Moderation. Professioneller Begleitprozess bei der Entwickelung einer lernenden Organisation

Bildungsprozesse im Kontext von Organisationsentwicklung


Hausarbeit, 2017
16 Seiten, Note: 2,3
K. W. (Autor)

Leseprobe

Inhaltsangaben:

1. Einleitung
1. 1. These

2. Moderation: Professioneller Begleitprozess bei der Entwickelung einer lernenden Organisation.
2.1. Organisation auf dem Weg zu lernender Organisation
2.2. Moderation – professionelle Dienstleistung.

3. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Die angekündigte Themenwahl dieser Hausarbeit entstand aus meiner Beobachtung und Wahrnehmung im Verlauf des zweitägigen Seminars, das sich zum Ziel stellte, über die Bildungsprozesse im Zusammenhang von OE[1] zu sprechen. Die Seminargruppe bestand hauptsächlich aus Teilnehmerinnen und nur in dieser Hinsicht wies sie ein homogenes Erscheinungsbild auf. Die Gruppe vereinte die Studierenden der EB/WB[2] mit Vertreterinnen aus der Arbeitswelt, für sie war dieses Seminar als Weiterbildungsmaßnahme vorgesehen. Die Erwähnung dieser Tatsache spielt insofern eine Rolle, als der theoretisch-sachliche Inhalt des Seminars durch praktische Fallbeispiele aus Betrieben bzw. Organisationen ergänzt wurde und implizit Einblick in die OE ermöglicht hat. Bekanntlich dient ein Seminar dem Zweck, in einer Gruppeninteraktion vorhandenes Wissen zu vertiefen. Darüber hinaus bietet es eine Möglichkeit, sich in kleinen Gruppen neue Kenntnisse zu erwerben und/oder auch Gedächtnislücken zu schließen. Das Spannende an Lehrveranstaltungen solcher Art ist, dass immer ein Überraschungseffekt vorhanden bleibt. Denn sowohl der Seminarleiter[3] als auch die Gruppenteilnehmer wissen nicht zu 100%, mit welchen Personen sie in eine interaktive Handlung eintreten werden und ob Lern- bzw. Bildungsprozesse bei den jeweiligen Seminaristen stattfinden. Allerdings verspricht die Örtlichkeit einer Hochschule Begegnungsmöglichkeiten mit Menschen, die in ihrer persönlichen Entwicklung und damit auch in betrieblichen Veränderungen der Arbeitswelt, die im Umkehrschluss wiederum persönliche Entwicklung anregt, eine hohe Bedeutung sehen. Die beiden Faktoren – persönliche Entwicklung und betriebliche Veränderungen – geschehen „in Anpassung an die gesellschaftliche und wirtschaftliche Dynamik – aber nicht nur: Der Wunsch nach Veränderung und Entwicklung in eigenständiger Verantwortung und in eigener Initiative ist immer eine treibende Kraft hinter vielen Lern- und Entwicklungsprozessen“[4]. Viele Hochschulen und Universitäten reagieren auf den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedarf mit ihren Bildungs- und Fortbildungsangeboten. Dabei verfolgen sie als Ziel, sich durch ein allmähliches Fortschreiten der Ausbildung bzw. durch eine Anhebung des Bildungsniveaus den Anforderungen der Individuen bzw. der Arbeitswelt anzupassen.

Eine weitere scheinbar immer mehr in Vergessenheit geratene Bedeutung des Begriffes „Seminar“ soll an dieser Stelle erwähnt werden. Das vom Latein abgeleitete Wort „seminarium“, was zu Deutsch eine Pflanz- bzw. Baumschule bezeichnet, verbirgt in sich eine Metapher.[5] Das Bild eines Keimes, eines Samens oder auch eines Setzlings evoziert metaphorisch ein Bild von einer innovativen Idee, die keimt und wiederum das Wachstum im Kontext von persönlicher Entwicklung, betrieblicher Veränderung oder Bildungsprozess anstoßen kann. Jedoch ist es in diesem Zusammenhang viel wichtiger, einen Augenmerk auf eine wachsende Idee mit ihrem wissenschaftlichen Hergang, die die Sachverhalte, Objekte, Phänomene u. Ä. systematisch beschreibt und untersucht, zu lenken.

