Darstellung und kritische Diskussion der Argumente für und wider die Verwendung des Debt Beta bei der Bestimmung der Kapitalkosten


Seminararbeit, 2018
47 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Symbolverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Formelverzeichnis

1 Problemstellung

2 Grundlagen der Unternehmensbewertung
2.1 Discounted Cash-Flow Verfahren
2.1.1 Enti ty-Methode
2.1.2 Equity-Methode
2.2 Capital Asset Pricing Model
2.2.1 Herl ei tung der Renditegl ei chung
2.2.2 Interpretati on

3 Kapitalkostenbestimmung in der Praxis

4 Vor- und Nachteile der Einbeziehung eines Debt Beta bei der Kapitalkostenbestimmung
4.1 Motivation/Notwendigkeit der Berücksichtigung
4.2 Erweiterung der Kapitalkostenbestimmung um Debt Beta
4.3 Auswirkungen der Berücksichtigung von Debt Beta - Ein Beispiel
4.4 Kritische Würdigung

5 Thesenförmige Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

Fachnormverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 : Übersicht der Discounted Cash Flow-Verfahren 4

Abbildung 2: Betafaktoren nach Sektoren 21

Abbildung 3: Beziehung zwischen den Cash Flow-Begriffen XI

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Beispielberechnungen zur (Nicht-) Berücksichtigung von Debt Beta

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Formelverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Problemstellung

Die Unternehmensbewertungspraxis steht vor der Herausforderung, realitätsnahe Er­gebnisse unter Beachtung von Finanzierungsstrukturen zu liefern. Insbesondere hin­sichtlich der Kapitalisierungssätze ergeben sich bei der Bestimmung von Eigen- und Fremdkapitalkosten Bewertungsherausforderungen. Speziell der Umgang mit ausfallbe­drohtem Fremdkapital stellt sowohl Literatur als auch Praxis in Hinblick auf konsistente und korrekte Bewertungen vor Probleme.

Die im Rahmen der Bewertungsverfahren oftmals unterstellte Annahme eines risikolo­sen Fremdkapitals erschwert eine realitätsnahe Annäherung und kann zu Bewertungs­Ungenauigkeiten führen. Ein in der Literatur diskutiertes Konzept zur Berücksichtigung von Fremdkapitalrisiken bei der Kapitalkostenbestimmung ist das Debt Beta. Während in Deutschland das IDW noch nicht explizit diese Thematik aufgegriffen hat, fordert die österreichische Kammer der Wirtschaftstreuhänder unter gewissen Umständen eine An­passung der gängigen Kapitalkostenbestimmung: ״Die Berücksichtigung des Debt Betas ist erforderlich, wenn die zum Basiszinssatz lanfzeitäqnivalenten Fremdkapitalkosten des Unternehmens wesentlich vom Basiszinssatz abweichen.‘a Vor dem Hintergrund einer ähnelnden Rechnungslegung dieser Länder erstaunt die unterschiedliche Handha­bung. Ausgehend von der österreichischen Empfehlung soll die vorliegende Arbeit die Argumente für und wider die Verwendung eines Debt Beta als Anpassungsfaktor bei der Kapitalkostenbestimmung darstellen und eine kritische Einordnung ermöglichen. Gang der Untersuchung

Die Diskussion der Forschungsfrage erfolgt in enger Orientierung an den vom IDW und der österreichischen Kammer der Wirtschaftstreuhänder empfohlenen Vorgehensweisen mit den damit einhergehenden Eingrenzungen des Forschungsumfangs. In Kapitel 2 werden Grundlagen für den weiteren Verlauf der Arbeit kurz dargestellt. Zunächst wer­den in Kapitel 2.1 die Thematik der Kapitalkostenbestimmung in das Feld der Unter­nehmensbewertung eingeordnet und die Unternehmensbewertungsverfahren sowie die Bedeutung der Kapitalkostenbestimmung für diese dargestellt. Die Bestimmung der1

Kapitalkosten mithilfe des Capital Asset Pricing Models (САРМ) wird in Kapitel 2.2 verkürzt hergeleitet2. Kapitel 3 verknüpft die Grundlagen des Kapitel 2 und stellt die gängige Kapitalkostenbestimmung in der Praxis dar. In Kapitel 4 erfolgt die Diskussion der Forschungsfrage. Kapitel 4.1 zeigt die Notwendigkeit und Motivation einer Berück­sichtigung eines Debt Beta auf. Das Debt Beta wird in Kapitel 4.2 hergeleitet. Mithilfe eines kapitalmarktorientierten Beispiels werden in Kapitel 4.3 die Auswirkungen einer (Nicht-)Berücksichtigung von Debt Beta aufgezeigt. Abschließend erfolgt in Kapitel 4.4 eine kritische Würdigung der Argumente für und wider die Verwendung eines Debt Beta bei der Kapitalkostenbestimmung.

