Die Visaliberalisierung Georgiens und georgische Asylbewerber im öffentlichen Diskurs in Deutschland

Eine Analyse der argumentativen Strukturen der Online-Berichterstattung der deutschen Leitmedien


Hausarbeit, 2018
50 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis:

Tabellenverzeichnis:

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen und Begriffsklärung
2.1 Öffentlicher Diskurs
2.2 Leitmedien
2.3 Asyl – Begriffsdefinition und aktuelle Zahlen
2.4 Visaliberalisierung Georgiens
2.5 Argumentation

3 Fragestellung

4 Methoden
4.1 Korpusbildung
4.2 Analysetechnik

5 Ergebnisse
5.1 Visaliberalisierung Georgiens
5.2 Georgische Asylbewerber
5.3 Zusammenfassung

6 Fazit und Ausblick

Anhang

Quellenverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: das Ranking der Nachrichten-Angebote im Web

Abbildung 2: Asylerstanträge 1. Halbjahr 2018

Abbildung 3: Argumentationsstruktur nach Toulmin - A

Abbildung 4: Argumentationsstruktur nach Toulmin - B

Abbildung 5: Argumentationsstruktur nach Toulmin - C

Abbildung 6: Auszug aus dem Online-Artikel von Kölner Stadt-Anzeiger (10.02.2018)

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1: Suchwörter bei der Recherche zur Korpusbildung

1 Einleitung

Die Beziehung zwischen Deutschland und Georgien hat eine 200-jährige Geschichte, die auf kultureller, wirtschaftlicher und Entwicklungsebene gepflegt wird. Nach der Auflösung der Sowjetunion war Deutschland das erste europäische Land, welches die Unabhängigkeit Georgiens anerkannt hat und sich zu diplomatischen Beziehungen mit Georgien bereit erklärte (Auswärtiges Amt, 2018). Nach der ,,Rosenrevolution‘‘[1] im Jahr 2003 orientierte sich Georgien stark am Westen. Die Bundesregierung befürwortete diesen Schritt und wurde zu dem zweitgrößten Partner Georgiens nach den Vereinigten Staaten (Bos, 2007, S. 465).

Im März 2017 beschloss die EU-Kommission die Visafreiheit für Georgien. Georgische Staatsbürger dürfen sich nun 90 Tage visafrei in den Ländern des Schengenraums[2] aufhalten (europa.eu). Laut Angaben im Georgian Journal sollen nach einem Jahr der Visafreiheit bereits mehr als 250.000 georgische Staatsbürger davon profitiert haben (georgianjournal.ge). Aktuell kritisiert Deutschland die Nutzungsweise des visafreien Einreiserechtes seitens der georgischen Bevölkerung. Im Februar 2018 tritt der NRW-Integrationsminister Joachim Stamp in Debatten auf und spricht öffentlich über die steigende Anzahl georgischer Asylsuchender infolge der Visafreiheit. Das Thema erreicht Medienaufmerksamkeit, denn ,,wenn Georgien in deutschen Medien auftaucht, dann häufig in Zusammenhang mit Kriminalität‘‘, schreibt eine Journalistin der Tagesschau.de (faktenfinder.tagesschau.de). Abgesehen davon, dass Aussagen wie diese oder ähnliche zu einem Imageschaden für das Land und das Menschenbild führen können, können sie ebenso gut geglaubt wie angezweifelt werden. Dabei sind die Formen der Argumentation solcher Aussagen besonders wichtig, um herauszufinden, welche Aussagen davon vertrauenswürdig sind.

Im Folgenden werden die Strukturelemente der Argumentation in den gewählten Online-Berichten der Leitmedien untersucht. Primär fokussiert werden die Themen Visaliberalisierung Georgiens und georgische Asylbewerber. Im Theorieteil werden die verwendeten Begrifflichkeiten erklärt und der Rahmen für die Empirie gemäß Toulmins Argumentationsschema konzipiert. Auf der Basis der Theorie wird die Fragestellung abgeleitet (Kapitel 3), die teilweise die Methoden vorgibt. Im empirischen Teil werden das Analysematerial (Kapitel 4.1) und die Untersuchungstechniken (Kapitel 4.2) vorgestellt. Der Fokus richtet sich dabei ausschließlich auf die (vorhandenen) Elemente, mit denen sich eine Argumentation in Online-Berichten vollzieht. Eine linguistische Ebene der Analyse, wie z. B. Lexik oder Metaphorik, wird in der Arbeit außer Acht gelassen, weil das Augenmerk der Arbeit auf den Strukturen der Argumente liegt. Die ermittelten Argumentationsmuster werden detailliert im Anhang vorgestellt, um im Ergebnisteil auf das Wesentlichste zu fokussieren, werden hier die ermittelten Argumentationsmuster nur als Beispiele angeführt (Kapitel 5.3).

2 Theoretische Grundlagen und Begriffsklärung

Im Folgenden wird die Theorie des öffentlichen Diskurses vorgestellt (Kapitel 2.1), mit dessen Hilfe die Medien identifiziert werden (Kapitel 2.2), die zur Analyse herangezogen werden. Daran anschließend wird in der Theorie auf die Begrifflichkeiten eingegangen, die ebenfalls den Hintergrund der Arbeit ausmachen (Kapitel 2.3-2.4). Zum Schluss werden die Argumentationsstrukturen von Toulmins vorgestellt und die Argumentationselemente näher erläutert (Kapitel 2.5).

