Der Hostile Media Effekt in der Printberichterstattung. "Mein Feind, die Zeitung" - Ultras im Profifußball


Fachbuch, 2018

87 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Ultras im Profifußball
2.1 Entstehung der Ultra-Szene
2.2 Ultra-Kultur in Deutschland

3 Der Hostile Media Effekt
3.1 Grundlegende Annahmen und Entstehungsgeschichte
3.2 Mechanismen zur Erklärung des Hostile Media Effekts
3.3 Konsequenzen des Hostile Media Effekts
3.4 Hostile Media Effekt Studien
3.5 Der Third-Person-Effekt
3.6 Hypothesenableitung

4 Empirische Untersuchung
4.1 Design der Studie
4.2 Instrument
4.3 Stimulusmaterial
4.4 Vorgehen und Ergebnisse des Pretests
4.5 Rekrutierung der Teilnehmer und Durchführung
4.6 Überblick der Stichprobe

5 Ergebnisse
5.1 Vergleich zwischen den Gruppen
5.2 Hypothese 1: Der HME bei den Ultras
5.3 Hypothese 2: Die UV „Einstellung zum Thema Stadionverbot“
5.4 Hypothese 3: Die IV „Gruppeninvolvement“
5.5 Hypothese 4: Die IV „Vertrauen in Medien“
5.6 Hypothese 5: Die IV „Themeninvolvement“
5.7 Hypothese 6: Der TPE
5.8 Hypothese 7: Der TPE als Folge des HME
5.9 Diskussion und kritische Würdigung

6 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Anhang 1: Abbildungen zu Ergebnissen der Fragebögen

H1: Ergebnisse t-Test (N=218)

H1: Ergebnisse t-Test (N=187)

H2: Ergebnisse Regressionsanalyse

H3: Ergebnisse Regressionsanalyse

H4: Ergebnisse Regressionsanalyse

H5: Ergebnisse Regressionsanalyse

H6: Ergebnisse t-Test

H7: Ergebnisse Regressionsanalyse

Fragebogen (Allgemeinheit)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Basismodell des Third-Person-Effekts (nach Dohle 2013: 20).

Abbildung 2: Überblick der untersuchten Variablen (in Anlehnung an Mende 2009: 84).

Abbildung 3: Vergleich zwischen den Gruppen in Bezug auf Gruppen- und Themeninvolvement.

Abbildung 4: Vergleich zwischen den Gruppen in Bezug auf die Bewertung der Medien.

Abbildung 5: Vergleich zwischen den Gruppen in Bezug auf die Einstellung zum Stadionverbot.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht des Fragebogen-Rücklaufs.

Tabelle 2: Sozio-demografische Merkmale der Stichprobe (Prozentangaben gerundet).

Tabelle 3: H1: HME bei den Ultras. Ergebnisse t-Test I.

Tabelle 4: H1: HME bei den Ultras. Ergebnisse t-Test II.

Tabelle 5: H2: Einstellung zum Thema. Ergebnisse Regressionsanalyse.

Tabelle 6: H3: Gruppeninvolvement. Ergebnisse Regressionsanalyse.

Tabelle 7: H4: Vertrauen in Medien. Ergebnisse Regressionsanalyse.

Tabelle 8: H5: Themeninvolvement. Ergebnisse Regressionsanalyse.

Tabelle 9: H6: TPE. Ergebnisse t-Test I.

Tabelle 10: H6: TPE. Ergebnisse t-Test II.

Tabelle 11: H7: TPE als Folge des HME. Ergebnisse Regressionsanalyse.

1 Einleitung

„Lügenpresse – Halt die Fresse!“
(Pegida-Demonstranten in Dresden; nach Matheis 2014)

Das einleitende Zitat ist eine häufig verwendete Parole aufgebrachter Pegida-Anhänger während Demonstrationen, die seit Oktober 2014 in Dresden stattfinden. Die Demonstranten bringen dadurch ihren Unmut über die deutschen Massenmedien und deren Berichterstattung zum Ausdruck. Die Medien seien gelenkt von Regierung und Wirtschaft, eine ausgewogene Berichterstattung fände nicht statt und die Bürger würden bei vielen Themen belogen werden, so die Vorwürfe. Doch diese Kritik beschränkt sich nicht nur auf politische Gruppen der jüngeren Vergangenheit, wie etwa Pegida. Die Medienmacher sehen sich Anschuldigungen ausgesetzt, die nahezu alle Themenbereiche betreffen, in denen mehrere Positionen eingenommen und vertreten werden können. Nicht immer äußert sich dieses Gefühl der unausgewogenen oder falschen Berichterstattung in einer solch extremen Form wie bei den angesprochenen Demonstranten. Dies ist nur eine radikale Ausdrucksweise, die in der jüngeren Vergangenheit immer häufiger zum Vorschein kommt. Dabei ist dieser Vorwurf wahrscheinlich so alt wie die Massenmedien selbst. In anderen, gelinderten Formen tritt dieses Phänomen der wahrgenommenen feindlichen Medien tagtäglich auf. Redakteure sehen sich besonders häufig dem Vorwurf ausgesetzt einseitig zu berichten. Gerade während Wahlkämpfen tritt diese Kritik an den Medien immer wieder sichtbar auf. Beispielsweise werfen Anhänger einer Partei Zeitungen vor, sie würde den gegnerischen Kandidaten in der Berichterstattung besser darstellen (vgl. Davison 1983: 578; Dohle 2013: 93).

In einigen Fällen mögen Personen Recht haben, wenn sie behaupten die Berichterstattung eines bestimmten Mediums sei parteilich und würde bei einem Konflikt eine Seite bevorzugen. Doch um beim Thema Wahlen zu bleiben, zeigt sich gerade hier, dass dies logisch oft nicht möglich ist. Während Wahlkämpfen erhalten Redaktionen häufig Anrufe oder Leserbriefe von Anhängern verschiedener Parteien, die „ihre“ Partei in dem Medium schlecht dargestellt sehen (vgl. Donsbach 2009: o.S.). Wenn sich aber wie beschrieben alle Seiten eines Konflikts benachteiligt sehen, kann wiederum auch keine Seite bevorzugt worden sein. Dementsprechend ist die Berichterstattung nicht tatsächlich feindlich, sondern wird lediglich als feindlich wahrgenommen.

An dieser Stelle setzt das Interesse der Kommunikationswissenschaft ein. Es stellt sich die Frage, ob Personen Medieninhalte tatsächlich feindlich wahrnehmen. Darüber hinaus ist von großem Interesse wie es dazu kommt, welche Folgen daraus resultieren und wie schwerwiegend diese sind. Lange Zeit stand in der Kommunikationsforschung die Frage im Vordergrund, welche direkten Wirkungen Medieninhalte auf ihre Rezipienten haben. Mittlerweile wurde dieser Ansatz in den Hintergrund gerückt und die Wissenschaft behandelt vermehrt die indirekten Wirkungen medialer Darstellungen. Insbesondere die Folgen der Wahrnehmung medialer Einflüsse sind in den Fokus der Forschung gerückt (vgl. Dohle/Vowe 2010: 11). An diesem Punkt setzt u.a. der Hostile Media Effekt an. Dem HME nach empfinden Rezipienten, die in einen Konflikt bzw. eine Kontroverse integriert sind, dass die Berichterstattung zu diesem Konflikt bzw. dieser Kontroverse die gegnerische Seite begünstigt. Dies geschieht auch, wenn ein Medienbeitrag nachweislich ausgewogen ist. Es wird nicht die Wirkung der Berichterstattung verzerrt wahrgenommen, sondern die Berichterstattung selbst. Im Zentrum steht dabei die Ausgewogenheit der Medienbeiträge (vgl. Dohle 2013: 93).

Die Forschung in diesem Bereich wurde in der Vergangenheit sehr ausführlich betrieben. Formuliert und das erste Mal empirisch untersucht wurde der HME Anfang der 1980er Jahre von den Psychologen Vallone, Ross und Lepper (1983). In einem Experiment konnten sie den HME eindrucksvoll nachweisen. Bis heute wurden mehr als 100 Studien veröffentlicht und der Großteil der Studien konnte den HME bestätigen (vgl. Doty 2005: 3-4). Dabei behandeln die meisten Studien thematisch öffentlich diskutierte politische Themen. Andere Bereiche der Berichterstattung sind selten Gegenstand der Untersuchungen. Ähnlich einseitig verhält es sich mit den Probanden, da die Studien überwiegend mit Studenten durchgeführt werden (vgl. Mende 2009: 140).

In der vorliegenden Arbeit wird daher die Frage gestellt, ob der HME auch unter Voraussetzungen auftritt, die in der bisherigen Forschung noch keine oder nur wenig Beachtung gefunden haben. Die Besonderheit dieser Studie ist primär die Untersuchsgruppe: Die Ultras im Profifußball. Darüber hinaus wurde sich für ein Thema entschieden, das im Gegensatz zu den meisten bisher untersuchten Themen nur sehr selten in den Massenmedien diskutiert wird. Das Thema „Stadionverbote für Fußballfans“ bietet sich an, da es für die Ultras von großer Relevanz ist und mehrere Standpunkte vertreten werden können. Die Jugendgruppe der Ultras kann ihre Einstellungen betreffend als Extremgruppe bezeichnet werden und eignet sich dadurch gut für eine HME-Studie. Durch diese Tatsachen, dass die Ultras eine Extremgruppe darstellen und das Thema „Stadionverbot“ für diese von großer Bedeutung ist, lautet die Forschungsfrage: Tritt der HME bei der Gruppe der Ultras besonders ausgeprägt auf?

Überdies weist die Jugendgruppe Ultras Eigenschaften auf, die eine genauere Untersuchung des HME ermöglichen. Dadurch werden, neben dem Auftreten des HME, intervenierende Variablen in die Analyse einbezogen. Dabei soll herausgefunden werden, wie diese jeweils die Ausprägung des HME beeinflussen.