Wie fruchtbar diese Ideen auch sein mögen, inwieweit persönliche Lernprozesse angestoßen werden und ob die Umsetzung der Erkenntnisse, der sog. Transfer, betrieben wird, hängt in großem Maße von gelingender Interaktion, offener Kommunikation und sozialer Kompetenz der Seminarteilnehmer bzw. -teilnehmerinnen ab. Die o. g. „Qualitäten [...] sind immer [jedoch] integrierter Bestandteil des Lernprozesses“[6]. Um so mehr spricht man in diesem Zusammenhang über die Rolle eines Gruppenleiters, über die Vorbereitung und Leitung von „Gruppen auf Zeit“[7], die berufsorientiert zusammenkommen. Denn hier geht es darum, die Lern- und Entwicklungsprozesse durch äußere Reize – gewollt – anzuregen. Dabei heißt es auch, „die emotionale und soziale Seite des Lernens [soll] genügend Aufmerksamkeit und Zuwendung finden“[8]. Ebenso ist es wichtig, dass die Prozesse in der Gruppeninteraktion beobachtet und beschrieben werden, dass analytische Rückschlüsse gezogen werden, dass genügend freie Räume für neue Ideen bleiben. Hier wird von der Gruppenleitung professionelles Geschick gefordert. Eine sehr große Rolle kommt dabei der Fähigkeit zu, gut moderieren zu können. „Die Fähigkeit, gut zu moderieren, lernt man nicht von alleine oder durch bloßes Abschauen. Zum Moderieren braucht man analytische, methodische, soziale und rhetorische Fähigkeiten.“[9] Anja von Kanitz meint, dass „in vielen Berufen entsprechende Fähigkeiten mittlerweile einfach vorausgesetzt werden“[10]. Grund genug, sich mit dem Thema „Moderation“ in der EB/WB auseinanderzusetzen und der Frage nachzugehen, welchen Dienst Moderation bei der Entwicklung einer lernenden Organisation leisten kann bzw. was unter professioneller Moderation verstanden wird.

1. 1. These

Den Hergang meiner These möchte ich philosophisch beschreiben: Es handelt sich hier um eine Interaktion zwischen zwei Objekten[11], welche Eingenschaften eines Subjektes[12] aufweisen. Objekt I ist eine Organisation, die gleichzeitig ein soziales System ist. Durch die Organisationsentwicklung werden Veränderungs- bzw. Lernprozesse angestoßen. Diese Prozesse müssen begleitet werden. Es entsteht ein Bedarf an einer professionellen Begleitung. Objekt II ist Moderation, die gleichzeitig eine soziale Dienstleistung ist. Moderation spezialisiert sich auf Hilfestellung bzw. Unterstützung bei Veränderungsprozessen in Organisationen, die nach herausfordernden Aufgaben streben bzw. sich zu einer lernenden Organisation entwickeln wollen. Moderation wird durch professionell vorbereitete Subjekte, sog. Moderatoren-Experten[13] vertreten. Diese Experten können die Entwicklung lernender Organisationen professionell begleiten, sodass man von einer OE[14] sprechen kann. Die aus den Begleitprozessen erworbenen Kenntnisse tragen zur Experten-Professionalisierung und damit auch zur Professionalisierung der Moderation bei. Außerdem werden aus den erworbenen Kenntnissen weitere Lern- und Bildungsprozesse der Moderatoren-Experten angeregt, neue strategische Moderationstechniken entwickelt. Um effizient und erfolgreich agieren zu können, ist Moderation auf eine dienstleistende Funktion in einer Organisation angewiesen. Das aufeinander bezogene Handeln von Objekt I und Objekt II ist essenziell für beide Objekte. Zusammengefasst: Lernende Organisation und Moderation sind auf gegenseitige Interaktion angewiesene Systeme, einerseits um die lernende Organisation in ihrem Veränderungs- bzw. Bildungsprozess zu begleiten, andererseits, um neue Erkenntnisse aus diesen Lern- bzw. Bildungsprozessen zu gewinnen.

Im nächsten Abschnitt wird erläutert, wie Organisation und lernende Organisation definiert werden. An der vorangegangenen Erläuterung wird die Notwendigkeit der Begleitung durch Moderation begründet. In diesem Zusammenhang wird eine Begriffserklärung zu Moderation folgen.

