Fördern Medien die Politikverdrossenheit? Unter spezieller Betrachtung des Fernsehens und der Printmedien


Hausarbeit, 2013

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des Begriffs ״Politikverdrossenheit“

3. Funktionen und Aufgaben der Medien

4. Darstellung der Politik in den Medien
4.1. Fernsehen
4.2. Printmedien

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

״Gehen Sie zur Wahl! überlassen Sie ihre stimme nicht anderen. Denn: Wer nicht wählt, lässt nur andere über die Zukunft unseres Landes entscheiden.“ (F. Steinmeier, 2017) So versuchte Bundespräsident Frank-Walter steinmeier, die wahlberechtigten Bürger der Bundesrepublik Deutschland zur Bundestags­wähl aufzurufen. Deutschlandweit war die Wahlbeteiligung bei den drei letzten Bundestagswahlen vor 2017 stetig zurückgegangen (Statista, 2018). Einerseits könnte diese Entwicklung als Vertrauensbeweis für eine stabile Regierung in­terpretiert werden, andererseits auch als Anzeichen für eine zunehmende Po­litikverdrossenheit. Schuld daran wird unter anderem den Medien zugeschrie­ben.

Die Mehrheit aller Bürger beziehen ihr politisches Wissen hauptsächlich aus den Medien, wie dem Fernsehen, Radio oder der Zeitung (Wölling, 1999, S.43). Dies sind die wesentlichen Zugänge, um sich über das politische Geschehen zu informieren und sich eine eigene Meinung zu bilden. Als Folge dessen ha­ben Medien durch ihre Monopolstellung in der politischen Informationsbeschaf­fung, eine wichtige Funktion als Vermittler zwischen der Politik und den Bür­gern übernommen.

Die vorliegende Flausarbeit beschäftigt sich deshalb mit der Frage, ob Medien die Politikverdrossenheit fördern. Dabei soll der Fokus auf dem Medium Fern­sehen und den Printmedien liegen, da sie selbst im Zeitalter des Internets, noch immer die meist genutzten Informationsquellen sind (Bernhard, u., Dohle, M., Vowe, G., 3/ 2014).

In Kapitel 1 soll zunächst der Begriff ״Politikverdrossenheit“ genauer definiert werden, um eine Grundlage für die gestellte Frage zu schaffen. Anschließend werden im zweiten Kapitel die grundlegenden Funktionen der Medien in Bezug auf die Politik genauer betrachtet, bevor es anschließend im dritten Kapitel um die Darstellung der Politik in den Medien Fernsehen und Print geht. Dabei sol­len Unterschiede zwischen den verschiedenen Medien herausgearbeitet wer­den. Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst, um die Kern­frage dieser Flausarbeit zu klären.

2. Definition des Begriffs Politikverdrossenheit

Um die Frage zu erörtern, ob Medien die Politikverdrossenheit fördern, muss der Begriff der ״Politikverdrossenheit“ zunächst definiert werden. Viele Wis­senschaftler haben bereits Versuche unternommen, eine eindeutige Definition für diesen Begriff zu finden (K. Arzheimer, S.116). Es konnte sich jedoch keine davon durchsetzen, da es sich hierbei um einen sehr ״unscharfen“ Be­griff (K. Arzheimer, S.16) handelt, der selbst aus zwei bereits sehr komplexen Begriffen ״Politik“ und ״Verdrossenheit“ besteht (J. Maier, 2000, s. 20). Arzheimer untersuchte die Literatur unter dem Aspekt, wie die Autoren den Begriff der Politikverdrossenheit verwenden und konnte anhand seiner Aus­Wertungen feststellen, dass zumindest darüber Einigkeit besteht, dass es sich um ״eine negative Einstellung gegenüber politischen Objekten“ handelt (K. Arzheimer, s.116). In dieser Hausarbeit wird Politikverdrossenheit deshalb als Abkehr der Bürger von der Politik verstanden, entstehend durch schwin­dendes Vertrauen in Politiker und Parteien und dem Gefühl von politischer Machtlosigkeit.

3. Funktionen und Aufgaben der Medien

In diesem Kapitel soll zunächst geklärt werden, welche Funktionen und Aufga­ben die Medien für die Politik und für die Rezipienten haben, denn durch die Erfüllung dieser, tragen sie zur Stabilität des politischen Systems bei.

Die wichtigste Funktion der Medien für die Politik in einer Demokratie ist, dass diese das politische Geschehen publizieren. Die Politik, aber auch die Bürger sind in dieser Hinsicht auf die Medien und ihre Reichweite angewiesen. Ron- neberger spricht hier von der sogenannten ״Forumsfunktion“ (F. Ronneberger, 2002, s. 61).