2.1 Öffentlicher Diskurs

Es ist im Sinne der vorliegenden Arbeit naheliegend, zunächst einen Blick auf den Diskursbegriff zu werfen. Für den Diskursbegriff existiert keine einheitliche Bedeutung, weil dieser je nach Disziplin und noch innerhalb einer Disziplin unterschiedlich verstanden wird (Niehr, 2014, S, 7). Jung, Niehr und Böke bieten eine einleuchtende Definition des Diskursbegriffs an. Demnach wird der Diskursbegriff als Gesamtheit aller Äußerungen verstanden, die auf dasselbe Thema rekurrieren. Die Äußerungen stehen im Zusammenhang miteinander und sind mündlich oder schriftlich verfasst. Es muss angemerkt werden, dass es naturgemäß unmöglich ist, ,,alle Äußerungen‘‘ zu einem Thema zu erfassen. Daher muss eine Einschränkung auf bestimmte Quellen vorgenommen werden (Jung, et. al 2000, S. 10). Nach dem Konzept des öffentlichen Diskurses ist eine solche Einschränkung zulässig. Öffentlicher Diskurs wird als öffentlich geführte Kommunikation verstanden, der unter anderem Massenmedien als Forum dienen. Die Akteure, die am öffentlichen Diskurs teilnehmen, beziehen ihre Positionen, Argumente und Auffassungen bezüglich eines bestimmten Themas (Gerhards, 2004, S. 300). Als Akteure können ,,politische Parteien, Interessensgruppen und soziale Bewegungen‘‘ (Gerhards, 2004, S. 301) verstanden werden. Ihre Beteiligung an dem Diskurs liegt darin begründet, andere von eigenen Meinungen zu überzeugen. Für diese Arbeit findet daher der Begriff ,,Standing‘‘ Beachtung. ,,Standing‘‘ bezeichnet das Ausmaß, in dem Medien einem Akteur das Wort erteilen und dieser von den Medien zitiert wird (Gerhards, 2004, S. 301). Es ist vom ,,Standing‘‘ zu sprechen, wenn der NRW-Integrationsminister Joachim Stamp als Akteur des öffentlichen Diskurses von den Medien zitiert wird und seine Aussagen in den Debatten zur Visafreiheit Georgiens und/oder über georgische Asylbewerber häufig als Beleg herangezogen werden.

Zusammenfassend formuliert stehen die Leitmedien im Fokus dieser Arbeit, weil die dort produzierten Berichte der Argumentationsanalyse zugrunde liegen. Zugleich sind sie als Forum des öffentlichen Diskurses zu betrachten, in dem die Themen Visaliberalisierung Georgiens und georgische Asylbewerber debattiert werden. Auf welche massenmedialen Einheiten die Arbeit ausgerichtet ist, wird im folgenden Kapitel behandelt.

2.2 Leitmedien

Im letzten Kapitel wurden Massenmedien als Forum des öffentlichen Diskurses bezeichnet. Massenmedien sind als Sammelbegriff für ,,Presse, Rundfunk und Fernsehen, im weitesten Sinne auch für […] Internet, also für Mittel (= Medien), mit denen Nachrichten und Unterhaltung in Schrift, Ton und Bilder zu einem breiten Publikum kommen‘‘ (Thurich, 2011, pbp.de) zu verstehen. In Relation zu Massenmedien erweisen sich Leitmedien als eine Teilgruppe davon und sind zugleich Teil der Medienöffentlichkeit (Jarren/Vogel, 2009, S. 82ff.; Donges/Imhof, 2005, S. 152). Das bedeutet jedoch nicht, dass Leitmedien kein Forum für einen öffentlichen Diskurs sein können. Auch wenn eine eindeutige Definition des Begriffs Leitmedien schwierig ist, lässt sich doch festhalten, dass er nach Wilkes Definition mit dem der Massenmedien in Teilen kongruent ist, etwa im Hinblick auf technische Gestaltung und Erscheinungsformen. Wilke schlägt zwei Ebenen vor, auf die der Begriff angewendet werden kann. Demnach kann der Begriff auf ,,technisch-materiellen Grundformen der Speicherungs- und Übertragungstechniken ‘‘ wie z. B. Buch, Presse, Rundfunk (Hörfunk, Fernsehen) und aktuell noch die Onlinemedien angewendet werden. Zum anderen handelt es sich um ,,spezifische Einzelerscheinungen‘‘ der genannten Medien, also Zeitungen, Zeitschriften, Sender, Sendungen bzw. Medienangebote (Wilke, 2009, S. 31ff.).

In Leitmedien werden publizistische und journalistische Leistungen veröffentlicht. Sie beobachten, vermitteln und repräsentieren gesellschaftliche Interessen und Akteure und gewinnen dadurch beim Publikum an Relevanz. Sie treffen eine Themenauswahl, die sie deuten, kommentieren und repräsentieren. Leitmedien sind überwiegend als politische Medien zu verstehen, weil sie ihr Interesse an politischen Systemen und Akteuren ausrichten (Jarren/Vogel, 2009, S. 88ff.).

Wichtiges Merkmal für ein Leitmedium ist eine starke Verbreitung bzw. Reichweite, also eine große Zahl von Lesern oder Zuschauern, sowie die Online-Nutzung (Wilke, 2009, S. 32f.). Ebenso charakteristisch für Leitmedien ist, andere Medien zu zitieren. So beliefert die Deutsche Presse-Agentur ,,ihre[n] Kunden‘‘ mit einer Vielfalt an ,,Pressestimmen‘‘, ohne die weitere Auswahl und/oder Veröffentlichung zu beeinflussen (Wilke, 2009, S. 41). Umgekehrt beobachten und zitieren andere Medien die Leitmedien, da ihre Themenwahl und Darstellungen Relevanz haben (Jarren/Vogel, 2009, S. 89ff.).

Abbildung 1 : das Ranking der Nachrichten-Angebote im Web

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: https://www.dwdl.de/nachrichten/68121/spiegel_online_erstmals_seit_2009_wieder_vor_bild/

Anhand der oben ausgeführten Merkmale werden in der Arbeit Zeitungen und Zeitschriften als ,,spezifische Einzelerscheinungen‘‘ der Leitmedien gewählt. Dabei spielt das Internet als technisches Medium eine Rolle, durch das Zeitungen und Zeitschriften ihre publizistische Tätigkeit in Form von Online-Angeboten ausgeweitet haben (Hasebrink, 2013, S. 81). Die Reichweite bestimmt die Auswahl der Online-Angebote. Aktuellen Zahlen zufolge (ermittelt nach Unique User) weist Focus Online mit 23,85 Mio. (Unique User) die größte Reichweite im Netz auf. Dem folgen mit knapp über 2,0 Mio. Usern Abstand Spiegel Online, Bild und Welt.de. Deutlich weniger Leser – 13,14 Mio. – erreicht Süddeutsche.de. Weiter unten sichern sich, mit nahezu gleichen Werten, Zeit Online (12,70 Mio.) und Stern (12,69 Mio.) den siebten und achten Platz in dem Ranking. Auf dem letzten Platz befindet sich Merkur.de (10,37 Mio.) (Abb. 1).

Diese Angaben bestimmen später die Auswahl der Online-Publikationen zur Argumentationsanalyse des zu untersuchenden öffentlichen Diskurses. Denn diese geben Auskunft über die reichweitestärksten Medien, auf die diese Arbeit bezüglich der Analyse des öffentlichen Diskurses ausgerichtet wird.

2.3 Asyl – Begriffsdefinition und aktuelle Zahlen

Asyl ist eine Bezeichnung für die ,,Gewährung von Zuflucht für (politisch) Verfolgte‘‘ (Pehle, 2000, S. 43). Allerdings haben Verfolgte völkerrechtlich kein Recht auf Schutz durch die Aufnahme in einem Zufluchtsland. Flüchtlinge sind nicht von vornherein davor geschützt, ausgeliefert zu werden. Das staatliche Souveränitätsprinzip räumt dem jeweiligen Zufluchtsstaat das Recht ein, politischen Flüchtlingen Asyl zu gewähren und sie nicht auszuliefern. In Deutschland ist das Grundrecht auf Asyl ,,den Erfahrungen von politischer, rassischer und religiöser Verfolgung […] unter dem Nationalsozialismus‘‘ (Pehle, 2000, S. 44) zu verdanken. Das Asylrecht wird in Art. 16a des Grundgesetzes geregelt, in dem zugleich ein Missbrauch des Asylrechts geregelt wird. Über Asylmissbrauch verständigten sich die Parteien – CDU, CSU, FDP und SPD. Demnach wird das Recht auf Asyl in Deutschland nicht gewährt ,, wenn es sich um die Flüchtlinge aus EU-Mitgliedstaaten oder sogenannten ,,sicheren Drittstaaten‘‘ handelt (Pehle, 2000, S. 44). Als ,,sicherer Drittstaat‘‘ oder ,,sicherer Herkunftsstaat‘‘ kann ein Land bezeichnet werden, in dem keine politische Verfolgung, unmenschliche Behandlung oder erniedrigende Bestrafung praktiziert wird (DUDEN Recht A‑Z: bpb.de).

Der Prozess von der Einreise in das Zufluchtsland bis zur endgültigen Entscheidung besteht aus mehreren Phasen, wie z. B. der Registrierung der Ankömmlinge, Zuteilung zu den örtlichen Unterkünften, finanzielle und medizinische Versorgung bis zur endgültigen Entscheidung über ihr Bleiberecht. Im Zusammenhang mit dem Asylverfahren ist es wichtig, die Begrifflichkeiten präziser zu definieren. ,,Flüchtling‘‘ darf eine Person erst dann genannt werden, wenn ihr Asylverfahren abgeschlossen wurde und ihr der Flüchtlingsschutz zugesprochen wurde. Als ,,Asylsuchende‘‘ wird eine Person bezeichnet, die einen Asylantrag zu stellen beabsichtigt, vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge jedoch noch nicht als ,,Asylantragstellende‘‘ registriert wurde. Erst nach diesem Schritt gilt die Bezeichnung ,,Asylantragsstellende‘‘, also Asylbewerberinnen oder Asylbewerber, deren Asylverfahren bereits läuft, aber noch keine Entscheidung getroffen wurde. Demgegenüber stehen ,,schutzberechtigte sowie bleibeberechtigte‘‘ Personen, für die eine Asylberechtigung, ein Flüchtlingsschutz oder ein subsidiärer Schutz ausgesprochen wurde und die aufgrund eines Abschiebungsverbots in Deutschland bleiben dürfen (Schutzformen: bamf.de).

Nach den Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wurden im Zeitraum von Januar bis Juni 2018 insgesamt 2.710 georgische Asylanträge gestellt, in deren Folge lediglich für zwei Asylanträge die Anerkennung als Asylberechtigte (Art. 16a und Familienasyl) erfolgte und sechs weitere Personen als Flüchtling anerkannt wurden (gem. § 3 I AsylG) (Asylgeschäftsstatistik: 01.01.2018-31.07.2018: bamf.de).

