Wandel in der Politikdarstellung - Personalisierung der Politik


Seminararbeit, 2001

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Personalisierung in der Politik
2.1 Warum Personalisierung?
2.2 Charakterisierung der Person im Rampenlicht
2.3 Personalisierung im Wandel
2.3.1 Entwicklung in den Fernsehnachrichten
2.3.1.1 Symbolisierung
2.3.1.2 Privatisierung
2.3.1.3 Hierarchisierung
2.3.1.4 Zusammenfassung der Untersuchung
2.3.2 Entwicklung außerhalb von Nachrichtensendungen
2.3.3 Personalisierung im Medienwandel
2.4 Kritik an der Personalisierung

3. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit der Etablierung des Fernsehens in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts hat die Bedeutung dieses Mediums stetig zugenommen. Einerseits der passiven Unterhaltung dienend, andererseits die Information großer Menschenmengen fördernd, dringen die kombinierten Bild-Ton-Signale in alle Alters-, Bildungs- und Einkommensklassen vor.

Das Fernsehen ist das beliebteste Massenmedium unserer Zeit und wer möglichst viele Menschen erreichen will, sei es, um sie zu unterhalten, zu informieren oder auch zu beeinflussen, der muss sich im TV positionieren.

Die Macht dieses Mediums haben seit dessen Einführung auch Politiker in aller Welt kennen, fürchten und schätzen gelernt.

Das Fernsehen hat gewisse Trends, die in der Politik bereits vorhanden waren, weiterentwickelt und auch neue Entwicklungen in der Darstellung von Politik geschaffen.

In der Politik war es schon immer wichtig, die für viele Wähler komplex und abstrakt wirkenden Programme und Strategien durch Spitzenpolitiker verkörpern zu lassen.

Die vorliegende Arbeit will die wachsende Bedeutung dieser Personalisierung insbesondere im Zusammenhang mit dem Medium Fernsehen erklären, Beispiele aktueller Politikdarstellung zeigen und auch Ausblicke auf mögliche zukünftige Entwicklungen geben.

Ich beschränke mich in meinen Ausführungen örtlich gesehen auf die politischen Systeme westlicher Demokratien und zeitlich auf die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg.

Als Quellenbasis existieren zahlreiche neuere Publikationen, besonders die Wahlkämpfe der vergangenen beiden Wahlen zum deutschen Bundestag sind in vielerlei Hinsicht analysiert worden.

Auch zur Darstellung und zum Auftreten von Politikern in den Massenmedien sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Veröffentlichungen hinzugekommen.

2. Personalisierung in der Politik

2.1 Warum Personalisierung?

Politische Programme und Konzepte von Parteien sind für das Volk oft abstrakt und nur sehr schwer zu durchschauen. Da in einer Demokratie aber das Volk per Wahl entscheidet, welche Volksvertreter das Land regieren und verwalten sollen, müssen den Bürgern Kriterien offeriert werden, nach denen sie sich entscheiden können.

Diese Kriterien müssen verständlich und nachvollziehbar sein, und sie müssen transportiert werden, d.h. sie müssen den Wählern glaubhaft nahegebracht werden.

Am effektivsten werden politische Programme simplifiziert und „anfassbar“ gemacht, indem sie von Personen verkörpert werden. Diese Personen stehen dann für das Programm ihrer Partei und für den gesamten Parteiapparat selbst. Sie sind „eine materielle Ausdrucksform des politischen Angebots.“[1]

Die Konzentration auf einzelne Personen ist auch deshalb für den Erfolg politischer Parteien von zunehmender Bedeutung, da feste Parteibindungen in Deutschland stetig zurückgehen, sich deshalb immer mehr Wähler kurzfristig entscheiden müssen und das richtige Personalangebot einen enormen Einfluss auf diese Entscheidung ausübt.[2]

Durch geschickte Vermarktung des politischen Personals in den Medien lassen sich weitaus mehr Menschen erreichen, als das noch vor 50 Jahren der Fall war.

Auch wird seitens der Parteien verstärkt versucht, Zielgruppen anzusprechen, denen man im Allgemeinen ein geringeres Interesse am politischen Geschehen zuspricht.