2 Grundlagen der Unternehmensbewertung

Das zweite Kapital beinhaltet eine kurze und dementsprechend allgemein gehaltene Darstellung der für den Verlauf der Arbeit benötigten Grundlagen. So werden in Kapitel 2.1 die im Rahmen der Untemehmensbewertung bevorzugt genutzten Discounted Cash Flow-Verfahren und in Kapitel 2.2 das Capital Asset Pricing Model (САРМ) zur Be­Stimmung der für die Discounted Cash Flow-Verfahren benötigten Kapitalkosten vorge­stellt.

In Deutschland ist die Unternehmensbewertung durch den vom Institut der Wirtschafts­prüfer (IDW) herausgegebenen IDW SÍ ״Grundsätze zur Durchführung von Unterneh- mensbewertungen“3 standardisiert. Ziel der Untemehmensbewertung ist es, dem Unter­nehmen einen potenziellen Wert zuzuordnen. Anlässe zur Unternehmensbewertung sind mannigfaltig und können in Anlehnung an die Verlautbamngen des IDW in gesetzliche, vertragliche oder Eigentumsverhältnisse berührende Anlässe kategorisiert werden4. Die Vielfalt der Anlässe lässt sich ebenfalls auf die Vielfalt der Verfahren übertragen. So wird in der Literatur in Einzel-, Gesamt- und Mischbewertungsverfahren sowie über-

Schlagsrechnungen unterschieden5. Da sowohl das row als auch das österreichische Fachgutachten KFS BW 1 der Kammer der Wirtschaftstreuhänder auf Gesamtbewer­tungsverfahren im Zuge der Unternehmensbewertung verweisen6, werden im Rahmen dieser Arbeit ausschließlich die auf dem Kapitalwertkalkül der Investitionstheorie basie­renden Gesamtbewertungsverfahren und hier insbesondere die Discounted Cash Flow- Verfahren (s. Abbildung 1) betrachtet. Für die Unternehmensbewertung mithilfe von Discounted Cash Flow-Verfahren ist die Kapitalkostenbestimmung zur Bestimmung adäquater Diskontierungssätze von zentraler Bedeutung. Da zur Bestimmung der Kapi­talkosten seitens des IDW (und auch seitens der österreichischen Kammer der Wirt- Schaftstreuhänder)7 auf das kapitalmarkttheoretische CAPM verwiesen wird, erfolgt auch hier eine Fokussierung auf das genannte Model.

2.1 Discounted Cash-Flow Verfahren

Die dem anglo-amerikanischen Raum entstammenden Discounted Cash Flow-Verfahren haben seit den 1990er Jahren Verbreitung in der deutschen Bewertungspraxis und schlussendlich in den berufsständischen Verlautbarungen der Wirtschaftsprüfer gefun­den und sind heute die am häufigsten genutzten Verfahren8.

Die DCF-Verfahren sind Gesamtbewertungsverfahren, bei denen das Unternehmen als Gesamteinheit betrachtet und der Unternehmenswert aus der zukünftigen Ertragskraft des Unternehmens abgeleitet wird. Hierzu werden die zukünftigen Cash Flows mit den Kapitalkosten diskontiert, um so den Barwert der Nettoeinnahmen der Unternehmensei­gentümer zu berechnen. Berechnungsgrundlage sind die dem Unternehmen zufließen­den Free Cash Flows, die nach Abzug aller Investitionen zur Ausschüttung an die Inves­toren zur Verfügung Stehen (s. Abbildung 3, Anhang). Dies baut auf der Investitions­theorie auf, nach der nur tatsächliche Zahlungen verzinsbar und damit diskontierbar sind.9 Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Verfahren liegen in der Berücksichtigung der jeweiligen Fremdfinanzierung und den damit verbundenen Tax Shields (Steuervor­teile der Fremdfinanzierung).