Abbildung 2 : Asylerstanträge 1. Halbjahr 2018

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/Flyer/flyer-schluesselzahlen-asyl-halbjahr-2018.pdf?__blob=publicationFile)

Dabei zählt Georgien zu den zehn Staaten mit den meisten Asylanträgen und belegt mit 3,0 % den neunten Platz (Abb. 2). Auf dem Diagramm wird erkennbar, dass Georgien in dieser Aufzählung das einzige Land mit einem visafreien Einreiserecht in den Schengenraum ist.

Die bestehende Meinung darüber, dass in Medienberichten über Georgier ein Zusammenhang zur Kriminalität hergestellt wird (Kap. 1), erfordert es, einen Blick auf die Statistik zu werfen. In dem vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) veröffentlichten Jahresbericht für 2017 belegt Georgien mit 1 % im Gesamtbild den vorletzten Platz in der Tabelle der nichtdeutschen Tatverdächtigen nach Staatsangehörigkeit (Bericht zur polizeilichen Kriminalstatistik 2017, S. 89, Bmi.bund.de). Das Bundeskriminalamt ermittelte für die Jahre 2016-2017 die Zuwanderung im Zusammenhang mit den Zahlen der Tatverdächtigen. Demnach liegt der Anteil der tatverdächtigen Zuwanderer aus Georgien bei 2,1 %, während ihr Anteil bei den Asylsuchenden lediglich 0,7 % beträgt (Kriminalität im Kontext der Zuwanderung: Bundeslagebild 2017, S. 13, bka.de). In Sachen Diebstahldelikten zählt Georgien zu den Top-Ten-Nationen mit 2.708 tatverdächtigen Zuwanderern. Bezüglich der Wohnungseinbruchdiebstähle zeichnet sich bei den georgischen TV eine rückläufige Tendenz ab (2017: 127 TV; 2016: 179 TV) (Kriminalität im Kontext der Zuwanderung: Bundeslagebild 2017: S. 38, bka.de). In einer ähnlichen Kategorie (Ladendiebstähle (2017: 1.290 Fälle) und Wohnungseinbruchdiebstähle (2017: 43 Fälle)) stuft das NRW-Landeskriminalamt Georgien, auch wenn hier die Zahlen im Vergleich zu 2015 rückläufig sind, jeweils auf dem 6. und den 13. Platz ein (NRW-Landespolizei, 2017, S 174, 186). Im Hinblick auf den Vorwurf von Joachim Stamp lassen sich die hier angeführten Zahlen als Grund für die Aufregung betrachten.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass in den vergangenen Jahren eine Vielzahl an Asylanträgen von georgischen Staatsbürgern in Deutschland gestellt worden sind.

2.4 Visaliberalisierung Georgiens

Wann Georgien die Visafreiheit bekommt, stehe eng mit dem 'Snap-Back-Mechanismus' im Zusammenhang. Nur so sei ein schnelles Reagieren möglich, wenn es zu großen Schwierigkeiten kommen sollte. So äußerte sich die Bundeskanzlerin Angela Merkel gegenüber einer georgischen Delegation im Jahr 2016 (bundesregierung.de). In den Verhandlungsprozessen die Visapflicht für Georgien abzuschaffen, argumentierte Deutschland für einen Aussetzungsmechanismus für visumfreies Reisen. Dieser Mechanismus wirkt dann, wenn es dazu kommen sollte, dass es zu viele Regelverstöße, wie z. B. eine übermäßige Zunahme der Asylanträge gibt oder wenn der betreffende Staat die Zusammenarbeit bei der Rückübernahme verringert. Deutschland hatte seine Zustimmung zur Visa-Liberalisierung für Georgien von der Einführung dieser Mechanismen abhängig gemacht (Falkowski/Sadowski, 2016, OSW).

Wie in Kapitel 2.3 dargestellt, verzeichnen die deutschen Behörden vorläufige Asylzahlen aus Georgien. Allerdings lassen sich noch keine Untersuchungen ausmachen, die explizit einen direkten Zusammenhang zwischen der Visaliberalisierung und den registrierten Asylzahlen von Georgiern in Deutschland belegen können. Inzwischen debattiert die Bundesregierung darüber, Georgien den Status ,,sicheres Herkunftsland‘‘ zu erteilen, damit Asylverfahren für georgische Staatsbürger beschleunigt werden. Im Juli 2018 soll bereits ein entsprechender Gesetzesentwurf von Bundesinnenminister Horst Seehofer vom Kabinett beschlossen, jedoch noch nicht vom Bundestag beraten und zugestimmt sein (tagesschau.de). Von offizieller georgischer Seite wird die Nutzung der Visafreiheit von georgischen Bürgern als ,,vollkommen gewissenhaft‘‘ eingeschätzt. Demgegenüber sei der Aufruf in deutschen Medien ,,übertrieben‘‘ (SPIEGEL ONLINE).

Vor diesem Hintergrund ist eine Betrachtung der Argumentation in der deutschen Medienlandschaft besonders spannend, um Klarheit über die Ansichten über die aktuellen Gegebenheiten zur Visaliberalisierung und die steigenden Asylzahlen der Georgier zu gewinnen. Im nächsten Kapitel stehen die Strukturen der Argumentation im Mittelpunkt der Betrachtung.

