.2. Problemfrage und gesetzte Schwerpunkte der Ausarbeitung
1.3. Literatur- und Quellenbasis

2. Diskurse zu Defiziten in der Forschungsliteratur
2.1. Autorenposition von Isabel De Madariaga in Katharina die Große: Ein Zeitgemälde zum Manifest vom 14.12.1766: Einberufung einer Kommission zur Erarbeitung eines Gesetzbuchs
2.2. Autorenposition von Erich Donnert in Katharina II. die Große: Kaiserin des Russischen Reiches zum Manifest vom 14.12.1766: Einberufung einer Kommission zur Erarbeitung eines Gesetzbuchs

3. Fazit
3.1. Vergleichende Betrachtung der Autorenmeinungen
3.2. eigene Position

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Hinweis: Alle Angaben von Daten erfolgen unter Berücksichtigung des damals in Russland üblichen julianischen Kalenders. Der heute verwendete gregorianische Kalender zählt 11 Tage hinzu.

1.1. Themenvorstellung und Kontext

Das Russische Reich war, bis im Zuge des 18. Jahrhunderts große Veränderungen eintraten, lange Zeit von den europäischen Mächten als rückständig und machtpolitisch weit weg angesehen worden.[1] Die erwähnten Reformen erfolgten dann jedoch so nachdrücklich, dass sogar von einem neu beginnenden Abschnitt innerhalb der Entwicklung des Landes gesprochen werden könnte.[2]

Mit der Ausrufung der neuen Zarin Katharina II. am 28. Juni 1762, die in Folge eines Staatsstreiches gegen ihren Ehemann an die Macht kam[3], begann eine sich über 34 Jahre erstreckende Reihe von Reformen. Sie brachten Russland dem Westen näher und verschafften dem Land im internationalen Kontext gesehen Macht, welche es auch in den folgenden Jahrhunderten zu einem entscheidenden Akteur innerhalb des Weltgeschehens machte.[4] [5]

„Katharina vollendete, was Peter begann.“[6] Das heißt, dass sie sich nicht nur durch beispielsweise Annäherung an den Westen außenpolitisch für die Rolle Russlands einsetzte, sondern sich vor allem innenpolitisch durch ein, in hohem Maße stark reformatorisches Wirken auszeichnete, das sich „an der zeitgemäßen aufgeklärten und humanen Herrschaft“ orientierte.[7] So kann Katharina die Große zu den Monarchen gezählt werden, die den „aufgeklärten Absolutismus“ vertraten.[8]

1.2. Problemfrage und gesetzte Schwerpunkte der Ausarbeitung

Die folgende Ausarbeitung setzt sich mit der Frage auseinander wie Zarin Katharina II. das russische Reich ihrer Zeit wahrnahm, welche infrastrukturellen Defizite sie in ihrem Reich sah und wie sie versuchte selbige Probleme zu beheben bzw. dagegen vorzugehen.

Betrachtet wird dies anhand des Manifests vom 14.12.1766.

Dazu werden im folgenden Hauptteil zwei Positionen aus der Forschungsliteratur herausgearbeitet und dargelegt. Eine vergleichende Betrachtung erfolgt im Schlussteil der Arbeit ergänzt durch ein Fazit und die Schilderung einer eigenen Position.

1.3. Literatur- und Quellenbasis

Die vorliegende Hausarbeit wird sich im Hauptteil vor allem auf folgende Sekundärliteratur zur Ausarbeitung der Autorenpositionen stützen:

- De Madariaga, Isabel, Katharina die Große: Ein Zeitgemälde, Berlin 1993
- Donnert, Erich, Katharina die Große: Kaiserin des Russischen Reiches, Regensburg 1998

Selbstverständlich werden zu ergänzenden Zwecken außerhalb des Hauptteils noch andere Werke zu Rate gezogen, die im Literaturverzeichnis erfasst sind.

2. Diskurse zu Defiziten in der Forschungsliteratur

2.1. Autorenposition von Isabel De Madariaga in Katharina die Große: Ein Zeitgemälde zum Manifest vom 14.12.1766: Einberufung einer Kommission zur Erarbeitung eines Gesetzbuchs

„Der Souverän herrscht unumschränkt; denn keine andere Macht als die in seiner einzigartigen Person ruhende kann mit dem Nachdruck handeln, welcher der Ausdehnung eines solchen riesigen Reiches entspricht.“[9] So heißt es in Artikel neun, in der von Zarin Katharina II. in den 1760’er Jahren verfassten „Instruktion“ über die Regierung des russischen Reiches, beziehungsweise über die Rolle des Souveräns. Sie strebte für ihr Reich eine neue Gesetzessammlung an, die ihrem Gerechtigkeits- und Modernitätsempfinden entsprechen sollte.[10] Eine Notwendigkeit für dieses Unternehmen sah sie beispielsweise darin begründet, dass die letzte Überarbeitung des Gesetzbuchs im Jahr 1649 erfolgte und die darin festgehaltenen Gesetze in ihrem Wortlaut äußerst unklar zu Papier gebracht worden waren.[11] Außerdem war in Russland, im Gegensatz zu anderen Ländern dieser Zeit keine juristische Ausbildung an Universitäten existent.[12] Die Gerichtsbarkeit war durch die, für einen Prozess zurückzulegenden Strecken stark behindert.[13]

Des Weiteren folgten dem 1649 entstandenen Kodex unzählige Erlässe, jedoch ohne genaue Bezüge, was eine Unbestimmtheit zur Folge hatte welche Gesetze überhaupt in Kraft traten.[14]

Die „Große Kommission für die Zusammenstellung eines Gesetzbuchs“[15] wurde aus „29 Deputierten von Regierungsorganen, 142 des Adels, 209 der Städte sowie rund 200 der Staatsbauern und anderer gesellschaftlicher Gruppen (unter ihnen 54 Deputierte von Fremdvölkern.)“[16] gebildet, die erstmals Ende Juli 1767 in Moskau konferierten.[17] Jedes Mitglied hatte die Aufgabe als gewählter Vertreter seiner Gemeinschaft, deren Interessen und Bedürfnisse zu vertreten, aber auch die Zarin in Bezug auf Probleme und deren Lösung zu unterstützen.[18]

In ihren Tagungen hatte sich die Versammlung nach einem, von Katharina in 20 Kapiteln und 526 Artikeln erfassen Leitfaden zu richten, der sich mit „politischen, rechtlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragen“[19] befasst.[20] Beim Verfassen von genanntem Leitfaden ließ sie sich überaus stark von Werken von Montesquieu, Adam Smith und vielen weiteren beeinflussen.[21] Deren Wirkungseinfluss wurde jedoch zum Teil durch Abänderungen bei beispielsweise Themen wie der Leibeigenschaft infolge von Gesprächen mit Beratern der Kaiserin relativiert.[22]

Letztendlich konnte die Versammlung keine vollständige Gesetzessammlung hervorbringen, was der schlecht organisierten, zeitlich unterschätzten Arbeit und nicht zuletzt der Unterbrechung durch den russisch-türkischen Krieg geschuldet war.[23] Dennoch konnten einige Gesetzesentwürfe die von der Gesetzgebenden Kommission erarbeitet wurden geltend gemacht werden. Dazu zählen unter anderem das Statut zur Lokalverwaltung aus dem Jahr 1775 und die Manifeste zur Volksbildung von 1786.[24]

2.2. Autorenposition von Erich Donnert in Katharina II. die Große: Kaiserin des Russischen Reiches zum Manifest vom 14.12.1766: Einberufung einer Kommission zur Erarbeitung eines Gesetzbuchs