Die heutigen medialen Möglichkeiten der Politikvermittlung treiben die Parteien an, in ihrem Wettkampf um Wählerstimmen den Spitzenkandidaten mehr Beachtung einzuräumen als den politischen Programmen. Personalfragen werden als mindestens genau so wichtig eingestuft wie Sachfragen.[3]

Die potentiellen Wähler nehmen die Parteiprogramme und das politische Geschehen anhand der politischen Akteure wahr, die in den Medien vertreten sind. Da das Potential an Wechselwählern immer größer wird[4], verstärkt sich auch der Drang zur Personalisierung.[5]

Demzufolge muss es ein wichtiges Anliegen der Parteien sein, Spitzenvertreter zu haben, die sowohl für die eigentlichen politischen Aufgaben als auch für deren Vermittlung nach außen hin gut geeignet sind. Hinzu kommt, dass Personalsierung als ein wichtiges Merkmal bei der journalistischen Nachrichtenauswahl gilt, sie ist ein Nachrichtenfaktor. Die Nachrichtenwert-Forscher Joan Galtung und Marie Holomboe Ruge attestieren einem Ereignis einen um so höheren Nachrichtenwert, je mehr persönliche Aspekte es aufweist, bzw. je intensiver spezifische Individuen in das Ereignis involviert sind.[6]

2.2 Charakterisierung der Person im Rampenlicht

Die Person, die von ihrer Partei dazu gebracht wurde und die sich dazu bereit erklärt hat, die Rolle des „Politikvermittlers“ zu übernehmen, muss eine Reihe von Eigenschaften aufweisen, die sie für diese Position qualifiziert.

Sie sollte zunächst beim Volk bekannt sein, um eine Wirkung auf potentielle Wähler haben zu können.

Sie muss ein positives Image haben, d.h. ihr Bild in der Öffentlichkeit muss Sach- und Problemlösungskompetenz ausstrahlen und frei von beruflichen und privaten Konflikten sein.[7]

Die potentiellen Wähler müssen das Gefühl haben, der Person vertrauen zu können.[8]

Sie muss Durchsetzungsvermögen haben und sie sollte sich durch weitere spezifische Charakteristika von anderen Persönlichkeiten abheben.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Sicherheit im Umgang mit den Medien. Um Politik medial vermitteln zu können, muss dieser Vermittler mit den Medien umzugehen wissen. Wenn dann auch noch Sympathie bei den Rezipienten erreicht werden soll, sind zusätzliche Fähigkeiten zur Selbstinszenierung von hohem Nutzen.

Rudolf Scharping, Kanzlerkandidat der SPD im Bundestagswahlkampf 1994, konnte sich nicht gegen den damaligen Amtsinhaber Helmut Kohl durchsetzen, und als einer der Gründe dafür gilt immer wieder sein Mangel an Charisma, was ihm trotz hoher Sachkompetenz zahlreiche Wählerstimmen verwehrte.

2.3 Personalisierung im Wandel

2.3.1 Entwicklung in den Fernsehnachrichten

Die Personalisierung in der Politik ist keine Erfindung der letzten Jahre und auch keine Erfindung des Fernsehzeitalters. Seit Politiker um die Gunst von Wählern werben, wird der Maxime gefolgt, dass sich politische Inhalte am besten über deren Verkörperung durch charismatische Akteure verkaufen lassen.

Auf Werbeplakaten vergangener Wahlkämpfe fanden sich immer wieder Slogans, in die der Name der jeweiligen Spitzenkandidaten wortspielerisch eingeflochten war.[9]

Durch das Massenmedium Fernsehen jedoch ist ein Marktplatz entstanden, auf dem sich die politischen Akteure ganz anders präsentieren können und müssen.

[...]


[1] Hetterich, 2000, S. 56

[2] vgl. Greger und Marcinkowski, 2000, S. 179

[3] vgl. ebd.

[4] Durch gesellschaftlich-politischen Wandel („Individualisierung“) werden die klassischen bürgerlichen Milieus aufgelöst und Vereine, Verbände, Kirchen und Parteien verlieren an Einfluss.

[5] vgl. Vowe und Wolling, 2000, S. 66

[6] vgl. Wilke, 1998, S. 288

[7] Ob die Sachkompetenz tatsächlich existiert und ob die Person tatsächlich keinerlei Konflikte hat, ist irrelevant. Es zählt einzig das Bild, das von der Person für die Öffentlichkeit erzeugt wird. Sollte sich dieses Bild sehr stark von der Wirklichkeit unterscheiden, ist es jedoch schwer, es auf Dauer aufrecht zu erhalten.

[8] vgl. Jakubowski, 1998, S. 120

[9] vgl. ebd., S. 119f.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Wandel in der Politikdarstellung - Personalisierung der Politik
Hochschule
Universität Erfurt  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Seminar "Wandel der Öffentlichkeit"
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
14
Katalognummer
V44101
ISBN (eBook)
9783638417556
ISBN (Buch)
9783638750257
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wandel, Politikdarstellung, Personalisierung, Politik, Seminar, Wandel
Arbeit zitieren
B.A. Mario Müller (Autor), 2001, Wandel in der Politikdarstellung - Personalisierung der Politik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44101

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