Es existieren vier rechentechnisch verschiedene Varianten, die sich, wie aus Abbildung 1 zu entnehmen, weiter in Entity- und Equity-Methode unterscheiden lassen10.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Übersicht der Discounted Cash Flow-Verfahren

In Anlehnung an Ballwieser und Hachmeister (2016), s. 8

In den nachfolgenden Unterkapiteln erfolgt eine kurze Darstellung der aufgeführten Verfahren und der grundlegenden Formeln, um die in der Einleitung aufgeworfene Problemstellung bei der Kapitalkostenbestimmung thematisch im Feld der Unterneh­mensbewertung einordnen zu können. Der IDW SÍ nennt explizit den Adjusted Present Value-Ansatz (APV-Ansatz), den Weighted Average Cost of ( rf/;/tö/-Ansatz (WACC- Ansatz) sowie die Equity-Methode. Aus diesem Grund wird auf eine ausführliche Dar­Stellung des Total Cash Flow-Ansatzes verzichtet.

2.1.1 Entity-Methode

Die Entity-Methode (auch Bruttomethode) bezeichnet mehrstufige Verfahren, die zu­nächst durch Abzinsung der erwarteten Cash Flows den Unternehmensgesamtwert be­rechnen und daraufhin den Marktwert des Eigenkapitals durch Abzug des Fremdkapi­tals bestimmen. Der Unternehmensgesamtwert ist dabei unabhängig von der Finanzie­rungsstruktur des Unternehmens und zeigt die Ansprüche sowohl von Eigenkapital- als auch von Fremdkapitalgebem. In der Literatur werden in der Regel der WACC-Ansatz und der APV-Ansatz unterschieden:

Weighted Average Cost of Capital-Ansatz11

Der WACC-Ansatz (auch FCF-Ansatz) ist der in der Praxis am häufigsten verwendete Ansatz12. Die Berechnung des Unternehmenswerts erfolgt in zwei Schritten:

1. Berechnung des Unternehmensgesamtwertes durch Diskontierung der perioden­spezifischen Free Cash Flows (s. Abbildung 3) bei fiktiver Eigenfinanzierung mit dem gewichteten Kapitalkostensatz (wacc, Formel 2). Die Steuervorteile der Fremdfinanzierung (Tax Shield) werden in den gewichteten Kapitalkosten be­rücksichtigt und fließen somit im Nenner in die Berechnung mit ein.

2. Berechnung des Eigenkapital- durch Abzug des Fremdkapitalmarktwerts.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für die Notation sei auf das Sy mb 01 Verzeichnis verwiesen. Die zur Diskontierung der FCF benötigten Kapitalkosten können mithilfe der CAPM-Renditegleichung (Kapitel 2.2.1, Formel 8) bestimmt werden.

Adjusted Present Value-Ansatz13

Der APV-Ansatz berechnet den Unternehmenswert in drei Schritten:

1. Berechnung des Marktwerts eines fiktiv unverschuldeten Unternehmens un­ter der Annahme einer fiktiven Eigenfinanzierung. Hierzu werden die FCF mit den Eigenkapitalkosten rįĮK eines unverschuldeten Unternehmens dis­kontiert (Formel 3).
2. Addition des Barwerts der Steuervorteile aus der Fremdfinanzierung unter Berücksichtigung der UntemehmenskapitalStruktur zu dem zuvor berechne­ten Unternehmenswert. Die Tax Shields bestimmen sich durch die Höhe der steuerlichen Abzugsfähigkeit der Fremdkapitalzinsen (Formel 4).
3. Berechnung des Marktwerts des Eigenkapitals durch Abzug des Marktwerts des Fremdkapitals von der obigen Summe (Marktwert des Gesamtkapitals).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der APV-Ansatz ist durch separate Betrachtung der Fremdfinanzierung für eine trans­parente Darstellung von variablen Kapital Strukturen geeignet. Die Bestimmung des Diskontierungssatzes kann erneut über das CAPM erfolgen.14

2.1.2 Equity-Methode

Die Equity-Methode (auch Nettomethode oder FTE-Ansatz) berechnet in einem Schritt den Wert des Unternehmens (Marktwert des Eigenkapitals) durch Diskontierung der den Eigenkapitalgebem zufließenden Cash Flows (Flow to Equity, s. Abbildung 3) bei tatsächlicher Finanzierungsstruktur mit den Eigenkapitalkosten. Bei Anwendung des FTE-Ansatzes ergibt sich der Marktwert des Eigenkapitals gemäß Formel 5.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zur Bestimmung der Eigenkapitalkosten erfolgt auch hier der Verweis auf das CAPM.