2. Moderation: Professioneller Begleitprozess bei der Entwickelung einer lernenden Organisation.

In der Einleitung wurden viele Begriffe aufgeworfen. Es gilt nun, diese zu erläutern, soweit der Rahmen dieser Arbeit es zulässt, und die Bezüge zu dem aktuellen Thema aufzuzeigen. Als Anmerkung möchte ich hinzufügen, dass „Organisation“ in vielen Texten, so auch in diesem Aufsatz, als personifizierte Metapher gebraucht wird. So wird z. B. vom Verhalten einer Organisation, von lernender Organisation gesprochen. Solche Ausdrucksweisen wie „man kann ein Unternehmen verklagen“ oder ein „Unternehmen wird alt“ usw. sind allgegenwärtig. Dieser Umgang mit dem Begriff „Organisation“ erweist sich als schwierig, denn nicht Organisationen verhalten sich, sondern Menschen in Organisationen, nicht Organisationen lernen sondern die Menschen innerhalb dieser Organisationen. Wo wird Wissen in einer Organisation gespeichert? Wer produziert in einer Organisation? Es werden Menschen unter dieser Personifizierung gemeint. Diese Anmerkung ist insofern wichtig, als Moderation als kommunikative Dienstleistung eine humane bzw. humanistische Disposition aufweist.

2.1. Organisation auf dem Weg zu lernender Organisation

Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Vorstellungen, was unter einer Organisation verstanden wird. Denn es scheint gar nicht so leicht zu sein, zu beantworten, was eine Organisation eigentlich ist. Die metaphorischen Bilder von einer Maschine, eines Organismus oder gar eines Gehirns sind einige wenige Modelle, die die heutige Organisationslehre verfolgt.[15] Glatz und Graf-Götz weisen darauf hin, dass unter Organisation „sowohl eine bestimmte Tätigkeit als auch ein bestimmtes soziales Gebilde verstanden werden“[16]. Dieser Begriff ist keine Errungenschaft der modernen Zeit, sondern wird im deutschen Sprachgebrauch seit dem 17. bzw. 18. Jahrhundert nachgewiesen. Das Bemerkenswerte ist dabei, dass – ihrer ursprünglichen Bedeutung nach – eine „Organisation ein Werkzeug zum Erreichen von Zielen“[17] ist. Das ist sozusagen ein Regelwerk, das von Menschen festgelegt wird, zwecks Austausches von Informationen, Sachmitteln, Aufgaben u. Ä. Menschen sind Akteure in diesem Gebilde, die gleichzeitig eine bestimmte Aufgabe erfüllen und damit unterschiedliche Tätigkeiten betreiben, vorausgesetzt, sie haben ein gemeinsames Ziel. Wie das Zusammenwirken von Akteuren und Sachverhalten in einer Organisation zu Stande kommt, wird in einer betrieblichen Verfassung genau beschrieben und festgehalten. Deshalb begreift Becker eine Organisation als „eine Institution […], in der eine abgegrenzte Gruppe von Personen (Organisationsmitglieder) ein auf Dauer angelegtes Regelsystem planvoll schaffen, um gemeinsam Ziele zu verfolgen“[18].

Da Organisationen[19] soziale bzw. produktive Systeme sind, stehen sie gegenüber der Umwelt offen und müssen immer wieder aufs Neue ihre Aufgaben, Zielsetzungen, Zweck des Zusammenwirkens usw. revidieren. Und in dieser Hinsicht hat die moderne Zeit des Wandelns schon ihr Wörtchen zu sagen. Denn waren die frühen Organisationen auf eine „Zentralperson“[20] bzw. „heilige Ordnung“[21], auf thematische Aspekte von Macht und Herrschaft[22] ausgerichtet, nehmen heute gegenwärtige, systemisch-evolutionäre Theorien großen Einfluss auf die Organisationslehre.[23] Nach der Luhmannschen Systemtheorie sind Organisationen ebenfalls soziale Systeme, deren Grundbestandteil, allerdings, die Kommunikation zwischen den beteiligten Personen ist.[24] Kommunikation in Organisationen soll dazu dienen, die Arbeit dauerhaft zu organisieren. Im Umkehrschluss fassen Glatz/Graf-Götz Simonschen Gedanken zusammen: „Wenn nun Arbeit in organisierter Form auf Dauer gestellt wird, entsteht Organisation.“[25] Wir reden hier von organisierter Arbeit, welche die Rolle der beteiligten Akteure neu definiert oder definieren soll. Die beteiligten Akteure sind Individuen mit all ihren emotionalen, körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Darüber hinaus üben die genannten Individuen unterschiedliche soziale Rollen aus und haben ihre humanen Bedürfnisse[26]. Um das Gemeinte an einem Beispiel zu erläutern, seien an dieser Stelle zwei Szenarien einer Organisation vorgestellt.