Darüber hinaus wird ein weiterer Ansatz der Medienwirkungsforschung in die Untersuchung aufgenommen. Der Third-Person-Effekt trifft ebenfalls Aussagen darüber, unter welchen Umständen eine Beeinflussung anderer Personen durch Medien angenommen wird und welche Konsequenzen daraus resultieren können (vgl. Dohle/Vowe 2010: 12). Der TPE besagt, dass Personen andere Personen für medial beeinflussbarer halten als sich selbst und aus dieser Wahrnehmung Konsequenzen folgen können. Durch zahlreiche Überschneidungen lassen sich die HME und TPE Ansätze gut miteinander verbinden lassen. Dies ist in empirischen Untersuchungen jedoch selten geschehen. Die vorliegende Arbeit stellt diese Verbindung her und untersucht, ob der HME sich als Erklärungsmodell für das Auftreten von TPE eignet.

Des Weiteren stellt die Studie einen Vergleich in sozialer Hinsicht dar. Im Mittelpunkt steht dabei nicht das Thema der Berichterstattung, sondern die Untersuchungsgruppe Ultras im Profifußball. Kapitel zwei gibt einen Überblick der Jugendgruppe, um in die Thematik einzuführen und zu verdeutlichen, dass die Gruppe sich für die HME-Studie eignet. Hierbei werden einerseits die Entstehungsgeschichte der Ultras, andererseits die Eigenschaften und Interessen sowie die Feindbilder deutscher Gruppen vorgestellt.

Um ein theoretisches Grundverständnis zu schaffen wird der HME in Kapitel drei erörtert. Neben den grundlegenden Annahmen und der Entstehungsgeschichte werden auch Mechanismen zur Erklärung sowie Konsequenzen des HME dargestellt. Zu diesem Zweck werden zwei HME-Studien vorgestellt um den Aufbau von HME-Untersuchungen darzustellen und Unterschiede hinsichtlich des Untersuchungsdesigns sowie der Ergebnisse aufzuzeigen. Anschließend wird der TPE grundlegend beschrieben und zuletzt die Hypothesenableitung vorgenommen, die den theoretischen Teil der Arbeit abschließt.

Kapitel vier veranschaulicht das Vorgehen bei der empirischen Untersuchung. Dazu wird das quasi-experimentelle Design der Studie inklusive Instrument und Stimulusmaterial erläutert und der Pretest, die Rekrutierung der Teilnehmer sowie die Durchführung vorgestellt. Am Ende des Kapitels erfolgt ein Überblick der Stichprobe.

Die Ergebnisse der Studie werden in Kapitel fünf präsentiert. Für einen ersten Überblick kommt es zum Vergleich der Untersuchsgruppen. Anschließend werden die Hypothesen einzeln geprüft, bevor weitere Ergebnisse dargestellt werden und es abschließend zur Diskussion sowie kritischen Würdigung der Ergebnisse kommt.

In Kapitel sechs, das den Schluss darstellt, wird die Arbeit reflektiert sowie mögliche weiterführende Forschung dargelegt.

2 Die Ultras im Profifußball

Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit stehen die Ultras im Profifußball. Die Ultras werden auch häufig als „Extremfans“ bezeichnet. Diese Jugendkultur organisiert sich in einzelnen voneinander unabhängigen Gruppen, die verschiedene Fußballmannschaften durch ihre Stimmung im Stadion unterstützen. Für das weitere Verständnis werden im Folgenden die wichtigsten Grundlagen der Ultra-Kultur dargelegt. Dabei wird ein Einblick in die Entstehung der Ultras gegeben und Merkmale, Eigenschaften und Interessen der deutschen Gruppierungen vorgestellt. Darüber hinaus werden die Feindbilder der Ultras erörtert, um den Charakter der Jugendkultur besser darzustellen.

2.1 Entstehung der Ultra-Szene

Die Ultra-Szene entstand Mitte der 1960er Jahre in Italien aus einer linksgerichteten Protestbewegung heraus. Inspiriert wurde diese durch damalige studentische Proteste und Arbeiterbewegungen. Auf Plakaten auf den Tribünen brachten jugendliche Fans in den Fußballstadien ihre Meinung bezüglich der sozialen Ungerechtigkeit im Land zum Ausdruck. Später folgten bengalische Feuer, Megaphon, Doppelhalter[1], Fahnen und Choreographien, die bis heute Bestandteil der Ultra-Kultur sind (vgl. Sommerey 2010: 53).

Der Ursprung des Begriffs ‚Ultra‘, der sich über die italienischen Landesgrenzen hinaus etablierte, ist nicht eindeutig festzumachen. In der Literatur wird vermehrt davon ausgegangen, dass der Ausdruck auf Anhänger des AC Torino, eines italienischen Fußballvereins, zurückgeht. Dessen Fans waren nach einer Niederlage so aufgebracht, dass sie den Schiedsrichter bis zum Flughafen verfolgten. Ein italienischer Reporter bezeichnete dieses Verhalten als „ultrà“, zu Deutsch „extrem“ (vgl. Sommerey 2012: 27-28).

Ende der 60er Jahre entstanden in Italien fortwährend weitere Ultra-Gruppen. Diese waren zu Beginn der Szene in der Regel linksgerichtet. In den 70er Jahren entstanden jedoch weitere Gruppierungen, die sich öffentlich zu faschistischen und rechten Ideologien bekannten. In Folge dessen kam es häufiger zu sportlich oder politisch motivierten Auseinandersetzungen zwischen den Gruppen. In der weiteren Entwicklung erlangten die Gruppen auch einen Einfluss auf die Vereinspolitik. Dieser nahm in den 90er Jahren so stark zu, dass zum Teil selbst der Ordnungsdienst in der „Kurve“[2] von einzelnen Gruppen kontrolliert wurde. Bis 2012 waren in Italien mehr als 445 registrierte Ultra-Gruppen mit insgesamt mehr als 74.000 Mitgliedern bekannt (vgl. Sommerey 2012: 28).

2.2 Ultra-Kultur in Deutschland

Das Bild der Fankurven in deutschen Stadien wird mittlerweile seit mehr als 15 Jahren von der Jugendkultur der Ultras bestimmt. Doch wer steckt hinter den Ultras und welche Charakteristika weisen sie auf? Im Folgenden werden zunächst die allgemeinen Interessen der Jugendkultur dargestellt und anschließend die spezifischen Feindbilder dieser aufgeführt.

2.2.1 Eigenschaften und Interessen der Ultras

Das Hauptziel der verschiedenen Gruppen ist es, die Stimmung in den Stadien zu verbessern. Durch den Einsatz eines Vorsängers („Capo“) mit Megaphon werden die Fangesänge koordiniert. Große Aufmerksamkeit erreichen die Ultras neben den Gesängen durch ihre Sichtbarkeit. Diese zeigt sich durch aufwändige Choreografien, Doppelhalter, große Fahnen sowie Rauchbomben und bengalische Feuer (vgl. Gabriel 2010: 49).

Die deutsche Ultra-Kultur entstand Mitte der 1990er Jahre. Ihr Ursprung ist in den südeuropäischen Staaten, primär in Italien, zu verorten. Zu einer Zeit, in der die Stimmung in den deutschen Stadien immer schlechter wurde und die Tribünen in einigen Spielstätten von Hooligan-Gruppen eingenommen wurden, brachten ‚Groundhopper‘[3] ihre Erfahrungen und Erlebnisse aus den Stadien der südlichen Länder nach Deutschland mit. Daraufhin schlossen sich deutsche Fans der einzelnen Vereine zusammen, mit dem Ziel die Stimmung zu verbessern. Dabei grenzen sich die Ultras vom Hooliganismus der 1980er und 1990er Jahre ab und auch die Kuttenfans[4] wurden abgelehnt (vgl. Sommerey 2012: 31).

Sozio-demografisch betrachtet ist die Zusammensetzung der Ultra-Gruppen heterogen, abgesehen vom Geschlecht. Die Mitglieder setzen sich aus Schülern, Studenten, Auszubildenden, Berufstätigen und Arbeitssuchenden zusammen. Das Durchschnittsalter der zumeist männlichen Ultras liegt zwischen 15 und 25 Jahren (vgl. Sommerey 2010: 79). Für die Jugend sind die Ultras durch ihr einheitliches sowie selbstbewusstes Auftreten besonders attraktiv. In der Ultra-Szene finden die Mitglieder Raum für Kreativität, Emotionen, Bewegung und Wildheit (vgl. Kathöfer/Kotthaus/Willmann 2013: 48). Die Anzahl an Personen in Deutschland, die einer Ultra-Gruppe angehören, kann nicht verlässlich angegeben werden. Schreibt Pilz 2006 von ca. 7.000 Ultras im Profibereich (vgl. Pilz/Wölki 2006: 71), nennt ein Zeitungsbericht von 2011 „mindestens 25.000 Ultras in Deutschland“ (Stoldt 2011: o.S.). Diese Diskrepanz ist auch nicht durch den Zeitraum zwischen den Veröffentlichungen zu erklären. Verlässliche Zahlen lassen sich nicht finden, da die Ultras keinen eingetragenen Vereinen o.Ä. angehören. Es handelt sich demnach um inoffizielle Mitgliedschaften.

Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte durchliefen die deutschen Ultras eine Entwicklung, die einen großen Unterschied zu den italienischen Ultras hervorbrachte. Sind in Italien politische Positionen innerhalb der Ultra-Gruppierungen bis heute wichtig, steht in Deutschland der Support, die Unterstützung der Mannschaft im Vordergrund. Von allgemeiner Politik distanziert sich ein Großteil der Gruppen (vgl. Giurgi 2008: 52). Darin liegt eine notwendige Differenzierung zwischen Ultras und Hooligans, da sich letztere in jüngerer Vergangenheit stark radikalisiert haben. HoGeSa und andere fußballnahe Vereinigungen bekannten sich öffentlich zur rechten Szene. Der Politikwissenschaftler Richard Gerhardt betont, dass dies schon früher ein Konfliktpunkt zwischen den Gruppen gewesen sei. Wurden die Hooligans früher, gerade in Nordrhein-Westfalen, durch antirassistische Ultra-Gruppierungen in den Stadien zurück gedrängt, kam es 2013 in Aachen, Duisburg, Dortmund und Braunschweig zu Angriffen von Hooligans auf Ultras, die sich antirassistisch engagierten (vgl. ardmediathek.de 2015: o.S.). In den vergangenen Jahren lässt sich somit eine Tendenz zur Politisierung in diesem Bereich feststellen.

Die Ultras selbst sehen sich als kritischsten Bestandteil der Fanszene und Bewahrer der Tradition. Die Kommerzialisierung des Sports stellt dabei einen der zentralen Kritikpunkte dar. „Sie [die Ultras] sehen ihren Sport in den Fängen von ‚Geschäftemachern‘, für die Fans nur noch ‚Kunden‘ seien, die nach allen Regeln der Kunst ausgenommen werden müssen“ (Hintermeier/Rettberg 2006: 259). Somit spielt die Unabhängigkeit vom Verein für die Ultras eine große Rolle. Einhergehend mit der Ablehnung der Kommerzialisierung werden beispielsweise die Choreografien durch Spenden sowie Mitgliedsbeiträge selbst finanziert und Merchandising Artikel des Vereins größtenteils abgelehnt. Die Ultras designen ihre eigene Fankleidung mit Symbolen und Grafiken der jeweiligen Gruppe (vgl. Gabriel 2010: 49).

Eine eindeutige Definition der deutschen Ultra-Kultur ist, trotz der oben genannten allgemeinen Eigenschaften, durch die starke Heterogenität der einzelnen Gruppen in Deutschland nicht möglich. Gerade bei Streitfragen, z.B. der politischen Ausrichtung (links, mitte, rechts oder unpolitisch), gehen die Meinungen und Einstellungen der Gruppen zum Teil stark auseinander. Daher vertreten Pilz und Wölki die Auslegung, dass folgende Elemente den kleinsten gemeinsamen Nenner der deutschen Ultras darstellen: „Selbstdarstellung und Inszenierung, Organisation, optischer und akustischer Fan-(Dauer)-Support, Aktionen vor, während und nach einem Spiel, Lokalpatriotismus, Konkurrenzkampf[5], Provokation, Kritik[6], Rivalität, ‚Wir‘ vs. ‚Andere‘ und Hass auf die Polizei“ (Pilz/Wölki 2006: 212).

2.2.2 Feindbilder der Ultras

„Ultras haben drei ausgeprägte Feindbilder: die Polizei, die Fußballverbände und die Medien.“ (Pilz/Wölki 2006: 14)

Das angeführte Zitat nennt die drei Feindbilder der Ultras. Im Folgenden wird zunächst das Feindbild der Fußballverbände näher betrachtet, um anschließend auf die Feindbilder der Polizei und der Medien einzugehen. Der Deutsche Fußball-Bund ist aus der Sicht der Ultras für viele negative Aspekte der Modernisierung des Fußballs verantwortlich. Die Hauptkritikpunkte am Verband stellen dabei die Kommerzialisierung des Fußballs sowie Stadionverbote dar. Ein Beispiel für diese Kommerzialisierung sind die unterschiedlichen Anstoßzeiten der Ligaspiele. Für eine bessere Vermarktung und höhere Einnahmen im Bereich der Live-Berichterstattung des Fernsehens wurden die einzelnen Spieltage aufgeteilt. Heute werden Bundesligaspiele von Freitag bis Sonntag zu fünf verschiedenen Zeitpunkten angepfiffen. Aus Sicht der Ultras müssen die Fans unter der Vermarktung leiden, da einige Anstoßzeiten fanunfreundlich seien (vgl. Vieregge 2012: 12). Seit einiger Zeit steht sogar ein sogenannter „Salamispieltag“[7] nach englischem Vorbild zur Debatte. Durch weitere Aufteilungen des Spieltags würden mehr TV-Einnahmen generiert werden (vgl. Reese 2015: o.S.). Der Verband verfolge dabei den Ultras zufolge nur Wirtschaftsinteressen und die Fans nehmen ihres Erachtens im Fußball eine ungewollte Nebenrolle ein. Zweiter Streitpunkt stellen bundesweite Stadionverbote dar. Diese liegen im alleinigen Zuständigkeitsbereich von Vereinen bzw. vom DFB. Die Ultras bemängeln, dass mit den Verboten häufig fahrlässig umgegangen werde, obwohl es ein für die Fans sehr bedrohliches Instrument sei. Oft werde zudem aufgrund von Vorschlägen der Polizei ein Stadionverbot erteilt, ohne dass es zur Rücksprache mit Betroffenen käme. Dieser Konflikt konnte sich 2007 nur bedingt etwas abmildern, als der DFB den ‚1. Bundesweiten Fankongress‘ organisierte und den Dialog mit der Fanszene suchte. Während dieser Veranstaltung wurden die Richtlinien zum bundesweiten Stadionverbot gemeinsam mit Anhängern und der ‚Koordinationsstelle Fanprojekte‘ zu Gunsten der Fans geändert. Den meisten Ultra-Gruppen sind die überarbeiteten Regelungen allerdings nicht weitreichend genug (vgl. Gabriel 2010: 50).

Die Begründung für das Feindbild Polizei wird zunächst an einem kurzen Beispiel veranschaulicht. Im November 2008 kam es vor einem Bundesligaspiel in Bremen zu tumultartigen Szenen in der Innenstadt. Die Polizei nahm 234 Eintracht Frankfurt-Fans fest, mit der Begründung, der Aufenthalt von gewaltbereiten Fans in der Innenstadt stelle ein unkalkulierbares Risiko für die Bürger dar. Während des Fußballspiels solidarisierten sich Fans des SV Werder Bremen mit den Frankfurtern und präsentierten ein Banner mit der Aufschrift ‚230 Fans in Gewahrsam. Willkommen im Polizeistaat Bremen‘. Die Presse übernahm ungeprüft die Aussagen der Polizei und berichtete von ‚Schlägern‘ und ‚Hooligans‘. Erst später stellte sich heraus, dass der Grund für die Festnahmen lediglich ein gezündeter Knallkörper und die vermeintlich aggressive Stimmung der Fans war (vgl. Dahmen/Krebs 2010: 34). Das Feindbild Polizei entsteht für die Ultras also vor allem aus der Repression gegenüber den Fans. Neben den Ultras bemängeln auch Fanbeauftragte der Vereine und Fachleute „ […] das martialische Auftreten und eine arrogante Unnahbarkeit der Polizei und sprechen von Unverhältnismäßigkeit.“ (Sommerey 2010: 72).

Ein weiteres Feindbild sind die Medien. Zum einen tragen die Medien ihren großen Teil zur Kommerzialisierung bei, indem sie Druck auf Vereine und Verbände ausüben, um den Sport bestmöglich vermarkten zu können. Zum anderen wird von den Ultras die negative Berichterstattung kritisiert. Die Medien sind dankbar für die Choreografien sowie die Stimmung der Ultras und verwenden diese in ihrer Berichterstattung. Kommt es jedoch zu Zwischenfällen, wie Ausschreitungen oder dem Zünden von bengalischen Feuern, fällt die Medienberichterstattung aus Sicht der Ultras in den meisten Fällen einseitig aus. „Die Fans [werden] nach Auffassung der Ultras anders betrachtet und von der Öffentlichkeit über einen Kamm geschoren“ (Sommerey 2010: 70) und als ‚Chaoten‘ oder ‚Wahnsinnige‘ dargestellt. Diese Bezeichnungen empfinden die Ultras als willkürlich und undifferenziert (vgl. Sommerey 2010: 70). Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte schreibt dazu: „Die in der Regel einseitige und oftmals nachlässig recherchierte Berichterstattung über Fans führt […] zu einer stigmatisierten Darstellung der Fankultur und deren Handlungsweisen“ (Gabriel 2010: 48).

3 Der Hostile Media Effekt

Der Hostile Media Effekt bezeichnet den Umstand, dass von einem öffentlich diskutierten Konflikt betroffene Personen die Berichterstattung zu diesem Thema als feindselig (engl. hostile) verzerrt bzw. zu ihren Ungunsten gefärbt wahrnehmen. Die Berichterstattung wird also als unausgewogen und darüber hinaus die gegnerische Partei bevorzugend wahrgenommen. Bei diesem Ansatz geht es dementsprechend nicht darum, ob die Medienberichterstattung tatsächlich und anhand objektiver Kriterien feststellbar die eine oder die andere Position des Konflikts bevorzugt. Entscheidend ist die Tatsache, dass Rezipienten eine Verzerrung wahrnehmen (vgl. Vallone/Ross/Lepper 1985: 577; Doty 2005: 1; Bonfadelli/Friemel 2015: 228).

Die folgenden Kapitel stellen einen Überblick des HME-Ansatzes dar. Es werden grundlegende Annahmen sowie seine Entstehungsgeschichte vorgestellt, die Relevanz der HME-Forschung wird dem Leser näher gebracht, mögliche Ursachen sowie Konsequenzen des HME erläutert und schließlich der Forschungsstand anhand verschiedener Studien sowie deren Unterscheidungen voneinander dargelegt. Darüber hinaus wird mit dem Third-Person-Effekt ein verwandter und für die vorliegende Studie relevanter Ansatz präsentiert.