2.2 Capital Asset Pricing Model

Das Capital Asset Pricing Model (САРМ) ist ein Gleichgewichtsmodell des Kapital­marktes, um die Preisbildung von risikobehafteten Kapitalanlagen auf dem Kapital­markt zu erklären. Es wurde in den 1960er Jahren unabhängig voneinander von Sharpe, Lintner und Mossin15, aufbauend auf der Portfoliotheorie von Markowitz16, entwickelt. Wie bereits gezeigt, ist das CAPM zentral zur Bestimmung der Diskontierungssätze im Rahmen der Unternehmensbewertung i.s.d. IDW SÍ und wird nachfolgend mit seinen Grundprämissen und der Herleitung der Renditegleichung verkürzt dargestellt17.

2.2.1 Herleitung der Renditegleichung

Das CAPM basiert auf der neoklassischen Gleichgewichtstheorie und ist u. a. durch die folgenden Prämissen gekennzeichnet18:

- Vollkommener Kapitalmarkt (freier Marktzugang, Informationssymmetrie, un­beschränkte Geldaufnahme- und Geldanlagemöglichkeit, etc.)
- Homogene Erwartungen und Risikoaversion
- Einperiodiger Planungshorizont

Basierend auf Überlegungen der Portfoliotheorie von Markowitz kann aus risikobehaf­teten und sicheren Eigenkapitaltiteln ein effizientes Marktportfolio gebildet werden. Je nach individueller Risikopräferenz kann ausgehend vom Marktportfolio die Rendite (Formel 21, Anhang) und das Risiko (Formel 22, Anhang) eines individuellen Portfolios bestimmt werden (Tobin Separation19 ), überträgt man die Rendite und das Risiko der einzelnen Wertpapiere auf die des Marktportfolios, entsteht im Kapitalmarktgleichge­wicht ein Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko eines Wertpapiers20: Die Risi­koprämie μ — i muss je Risikoeinheit gleich sein. Für zwei Wertpapiere j, к gilt daher:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Beziehung gilt auch für das Marktportfolio

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.2 Interpretation

21 Der zur Bewertung eines Objekts (Unternehmens) benötigte Diskontierungssatz ent­spricht der erwarteten Rendite ßk22 Die Renditegleichung setzt sich aus dem a) risiko­losen Basiszins i und der mit dem b) Risikomaß ßk gewichteten c) Marktrisikoprämie rM — i zusammen:

a) Der risikolose Basiszins stellt die Mindestrenditeerwartung an eine alternative Anlage bei LaufzeitäquiValenz dar, die keinem Ausfallrisiko und keinen Rendi­teschwankungen unterliegt.
b) Der Beta-Faktor ist ein unternehmensspezifisches Maß für das systematische Risiko23. Das Risikomaß ßk entspricht dem Quotienten aus der Kovarianz (zwi- sehen Bewertungsobjekt und Markportfolio) und der Varianz des Marktportfo­lios und zeigt das Ausmaß der Sensitivität der Kapitalanlage zum Gesamtmarkt,
c) Die Marktrisikoprämie bildet im CAPM das systematische und nicht durch Portfoliomischung zu diversifizierende Risiko ab und ist als Differenz der Marktrendite zur risikolosen Kapitalanlage definiert.

In Kapitel 3 wird die in der Praxis gängige Vorgehensweise zur Bestimmung der ein­zelnen Bestandteile vorgestellt.

3 Kapitalkostenbestimmung in der Praxis

Die Bestimmung der Fremdkapitalkosten erfolgt i.d.R. anhand der tatsächlich gezahl­ten Fremdkapitalkosten im Verhältnis zum Fremdkapital zu Marktwerten einer bran­chenähnlichen Peer Group.24 Alternativ können die Fremdkapitalkosten mithilfe eines unternehmensspezifischen Bonitätsrisikozuschlags auf den risikolosen Zins berechnet werden (synthetisches Bond Rating).25

Die Berechnung der Eigenkapitalkosten erfolgt in der Praxis regelmäßig anhand des CAPM.26 Hierzu müssen die in Kapitel 2.2 genannten Bestandteile der Renditeglei­chung (Formel 8) bestimmt werden:

Der risikolose Basiszins entspricht per Definition der Rendite, die keinem Ausfallrisiko unterliegt. In der Realität existieren Anlagen mit dieser Eigenschaft nicht. Allgemeiner Konsens ist, die Rendite langfristiger Staatsanleihen von wirtschaftlich und politisch stabilen Ländern mit dem risikolosen Basiszins gleichzusetzen.27 Die Bestimmung er­folgt i.d.R. über historische Marktdaten oder über die Zinsverhältnisse zum Bewer­tungszeitpunkt.