2.5 Argumentation

Eine Argumentation besteht aus Äußerungen, Behauptungen, Einwänden oder Fragen, deren Zusammenhang nicht zwingend ,,logisch‘‘ sein muss, damit die Elemente eines Arguments miteinander zusammenhängen (Klein, 1980, S. 10). Bei einer Argumentation geht es darum, Argumente zu entwickeln. Ein Argument kann als Folge der Aussagen betrachtet werden, die eine Antwort auf eine strittige Frage liefern und in sich einen logischen Zusammenhang aufweisen (ebd.). Ein wesentlicher Faktor bei der Argumentationsanalyse sind die Ansprüche: ,,Wer eine Behauptung aufstellt, erhebt damit einen Anspruch‘‘ (Toulmin, 1996, S. 17).

Abbildung 3 : Argumentationsstruktur nach Toulmin - A

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Toulmin,1996, S. 90

Für die vorliegende Arbeit sind diejenigen Argumentationselemente von Interesse, die die Musterstruktur einer Argumentation ausmachen. Zu Beginn ist zwischen Behauptung / Konklusion (K) und Begründung/Daten (D) zu unterscheiden. Wenn eine Behauptung / Konklusion (K) geäußert wird, die angezweifelt wird, soll eine Begründung/Daten (D) herangezogen werden, um die Frage, worauf sich diese Behauptung/Konklusion (K) stützt, zu beantworten. Eine Erweiterung dieser Struktur ist für den Fall notwendig, wenn auch die Relation von (D) zu (K) angezweifelt wird. Hierfür werden Aussagen verschiedener Art, Regeln, Prinzipien usw. angewendet, um zu zeigen, dass der Schritt von Daten (D) als Ausgangspunkt zu einer darauf aufbauenden Konklusion (K) legitim ist. Ein weiteres Argumentationselement, das die Relation zwischen (D) und (K) verdeutlicht und diese Verbindung begründet, sind Schlussregeln (SR). (Abb. 3) (Toulmin, 1996, S.89ff.). Im Folgenden wird die Argumentationsstruktur an einem Beispiel beleuchtet:

1. Hans ist deutscher Staatsbürger (K).

2. Hans wurde in Deutschland geboren (D).

3. Wenn jemand in Deutschland geboren wurde, dann ist er in der Regel deutscher Staatsbürger (SR) (Brinker, 2010, S. 70).

Die These lautet, dass Hans deutscher Staatsbürger ist (K). Um zu erläutern, auf was sich diese Behauptung stützt, wird als Begründung/ Daten (D) angeführt, dass Hans in Deutschland geboren wurde (D) . Also geht die Schlussfolgerung (K) auf die Behauptung (D) zurück. Nach der Hans ein deutscher Staatsbürger sein soll. Und in der Regel ist es so, dass jemand, der in Deutschland geboren wurde, ein deutscher Staatsbürger ist (SR), also ist das Verhältnis beider Aussagen (1 und 2) mit dem dritten Satz erlaubt.

Um die Relation zwischen den Elementen D =>K lassen sich Formulierungen aufstellen: ,,wenn D, dann K‘‘ oder, der Genauigkeit halber, erweitert: ,,Solche Daten wie D berechtigen uns zu solchen Konklusionen oder Behauptungen wie K‘‘ oder auch ,,Vorausgesetzt, dass D, dann kann man annehmen, dass K‘‘ (Toulmin, 1996, S. 89). Konklusion und Daten die Grundlage eines argumentativen Textes. Ohne diese Elemente ist der Text nicht argumentativ (Brinker, 2010, S. 70). Der Unterschied zwischen Daten (D) und Schlussregeln (SR) ist Folgendes: ,,Auf Daten wird explizit Bezug genommen, auf Schlußregeln implizit‘‘ (Toulmin, 1996, S. 91).

Abbildung 4 : Argumentationsstruktur nach Toulmin - B

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Toulmin, 1996, S. 92

In manchen Fällen können Schlussregeln die Stärke der Konklusion auf verschiedenen Größen beeinflussen. Diese hängt von den Operatoren (O) ab, die die Ausnahmebedingungen (AB) für die Konklusion angeben. D. h., Schlussregeln erlauben den Schritt von Daten (D) auf Konklusion (K) nur eingeschränkt, unter bestimmten Bedingungen. Diese Einschränkung druckt sich in Adverbien wie z. B.: ,,notwendigerweise‘‘ ,,vermutlich“ oder ,,wahrscheinlich‘‘ aus (Abb. 4) (Toulmin, 1996, S. 92). An dem oberen Beispiel könnte eine Ausnahmebedingung lauten:

4. Beide Eltern waren Ausländer (O) (Brinker, 2010, S. 70).

Der Einfluss von Schlussregeln (SR) auf die Konklusion (K) würde dann mit dem Adverb ,,vermutlich‘‘ als Operator (O) ausgedruckt: Wenn jemand in Deutschland geboren wurde, dann ist er in der Regel deutscher Staatsbürger (SR) . Deshalb ist Hans vermutlich (O) deut scher Staatsbürger (K), wenn nicht (AB) seine Eltern Ausländer sind.

Zum Schluss wird noch die Frage nach der Zulässigkeit von Schlussregeln (SR) beantwortet. Auch wenn sie plausibel wirken, können sie eine Absicherung gebrauchen, die in Form eines weiteren Argumentationselements – Stützung (S) auftritt. Stützungen weisen Unterschiede auf: klassifizierbar (ein Wal ist ein Säugetier), nach der Regel des Gesetzes (Ein Bewohner der Bermudas ist ein Brite), stellt sich als solches heraus (Ein Saudi-Araber ist Moslem). Darüber hinaus kann Stützung (S) auf Gesetze oder statistische Daten bezogen sein (Toulmin, 1996, S. 94ff.).