3.1 Grundlegende Annahmen und Entstehungsgeschichte

Der HME als rezipientenorientierter und in der Medienwirkungsforschung relativ junger Ansatz geht auf die Psychologen Vallone, Ross und Lepper (1985) zurück. In ihrer Pionierstudie im Kontext des arabisch-israelischen Konflikts konnten sie den HME eindrucksvoll bestätigen (siehe Kapitel 3.4.2). Den Forschern zufolge löst der HME zwei Mechanismen aus: Zum einen nehmen Rezipienten objektive Medienbeiträge über ein kontroverses Thema als nicht ausgewogen wahr und sehen ihre Meinung zum Thema als benachteiligt vertreten an. Zum anderen hat dies zur Folge, dass die Rezipienten annehmen neutrale Personen werden durch die Berichterstattung beeinflusst und ergreifen dadurch Partei für das gegnerische Lager (vgl. Vallone/Ross/Lepper 1985: 577). Vor der Durchführung ihrer Studie hatten die Wissenschaftler nur exemplarisch Hinweise auf den Effekt. Etwa während des US-Wahlkampfes 1980, wenn ein Zeitungsartikel bzw. die Berichterstattung einer Zeitung allgemein von den beiden konkurrierenden politischen Lagern durch Leserbriefe kritisiert wurde, da das Medium eine Seite bevorzugen würde. Zu diesem Thema wurde von Vallone et al. die erste systematische Studie durchgeführt. In einer Telefonumfrage analysierten die Forscher vor der Präsidentschaftswahl 1980 die Wahrnehmung der Medien im US-Wahlkampf. Dabei fanden sie heraus, dass die Mehrheit der Befragten (66%) die Berichterstattung als ausgewogen bewertete. Der Großteil derer, die diese Ansicht nicht vertraten, nahm die Berichterstattung jedoch als das gegnerische Lager bevorteilend wahr (89%) (vgl. Vallone/Ross/Lepper 1985: 578-579). Das anschließende Ziel war daher eine Überprüfung des Effekts anhand einzelner Medienbeiträge das Ziel. Bei einer Untersuchung legten die Forscher den Probanden einzelne Zeitungsberichte zum Wahlkampf vor und ließen diese bewerten. Einen Nachweis für den HME fanden sie jedoch nicht. Die unbefriedigenden Ergebnisse führten die Forscher zum einen darauf zurück, dass die Versuchsteilnehmer nicht genügend involviert waren. Zum anderen sei der Effekt ausgeblieben, da der Wahlkampf zum Zeitpunkt der Studie schon entschieden und für die Probanden somit nicht mehr relevant war. Diese Ergebnisse haben bereits auf verschiedene Voraussetzungen für den HME hingewiesen. Die Forscher benutzten für ihre oben erwähnte bekannte Studie mit dem Beirut-Massaker, bei der der Effekt nachgewiesen wurde, ein konfliktgeladenes Thema. Darüber hinaus rekrutierten sie die Teilnehmer zum Teil aus politischen Gruppen, um ein hohes Involvement [8] zu garantieren (vgl. Vallone/Ross/Lepper 1985; Mende 2009: 5-7).

Wie Vallone et al. von Beginn an vermuteten, tritt der HME nur bei massenmedial vermittelten Inhalten auf. Diese implizite Annahme wurde lange Zeit als gegeben hingenommen und nicht in Frage gestellt. Empirisch überprüft wurde die Annahme jedoch erstmals etwa 20 Jahre nach der Studie von Vallone et al. durch Gunther und Schmitt (2004). Im Rahmen dessen wurde die Voraussetzung empirisch untersucht und erfolgreich nachgewiesen. In ihrer Untersuchung zeigten sie, dass bei der Wahrnehmung eines Studentenaufsatzes im Vergleich zu einem Zeitungsartikel bei gleichem Inhalt kein HME auftritt (vgl. Gunther/Schmitt 2004: 65-66).

Die HME-Forschung hat den Nachweis gebracht, dass der HME nicht alle Personen in der gleichen Art und Weise beeinflusst. Der Effekt tritt unter verschiedenen Bedingungen auf, bei denen insbesondere die Charakteristika des Publikums den größten Einfluss ausüben. Im speziellen das persönliche Involvement (auch ego-involvement) bei einem Thema ist für das Auftreten bzw. für die Stärke des HME verantwortlich (vgl. Doty 2005: 9). Was die unabhängige Variable (UV) betrifft, lässt sich trotz der zahlreichen Studien zur HME-Forschung auch nach 30 Jahren konstatieren, dass diese sowohl theoretisch als auch die Operationalisierung betreffend nicht immer eindeutig definiert ist. Die in der Forschung am häufigsten genannten Konzepte sind Einstellung, Involvement und partisanship. In der Studie von Vallone et al. bezieht sich der Ansatz auf die Wahrnehmung der partisans. Partisanship sei somit die UV, die von den Forschern jedoch nicht genauer definiert wird. Auch in anderen Studien, die das traditionelle Konzept der partisans als UV verstehen, stellt sich häufig die Frage, was eine Person zu einem partisan macht (vgl. Mende 2009: 8). Die Forscher Arad und Carnevale definieren partisans folgendermaßen: „individuals who have a position and are ego involved“ (Arad/Carnevale 1994: 427). Somit verbinden die Wissenschaftler die Konzepte Einstellung und Involvement. Gerade das Involvement nimmt in vielen Studien eine zentrale Rolle ein. Nach Tsfati und Cohen lässt sich das Involvement ganz allgemein folgendermaßen definieren: „[…] individuals are involved with those topics that matter to them and that they care about“ (Tsifati/Cohen 2003: 134). Gunther und Liebhart (2005) hingegen untersuchten das Konzept partisanship empirisch und identifizierten mit Hilfe einer explorativen Faktorenanalyse zwei Faktoren des Konzepts: Zum einen den Faktor ego-involvement, der sich u.a. aus der Identifikation mit einer Gruppe und Einstellungsintensität zusammensetzt. Zum anderen den Faktor Relevanz, der die Wichtigkeit des Themas und dessen Zentralität beinhaltet (vgl. Gunther/Liebhart 2005: 24).

Was als kleinster gemeinsamer Nenner der verschiedenen Konzepte und Definitionen der UV genannt werden kann, ist die Richtung der Einstellung zu einem Thema, da diese die Richtung des Effekts determiniert (vgl. Mende 2009: 8-9). Diese Minimaldefinition wird für die Untersuchung in der vorliegenden Arbeit verwendet. Zentrales Merkmal ist somit, welche Einstellung eine Person zu dem untersuchten Thema hat.

Mit der Zuschreibung der abhängigen Variable (AV) verhält es sich weniger komplex als dies bei der UV der Fall ist. Die AV ist der wahrgenommene Bias in der Medienberichterstattung. Welchen Stellenwert andere persönliche Merkmale der Probanden haben, ist in der Forschung ähnlich umstritten wie die UV. Die am häufigsten genannten intervenierenden Variablen - die wie erwähnt in einzelnen Studien auch als UV verwendet werden - stellen die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, das oben genannte ego-involvement, das Vertrauen in die Medien bzw. in ein bestimmtes Medium sowie das Wissen über das Thema dar (vgl. Doty 2005: 10-13; Mende 2009: 9-10).

Die HME-Forschung ist für verschiedene praktische sowie wissenschaftliche Bereiche von großer Wichtigkeit. In erster Linie seien Journalisten, Medien, Sozialpsychologie, Politikwissenschaft, Politiker sowie Medien- und Kommunikationswissenschaft zu nennen. Doty (2005) fasst die Bedeutung für Sozialwissenschaften folgendermaßen zusammen:

“[…] HME is interesting, because its understanding adds to the knowledge of how members of society react to their immediate social surroundings in the information age. Specifically, this effect has the potential to change people’s attitudes towards the media and the media’s persuasive power over individual media consumers and public opinion.” (Doty 2005: 4)

Die Wahrnehmung von Bias in Medieninhalten beeinflusst demzufolge zwei fundamentale Eigenschaften, welche die Beziehung zwischen dem Publikum und den Medien betreffen: Das Vertrauen des Publikums in die Medien und der Einfluss der Medien auf das Publikum. In einen Konflikt involvierte Personen sehen Medieninhalte dem HME zufolge als unfair und falsch an. Diese Wahrnehmung schwächt das Vertrauen in die Medien, wodurch wiederum der Medieneinfluss sinkt (vgl. Doty 2005: 4). Durch diese Verkettung wird der Effekt für die Praxis relevant. Politiker, Journalisten, Lobbyisten und viele weitere Berufsgruppen des Medienkosmos können von einem komplexeren Verstehen der Reaktionen des Medienpublikums profitieren. Das Wissen über den HME ermöglicht es ihnen, Wahrnehmungen von Medieninhalten vorauszusagen und der Persuasion der Medien geschickt Grenzen zu setzen (vgl. ebd.: 5).

3.2 Mechanismen zur Erklärung des Hostile Media Effekts

Bei der Frage nach Mechanismen zur Erklärungen des HME stehen psychologische Ansätze im Zentrum der Forschung. Selective recall, selective categorization, different standards und die Heuristik des prior belief in media bias erklären den HME kognitiv, auf der Ebene der menschlichen Informationsverarbeitung (vgl. Mende 2009: 41). Diese vier Mechanismen sind die in der Wissenschaft zum HME verbreitetsten und werden im Folgenden kurz vorgestellt.

3.2.1 Selective recall

Der selective recall, die selektive Erinnerung, geht davon aus, dass Personen solchen Informationen besonders viel Aufmerksamkeit schenken, die ihrem persönlichen Standpunkt widersprechen. Die somit dissonanten Informationen werden elaborierter verarbeitet, wodurch sich an diese eher erinnert wird als an konsonante Informationen. Dadurch kommt es zur verzerrten Wahrnehmung der Informationsverteilung in einem eigentlich ausgewogenen Beitrag und der HME ließe sich somit erklären (vgl. Schmitt/Gunther/Liebhart 2004: 625). Von Giner-Sorolla und Chaiken (1994) wurde diese Erklärung mit der Schematheorie in Verbindung gebracht. Demnach verletzen einstellungsinkongruente Informationen kognitive Schemata, wodurch mehr Aufmerksamkeit hervorgerufen wird (vgl. Giner-Sorolla/Chaiken 1994: 166-167).