Die Marktrisikoprämie besteht aus der Marktprämie und dem risikolosen Basiszins (s.o.) und wird wesentlich durch die wirtschaftliche und politische Stabilität sowie die Kapital Struktur eines Landes beeinflusst.28 Qua Definition ist die Marktrendite die Ren­dite aller am Markt gehandelten Anlagemöglichkeiten. An diese Definition wird sich durch einen für den Aktienmarkt repräsentativen Aktienindex (Dax, EuroStoxx, etc.) angenähert. Die Bestimmung erfolgt i.d.R. über historische Daten.29 Die Marktrisi­koprämie kann daher als Approximation einer langfristigen, durchschnittlichen Diffe­renz zwischen den Renditen von Aktienindizes und den Renditen von Staatsanleihen interpretiert werden.

Der Beta Faktor als Maß für das systematische Risiko kann für finanzmarktgehandelte Unternehmen grundsätzlich von Finanzdienstleistem wie Bloomberg abgerufen werden. Dabei ist zu beachten, dass dieses Beta auf historischen Daten basiert (raw beta). Das historische Beta wird durch eine lineare Regression des Aktienkurses mit einem Aktien­index ermittelt. Der Beta Faktor ist dabei die Steigung der Regressionsgeraden. In der Praxis empfiehlt sich die Nutzung eines adjusted beta, welches eine zukunftsfähige Schätzung basierend auf dem raw beta darstellt.30 Bei nicht finanzmarktgehandelten Unternehmen oder bei Unternehmen, deren spezifisches Geschäftsrisiko von Ver­gleichsunternehmen abweicht, muss der Beta Faktor über das sogenannte Unlevering und Relevering31 angepasst werden, um das CAPM zur Kapitalkostenbestimmung an­wendbar zu machen.32 Hierbei bedarf es zunächst eines levered beta βζ° einer Ver­gleichsgruppe von börsennotierten Unternehmen derselben Branche (Peer Group)33. Dieses Beta besteht aus dem Geschäfts- und Finanzrisiko. Um das Beta des Geschäftsri- sikos zu bestimmen, muss das Finanzierungsrisiko durch die Berechnung eines unlever­ed beta ßyG herausgefiltert werden. Das unlevered beta ßy34 des zu bewertenden Unter­nehmens kann anschließend beispielsweise durch eine Durchschnittsbildung des ßyG bestimmt werden. Die notwendige Anpassung an die Finanzierungsstruktur des zu be­wertenden Unternehmens gelingt durch ein levered beta ßv.

Beim Unlevering und Relevering sind grundsätzlich zwei Finanzierungsweisen zu un­terscheiden: autonome oder wertori enti erte Finanzierung35. Bei einer autonomen Finan­zierung wird unterstellt, dass Fremdkapitalbestände vorgegeben und Tax Shields sicher sind. Bei einer wertori enti erten Finanzierung dagegen sind die Fremdkapitalbestände flexibel und es kann nicht mehr von sicheren Tax Shields ausgegangen werden. Je nach Finanzierungsweise sind unterschiedliche Formeln zur Bestimmung des unlevered und levered Beta zu nutzen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Autonome Finanzierung (sichere Tax Shields) ־A Hamada Formel36

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Wertorientierte Finanzierung (unsichere Tax Shields) - Praktiker37

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Fachgutachten KFS/BWl (2015), Rz 107, s. 19.

2 In der Literatur erfolgt i.d.R. über das CAPM die Herleitung der aufbauenden DCF-Verfahren. In dieser Arbeit zunächst Vorstellung der Bewertungsverfahren zur besseren thematischen Einordnung.