Eine Studie des Institutes für Demoskopie Allensbach stellte 1984 heraus, dass für die befragten Bürger die Medien die Hauptquelle sind, um sich über die Politik und das aktuelle Weltgeschehen zu informieren. Das meist genannte Medium war das Fernsehen, gefolgt von der Zeitung und dem Radio (Wölling,1999, S.43). Für die Rezipienten ist somit die Vermittlung von politi­schen Informationen eine zentrale Funktion der Medien. Sie nehmen an dieser Stelle eine Vermittlungsrolle zwischen Politik und Bürgern ein.

Neben der Informationsfunktion, sollen die Medien die Bürger zusätzlich bei der Meinungsbildung unterstützen (F. Ronneberger, 2002, s. 62). In Bezug zu dieser Bildungsfunktion wird deutlich, dass die Medien inzwischen eine ge­wisse Macht über die Politik erlangt haben. Sie entscheiden über welche The­men sie berichten und wie sie diese ihrem Publikum am besten vermitteln. Dementsprechend können sie auch die Meinungsbildung der Rezipienten be­einflussen.

Diese erachten dann die politischen Themen als besonders wichtig, über die in den Medien am häufigsten berichtet wird (W. Donsbach, 2010, S.55).

Eine weitere wichtige Funktion ist nach Ronneberger die Kritik- und Kontroll­funktion. Die Medien sollen dafür sorgen Missstände aufzudecken und Kritik zu veröffentlichen (F. Ronneberger, 2002, s. 62). Diese besondere Rolle der Medien für eine Demokratie wird häufig vergessen, weil unabhängige und freie Nachrichten als selbstverständlich betrachtet werden.

Durch das Flerausstellen der Funktionen der Medien für Politik und Bürger, wird sehr deutlich, dass sowohl die Bürger, als auch die Politik auf die Medien an­gewiesen sind. Sie haben die Macht das Geschehen der Politik zu publizieren und können das Meinungsbild der Rezipienten beeinflussen. Im nächsten Ka- pitei soll deshalb auf die Darstellung der Politik im Fernsehen und in den Print­medien eingegangen werden, um zu schauen wie die Beeinflussung der Ad­ressaten stattfindet.

4. Darstellung der Politik in den Medien

Um die Frage zu klären, ob Medien die Politikverdrossenheit fördern, soll in diesem Kapitel genauer betrachtet werden, wie die Medien über politische Er­eignisse berichten.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, bilden die Medien ein Monopol in der politischen Informationsbeschaffung. Nach Wölling sind die am häufigsten ge­nutzten Medien unter anderem das Fernsehen und die Printmedien, die sich jedoch hinsichtlich ihrer Darstellungsmöglichkeiten stark voneinander unter­scheiden (Wölling, 1999, S.43).

4.1. Fernsehen

Zuerst wird die Darstellung der Politik im Fernsehen untersucht. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass das Fernsehen ein breites Angebot an Möglichkeiten bietet, sich zu informieren. Es gibt unter anderem die klassischen Nachrich­ten, die den Zuschauern die Informationen des aktuellen Weltgeschehen ver- mittein, Talkshows, in denen ein politisches Thema diskutiert wird oder Sen­dungen und Filme, die auf einer emotionalen Unterhaltungsebene politische Themen behandeln. Beispiele hierfür sind ״Anne Will“, ״Tatort“ oder auch ״Lin- denstraße“.

Betrachtet man zunächst die klassischen Nachrichten, fand eine Studie von Westerstahl& Johannson heraus, dass die Politikberichterstattung zuneh­mend von Kritik geprägt ist (Wölling,1999, S.46). Auf Grund dieses Ergebnis­ses, lässt sich annehmen, dass das Publikum folglich ein negatives Gesamt­bild über die Politik entwickelt, welches zur Abkehr von dieser führen kann (Wölling, 1999, S.45). Diese Annahme wird dadurch unterstützt, dass es den Adressaten nicht möglich ist, den Inhalt der Nachrichten hinsichtlich ihrer Wahrheit zu prüfen (Holtz-Bacha,1990, S.33). Wird ihnen also in einer Nach­richtensendung eine negative Botschaft vermittelt, nehmen sie diese auf und empfinden diese als die Realität. Sie haben jedoch die Möglichkeit, durch die Nutzung zusätzlicher Medien, wie Z.B. der Zeitung, sich weitere Informationen über dieses Thema zu beschaffen. Im Fernsehen bleibt häufig wenig Zeit de­tailliert über ein Thema zu berichten und es wird mit vielen Bildern gearbeitet. Eine Zeitung hingegen, kann die Informationen in geschriebene Worte verfas­sen und benötigt weniger Bilder. Dementsprechend kann die gleiche Bot­schaft, unterschiedliche Interpretationen beim Rezipienten hervorrufen, je nachdem über welches Medium ihm die Nachricht vermittelt wurde (W. Pat- zeit, 2004, S.70).