Während Vallone et al. (1985) selective recall und selective catergorization zusammen untersuchten, gingen Giner-Sorolla und Chaiken (1994) hingegen direkt auf erinnerte Fakten ein und führten als erste Wissenschaftler auf dem Gebiet Erinnerungsmessungen (free recall und recognition) durch. Die Valenz der frei erinnerten Fakten wurde sowohl von Codierern „objektiv“ gemessen, als auch von den Teilnehmern selbst eingeschätzt. Einen Nachweis für selec-tive recall konnten die Forscher dabei nicht finden. Die von den Codierern festgestellte Valenz der von den Probanden erinnerten Fakten war gegensätzlich sogar eher konsistent zu der eigenen Meinung des jeweiligen Versuchsteilnehmers. Demnach hemmt die selektive Erinnerung einen HME. Giner-Sorolla und Chaiken wiesen jedoch darauf hin, dass die Studie mit allgemeinen Erstsemestern durchgeführt wurde und ihre Ergebnisse nur für eine allgemeine Population, hingegen nicht speziell für partisans gelten. Bei diesen sei es laut den Forschern möglich, dass es durch bipolare Wissensstrukturen und stärkere, gefestigtere Einstellungen zu einer selektiven Erinnerung feindlicher Informationen kommt (vgl. Giner-Sorolla/Chaiken 1994: 172-175). Schmitt et al. (2004) untersuchten mit einem ähnlichen Verfahren partisans, fanden allerdings auch keinen Nachweis für den selective recall und die Ergebnisse deuteten, ähnlich wie bei Giner-Sorolla und Chaiken, in die entgegengesetzte Richtung. Daher wird der Mechanismus des selective recall mittlerweile von vielen Forschern als widerlegt angesehen (vgl. Mende 2009: 42-43).

3.2.2 Selective categorization

Der Erklärungsansatz selective categorization setzt voraus, dass Personen mit differenten Einstellungen die gleichen Informationen wahrnehmen, verarbeiten sowie erinnern. Diese werden teilweise unterschiedlich kategorisiert, indem ihnen verschiedene Valenzen zugeordnet werden. Neutrale Informationen können so z.B. von den verschiedenen Lagern entgegen ihrer jeweiligen Meinung und somit nicht als neutral kategorisiert werden (vgl. Mende 2009: 43-44). Dieser Erklärungsansatz ist stark mit der Assimilations-Kontrast-Theorie verbunden. Nach dieser fallen neutrale Informationen in den Ablehnungsbereich von stark ich-involvierten Personen. Dies führt dazu, dass jede Information, die die eigene Position nicht eindeutig unterstützt, „wegkontrastiert“ und als feindlich bewertet wird. Dieser Prozess der selektiven Kategorisierung ist bei den Individuen verantwortlich dafür, dass sie einen Beitrag als verzerrt wahrnehmen, auch wenn dieser ausgewogen ist (vgl. Giner-Sorolla/Chaiken 1994: 166).

Giner-Sorolla und Chaiken (1994) untersuchten selective categorization, indem sie die subjektive Valenz erinnerter Informationen analysierten. Die Einstellung der Probanden hatte einen direkten Effekt auf die Valenz der frei erinnerten Informationen, wie sie von den Befragten selbst kategorisiert wurden. Auf die objektiv codierte Valenz der erinnerten Fakten hatte die Einstellung keinen Effekt. Der gefundene Effekt in Bezug auf die Valenz der frei erinnerten Informationen war jedoch positiv. Die Versuchsteilnehmer kategorisierten die erinnerten Informationen vermehrt ihrer Meinung entsprechend (vgl. Mende 2009: 43-44). Diese Weise der Untersuchung von selective categorization wurde von Schmitt et al. (2004) kritisiert, da der Inhalt nicht kontrolliert wurde. Bei der Analyse der subjektiv bewerteten Valenz der frei erinnerten Informationen bewertet jeder Proband die Informationen, die er persönlich erinnert hat und somit alle Personen unterschiedliche. Dadurch seien selective categorization und recall konfundiert. Schmitt et al. hingegen haben diese Vermischung vermieden. Dies gelang ihnen, indem sie zum Testen von selective categorization mehrere Auszüge aus einem Zeitungsbeitrag noch einmal vorgelegt haben (zum Konstanthalten des Inhalts) und von den Probanden die Valenz der Auszüge bewerten ließen. Beide partisan -Gruppen der Untersuchung bewerteten die Auszüge aus den Artikeln signifikant unterschiedlich. Daher kommen Schmitt et al. zu dem Schluss, dass selective categorization ein vielversprechender Erklärungsansatz ist und weiter verfolgt werden sollte (vgl. Schmitt/Gunther/Liebhart 2004: 626-636).

3.2.3 Different standards

Bei dem Mechanismus different standards ist es möglich, dass Vertreter entgegengesetzter Lager über die Verteilung und Valenz von Inhalten in einem Medienbeitrag übereinstimmen und die Argumente somit gleich kategorisieren. Denken die Personen allerdings an alle Informationen und Argumente, die ihres Erachtens ein ausgewogener Beitrag enthalten müsste, bewerten sie den ausgewogenen Medienbeitrag als verzerrt, da ihnen verschiedene Standards zur Bewertung zugrunde liegen (vgl. Schmitt/Gunther/Liebhart 2004: 626). Für den Standard der einen Seite wären z.B. Argumente die für die gegnerische Seite sprechen nicht relevant und ungültig für die Diskussion. Ein Beitrag der „irrelevante“ Argumente der gegnerischen Seite enthält wird somit als verzerrt wahrgenommen. Dieser Erklärung zufolge haben die Personen auf beiden Seiten „verschiedene Universen gültiger Argumente in ihren Köpfen und gehen davon aus, dass sie das gesamte Universum gültiger Argumente kennen und objektiv bewerten können“ (Mende 2009: 45). Demnach dürfe ein ausgewogener Beitrag, aus der Sicht des Vertreters einer Seite, ausschließlich Argumente für die eigene Seite und ggf. neutrale Argumente enthalten (vgl. ebd.).

3.2.4 Prior belief in media bias

Giner-Sorolla und Chaiken (1994) wiesen darauf hin, dass die drei oben aufgeführten Mechanismen trotz ihrer Unterscheidungen alle eine Gemeinsamkeit haben: Sie nehmen an, “ [that] judgments of hostile media result from the attitude-influenced processing of a program’s actual content” (Giner-Sorolla/Chaiken 1994: 167). Was aber, so die Forscher, wenn „prior beliefs in hostile media bias, rather than partisanship per se, could bring people to prejudge a specific program as biased” (ebd: 167)? Diese Überlegung ist Gegenstand des prior belief in media bias. Es könne also auch die Voreinstellungen zu auftretenden Verzerrungen in den Medien allgemein entscheidend sein. Vorgefasste Einstellungen, die prior beliefs, könnten somit als Urteilsheuristik bei der Bewertung bestimmter Medien bzw. Medieninhalte herangezogen werden. Wenn ein Rezipient vermutet das Medium oder die Medien im Allgemeinen seien einem feindlich gesinnt, schätzt der Rezipient einen Medienbeitrag folglich auch dementsprechend ein. Darüber hinaus wird dies auch auf die angenommene Journalistenmeinung übertragen (vgl. Mende 2009: 47).

Giner-Sorolla und Chaiken (1994) untersuchten prior beliefs und deren Einfluss, indem sie die Teilnehmer ihrer Studie schon mehrere Monate vor der eigentliche Studie Medien in Bezug auf bestimmte Themen bewerten ließen. Sie fragten die Probanden, wie sie die US-amerikanischen Medien zu den Themen Abtreibung und Israel-Konflikt einschätzen bzw. ob eine der kontroversen Meinungen zu dem jeweiligen Thema bevorzugt vertreten wird. Die Forscher fanden einen Einfluss der früheren Einschätzung auf die Bewertung der Medieninhalte in der späteren Studie. Je feindlicher die Medien in der ersten Befragung eingeschätzt wurden, desto feindlicher wurde der Medienbeitrag im Experiment eingeschätzt (vgl. Giner-Sorolla/Chaiken 1994: 177).

Spezifiziert werden kann der prior belief in media bias in Bezug auf den Gegenstand dieser Voreinstellung. Sowohl themenspezifische als auch generelle Voreinstellungen sind möglich und wurden schon in der HME-Forschung untersucht. Neben Giner-Sorolla und Chaiken haben etwa Peffley et al. (2001) den themenspezifischen prior belief in media bias untersucht. Gegenstand der Studie war die damalige Abtreibungsdebatte in den USA. Probanden, die der Ansicht waren die Medien seien gegen pro-choice -Gruppen, nahmen den Stimulustext ebenfalls als verzerrt wahr. Allerdings hatte der generelle prior belief in media bias im Gegensatz zum thematischen keinen Einfluss auf den HME in den bisherigen Untersuchungen (vgl. Mende 2009: 47).

Der prior belief in media bias ist als Erklärung für den HME jedoch lediglich eine Verschiebung des Problems. Denn daraus folgt die Frage, woher diese Voreinstellungen kommen. In der Forschung werden verschiedene Möglichkeiten zur Entstehung diskutiert, von denen zwei Ansätze grundlegend unterschieden werden. Die eine Möglichkeit ist der langsame Aufbau dieser Voreinstellungen. Über die Zeit bilden Menschen durch wiederholte eigene Einschätzung von Medieninhalten eine Einstellung, die sie dann als heuristischen Shortcut nutzen. Die andere Möglichkeit ist die Übernahme derartiger Heuristiken, bei der Urteilsheuristiken aus anderen Quellen übernommen werden. Diese können einerseits Freunde oder Bekannte sein. Andererseits ist es jedoch auch vorstellbar, dass partisans Einstellungen durch gezielte Propaganda ihrer Organisation übernehmen und Personen sich dem Urteil von Eliten anschließen (vgl. Mende 2009: 48).