3 IDW s 1 (i.d.F.v. 2008).

4 Vgl. Nölle, s. 11-28 in Schacht und Fakler (2009).

5 Vgl. Ballwieser und Hachmeister (2016), s. 8.

6 Vgl. IDW (2008), Rz 92, s. 22; Fachgutachten KFS/Bl (2014), s. 9ff.

7 Vgl IDW (2008), s. 28ff.; Fachgutachten KFS/Bl (2015), Rz 7, s. 2.

8 Vgl. Kühner und Maltry (2017), s.227f.; Matschke und Brösel (2013), s. 298ff.

9 Vgl. Coenenberg und Schultze (2003), s. 604f.

10 Vgl. Ballwieserund Hachmeister (2016), s. 9.

11 Vgl. Kühner und Maltry (2017), s. 230f.; Matschke und Brösel (2013), s. 713-720.

12 Vgl. Matschke und Brösel (2013), s. 298.

13 Vgl. Kühner und Maltry (2017), s. 231f.; Matschke und Brösel (2013), s. 721-725.

14 Vgl. Kühner und Maltry (2017), s. 228f.

15 Originalaufsätze: Sharpe (1963), s. 277-293; Sharpe (1964), s. 425-442; Lintner (1965), s. 13-73; Mossin (1966), s. 768-783.

16 Originalaufsatz von Markowitz (1952), s. 77-91.

17 Auf eine ausführliche Herleitung wird verzichtet. Wesentliche Handlungsschritte sind im Anhang erläutert. Siehe hierzu Matschke und Brösel (2013), s. 33-40; Kühner und Mahry (2017), s. 181-193; Ballwieser und Hachmeister (2016), s. 137-200.

18 Vgl. Matschke und Brösel (2013), s. 33f.

19 Tobin (1958), s. 65-86.

20 Auf eine ausführliche Herleitung wird verzichtet. Siehe hierzu Kühner und Maltry (2017), s. 206ff.

21 Vgl. Pankoke und Petersmeier in Schacht und Fackler (2009), s. 111-129; Matschke und Brösel (2013), s. 33-40; Heesen (2018), s. 206-230.

22 Vgl. Matschke und Brösel (2013), s. 39.

23 Das systematische Risiko bezieht sich auf die zum Markt kongruente Kursentwicklung (Konjunkturri­siken, politische Risiken, etc.) und kann nicht eliminiert werden. Das unsystematische Risiko kann dage­gen am Markt durch Diversifizierung eliminiert werden. Vgl. Matschke und Brösel (2013), s. 36.

24 Vgl. KPMG (2016), s. 47.

25 Vgl. Volkart, Vettiger und Forrer (2013), s. 116f.

26 Vgl. KPMG (2017).

27 Vgl. Pankoke und Petersmeier in Schacht und Fackler (2009), s. 114; Langfristige Staatsanleihen mit einem Zeitraum von 10 Jahren werden bevorzugt verwendet. Vgl. Copeland, Koller und Murrin (2002), s. 266.

28 Vgl. Damodaran (1994), s. 23.

29 Vgl. Copeland, Koller und Murrm (2002), s. 272f.

30 Heinze und Radinger (2011), s. 50.

31 Auf eine ausführliche Herleitung wird im Umfang dieser Arbeit verzichtet. Die wesentlichen Formeln werden zur späteren Verständlichkeit dargestellt. Vgl. Kruschwitz, Löffler und Lorenz (2011), s. 672­678; Pankoke und Petersmeier in Schacht und Fackler (2009), s. 119-127.

32 Vgl. Pankoke und Petersmeier in Schacht und Fackler (2009), s. 124-127; Heinze und Radinger (2011), s. 52.

33 Vgl. KPMG (2017), s. 37f, laut KMPG die in der Praxis gängige Vorgehensweise.

34 Das unlevered beta ßu wird auch für die Bestimmung der Eigenkapitalkosten rļlK eines unverschulde­ten Unternehmens im Rahmen des APV-Ansatzes benötigt.

35 Schulte u.a. (2010), s. 14f.

36 Hamada (1972), s. 435-452.

37 Die Praktiker Formel ist eine Vereinfachung der Hamada Formel, vgl. Kruschwitz, Löffler und Lorenz (2011), s. 673.

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Darstellung und kritische Diskussion der Argumente für und wider die Verwendung des Debt Beta bei der Bestimmung der Kapitalkosten
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
47
Katalognummer
V441600
ISBN (eBook)
9783668799363
ISBN (Buch)
9783668799370
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fremdkapital-Beta, CAPM, Discounted Cash Flow, Unternehmensbewertung, Kapitalkosten, Kapitalkostenbestimmung, Betafaktor, Systematische Risiken, Unlevering, Relevering, Levering, Praktische Relevanz, Theoretisches Fundament, Kapitalkostenbestimmung in der Praxis
Arbeit zitieren
René Zdebel (Autor), 2018, Darstellung und kritische Diskussion der Argumente für und wider die Verwendung des Debt Beta bei der Bestimmung der Kapitalkosten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441600

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