Abbildung 5 : Argumentationsstruktur nach Toulmin - C

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Toulmin,1996, S. 95

(S) wird von (SR) darin unterschieden, dass (SR) ,,hypothetische, brückenartige Aussagen sind‘‘, während (S) ,,in Form von kategorischen Tatsachenaussagen“ ausgedrückt werden (Abb. 5) (Toulmin, 1996, S. 96). Wenn die Stützung (S) im obigen Beispiel lautet:

5. Aufgrund der folgenden Gesetze … (Brinker, 2010, S. 70),

dann sind Schlussregeln (SR) wie folgt aufzufassen: Wenn jemand in Deutschland geboren wurde, dann ist er aufgrund der folgenden Gesetze (S) deutscher Staatsbürger (SR).

Die Argumentationselemente spielen in der Argumentation verschiedene Rollen. Daten (D) müssen auf irgendeine Weise zusammen mit einer Schlussfolgerung (K) vorhanden sein, damit überhaupt von einer Argumentation gesprochen werden kann. Demgegenüber braucht die Stützung (S), vor allem zu Beginn der Argumentation, nicht zwingend notwendig vorzuliegen (Toulmin, 1996, S. 97). Um Zweideutigkeit und Unschärfe zu vermeiden (Toulmin, 1996, S. 101), finden die hier angeführten Argumentationsmuster je nach ihrem Vorkommen in der Analyse Anwendung, um später exakte Argumentationsmuster zu ermitteln.

3 Fragestellung

Der Schwerpunkt der Arbeit wird somit auf die Analyse der Argumentation des öffentlichen Diskurses zu den Themen „Visaliberalisierung Georgiens und georgische Asylbewerber“ ausgerichtet. Um Missverständnisse zu vermeiden, wird die Arbeit von vornherein auf beide Themen gleichermaßen fokussiert. Die Fragestellung, die beantwortet werden soll, lautet: Welche Strukturen der Argumentation lassen sich in Online-Berichten deutscher Leitmedien zum Thema georgische Asylbewerber bzw. Visaliberalisierung Georgiens ermitteln? Davon ausgehend wird zusammenfassend die Frage beantwortet: Welche Argumentationsmuster fallen in den Berichterstattungen auf, die ein negatives Bild der Visaliberalisierung Georgiens entstehen lassen?

Mit der zweiten Fragestellung wird angestrebt, Antworten auf die von Joachim Stamp problematisierte Visaliberalisierung Georgiens zu bekommen.

4 Methoden

Das methodische Vorgehen knüpft stark an die Argumentationsstrukturen von Toulmin an und bietet darüber hinaus Einblick in die Recherche für die Korpusbildung. Im nächsten Schritt wird davon berichtet, mit welchen Methoden das oben dargelegte theoretische Konzept untermauert wird und wie die Technik der argumentativen Aufbereitung des Korpus vonstattengeht.

4.1 Korpusbildung

Wie bereits erwähnt (Kapitel 1.), ging mit der Bekanntmachung (Stichtag 10. Februar 2018) des Schriftverkehrs zwischen dem NRW-Integrationsminister Joachim Stamp und dem damals noch amtierenden Innenminister Thomas de Maizière eine erhöhte Aufmerksamkeit der Medien einher. Daher wird der Untersuchungszeitraum vom 10. Februar 2018 bis einschließlich Mai 2018 festgelegt. Die Recherche erfolgt anhand der Schlagwörter und Schlagwortkombinationen, die die Schwerpunktthemen der Arbeit darstellen und auch in der Fragestellung enthalten sind, über die digitalen Archive der Internetseiten der genannten Medien.

Tabelle 1 : Suchwörter bei der Recherche zur Korpusbildung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

Im Laufe der Recherche ist aufgefallen, dass es zielführend wäre, die gewählten Suchbegriffe um ein Schlagwort „ Kriminal“ und deren grammatikalische Varianten „ Kriminell, Kriminalität“ zu erweitern (Tab. 1). Mit den Suchbegriffen wurde die Suche so lange durchgeführt, bis keine neuen Online-Artikel mehr gefunden wurden. Allerdings ist die Vielzahl der Suchbegriffe kein Indikator für umfangreiche Rechercheergebnisse, da diese sich wiederholten. Damit sich jedoch die Recherche sorgfältiger gestaltet, wurde zusätzlich noch über das Bibliotheknetz der RWTH Aachen auf die elektronische Datenbank Nexis[3] zurückgegriffen. Die Menge der Publikationen hat maßgeblich abgenommen, als nach der Sichtung des Materials in erster Linie die von den Medienagenturen kopierten Berichte ausgenommen wurden und der Korpus auf die von den Redaktionen verfassten Artikel eingeschränkt wurden. Die Sichtung der erzielten Rechercheergebnisse zeigt, dass sich die Veröffentlichungen oft von den Berichten der Medienagenturen speisen. Nach der Recherche wurde festgestellt, dass die Onlineredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) im vorgegebenen Zeitraum keinen Artikel über den hier zu untersuchenden Diskurs anbietet, sondern lediglich einen Bericht der DPA (Deutsche Presse-Agentur). Aus diesem Grund wird die FAZ in der Argumentationsanalyse nicht berücksichtigt. Aus dem gleichen Grund kommt auch die Süddeutsche Zeitung (SZ) nicht infrage. Zugelassen wurden Online-Artikel mit ,,Standing‘‘, also diejenigen, die sich auf andere Quellen, z. B. auf Joachim Stamp bzw. auf Behördensprecher o. Ä. beziehen und diese zitieren. Eine vielfache Berichterstattung bieten WELT.de und BILD.de. Um diese Medien im Korpus nicht zu überpräsentieren, sind die Redaktionen mit jeweils zwei Online-Artikeln vertreten.

Die Auswahl der Online-Artikel, welche den Kriterien der Korpusbildung gerecht werden konnten und thematisch mit dem hier zu untersuchenden Diskurs verwandt sind, stammen also von SPIEGEL ONLINE, FOCUS ONLINE, WELT.de, BILD.de und mit einer Ausnahme vom Kölner Stadt-Anzeiger (KSTA), weil dieser als Erster über die Kommunikation zwischen Joachim Stamp und de Maizière berichtete. Insgesamt umfasst der Korpus sieben Online-Artikel.

4.2 Analysetechnik

Abbildung 6 : Auszug aus dem Online-Artikel von Kölner Stadt-Anzeiger (10.02.2018)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: https://www.ksta.de/politik/aerger-in-fluechtlingsheimen-nrw-fordert-ende-der-visa-freiheit-fuer-georgier-29651408

Analysiert werden lediglich die inhaltlichen Teile der Online-Artikel und keine visuellen Teile z. B. die eingebauten Fotos (Fotostrecken) oder Videos. Dabei werden die Aussagen auf den eigentlich geäußerten Sachverhalt – die Proposition – reduziert (Brinker, 2010, S. 24). Diese Methode dient dazu, den Inhalt der Aussagen expliziter, knapper und präziser darzustellen (Brinker, 2010, S. 71). Um das Analysematerial überschaubar zu halten, sind die Texte nach deren Zeichensetzung: Punkt, Fragezeichen oder Ausrufezeichen nummeriert:

Auf diese Weise erfolgt die Zuordnung der Aussagen zu den Argumentationselementen bzw. zur Argumentationsstruktur nach Toulmin. Die Analyse konzentriert sich ausnahmslos auf Textpassagen, die die Funktion eines Argumentationselements aufweisen. Um die Gefahr einer willkürlichen Interpretation von Textpassagen und deren irrtümliche Zuweisung zu den Argumentationselementen zu vermeiden, wird hierfür, in Anlehnung an Toulmin,mit einfachen Fragestellungen gearbeitet:

- Für Daten (D) – Gibt es eine Behauptung? Was wird behauptet, welchen Geltungsanspruch erhebt die Aussage?
- Für Konklusion (K) – Welche Schlussfolgerung wird (werden) gezogen? Woraus leitet (leiten) sich diese ab (Daten dafür vorhanden)?
- Für Schlussregeln (SR) – Gibt es Aussage, die die Beziehung zwischen der Annahme (D) und Schlussfolgerung begründet?
- Für Stützung (S) – Gibt es Aussage, die die Schlussregeln bestätigen bzw. bekräftigen können?
- Für Operatoren (O) – Welche Aussagen dienen als Bedingung für die aufgestellte Schlussfolgerung, stärken oder schwächen diese ab?

Die argumentative Hierarchie der jeweiligen Online-Artikel wird im Anhang angeboten, während die erkannten charakteristischen Musterstrukturen zusammengefasst in den Ergebnissen präsentiert werden.

Auf diesem Weg wird die Fragestellung über die argumentativen Strukturen der Medienberichte unter Berücksichtigung der Schwerpunktthemen georgische Asylbewerber und die Visaliberalisierung Georgiens beantwortet. Um auf die zweite Fragestellung einzugehen, welche Aussagen die Visaliberalisierung Georgiens negativ zu beurteilen, wird in der Argumentationsstruktur insbesondere auf die Schlussregeln (SR), und, wenn vorhanden, auf deren Stützung (S) geachtet. Denn anhand dieser Elemente ist es möglich zu erläutern, weshalb diese oder jene Behauptung aufgestellt wurde und weshalb eine solche Konklusion zustande kommt.

5 Ergebnisse

Bei den Ergebnissen ist keine vollständige Rekapitulation der in dem Analysematerial aufgestellten Argumente zu erwarten, sondern eine beispielhafte Darbietung deren argumentativer Strukturen, die bei der Analyse für die Diskursthemen als typisch identifiziert worden sind. Zum Belegen der hier verwendeten Aussagen werden die Quellen (die gewählten Medien) in Klammern mit Buchstaben bzw. Buchstabenkombinationen und Zahlen angegeben. Hierfür wird W für WELT.de, B für BILD.de, FO für FOCUS ONLINE, SO für SPIEGEL ONLINE und KSTA für Kölner Stadt-Anzeiger verwendet. Die Zahlen verweisen darauf, ob die Aussage aus dem ersten oder der zweiten Online-Artikel des jeweiligen Mediums stammt. Daher werden die Zahlen nur bei WELT.de und BILD.de verwendet, da diese mit jeweils zwei Online-Artikeln vertreten sind (Z.B. B2). Die Zahl nach dem Doppelpunkt, beispielsweise ,,:4‘‘ entspricht der Nummer eines Gliedes der gegliederten Online-Artikel (Dazu in Kapitel 4.2).

5.1 Visaliberalisierung Georgiens

Eine argumentative Strukturanalyse der gewählten Medienartikel hat gezeigt, dass zum Thema Visaliberalisierung Georgiens in den Medien einige Schlussfolgerungen gezogen und diese mit unterschiedlichen, aber häufig vorkommenden Argumenten gestützt wurden.

In der Analyse konnten typische Schlussfolgerungen ermittelt werden, die sich in mehr als nur einem Online-Artikel finden konnten. Die am häufigsten aufgestellten Behauptungen lauteten: Die Visafreiheit für Georgien soll rückgängig gemacht werden (KSTA: 1); der NRW-Integrationsminister Joachim Stamp fordert die Zurücknahme der Visaliberalisierung für Georgien (KSTA: 2); Joachim Stamp drängt die Bundesregierung, die Visafreiheit für Georgien wieder einzukassieren (W1: 17); NRW will Visafreiheit für Georgien aussetzen, um gegen Kriminalität zu kämpfen (W1: 1); zahlreiche Georgier missbrauchen die Visafreiheit (W2: 23). Argumente (D) und Schlussregeln (SR), die solchen Schlussfolgerungen zugrunde gelegt worden sind, und relationsberechtigende Elemente (SR), durch die sich die Daten und Konklusion aufeinander beziehen konnten, haben sich im analysierten Material zu erkennbaren Strukturmustern der Argumentation gebildet. Um den Bezug zum Thema Visaliberalisierung Georgiens zu verdeutlichen, werden im Folgenden beispielhaft die genannten Strukturmuster ausgeführt:

Zurücknahme der Visaliberalisierung (in KSTA):

(K): Konklusion/These:

K1: Die Visafreiheit für Georgien soll rückgängig gemacht werden (KSTA: 1)

(D) Daten/Argument(e):

D1: In den Flüchtlingsunterkünften des Landes, in denen sich georgische Staatsbürger aufhalten, gibt es Probleme (KSTA: 2)

D2: Seit Einführung der Visaliberalisierung hat sich die Zahl der Asylsuchenden aus Georgien bundesweit jedenfalls deutlich erhöht. (KSTA: 7)

S-Stützung der Schlussregel:

S1: Sind im Januar 2017 noch 170 Asylsuchende aus Georgien nach Deutschland gekommen, so waren es im Dezember 2017 bereits 743 Personen. Das entspricht einem Anstieg um 400 Prozent (KSTA: 9. 10). (Anhang: KSTA-Argumentationsstruktur).

Joachim Stamp drängt die Bundesregierung, die Visafreiheit für Georgien wieder einzukassieren (in W1):

(K): Konklusion/These:

K1: Landesregierung will die EU-Visafreiheit für Georgier aussetzen. (W1: 1)

K2: Joachim Stamp findet es dringend notwendig, die mit der Visafreiheit verbundenen Erleichterungen der Einreise in die EU zu überprüfen. (W1: 18)

[...]


[1] Durch einer friedlichen ,,Revolution der Rosen‘‘ kam es in Georgien im November 2003 zu einem Machtwechsel. Der damals noch amtierende Präsident Eduard Schewardnadse wurde von Michail Saakaschwili dazu gezwungen zurückzutreten. Saakaschwili war damals der Oppositionsführer und hielt beim Sturm auf das Parlamentsgebäude in Tbilisi eine Rose in der Hand. Viele Demonstranten folgten Saakaschwilis Beispiel. Als das oberste Gericht die vorhergegangenen Wahlen für ungültig erklärte, wählte das Land bei der Wahl im Januar 2004 Saakaschwili mit 96 % Stimmenanteil (Hintergrund: die ,,Rosenrevolution‘‘: https://www.ksta.de/hintergrund--die--rosenrevolution---9954668).

[2],,Deutschland, Belgien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Italien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik und Ungarn sind dem Schengener Abkommen beigetreten und gelten daher als "Schengener Staaten". […] Inhaber eines gültigen Schengenvisums (Text im Visumetikett: "gültig für Schengener Staaten" in der jeweiligen Sprache des ausstellenden Staates) können sich im gesamten Schengenraum bis zu 90 Tage je Zeitraum von 180 Tagen aufhalten, soweit dies durch die zulässige Nutzungsdauer des Visums abgedeckt ist.‘‘ (Auswärtige Amt: https://www.auswaertiges-amt.de/de/17-schengenstaaten/606502).

[3] Das Recherche-Tool Nexis ist insbesondere für Studenten und Mitarbeiter an Hochschulen sowie Bibliotheksnutzer geeignet, die hauptsächlich nach nationalen und internationalen Wirtschafts-, Presse- und Firmeninformationen suchen (https://www.lexisnexis.de/loesungen/research/hochschulen-und-bibliotheken)

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Die Visaliberalisierung Georgiens und georgische Asylbewerber im öffentlichen Diskurs in Deutschland
Untertitel
Eine Analyse der argumentativen Strukturen der Online-Berichterstattung der deutschen Leitmedien
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
50
Katalognummer
V441180
ISBN (eBook)
9783668794979
ISBN (Buch)
9783668794986
Sprache
Deutsch
Schlagworte
visaliberalisierung, georgiens, asylbewerber, diskurs, deutschland, eine, analyse, strukturen, online-berichterstattung, leitmedien
Arbeit zitieren
Natia Tsikelashvili (Autor), 2018, Die Visaliberalisierung Georgiens und georgische Asylbewerber im öffentlichen Diskurs in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441180

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