Stress am Arbeitsplatz. Möglichkeiten der Identifikation und Intervention


Hausarbeit, 2017
27 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Relevanz des Themas
1.2 Ausgangslage und Problemstellung
1.3 Überblick über die Arbeit

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffserörterung
2.2 Das transaktionale Stressmodell nach Lazarus
2.3 Belastungsfaktoren
2.4 Stresswahrnehmung und -bewertung
2.5 Methoden der Stressbewältigung

3. Transfer auf die Problemstellung
3.1 Die Erfassung von Stress
3.2 Ansatzpunkte der Intervention

4. Diskussion und Reflexion

5. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abb.1: Transaktionales Stressmodell nach Lazarus 6

Abb. 2: S-O-R-Modell 8

Tabellenverzeichnis

Tab. 1.: Systematik Belastungen am Arbeitsplatz 7

1. Einleitung

1.1 Relevanz des Themas

Stress am Arbeitsplatz gehört seit einigen Jahren zu den größten Herausforderungen in Bezug auf den Gesundheitsschutz in Unternehmen. Hierbei geht es längst nicht mehr nur um die Betrachtung von Einzelschicksalen, sondern um eine durchaus ernstzunehmende Bedrohung für unsere Volkswirtschaft. Dies bestätigen etwaige Berichte wie beispielweise die Stressstudie 2016 der Techniker Krankenkasse (TK) oder der Stressreport 2012 der baua. Deren Untersuchungen zeigen, dass weit über fünfzig Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung unter gesundheitlichen Beschwerden bei der Ausführung ihrer Arbeit leiden.

Die Ursachen jener Beschwerden haben sich im Laufe der Jahre eindeutig und zunehmend von physischen auf psychische Ursachen verlagert. Durch den Strukturwandel von der Produktions- zur Informations- und Dienstleistungsgesellschaft haben sich die mit der Arbeit einhergehenden Belastungen klar verändert. Psychische Faktoren, insbesondere im Zusammenhang mit Stress, sind am Arbeitsplatz zum dominierenden Gefährdungsfaktor geworden.[1] Aus einer Erhebung des Robert Koch-Instituts geht hervor, dass Frühberentungen aufgrund psychischer Erkrankungen geschlechterübergreifend von 8% im Jahr 1983 zu etwa 17% im Jahr 1994 und schon ca. 28 % im Jahr 2003 einen steilen Anstieg genommen haben.[2] Als Reaktion auf diese bedrohliche Entwicklung wurden deutsche Unternehmen durch eine Änderung des Arbeitsschutzgesetzes im September 2013 zur Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz für jeden Beschäftigten verpflichtet.

Aber selbst wenn die Grundlagen für das Verständnis in Bezug auf Entstehung, Auswirkung und Intervention oder besser noch Prävention von Stress gelegt sind, werden sie noch längst nicht umfassend angewandt. Innerbetriebliches Gesundheitsmanagement oder Coaching stellen inzwischen zwar erste institutionelle Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und zur Reduzierung von Stress dar, vor allem kleineren und mittelständischen Unternehmen fällt es jedoch oft schwer, die mit den vorgestellten Maßnahmen einhergehenden Kosten zu tragen.

Zusammenfassend lässt sich in jedem Fall sagen, dass es gilt, die Sensibilität für dieses wichtige Thema zu schärfen und Maßnahmen zur Prävention von Stress konsequent zu fördern.

1.2 Ausgangslage und Problemstellung

Im Rahmen dieser Hausarbeit soll anhand eines fiktiv erdachten-, jedoch durchaus realitätsnahem praktischen Beispiel das arbeits- und gesundheitspsychologische Konstrukt „Stress“ näher untersucht werden. Das konkrete Fallbeispiel lautet hierbei wie folgt: „Ein Arbeitskollege beschwert sich über den hohen Arbeitsaufwand, den Zeitdruck und den damit verbundenen Stress bei der Ausführung bestimmter Arbeitstätigkeiten.“

Ziel dieser Hausarbeit ist es, anhand des gewählten Beispiels zu erläutern, wie Stress am Arbeitsplatz entsteht und welche Maßnahmen dazu beitragen können, potentielle Stressoren zu erkennen und auszuschalten oder zumindest zu minimieren. Hierbei sollen insbesondere auf das transaktionale Stressmodell von Richard Lazarus (1999) sowie auf Methodiken der Stressbewältigung eingegangen werden. Dadurch kann und soll diese Hausarbeit durch die in ihr enthaltenen theoretischen Grundlagen zum Thema Stress und deren beispielhafte Anwendung einen weiteren Beitrag zur Aufklärung, Prävention und Intervention leisten.

1.3 Überblick über die Arbeit

Um das Konstrukt „Stress“ im Verlauf dieser Arbeit auf das Beispiel des Arbeitskollegen anwenden zu können, werden zunächst die zentralen Begriffe zu diesem Thema erörtert. Hierauf folgt die Vorstellung des Stressmodells nach Lazarus, um sodann im weiteren Verlauf dessen zentraler Inhalte zu untersuchen, darunter die stressauslösenden Belastungsfaktoren, ihre individuelle Wahrnehmung und Bewertung sowie die daraus resultierenden Stressreaktionen. Nachdem Grundlagen, Ursachen und Folgen von arbeitsbedingtem Stress dargestellt wurden, wird im darauf folgenden dritten Kapitel dieser Arbeit der Fokus auf mögliche Stressbewältigungsmaßnahmen gelegt. Hierzu werden unterschiedlich orientierte Präventionsmaßnahmen und Interventionsstrategien anhand ihrer Wirkungsdauer unterschieden und deren jeweilige Effektivität diskutiert. Das vierte Kapitel beschäftigt sich schließlich mit dem Transfer des aus dem zweiten- und dritten Kapitel erarbeiteten Wissens auf das gewählte Beispiel des Arbeitskollegen.

Der Schwerpunkt dieses Kapitels liegt hierbei insbesondere auf der Auswahl eines geeigneten Interventionsansatzes im Hinblick auf die spezifische Situation, welche in der Einleitung des vierten Kapitels noch näher dargestellt wird.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Begriffserörterung

Stress

Der Begriff „Stress“ wird sehr unterschiedlich definiert. Je nach Kontext und wissenschaftlichem Fachgebiet ist die Bedeutung dieses Wortes eine jeweils andere. Seinen Ursprung hat der Begriff aus der Physik, genauer gesagt der Werkstoffwissenschaft. Hierbei ist „Stress“ ein Ausdruck für Belastbarkeit von Material, gemessen etwa am Maß des Durchbiegens eines zweiseitig gelagerten Blechs. Im psychologischen Sinn wurde der Begriff derart übertragen, dass in einer komplexeren Definition von einem subjektiv unangenehmen Spannungszustand gesprochen wird, der aus der Annahme resultiert, dass die aversive empfundene- und zeitlich nahe oder bereits eingetretene Situation nicht vollständig kontrollierbar-, ihr Ausgang jedoch subjektiv wichtig erscheint.[3]

Der Psychologe Hans Selye, welcher als einer der Begründer der Stressforschung gilt, definiert Stress etwas einfacher als „eine unspezifische Reaktion des Körpers auf eine Anforderung“.[4] Er unterteilte die Reaktion, die auf eine Bedrohung der Homöostase des Organismus folgte, in drei Phasen und nannte seine Modellvorstellung zu dieser Reaktion „Allgemeines Adaptationssystem“. Im Zentrum der Stress-Theorie Selye´s steht demnach vor allem der „Widerstand“, den ein Organismus als homöostatisches System einer Anforderung der Außenwelt entgegenzusetzen in der Lage ist. Bereits Selye war aufgefallen, dass sowohl im Tier- als auch im Humanversuch Anforderungssituationen nicht nur aversive, sondern auch positive Wirkungen hatten, was zu einer Differenzierung von so genanntem Eustress („positiver“ Stress) und Distress („negativer“ Stress) führte.[5]

Stressor

Anforderungen und Belastungsfaktoren, welche von außen auf das Individuum einwirken, aber auch innerpsychische negative Stimuli, werden als Stressoren bezeichnet.[6] Sie haben das Potential, Stressreaktionen auszulösen. Stressoren lassen sich wiederum in unterschiedliche Kategorien einteilen. Geläufig ist dabei die Unterteilung in physische und psychische Stressoren.

Belastung und Beanspruchung

Die Begriffe Belastung und Beanspruchung werden im Alltagsgebrauch oft synonym verwendet, haben jedoch unterschiedliche Bedeutungen. Im Kontext beruflicher Arbeit definiert die DIN EN ISO 10075 Belastungen als die Gesamtheit der Einflüsse, die im beruflichen Umfeld auf den Menschen einwirken.[7] Beispiele für Belastungen am Arbeitsplatz sind Anforderungen der jeweiligen Arbeitsaufgaben, physikalisch-/biologische Einflüsse, wie Lärm, Hitze oder Verschiebung des Schlaf- und Tagesrhythmus durch Nacht- oder Schichtarbeit, aber auch bestimmte soziale Situationen innerhalb der Arbeitsorganisation.[8] Eine detaillierte Erörterung spezifischer beruflich bedingter Belastungen findet im Folgekapitel statt. Beanspruchungen werden durch Belastungen hervorgerufen. Sie beziehen sich insbesondere auf das subjektive Befinden des Menschen aufgrund der jeweils vorliegenden Belastung und resultieren wiederum in sogenannte Beanspruchungsfolgen. Letztere sind hochgradig abhängig von den individuellen Leistungsvoraussetzungen des Menschen.[9] In Folge dessen sind Belastung und Beanspruchung relational zu betrachtende Begriffe, da die objektiven Belastungen und Anforderungen immer erst in der Verhältnisbetrachtung zu den individuellen Leistungsvoraussetzungen Folgerungen zulassen.

2.2. Das transaktionale Stressmodell nach Lazarus

Eines der bekanntesten Modelle der Stresskonzeption ist das im Jahre 1999 durch den Psychologen Richard Lazarus 1974 veröffentlichte transaktionale Stressmodell. Das Modell bietet einen kognitiven Erklärungsansatz für die Entstehung von Stress, zeigt die Folgen von Stress in den Dimensionen Physiologie, Verhalten, Emotionen und Kognitionen auf und diskutiert mögliche Bewältigungsstrategien, das sogenannte „Coping“.[10]

Lazarus geht davon aus, dass kognitive Bewertungsprozesse darüber bestimmen, ob eine bestimmte Situation stressbezogene Folgen auslöst oder nicht. Der Prozess beginnt dabei mit der Aussetzung des Individuums mit potentiellen Stressoren. Diese werden in einer primären Bewertung zunächst dahingehend sondiert, ob sie irrelevant, positiv oder negativ eingeschätzt werden. Die Einschätzung des Letzteren bedeutet gleichzeitig, dass die Situation Potential zur Auslösung von Stress aufweist. Dieser Prozess nennt sich „primary appraisal“. Wird die Situation als negativ und damit umgangssprachlich „stressend“ eingeschätzt, wird ein zweiter, „sekundärer“ Bewertungsprozess initiiert. In diesem erfolgt die Abschätzung der individuellen Bewältigungsmöglichkeiten der auf die Person von außen einwirkenden Anforderungen. Mit anderen Worten, es erfolgt eine Bewertung der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Wenn die Stressoren als intensiv, neuartig und mangels Ressourcen zur Bewältigung unkontrollierbar erscheinen sowie das durch die Stressoren beeinflusste Handlungsergebnis nahezu unvorhersehbar, resultiert ein Gefühl von Kontrollverlust über die Situation. Es entsteht Stress und die damit in unmittelbaren Zusammenhang stehenden körperlichen-, emotionalen-, kognitiven- und physiologischen Reaktionen.[11] Zur Bewältigung dieser Reaktionen beginnt sodann der Prozess des sogenannten „Coping“. Eine Übersicht über die eben beschriebenen Vorgänge ergeht in Abbildung 1. Wird die Situation durch die eigenen Ressourcen aufgelöst, erfolgt eine dritte Bewertung, der sogenannte „re-appraisal“. Bei diesem Prozess wird geprüft, ob die Situation immer noch bedrohlich ist oder final bewältigt wurde.

Ist Letzteres der Fall, wird die Situation in Zukunft zu hoher Wahrscheinlichkeit als weniger negativ oder “stressend“ wahrgenommen.[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Transaktionales Stressmodell nach Lazarus (Quelle: Bareiß A.: Arbeits- und Gesundheitspsychologie, S. 66)

Im weiteren Verlauf der Arbeit werden nun die einzelnen Ebenen des transaktionalen Stressmodells näher betrachtet. Zunächst werden die Belastungsfaktoren, also die Reize, welche als stressend eingeschätzt werden können, angeführt. Anschließend an die Erörterung der theoretischen Grundlagen wird die Stresswahrnehmung und deren Einschätzung diskutiert sowie im transaktionalen Stressmodell durch die primäre- und sekundäre Bewertung dargestellt. Als Abschluss des Theorieteils werden zuletzt auch die Möglichkeiten zur Bewältigung von Stresssituationen betrachtet, im Modell beschrieben als „Coping“.

[...]


[1] Vgl. Lohmann-Haislah A.: Stressreport Deutschland 2012, S.15 sowie Voermans S.: Entspann dich, Deutschland - TK-Stressstudie 2016, S. 6

[2] Vgl. Rehfeld U.: Gesundheitsbedingte Frühberentung, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, S.16

[3] Vgl. Nerdinger W./Blickle G./Schaper N.:Arbeits- und Organisationspsychologie, S.518

[4] Vgl. Litzcke S./Schuh H.: Stress, Mobbing und Burnout am Arbeitsplatz, S.6

[5] Vgl. Kauffeld Arbeits-, Organisations- und Personalpsychologie Seite 244-248

[6] Vgl. Kulbe, A.: Grundwissen Psychologie, Soziologie und Pädagogik, S.168

[7] Vgl. Joiko K./Schmauder M./Wolff G.: Psychische Belastung und Beanspruchung im Berufsleben, S.9

[8] Vgl. Nerdinger W./Blickle G./Schaper N.:Arbeits- und Organisationspsychologie, S.518

[9] Vgl. Joiko K./Schmauder M./Wolff G.: Psychische Belastung und Beanspruchung im Berufsleben, S.10-12

[10] Vgl. Morgenroth S.: Lehrerkooperation unter Innovationsstress - Soziale Stressbewältigung als wertvoller Wegweiser, S:30

[11] Vgl. Kulbe A.: Grundwissen Psychologie, Soziologie und Pädagogik, Seite 168

[12] Vgl. Kauffeld S.: Arbeits-, Organisations- und Personalpsychologie, Seite 249

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Stress am Arbeitsplatz. Möglichkeiten der Identifikation und Intervention
Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
27
Katalognummer
V441251
ISBN (eBook)
9783668796973
ISBN (Buch)
9783668796980
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stress
Arbeit zitieren
Ferry Schütz (Autor), 2017, Stress am Arbeitsplatz. Möglichkeiten der Identifikation und Intervention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441251

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