[...]


[1] OE – Organisationsentwicklung, diese Abkürzung wird im Text vorgenommen.

[2] Erwachsenenbildung/Weiterbildung – diese Abkürzung wird im Text vorgenommen.

[3] In diesem Aufsatz werden Frauen und Männer in gleicher Weise angesprochen. Im Vordergrund standen Bemühungen, gender-spezifische Bezeichnungen durchgehend zu verwenden. In Einzelfällen wurde aus Redundanz- und Platzgründen darauf verzichtet.

[4] Langmaack 2010, S. XI.

[5] Vgl., Duden 2015, S. 1603.

[6] Langmaack 2010, S. XI.

[7] Ebd.

[8] Vgl., Langmaack 2010, S. XI.

[9] v. Kanitz 2016, S. 11.

[10] Ebd.

[11] Gegenstand, auf den das Interesse, das Denken, das Handeln gerichtet ist bzw. unabhängig vom Bewusstsein existierende Erscheinung der materiellen Welt, auf die sich das Erkennen, die Wahrnehmung richtet. Vgl. Duden 2015, S. 1285.

[12] (Phil.) mit Bewusstsein ausgestattetes, denkendes, erkennendes, handelndes Wesen. Vgl. Duden 2015, S. 1721.

[13] Es wird im Text auf eine weibliche Form des Wortes „Moderator“ aus Redundanz- und Platzgründen verzichtet.

[14] „Bildung, Förderung und OE werden als Personalentwicklung im weiten Sinne definiert. OE (auch Organization(al) Development (OD) genannt) ist somit Teilgebiet der Personalentwicklung.“ – in Becker 2005, S. 432.

[15] Vgl., Glatz/Graf-Götz 2011, S. 19 – 26.

[16] Glatz/Graf-Götz 2011, S. 16.

[17] Ebd. Auch: Duden 2015, S. 1302. Wahrig 2016, S.

[18] Becker 2005, S. 432. Vgl., auch Bea, F.X./Göbel 2002, S. 5.

[19] Auch Baumgartner verwendet den umfassenden Begriff „Organisation“ anstelle von „Unternehmung“ oder Ä., da unter „Organisation“ auch Schulen, Verwaltungen, Vereine, Parteien usw. impliziert werden.(Vgl. Baumgartner 2000, S. 19.)

[20] Vgl., Schwarz 1995.

[21] Glatz, Graf-Götz 2011, S. 17.

[22] Vgl., Büschges 1976.

[23] Vgl., Glatz, Graf-Götz 2011, S. 19 – 26.

[24] Luhmann 1984, S. 191., in Glatz/Graf-Götz 2011, S. 27.

[25] Glatz/Graf-Götz 2011, S. 27. Simon 2006, S. 101.

[26] Denken wir an die „maslowsche Bedürfnispyramide“, auch in: Glatz/Graf-Götz 2011, S. 33.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Moderation. Professioneller Begleitprozess bei der Entwickelung einer lernenden Organisation
Untertitel
Bildungsprozesse im Kontext von Organisationsentwicklung
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Veranstaltung
Seminar
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V441236
ISBN (eBook)
9783668797857
ISBN (Buch)
9783668797864
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Organisationsentwicklung, Moderation
Arbeit zitieren
K. W. (Autor), 2017, Moderation. Professioneller Begleitprozess bei der Entwickelung einer lernenden Organisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441236

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Moderation. Professioneller Begleitprozess bei der Entwickelung einer lernenden Organisation


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden