Burnout bei Lehrern. Analyse der Ursachen und Ableitung präventiver Interventionen


Hausarbeit, 2018

36 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Burnout-Syndrom
2.1 Definition
2.2 Symptomatik
2.3 Epidemiologie
2.4 Diagnostik und Differentialdiagnostik
2.4.1 Erhebungsinstrumente
2.4.2 Differentialdiagnostik
2.5 Ätiologie

3 Empirische Untersuchung
3.1 Forschungsdesign
3.2 Hypothese und Fragestellung
3.3 Entwicklung des Fragebogens
3.4 Aufbau und Inhalte des Fragebogens
3.5 Praktische Umsetzung

4 Diskussion
4.1 Kritische Reflexion
4.2 Empfehlungen zur Prävention von Burnout bei Lehrern
4.3 Ausblick und die praktische Relevanz

Literaturverzeichnis

Anhang 1

Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Prävalenz von Burn-out in Deutschland nach Geschlecht, Alter und sozialem Status im Jahr 2012

Abbildung 2: Berufsgruppen mit den meisten Arbeitsunfähigkeitstagen aufgrund von Burnout-Erkrankungen * im Jahr 2016 (je 1.000 AOK-Mitglieder).

Abbildung 3: Bereiche und Fragebogeninhalte

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Burnout-Symptomatik nach Burisch

Tabelle 2: Burnout-Symptomatik nach Schaufeli & Enzmann

Tabelle 3: Differentialdiagnosen zum Burnout-Syndrom

Tabelle 4: Dimensionen und Indikatoren zum Konstrukt "Risikofaktoren zur Entstehung von Burnout bei Lehrern"

1 Einleitung

Die wissenschaftliche Forschung zum beruflichen Belastungserleben von Lehrkräften hat eine besondere Relevanz, da zum einen die erlebte psychische Belastung und die damit einhergehenden körperlichen Beeinträchtigungen als wesentliche Ursache für die auffällige Vielzahl von Frühpensionierungen sowie vorübergehender oder dauerhafter Arbeitsunfähigkeit bei Lehrern gilt. Die Frühpensionierung stellt dabei ein gesellschaftliches, volkswirtschaftliches und sozialmedizinisches Problem dar (Klussmann, 2006, S. 161).

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden rund 12 Prozent der im Jahr 2015 pensionierten Lehrkräfte aufgrund von Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Zahlen dort bei rund 11 Prozent (Statistisches Bundesamt, 2016). Dabei verließ ungefähr die Hälfte der Lehrkräfte (56 Prozent) den Beruf aus psychischen Gründen, also aufgrund von Depressionen, somatoformen Störungen, Anpassungsstörungen, nicht zuletzt aber auch aufgrund von Burnout. Der Lehrerberuf scheint damit im Vergleich zu anderen Berufsgruppen, ein erhöhtes Risiko für Burnout-Erkrankungen aufzuweisen (Sosnowsky-Waschek, 2013, S. 118).

Aus arbeitsmedizinischer Betrachtung weist der sehr heterogene Lehrerberuf vielfältige Gesundheitsgefährdungen und Belastungen auf, unter anderem sind hier zu nennen: psychomentale/psychosoziale Belastungen wie Stress oder Mobbing, Stimm- und Sprachbelastungen, Lärm zum Beispiel in Turnhallen oder Belastungen das Gebäude betreffend, wie die Gestaltung von Rückzugsmöglichkeiten oder von Altlasten (z.B. Asbest). Die besonderen Anforderungen in der Schule mit dem Spannungsfeld Lehrer-Schüler-Eltern-Schule, eingebettet in zum Teil problematische gesellschaftliche Entwicklungen führen dazu, dass die Belastungen und die bereits genannten Gesundheitsgefährdungen eine Vereinbarung von Beruf und Gesundheit zunehmend erschweren. Hier ist ein kompetentes Gesundheitsmanagement erforderlich (Weber, Weltle & Lederer, 2004, S. 850).

Vor diesem Hintergrund interessieren aus wissenschaftlicher Sicht insbesondere die Ursachen einer derartigen Entwicklung. Die bislang vorliegenden Erkenntnisse begründen einen Handlungsbedarf mit dem vorrangigen Ziel der Erhaltung und Wiederherstellung der seelischen Gesundheit von Lehrkräften. Dabei ist eine intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit anzustreben, um den komplexen Interaktionen zwischen berufsspezifischen Belastungen, gesellschaftlichem Kontext und den persönlichen Motiven gerecht zu werden. Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist daher, evidenzbasierte Diagnoseinstrumente für das Burnout-Syndrom zu identifizieren, zu diskutieren und daraus Empfehlungen für Präventionsmaßnahmen im Lehrerberuf abzuleiten.

2 Burnout-Syndrom

Im Folgenden wird zunächst auf die Definition des Burnout-Syndroms eingegangen und darauffolgend werden die Symptome beschrieben. Daran anschließend erfolgt eine Erörterung der Epidemiologie. Zudem werden die Diagnostik sowie die Differentialdiagnostik mittels gängiger Erhebungsinstrumente beschrieben. Den Abschluss dieses Kapitels bildet die Erörterung der Ätiologie des Burnout-Syndroms bei Lehrern.

2.1 Definition

Die Frage „Was ist Burnout?“ ist in der Fachwelt nicht eindeutig geklärt. Eine allgemein gültige und handhabbare Definition gibt es nicht. Dieses ist ein schwerwiegendes Hindernis für eine wissenschaftlich fundierte Forschung auf dem Gebiet des Burnout-Syndroms (Burisch, 2014, S.14).