Auch in Erich Donnerts Werk wird der neunte Artikel der, für die Kommission von der Zarin 1767 herausgegebenen „Instruktionen“ folgendermaßen zitiert. „Der Beherrscher Rußlands ist ein Souverän; denn keine andere als eine nur in dessen Person vereinte Macht kann auf eine der Weiträumigkeit eines so großen Reiches gemäße Weise wirken“.[25] Katharina II. zählt zu einer der aufgeklärten absolutistischen Herrscher. Ihr Bestreben war es zu jeder Zeit das „allgemeine Staatswohl“ über alles andere zu stellen.[26] [27]

Indes sah sie die dringende Notwendigkeit von Reformen.[28] Das hohe Maß an Korruption, die Regellosigkeit innerhalb der Staatsverwaltung, die desolate Rechtsordnung und die hohen Staatsschulden, die mittlerweile solch eine Höhe erreicht hatten, das eine Kreditunfähigkeit bei ausländischen Banken erreicht worden war, verstärkten diese Ansicht weiter.[29] Die Kaiserin war sich jedoch einiger Probleme, die bei der Reformierung auftreten würden bewusst, weswegen sie unter anderem mit Voltaire korrespondierte.[30] „Rußland war kein Nationalstaat der Russen, sondern ein dynastisch legitimiertes Vielvölkerreich.“[31] Daher war jedwede Handlung unbedingt in einem großen Kontext zu betrachten, angesichts der vielschichtigen Interessen der unzähligen Gruppierungen, die im Gebiet des damaligen Russischen Reiches lebten.

Trotz dessen setzte sich die, an die Macht geputschte Katharina aufstrebende Ziele. Zuallererst wollte sie ihre annektierte Herrschaft durch die Umformung des russischen Staatsapparates nach westlichem Vorbild legitimieren und so auch die Zustimmung aus dem europäischen Ausland erfahren.[32] Des Weiteren sah sie es als ihre Aufgabe als aufgeklärte absolutistische Monarchin den „Staatsapparat zu modernisieren und die Verwaltung des Russischen Reiches effektiver zu gestalten“[33].

Dem anschließend erließ sie am 14.12.1766 ein Manifest zur Einberufung einer Kommission zur Erarbeitung eines neuen Gesetzbuchs. Gebildet wurde dieses Gremium aus gewählten Mitgliedern folgender Stände in Anzahl: ein Vertreter der Geistlichkeit, 27 Deputierte des Senats, 160 adlige Vertreter, 207 Deputierte der Städte, 78 freie Staatsbauern, 50 Vertreter für sogenannte fremdstämmige „Nichtrussen“, 14 Deputierte für das damalige Livland und Estland, sowie 70 Vertreter für Militärkolonien.[34] Die gewählten Repräsentanten hatten im Anschluss sowohl die Aufgabe den Begehren ihres Bezirks eine Stimme zu verleihen, aber auch sich bei der Erarbeitung einer neuen Gesetzessammlung zu beteiligen.[35]

Am 30.07.1767 trat die „Große Kommission“ erstmals im Moskauer Kreml zusammen, wobei an den Anfang der Sitzung die Verlesung eines, von Katharina verfassten Leitfadens erfolgte, auf dessen Basis die Tagungen der Versammlung stattfinden sollten.[36] Diese „Instruktion für die Verfertigung des Entwurfs zu einem neuen Gesetzbuch“, bestehend aus 22 Kapiteln und 655 Paragraphen[37] war geprägt von dem Bestreben das „entworfene aufklärerische Konstrukt in ein für Rußland anwendbares praktisches Regierungs- und Reformprogramm zu verwandeln.“.[38]

Erich Donnert nach wurde die Gesetzbuch-Versammlung am 18.12.1768 auf Anordnung von Katharina II. aufgelöst.[39] Als Grund hierfür wird der russisch-türkische Krieg genannt.[40] Dadurch bedingt konnte die Versammlung ihr Ziel, die Erstellung eines neuen Gesetzbuchs nicht verwirklichen.

[...]