3.3 Konsequenzen des Hostile Media Effekts

Die Erforschung möglicher Konsequenzen des HME setzte Ende der 1990er Jahre ein und kann in drei Bereiche kategorisiert werden: die Auswirkung auf die wahrgenommene öffentliche Meinung, auf das Vertrauen in die Medien und die Demokratie sowie die Intention ein entsprechendes Medium wieder zu nutzen bzw. nicht zu nutzen. In diesem Kapitel wird der jeweilige aktuelle Forschungsstand kurz wiedergegeben.

Die Forschung zu Konsequenzen für die wahrgenommene öffentliche Meinung fällt unter das Konzept der persuasive press inference, das erstmals von Gunther (1998) formuliert wurde. Das Konzept beruht auf folgenden drei Annahmen: (1) Personen schließen von dem kleinen Ausschnitt der Nachrichten den sie rezipieren auf die Mediennachrichten allgemein (vgl. Gunther 1998: 488). (2) Personen schreiben den Medien eine große Reichweite zu. (3) Personen sind der Ansicht, dass Massenmedien einen persuasiven Einfluss auf andere haben (vgl. Gunther et al. 2001: 298). Dieses Konzept, insbesondere die dritte Annahme, bildet eine Verbindung zwischen dem HME, dem TPE (siehe Kapitel 3.5) und Ansätzen zu Einflussfaktoren auf die wahrgenommene öffentliche Meinung. Dem HME zufolge nehmen Personen die Medienberichterstattung als feindlich wahr und durch die persuasive press inference wird die öffentliche Meinung anschließend auch als feindlich wahrgenommen. Entgegengesetzt wirkt allerdings der looking-glass-effect als Projektionsmechanismus, der dafür verantwortlich ist, dass Personen ihre eigene Meinung auf andere und somit auf die wahrgenommene öffentliche Meinung projizieren (vgl. Mende 2009: 52).

In einem ersten Experiment, das jedoch nicht auf den HME einging, konnte Gunther (1998) erste Hinweise für das Wirken der persuasive press inference finden. Später stellten Gunther und Chia (2001) in einer Studie die Verbindung zum HME her. Die Studie, deren Gegenstand das Thema „Primaten in der Forschung“ war, kam auf der Ebene der Wahrnehmung der Berichterstattung zu folgenden Ergebnissen: (1) Projektionsbias: Probanden, die Forschung mit Primaten befürworteten, schätzen die öffentliche Meinung auch eher so ein. (2) Relativer HME: Probanden, die Forschung mit Primaten befürworteten, schätzten die Berichterstattung zu dem Thema als mehr gegen Primaten in der Forschung ein als die anderen Versuchsteilnehmer. (3) Persuasive press inference: Diese Wahrnehmung der „feindlichen“ Berichterstattung beeinflusste wiederum die Einschätzung der öffentlichen Meinung (vgl. Gunther/Chia 2001: 696). In dieser Studie treten Projektion und persuasive press inference als gegenläufiger Effekt auf. Weitere Studien zu dem Konzept kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Eine Studie von Christen (2005) stellte allerdings fest, dass bei den (politischen) partisans der Einfluss des wahrgenommenen Bias nur wenig bis keine Wirkung auf die Einschätzung der öffentlichen Meinung hat. Dies wird von der Forscherin dadurch begründet, dass partisans die Zustimmung zu ihrer Position in der Allgemeinheit generell überschätzen und dies einen gegenläufigen Einfluss hat (vgl. Christen/Huberty 2007: 326-327; Mende 2009: 52-53).

Die aussagekräftigste Studie in Bezug auf die Konsequenzen des HME für das Vertrauen in die Medien und die Demokratie wurde von Tsfati und Cohen (2005) durchgeführt. Die Studie behandelte die Thematik „Siedlungen im Gazastreifen“ und untersuchte die Auswirkungen des HME auf das Vertrauen in Nachrichtenmedien allgemein, auf das Vertrauen in die Demokratie und auf die Intention, sich einer möglichen Evakuierung gewaltvoll zu widersetzen. Die Forscher argumentierten, dass Menschen die meisten Informationen nicht selbst verifizieren können, daher müssten sie der Medienberichterstattung vertrauen. Um dieses Vertrauen zu testen, nutzen sie Themen der Berichterstattung in die sie involviert sind und sich ein hohes Wissen zuschreiben. Wenn die Personen durch den HME die Berichterstattung zu diesen Themen als feindlich wahrnehmen, könnte das allgemeine Vertrauen in die Medien verletzt werden und sinken. Durch die wichtige Rolle der Medien für die Demokratie könnte folglich auch das Vertrauen in die Demokratie sinken (vgl. Tsfati/Cohen 2005: 29). Mittels einer telefonischen Umfrage unter Siedlern im Gazastreifen untersuchten die Autoren ihre Annahmen und fanden heraus, dass die feindliche Wahrnehmung der Medien negativ mit dem allgemeinen Vertrauen in die Nachrichtenmedien zusammenhängt. Das Vertrauen in die Medien allgemein war wiederum mit dem Vertrauen in die Demokratie positiv verknüpft. Dieses Vertrauen in die Demokratie hatte wiederum einen Einfluss auf die Intention, Widerstand gegen eine Evakuierung auch mit Gewalt zu unterstützen. Eine direkte Verbindung zwischen dem HME und der Intention zum gewalttätigen Widerstand konnten Tsfati und Cohen jedoch nicht nachweisen (vgl. ebd.: 40-43; Mende 2009: 53).

Die am wenigsten empirisch geprüfte Konsequenz ist die Auswirkung auf die Intention, das vermeintlich feindliche Medium wieder zu nutzen. Die Konsequenz entspringt der häufig vermuteten Annahme, dass Personen, die ein Medium bzw. einen Medienbeitrag als parteiisch wahrnehmen, eben diesem Medium weniger Vertrauen schenken und dieses als Konsequenz daraus weniger nutzen. Arpan (2006) fand in einer Untersuchung heraus, dass wahrgenommener Bias im Artikel ein signifikanter Prädiktor für eine geringere Absicht war, dieselbe Zeitung oder Artikel desselben Journalisten noch einmal zu lesen (vgl. Mende 2009: 53).

3.4 Hostile Media Effekt Studien

Seit der Pionierstudie von Vallone et al. 1985 wurden zahlreiche Studien mit unterschiedlichen Untersuchungsdesigns, verschiedenen medialen Inhalten als Stimulus sowie unterschiedlichen Themen und Teilnehmern durchgeführt. Die nachfolgenden Kapitel sollen einen kurzen Einblick in die bisherigen Studien und dessen Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede verschaffen. Zudem werden zwei ausgewählte HME-Studien in ihren Grundzügen vorgestellt, um die Untersuchungsdesigns, Ergebnisse aber auch Probleme von HME-Untersuchun-gen zu skizzieren.

3.4.1 Unterschiede der Hostile Media Effekt Studien

Unterschieden werden können die Studien anhand verschiedener Kriterien. Zu nennen sei hier erstens das Untersuchungsdesign bzw. die Methodik. Hier kann zwischen experimentellen Laborstudien und Umfragen unterschieden werden. Erstere sind dabei nie „echte“ Experimente, sondern Quasiexperimente, da die UV nicht zufällig vom Forscher zugewiesen wird, sondern bei den Probanden bereits vorhanden ist. Unter Laborstudien fallen auch solche Studien, die nicht im Labor sondern im Umfeld des Probanden stattfinden, bspw. bei online abrufbaren Fragebögen. Der Vorteil der experimentellen Laborstudien ist die hohe interne Validität. Durch die Kontrolle des Inhalts können sich die Forscher sicher sein, dass sich die Wahrnehmung der Probanden auf den gleichen Inhalt bezieht. Der Nachteil ist allerdings die geringe externe Validität, da bei diesen Studien kein übliches Rezeptionsverhalten gegeben ist (vgl. Brosius/Koschel/Haas 2008: 240). Bei einer Umfrage hingegen wird nicht die Reaktion bzw. in diesem Falle die Wahrnehmung auf einen bestimmten Stimulus untersucht, sondern die Wahrnehmung der Berichterstattung der Medien im Allgemeinen oder eines einzelnen Mediums zu dem Untersuchungsthema. Zum Teil sind solche Umfragestudien mit Inhaltsanalysen kombiniert, um den tatsächlichen Bias in der Berichterstattung zu kontrollieren. Der Vorteil der Umfrage als Methode liegt in der hohen externen Validität, gegeben durch die Bewertung tatsächlich genutzter Medieninhalte. Den Nachteil stellt die geringe interne Validität dar, da der Forscher kein Wissen über den tatsächlichen Medienkonsum der Studien-Teilnehmer hat (Brosius/Koschel/Haas 2008: 239; Mende 2009: 13-14).

Neben der Methode als Kriterium zur Differenzierung der verschiedenen Studien können diese auch in Bezug auf den Medieninhalt unterschieden werden. Es gibt vier verschiedene Möglichkeiten von untersuchten Inhalten: Ein einzelner Beitrag aus einem bestimmten Medium, die Berichterstattung eines bestimmten Mediums, ein Beitrag aus einem unbestimmten Medium bzw. aus mehreren Medien und die Berichterstattung der Medien allgemein bzw. einer Mediengattung. Untersuchungen der verschiedenen Kategorien unterscheiden sich in ihrer Aussagekraft. Insbesondere Studien, die die Wahrnehmung der Berichterstattung untersuchen (i.d.R. Umfragestudien) beinhalten die Gefahr, dass es zu Artefakten in den Antworten kommt. Die Ergebnisse dieser Studien können durch andere Mechanismen erklärbar sein, z.B. durch Selektion der Rezipienten. Bei der Untersuchung eines einzelnen Beitrags besteht Gewissheit, dass jeder Proband den gleichen Stimulus konsumiert. Ebenfalls Unterschiede in der Aussagekraft birgt die Dimension eines bestimmten und eines unbestimmten Mediums. Bestimmte Medien schaffen eine realere Kommunikationssituation. Auf der anderen Seite können Voreinstellungen zu bestimmten Medien die Ergebnisse stark beeinflussen (vgl. Mende 2009: 19-23).