Maier stellte einen weiteren Aspekt bezüglich der Darstellung der Politik im Fernsehen heraus. Er sagt, dass Journalisten für ihre Berichte meist dramati- sehe und spannende Themen wählen, die für die Zuschauer besonders inte­ressant sind. Sie erhoffen sich dadurch, dass diese zu hohen Einschaltquoten führen. Diese Arbeitsweise der Journalisten entsteht dadurch, dass sie in der Regel für Unternehmen bzw. Sender arbeiten, die nicht politisch, sondern hauptsächlich wirtschaftlich orientiert sind. Von ihnen wird erwartet, dass sie Berichte über Themen liefern, die das Publikum interessieren und durch die hohe Einschaltquoten erzielt werden können (Patzelt, s. 84). Auch Holtz- Bacha führt hierzu als Beleg eine Studie an, welche besagt, dass die ״Chance der Berichterstattung für ein Ereignis steigt, je höher sein Nachrichtenwert ist“ (Holtz-Bacha,1990, S.33).

Eine weitere interessante Beobachtung machte Patzelt in diesem Zusammen­hang. Er erwähnt den sogenannten ״Rudeljournalismus“ (Patzelt, 2004, s. 75). Demnach entscheiden sich Journalisten für Themen, über die bereits alle anderen berichten, aus Angst sie könnten über ״falsche“ Themen berichten, die bei den Zuschauern keine Aufmerksamkeit finden und in der Masse der Nachrichten untergehen (Patzelt, 2004, S.74). Kritisch hervorzuheben ist da­bei, dass viele, durchaus erwähnenswerte Ereignisse, keine Chance haben in den Medien veröffentlicht zu werden. An dieser stelle wird nochmal deutlich, dass die Medien die Macht darüber besitzen, mit welchen Themen sie ihr Publikum konfrontieren und außerdem das Problembewusstsein der Adressa­ten steuern können. Diese erachten folglich die Probleme als besonders wichtig, über die in den Medien am meisten berichtet wird.

Nicht außer Acht zu lassen sind außerdem die bereits erwähnten zeitlichen Vorgaben im Fernsehen (Patzelt, 2004, S.70). Betrachtet man Z.B. die Tages­schau in ARD, bleiben hier täglich ca. 15 Minuten, um über diverse Themen aus aller Welt zu berichten. Dementsprechend bleibt für jedes Thema auch nur eine begrenzte Sendezeit. Hintergrundinformationen finden hier keinen Platz, welche von einigen Zuschauern jedoch benötigt werden, um das Gesehene richtig einzuordnen und zu verarbeiten. Dies ist laut Maurer auch von den un­terschiedlichen Bildungsständen der Adressaten abhängig. Er ist der Meinung, dass gebildetere Zuschauer eher von den Informationen profitieren und diese nutzen, um sich eine differenzierte Meinung zu bilden (Maurer, 2010, s. 65). Außerdem wird durch die Masse der Themen von einem Thema zum Nächsten gesprungen. Da die Anzahl an negativen Themen gegenüber den positiven zugenommen hat (Patzelt, 2004, s. 77), kann für den Zuschauer der Eindruck entstehen, dass es in der Politik lauter Probleme gibt, die nicht gelöst werden können. Folglich verlieren sie das Vertrauen in die Politiker, da es den An­schein erweckt, dass sie nicht in der Lage sind Probleme zu lösen (Wölling,1999, s. 46).

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Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Fördern Medien die Politikverdrossenheit? Unter spezieller Betrachtung des Fernsehens und der Printmedien
Hochschule
Hochschule Ostwestfalen-Lippe
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V440987
ISBN (eBook)
9783668795433
ISBN (Buch)
9783668795440
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, wissenschaftliches Arbeiten, Information, Politik, Fernsehen, Bücher, Verdrossenehit
Arbeit zitieren
Leslie Meyer (Autor:in), 2013, Fördern Medien die Politikverdrossenheit? Unter spezieller Betrachtung des Fernsehens und der Printmedien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/440987

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