[1] Vgl. Donnert, Katharina die Große und ihre Zeit, S. 13

[2] Ebd., S. 28

[3] Vgl. De Madariaga, Isabel, Katharina die Große: Ein Zeitgemälde, S. 14-15

[4] Vgl. Von Rimscha, Hans, Katharina II.: Von der preußischen Generalstochter zur Kaiserin von Rußland, S. 7

[5] Vgl. Donnert, Katharina die Große und ihre Zeit, S. 29-30

[6] Hildermeier, Manfred, Geschichte Russlands: Vom Mittelalter bis zur Oktoberrevolution, S. 491

[7] Donnert, Erich, Katharina die Große: Kaiserin des Russischen Reiches, S. 9

[8] Vgl. Hildermeier, Manfred, Geschichte Russlands: Vom Mittelalter bis zur Oktoberrevolution, S. 491

[9] De Madariaga, Isabel, Katharina die Große: Ein Zeitgemälde, S. 56

[10] Vgl. De Madariaga, Isabel, Katharina die Große: Ein Zeitgemälde, S. 58-61

[11] Ebd., S. 52

[12] Ebd., S. 52

[13] Ebd., S.122

[14] Ebd., S. 51

[15] De Madariaga, Isabel, Katharina die Große: Ein Zeitgemälde, S. 53

[16] Ebd., S. 54

[17] Vgl. De Madariaga, Isabel, Katharina die Große: Ein Zeitgemälde, S. 54

[18] Ebd., S.71

[19] De Madariaga, Isabel, Katharina die Große: Ein Zeitgemälde, S. 56

[20] Vgl. De Madariaga, Isabel, Katharina die Große: Ein Zeitgemälde, S. 54-56

[21] Ebd., S. 56-64

[22] Vgl. De Madariaga, Isabel, Katharina die Große: Ein Zeitgemälde, S. 55-69

[23] Ebd., S.65

[24] Vgl. De Madariaga, Isabel, Katharina die Große: Ein Zeitgemälde, S.66

[25] Donnert, Erich, Katharina II. die Große: Kaiserin des Russischen Reiches, S.117

[26] Vgl. Donnert, Erich, Katharina II. die Große: Kaiserin des Russischen Reiches, S.115

[27] Vgl. Donnert, Erich, Katharina II. die Große: Kaiserin des Russischen Reiches, S.84

[28] Ebd., S.84

[29] Ebd., S.85-116

[30] Ebd., S. 112

[31] Donnert, Erich, Katharina II. die Große: Kaiserin des Russischen Reiches, S.101

[32] Vgl. Donnert, Erich, Katharina II. die Große: Kaiserin des Russischen Reiches, S.116

[33] Donnert, Erich, Katharina II. die Große: Kaiserin des Russischen Reiches, S.85

[34] Vgl. Donnert, Erich, Katharina II. die Große: Kaiserin des Russischen Reiches, S.116-117

[35] Ebd.,S.116

[36] Vgl. Donnert, Erich, Katharina II. die Große: Kaiserin des Russischen Reiches, S.117

[37] Ebd., S.113

[38] Donnert, Erich, Katharina II. die Große: Kaiserin des Russischen Reiches, S.112

[39] Vgl. Donnert, Erich, Katharina II. die Große: Kaiserin des Russischen Reiches, S.118

[40] Ebd., S.118-119

Excerpt out of 11 pages

Details

Title
Das Russische Reich unter Katharina II.
Subtitle
Welche infrastrukturellen Defizite machte sie im russischen Reich ihrer Zeit aus und wie versuchte sie diese in den Jahren ihrer Regierungszeit zu beheben?
College
Humboldt-University of Berlin
Grade
1,7
Author
Year
2017
Pages
11
Catalog Number
V440944
ISBN (eBook)
9783668794641
ISBN (Book)
9783668794658
Language
German
Tags
Russland Katharina die Große, Zarin 18. Jahrhundert Entwicklung Defizite Vergleich
Quote paper
Anna Wiechers (Author), 2017, Das Russische Reich unter Katharina II., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/440944

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