Auch anhand der Vielzahl von Themen, die bereits Gegenstand von HME-Studien waren, können die Studien differenziert werden. Die Effekte sind bei den Themen unterschiedlich ausgeprägt. Diverse Themen verursachten stärkere Effekte, andere schwächere und bei einigen blieb der Effekt gänzlich aus. Dabei sei darauf hingewiesen, dass oft nicht eindeutig nachgewiesen werden kann, ob die Effektstärke tatsächlich auf die untersuchten Themen oder auf die methodische Differenz zwischen den unterschiedlichen Studien zurückzuführen ist. Dem Großteil der Untersuchungen liegen politische Themen zugrunde. Sehr häufig wird in diesem Bereich die Berichterstattung während Wahlkämpfen (z.B. Beck 1991; Mutz & Martin 2001) Gegenstand der Untersuchungen und auch kontroverse politische Themen wie Abtreibung (z.B. Gibbon & Durkin 1995) oder Tierversuche (z.B. Gunther & Chia 2001) fanden ihren Weg in die HME-Forschung. Im Laufe der Zeit wurden vereinzelt auch Themen wie Studentenverbindungen (z.B. Arpan 2006), Sport (z.B. Arpan & Raney 2003) oder Studiengebühren (Dohle & Hartmann 2008) in die Forschung aufgenommen (vgl. Mende 2009: 26-27).

3.4.2 Vallone et al.: Studie zum Beirut Massaker

Die erste und bekannteste Studie zum Hostile-Media-Effekt, die dem Ansatz auch seinen Namen gab und anfangs schon angesprochen wurde, stammt von den amerikanischen Forschern Robert P. Vallone, Lee Ross und Mark R. Lepper. 1985 veröffentlichten die Autoren im Journal of Personality and Social Psychology den Artikel „ The Hostile Media Phenomenon: Biased Perception and Perceptions of Media Bias in Coverage of the Beirut Massacre “. Gegenstand der Untersuchung, wie der Titel vermuten lässt, ist die Berichterstattung über das Beirut Massaker während des libanesischen Bürgerkriegs im September 1982 (vgl. Vallone/Ross/Lepper 1985: 577).

Die Teilnehmer der Pionierstudie setzten sich aus 144 Studenten der Stanford University mit verschiedenen Einstellungen zum Mittleren Osten zusammen. Die Probanden wurden zum Teil direkt aus pro-israelischen und pro-arabischen Studentengruppen rekrutiert, womit eine klare Position im Konflikt garantiert war. Als Stimulusmaterial wurden sechs Ausschnitte aus US-Fernsehnachrich-tensendungen verwendet, die in den zehn Tagen nach dem Genozid ausgestrahlt wurden und zusammen 36 Minuten dauerten. Die Ausschnitte behandelten in erster Linie das Beirut Massaker und die damit verbundene Verantwortlichkeit Israels (vgl. ebd.: 580).

Vor der Rezeption des Stimulusmaterials mussten die Probanden verschiedene Fragen, u.a. zu ihrer Einstellung zum Konflikt und zur Schuldfrage Israels oder auch ihre Kenntnisse zum Konflikt und der historischen Bedeutung, beantworten. Dadurch konnten die Studenten in die drei Gruppen pro-israelisch, pro-arabisch und neutral eingeteilt werden. Nach der Rezeption der Nachrichtenbeiträge mussten die Versuchsteilnehmer einen weiteren Fragebogen ausfüllen. Dieser behandelte grob umfasst die Ausgewogenheit der rezipierten Berichterstattung. Es wurden z.B. die vermuteten Standpunkte der Journalisten, die dargestellte Rolle Israels während des Massakers oder auch die positive sowie negative Bewertung Israels abgefragt. Darüber hinaus mussten die Probanden in Prozentanteilen angeben, inwieweit die Berichterstattung pro-Israel, neutral oder contra-Israel sei. In Bezug auf die eingangs erwähnte zweite Annahme wurde zudem bewertet, wie viel Prozent der neutralen Zuschauer sich nach der Rezeption der Nachrichten pro Israel, contra Israel oder weiterhin neutral positionieren würden, also beeinflusst bzw. nicht beeinflusst werden durch die Berichterstattung (vgl. ebd.: 580‑581).

Die Wissenschaftler konnten in ihrer Studie den HME deutlich nachweisen. Die Anhänger beider Seiten bewerteten die rezipierte Berichterstattung jeweils als feindlich und die gegnerische Seite bevorteilend an. Pro-arabische Probanden bewerteten die Beiträge zugunsten Israels (Durchschnittswert von 6.7 auf einer 9-Punkte-Skala; wobei 5 = fair and impartial, 1 = strongly biased against Israel und 9 = strongly biased in favor of Israel). Pro-israelische Teilnehmer hingegen bewerteten das gleiche Material als zugunsten der gegnerischen Seite (Durchschnittswert von 2.7 auf derselben Skala). Diese Differenz ist statistisch hoch signifikant. Darüber hinaus konnte in der Untersuchung auch die zweite Annahme bestätigt werden. Pro-arabische Studenten nahmen an, dass die Beiträge neutrale Rezipienten dazu bewegen, eine Haltung für Israel einzunehmen. Auf der anderen Seite gab die Gruppe der pro-Israel Studenten an, die Berichterstattung würde dazu führen, dass neutrale Zuschauer eine Haltung gegen Israel einnehmen würden. Eines der zusätzlichen Ergebnisse ist, dass das Wissen zu dem Thema sowie das emotionale Involvement moderierende Variablen darstellen. Je höher das Wissen über das Thema eingeschätzt wurde, desto ausgeprägter der HME. Ebenso verhält es sich mit dem emotionalen Involvement (vgl. ebd.: 581-583; Christen/Kannaovakun/Gunther 2002: 424).

3.4.3 Dohle und Hartmann: Studie zu Studiengebühren

Der Großteil der veröffentlichten Studien zum HME stammt aus den Vereinigten Staaten. Eine der wenigen Studien aus dem deutschsprachigen Raum wurde 2008 von den Kommunikations- und Medienwissenschaftlern Marco Dohle und Tilo Hartmann veröffentlicht. Thema der Untersuchung, an der 230 Studenten teilnahmen, sind die Einführung bzw. Erweiterung von Studiengebühren. Die Studie, veröffentlicht im Journal „Medien & Kommunikationswissenschaft“, schlägt als Erklärung für den HME die Aktivierung der Gruppenzugehörigkeit involvierter Rezipienten vor. Diese wird von der Reichweite der Berichterstattung beeinflusst. Den Forschern zufolge lösen Artikel mit einer angenommenen hohen Reichweite die Befürchtung aus, dass durch die Berichterstattung der gegnerische Standpunkt gestärkt und die Masse dadurch negativ beeinflusst wird. Wird ein kleines Publikum angenommen, so sei der Effekt entgegengesetzt und der kontroverse Artikel werde eher als die eigene Meinung unterstützend angesehen (vgl. Dohle/Hartmann 2008: 21).

Die Studie der zwei Forscher lehnte sich an das Standarddesign von HME-Untersuchungen an. Die Probanden wurden nach ihrer Einstellung zum Thema Studiengebühren (pro vs. contra) abgefragt, was als quasi-experimenteller Faktor diente. Anschließend wurde ein Text zum Thema Studiengebühren als Stimulus rezipiert. Nach der Rezeption des Medieninhaltes wurden den Teilnehmern Fragen zur Bewertung des Textes gestellt. Im Rahmen dessen wurde z.B. die vermeintliche Einstellung des Autors bewertet und ob der Text mehr Argumente für oder gegen Studiengebühren enthält. Ziel war es, die Voreinstellung zu dem Thema und die Wahrnehmung des Artikels miteinander in Bezug zu setzen. Die Größe des angenommenen Publikums wurde als experimenteller Faktor manipuliert. Der vorgelegte Text wurde den Probanden entweder als Artikel einer überregionalen Tageszeitung oder als Text eines Studenten, angefertigt als Übungsaufgabe im Rahmen eines universitären Seminares an der Universität, präsentiert. Ersterer sollte eine hohe Reichweite suggerieren, der Zweite eine geringe. Somit wollten die Forscher testen, ob die Reichweite wie angenommen eine moderierende Variable des HME darstellt (vgl. ebd.: 28).

Neben der Einstellung zu Studiengebühren und der wahrgenommenen Artikeltendenz wurden zudem die soziale Distanz zum Mitpublikum, das Vertrauen in die kompetente Arbeit des Autors des Textes sowie das Interesse und die Kompetenz der Probanden zu dem Thema abgefragt. Auf die soziale Distanz wird an dieser Stelle nicht weiter eingegangen, da sie für die vorliegende Arbeit keine Relevanz hat. Das Vertrauen in die Qualität der Arbeit des Autors als Störfaktor dient der Überprüfung von Quelleneffekten. Die Störfaktoren Interesse und Kompetenz zum Thema dienen der Abfrage des Involvements in dem Thema (vgl. ebd.: 30-31).

