Fritz Mattejat und Beate Lisofsky haben den Bedarf erkannt und eine Fachpublikation herausgebracht, die sich nicht nur an professionell Tätige richtet, sondern auch Betroffene und Angehörige, insbesondere die bisher oftmals vergessenen Kinder der Erkrankten, anspricht.
Besonders deutlich wird in allen Kapiteln des Buches „Nicht von schlechten Eltern“, dass die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen lange Zeit nicht wahrgenommen wurden. Hinsichtlich dem, aus der elterlichen Krankheit resultierenden, erhöhten Risiko für die kindlichen Entwicklungsgefährdungen wird der akute Handlungsbedarf sehr deutlich.
Zeitgleich dient dieses niedrigschwellige Werk als Ratgeber und liefert fundierte, ressourcenorientierte Ansätze als Lösungsstrategien. Fachlich fundiertes Wissen kann über die Beispiele und Hinweise von den Lesern praxisbezogen bzw. auf alltägliche Situationen transferiert werden. Betroffene werden wertschätzend angesprochen und Hemmschwellen abgebaut.
Diese Literatur unterstützt methodisch und didaktisch den noch nicht vollendeten Bewusstseinswandel und den Umgang mit psychisch erkrankten Menschen und derer Symptome.
Inhaltsverzeichnis
1. Bibliographie
2. Mattejat, Fritz & Lisofsky, Beate (Hg.) (2008). Nicht von schlechten Eltern: Kinder psychisch Kranker. Bonn: BALANCE buch + medien verlag.
3. Praxistransfer
4. Lernbilanzierung
Zielsetzung & Themen
Das vorliegende Portfolio befasst sich mit der Lebenssituation von Kindern psychisch erkrankter Eltern, analysiert deren spezifische Problemlagen, beleuchtet bestehende Hilfsangebote und reflektiert diese Erkenntnisse anhand eines praktischen Transferberichts sowie einer persönlichen Lernbilanzierung.
- Risiken und Entwicklungsgefährdungen für betroffene Kinder
- Die Bedeutung von Prävention und Netzwerkarbeit
- Rechtliche Grundlagen zu Sorgerecht und Kindeswohl
- Praktische Implementierung von Hilfen im Gesundheitswesen
- Reflexion der beruflichen Praxis im psychiatrischen Kontext
Auszug aus dem Buch
3. Praxistransfer
Unser Unternehmen ist eine gemeinnützige gGmbH und mein Arbeitsfeld bezieht sich auf die im SGB V verankerte, integrierte Versorgung. Dies beschreibt eine sektorenübergreifende Versorgungsform im Gesundheitswesen. Das Angebot unseres „ambulanten Krisendienstes“ richtet sich an Menschen mit einer psychiatrischen Störung und wird von kooperierenden Krankenkassen finanziert, um stationäre Behandlungen zu vermeiden. Es basiert auf einer freiwilligen Teilnahme und enthält verschiedene Bausteine, die bedarfsorientiert eingesetzt werden können. Beispielhaft zu nennen sind eine 24 stündige Erreichbarkeit, Krisenplanung, Netzwerkarbeit bis hin zu der Möglichkeit, eine Rückzugswohnung während der akuten Krise zu nutzen, anstatt eine oftmals langwierige stationäre Behandlung in Anspruch zu nehmen. Das Angebot wird den Teilnehmern für drei Jahre vertraglich zugesichert und ist mitunter durch kontinuierliche Beziehungsarbeit geprägt.
Die Leitidee basiert auf einem eigenverantwortlichen Leben, das über Netzwerkarbeit und Krisenplanung größtmögliche Stabilität erhält. In Krisenphasen kann auf unsere Unterstützung situativ zurückgegriffen werden. Dadurch werden im weiteren Sinne auch die Angehörigen, insbesondere die Kinder der Familien entlastet.
Vielfach findet man in der Fachliteratur die Bezeichnung „vergessene Risikogruppe“. Asmus Finzen, ein bekannter Sozialpsychiater, hat mit diesem Begriff für Kinder psychisch kranker Eltern auf das erhöhte Risiko und gleichzeitig den präventiven Handlungsbedarf hingewiesen (Wiegand-Grefe, Halverscheid & Plass 2011, S. 454). Die vertrauensvolle Zusammenarbeit beugt in erster Linie der Kumulation von Belastungsereignissen vor, die nach Lenz die Entwicklung von psychischen Auffälligkeiten und Störungen bei Kindern begünstigen (Lenz, 2005, S. 25). Wie bereits erwähnt, ist es für die Betroffenen ebenso wie für die Angehörigen von großer Bedeutung, angenommen und wertgeschätzt zu werden. Das Begegnen auf Augenhöhe ermöglicht erstmals einen offenen Dialog und über das Einbringen persönlicher Bedürfnisse und Erfahrungen in die Zusammenarbeit, entsteht ein Gefühl von Selbstwirksamkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Bibliographie: Eine Zusammenstellung relevanter wissenschaftlicher Publikationen aus den Fachzeitschriften Jugendhilfe sowie Kindheit und Entwicklung, die das Themenspektrum der Risiken und Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern abdeckt.
2. Mattejat, Fritz & Lisofsky, Beate (Hg.) (2008). Nicht von schlechten Eltern: Kinder psychisch Kranker. Bonn: BALANCE buch + medien verlag.: Ein Überblick über die Intention und den inhaltlichen Aufbau der Publikation, die sowohl Erfahrungsberichte Betroffener als auch wissenschaftliche Analysen und praktische Unterstützungsmodelle vereint.
3. Praxistransfer: Darstellung der Arbeit in einem ambulanten Krisendienst innerhalb der integrierten Versorgung, wobei die Bedeutung von Netzwerkarbeit und Krisenplanung zur Entlastung betroffener Familien hervorgehoben wird.
4. Lernbilanzierung: Reflexion des Lernprozesses während der Seminartage, der eigenen beruflichen Entwicklung und der Anwendung der erworbenen Erkenntnisse im Arbeitsalltag.
Schlüsselwörter
Kinder psychisch kranker Eltern, Jugendhilfe, Psychiatrie, Prävention, Resilienz, Netzwerkarbeit, Krisenintervention, Stigmatisierung, Kindeswohl, Familienhilfe, ambulante Versorgung, ergotherapeutische Praxis, Elternschaft, psychosoziale Belastung, Selbstwirksamkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der herausfordernden Lebenssituation von Kindern, deren Eltern psychisch erkrankt sind, und analysiert, wie durch verschiedene Hilfsangebote und professionelle Unterstützung das Risiko für die betroffenen Kinder minimiert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Belastungen und Risiken für Kinder, die Bedeutung von Frühprävention, die Vernetzung zwischen Psychiatrie und Jugendhilfe sowie die rechtlichen Aspekte des Kindeswohls.
Was ist das primäre Ziel dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, den notwendigen Bewusstseinswandel im Umgang mit psychisch kranken Eltern und ihren Kindern zu fördern und aufzuzeigen, wie durch eine wertschätzende und niedrigschwellige Unterstützung die Lebensqualität aller Beteiligten verbessert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in diesem Portfolio verwendet?
Das Portfolio kombiniert eine fundierte Literaturrecherche, die Zusammenstellung relevanter Fachartikel und eine reflektierende Analyse der eigenen beruflichen Praxis im Rahmen des Praxistransfers.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die bibliographische Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstandes, die detaillierte Vorstellung der Publikation „Nicht von schlechten Eltern“, den Transfer dieser Erkenntnisse in die ambulante Krisenarbeit sowie die persönliche Reflexion des Lernfortschritts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind: Kinder psychisch kranker Eltern, Prävention, Resilienz, Netzwerkarbeit, Krisenintervention und Stigmatisierung.
Inwiefern spielt der "Offene Dialog" eine Rolle in der Praxis des Autors?
Der "Offene Dialog" dient als Methode, um durch moderierte Netzwerkgespräche den Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen und Professionellen zu fördern und bisher unausgesprochene Belastungen in einem geschützten Rahmen zu bearbeiten.
Warum ist das Instrument der Krisenplanarbeit für betroffene Familien so bedeutend?
Die Krisenplanarbeit stärkt die Selbstwirksamkeit, da Betroffene und Angehörige als „Experten für sich selbst“ fungieren und durch vorab definierte Bewältigungsstrategien eine drohende stationäre Unterbringung vermeiden können.
- Arbeit zitieren
- Sina Eichler (Autor:in), 2018, Kinder psychisch kranker Eltern. Problemlagen und Hilfsangebote. Portfolio, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441160