Die Ergebnisse der Analyse ergaben, dass lediglich bei der Gruppe mit dem Text mit vermeintlich kleiner Reichweite ein Effekt eintraf. Der assimilation-bias zeigt sich absolut jedoch hier nur bei den Studiengebühren-Befürwortern. Bei den Gegnern fiel die Artikeltendenz nahezu neutral aus. Bei Betrachtung der Ergebnisse für das große Publikum fällt auf, dass sowohl Befürworter als auch Gegner den Artikel als ausgewogen bewerten. Der HME konnte somit nicht nachgewiesen werden (vgl. ebd.: 32-33).

Für die Tatsache, dass der HME nicht nachgewiesen werden kann, führen die Autoren der Studie verschiedene mögliche Gründe auf. Das (Konflikt-)Thema und das damit einhergehende Involvement können Ursache für den ausbleibenden HME sein. Trotz der Tatsachen, dass das Thema Studiengebühren die Probanden betrifft und die Meinungen stark auseinander gehen, empfehlen die Forscher als Alternative „ausschließlich unterschiedliche Extremgruppen für die Versuchsteilnahme zu rekrutieren – und Annahmen über Wirkungspotentiale des Hostile Media Effekts auf ausschließlich diese Gruppen zu beschränken“ (ebd.: 37). Bei extremeren Themen sei von einem substantielleren Involvement auszugehen. Eine weitere Anmerkung der Autoren betrifft das Stimulusmaterial der Untersuchung. Durch die Artikelbezeichnung „Kommentar“, die mit einer klaren Position des Autors verbunden wird, kann bei den Teilnehmern eine Erwartungshaltung ausgelöst worden sein, die durch den Medienbeitrag nicht erfüllt wurde. Dies kann zu ungewollten Effekten geführt haben. Darüber hinaus kann ein Quelleneffekt durch die Haltung gegenüber den Medien gegeben sein. Es wurde lediglich die Arbeit und Qualität des Autors abgefragt, nicht aber das Vertrauen und die Ausgewogenheit der Medien im Allgemeinen (vgl. ebd.: 36-38).

3.5 Der Third-Person-Effekt

Wie zuvor bereits erläutert, kann der HME in der Wissenschaft mit vielen anderen Ansätzen und Theorien in Verbindung gebracht werden (siehe Einleitung). Ein verwandter Ansatz, der in der Forschung auch gelegentlich als Erklärung für den HME herangezogen wird, ist der Third-Person-Effekt. Ebenso wie beim HME sind indirekte Medienwirkungen Gegenstand der TPE-Forschung. Somit ist auch hier nicht nur die durch Medien induzierte direkte Wirkung auf die Individuen relevant, sondern „vielmehr die Annahme, dass es solche Wirkungen (auf Dritte) gibt“ (Schulz 2008: 64). Diese angenommene Wirkung auf Dritte, also auf andere Personen als die eigene, ist das zentrale Element bei der Theorie des Third-Person-Effekts. Aufgrund der Überschneidungen mit dem HME und der Relevanz für die vorliegende empirische Untersuchung wird der TPE an dieser Stelle in seinen Grundzügen vorgestellt.

Der TPE-Ansatz beruht auf zwei zentralen Annahmen: (1) Personen (first persons) sind der Auffassung, dass andere Personen von den Medien mehr beeinflusst werden als sie selbst und die anonyme Allgemeinheit (third persons) wiederum noch mehr beeinflusst werden als Personen aus dem Umfeld (second persons). Diese erste Annahme wird u.a. als Wahrnehmungskomponente, perceptual bias oder Third-Person-Perception (TPP) bezeichnet. (2) Aufgrund dieser Wahrnehmungsdifferenz kommt es bei Individuen zu bestimmten Vor- und Einstellungen oder sogar zu bestimmtem Verhalten bzw. Verhaltensabsichten, zumeist als präventive Reaktion auf das vermutete Verhalten der dritten Personen. Diese zweite Annahme wird zumeist Verhaltenskomponente oder Third-Person-Behaviour (TPB) genannt (vgl. Dohle/Vowe 2010: 12). Diese grundlegenden Annahmen gelten seit der Erstbeschreibung des TPE durch Davison (1983).

Die Annahme der Wahrnehmungsdifferenz ist durch die empirische Forschung umfassend bestätigt worden. In mehr als hundert Studien mit verschiedenen Medien und Themen im Mittelpunkt wurde die Wahrnehmungskomponente nur in wenigen Fällen nicht bestätigt (vgl. Huck/Brosius 2007: 357). Die Ausprägung des Effekts ist von verschiedenen intervenierenden Variablen abhängig. Die Differenz zwischen der zugeschriebenen Wirkung auf die eigene Person und der vermuteten Wirkung auf dritte Personen ist besonders ausgeprägt, wenn die medial vermittelte Botschaft als unerwünscht bewertet wird (z.B. bei gewaltvollen Inhalten), die anderen Personen als anfälliger bzw. beeinflussbarer (z.B. Heranwachsende) oder der eigenen Person unähnlich (soziale Distanz) eingeschätzt werden (vgl. Dohle/Vowe 2010: 13).

Durch die überwiegende Bestätigung der Wahrnehmungskomponente und die fortschreitende Erforschung der Randbedingungen und intervenierenden Variablen, rückte seit den 1990er Jahren vermehrt die Verhaltenskomponente in den Fokus der Wissenschaft. Im Gegensatz zur bestätigten Wahrnehmungsdifferenz sind die Folgen dieser empirisch weitaus weniger bestätigt. Es liegen durch mehrere Studien zu den Folgen der Wahrnehmungsdifferenz detaillierte Klassifikationen möglicher Effekte vor, jedoch sind die Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen widersprüchlich. So konnten in einigen Studien Auswirkungen der TPP auf das TPB nachgewiesen werden. Andere Studien wiederum konnten diese Zusammenhänge nicht aufzeigen (vgl. Dohle/Vowe 2010: 13). Unterschieden werden kann bei den Studien u.a. das Ausmaß des TPB. In den meisten Forschungen wurden Auswirkungen auf die Einstellung oder Vorstellung untersucht. Nur sehr selten wurden Verhaltensabsichten oder sogar tatsächliches Verhalten geprüft. Dieser Unterschied in den Designs der Studien lässt sich als eine Erklärung für die differenten Ergebnisse bezüglich des TPB nennen (vgl. Dohle 2013: 70-72).

In der TPE-Forschung herrscht hinsichtlich der Kausalität Uneinigkeit. Die zuvor dargestellte Perspektive nimmt die Differenz in der Selbst- vs. Fremdwahrnehmung, die Third-Person-Perception als Ansatzpunkt für Folgen. Eine zweite, sich immer häufiger durchsetzende Perspektive bezieht sich auf die vermutete Medienwirkung auf andere als Grundlage für weitere Folgen. Für diesen Ansatz hat sich der Name Influence-of-Presumed-Media-Influence durchgesetzt. Der Ansatz lässt sich dem TPE zuordnen, wird jedoch immer häufiger als eigener Ansatz aufgefasst. Da der Influence-of-Presumed-Media-Influence-Approach nicht auf das Auftreten der Wahrnehmungskomponente angewiesen ist, wird ihm eine generelle Aussagekraft zugeschrieben (vgl. Dohle 2013: 18). Die folgende Abbildung stellt das Basismodell des TPE dar, in das auch der Influence-of-Presumed-Media-Influence-Approach aufgenommen wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Basismodell des Third-Person-Effekts (nach Dohle 2013: 20).

[...]


[1] Transparente, die außen von zwei Stangen gehalten werden. Mit dieser Konstruktion ist das Motiv immer zu sehen, im Gegensatz zu wehenden Fahnen.

[2] Die Ultras verteilen sich nicht auf die gesamten Plätze im Stadion, sie stehen immer zusammen. I.d.R. haben sie einen festen Platz, häufig in einer der Kurven. Daher der Begriff Kurve.

[3] Groundhopper sind Personen, die auf Reisen gehen um (vor allem auch international) möglichst viele Stadien und Fußballspiele zu sehen (vgl. dictionary.cambridge.org o.J.).

[4] Kuttenfans organisierten sich Anfang der 80er Jahre und entstanden aus dem Proletariat heraus. Sie gehören oft offiziellen Fanclubs an und sind stark leistungsorientiert. Im Gegensatz zu den Ultras sind sie weniger kritisch dem Verein gegenüber und tragen häufig Merchandising-Artikel vom Verein (vgl. Sommerey 2010: 40).

[5] Konkurrenzkampf mit anderen Ultra-Gruppen um den besten Support, die besten Choreografien etc.

[6] Kritik u.a. an Kommerzialisierung allgemein, Verein(-spolitik), Verbänden und Medien.

[7] Der Begriff verbildlicht das fortwährende „Zerschneiden“ des Spieltags in immer mehr Stücke. In der englischen Premier League wird ein Spieltag auf mehr Anstoßzeiten als in der deutschen Bundesliga aufgeteilt. Dies führt zu einem Vorteil bei der Einnahme von TV-Geldern (vgl. Reese 2015: o.S.).

[8] Involvement ist in der HME-Forschung nicht immer eindeutig definiert. I.d.R. bedeutet Involvement, dass eine Person in etwas involviert ist bzw. einen persönlichen Bezug zu etwas hat. Eine Hilfe bietet die Kombination mit den untersuchten Variablen, bspw. Themen- oder Gruppeninvolvement.

Ende der Leseprobe aus 87 Seiten

Details

Titel
Der Hostile Media Effekt in der Printberichterstattung. "Mein Feind, die Zeitung" - Ultras im Profifußball
Autor
Jahr
2018
Seiten
87
Katalognummer
V441168
ISBN (eBook)
9783956876455
ISBN (Buch)
9783956876479
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Journalismus, Berichterstattung Print, Hostile Media Effekt, Ultra, Ultras, Fußball, Persuasion, Medienwirkung, Presse, Medien, Hooligans
Arbeit zitieren
David Möller (Autor), 2018, Der Hostile Media Effekt in der Printberichterstattung. "Mein Feind, die Zeitung" - Ultras im Profifußball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441168

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