Als einer der Pioniere auf dem Gebiet der Burnout-Forschung gilt der Psychoanalytiker Herbert Freudenberg. Dieser beschreibt bereits im Jahr 1974 Burnout als einen psychischen sowie physischen Abbau, der häufig in Helferorganisationen zu sehen war. Freudenberg definiert Burnout mit Erschöpfung, Depersonalisation und Zynismus sowie berufliche Überforderung mit Leistungsverfall (Burisch, 2014, S. 5).

Eine weitere Erforschung erfolgte fast zeitglich durch die Sozialpsychologin Christine Maslach (1976). Sie unterscheidet nach einem syndromalen Ansatz drei Dimensionen. Die erste Dimension beschreibt eine emotionale Erschöpfung und wird als zentraler Aspekt gesehen. Dieser Zustand geht mit dem Erleben von emotionaler und körperlicher Kraftlosigkeit einher, darin spiegelt sich vor allem der chronische Stressaspekt wider. Eine weitere Dimension bildet die Depersonalisation, die auch als Zynismus bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um ein verringertes Interesse und Engagement für Mitmenschen, dass bis zu einer aggressiven Einstellung, insbesondere gegenüber Kunden oder Mitarbeitern führen kann. Es kann bis zu einer gefühllosen, abgestumpften Reaktion auf Klienten wie z.B. Schüler oder Patienten reichen. Dieses Verhalten wird als Versuch interpretiert, Distanz zu schaffen. Die dritte Dimension umfasst eine verminderte subjektive Leistungsbewertung. Dabei geht es um das Gefühl von Versagen und Verlust des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten (Nil et al., 2010, S. 73).

Der Psychologe Matthias Burisch beschreibt psychologisch-metaphorisch Burnout als eine lang anhaltende zu hohe Energieabgabe für zu geringe Wirkung bei ungenügendem Energienachschub (Burisch, 2014, S. 10).

Auch wenn es keine verbindliche Definition gibt, sind doch unterschiedliche Annahmen zu nennen, die sich wiederholt in der Literatur finden. Hier ist bei den verschiedenen Burnout-Forschern das Symptom Erschöpfung als Hauptmerkmal benannt (Burisch, 2014, S. 10).

2.2 Symptomatik

Die Schwierigkeit Burnout eindeutig zu definieren, hat zur Folge, dass die betreffenden Symptome weit gefasst sind bzw. sich dementsprechend keine spezifischen Symptome definieren lassen. In der Literatur werden verschiedene Symptomverläufe beschrieben. Die Erscheinungsformen sind dabei facettenreich von ihrer Ausprägung und in ihrem Umfang von Individuum zu Individuum unterschiedlich. In der Arbeit von Burisch (1989) ermittelte dieser aus der gesamten Burnout-Literatur alle genannten Symptome und erfasste so 130 Symptome, die in Ober- und Unterkategorien eingeteilt werden. Burisch merkt an, dass für einen Burnout-Befund nicht alle Symptome vorhanden sein müssen, da sich einige gegenseitig ausschließen oder eine Depression kennzeichnen. Weiterhin müssen die Symptome nicht in der genannten Reihenfolge erscheinen (Burisch, 1994, S. 18ff).

Die nachfolgende Tabelle (Tabelle 1) zeigt als Kurzfassung eine Übersicht der erfassten Symptome eingeteilt in Ober- und Unterkategorien.

Tabelle 1: Burnout-Symptomatik nach Burisch (modifiziert nach Burisch, 1994, S. 18ff).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schaufeli und Enzmann bemängeln an der Liste von Burisch, dass es kaum ein Symptom gebe, das nicht aufgeführt sei und dass ein so weites Konzept, welches praktisch alles einschließt, jegliche Bedeutung verliere. Daher erstellten sie ihrerseits eine Symptomauflistung und nahmen eine Einteilung in drei Ebenen vor: auf individueller, interpersoneller und institutioneller Ebene (Schaufeli & Enzmann, 1998, S. 20). Die Einordnung ist in der nachfolgenden Tabelle (Tabelle 2) in einer verkürzten Version dargestellt.

Tabelle 2: Burnout-Symptomatik nach Schaufeli & Enzmann (modifiziert nach Schaufeli & Enzmann, 1998, S. 20ff).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Epidemiologie

Anfänglich wurde Burnout nur bei Berufen mit hohem sozialem Engagement beschrieben, dazu zählen unter anderem Lehrer, Ärzte, medizinisch-pflegende oder soziale Berufsgruppen. In den 90er Jahren wurde Burnout bei weiteren Berufsgruppen nachgewiesen. Die Prävalenzraten unterscheiden sich dabei je nach untersuchter Berufsgruppe oder Spezialisierung erheblich, belegen aber eine weite Verbreitung von Burnout. So ergaben Studien über Notfallstationen, dass von den Ärzten und Pflegenden 30-50 Prozent hohe Burnout-Werte und 12-25 Prozent hohe Depressionswerte aufwiesen (Nil et al., 2010, S. 73).

Die Statistik (Abbildung 1) zeigt Ergebnisse einer Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) des Robert Koch-Instituts zur Prävalenz von Burnout-Erkrankungen nach Geschlecht, Alter und sozialem Status im Jahr 2012. Hier wurden 7.807 Teilnehmer zwischen 18 und 79 Jahren befragt. Es ergab eine Gesamtprävalenz von 4,2 Prozent. Frauen waren mit 5,2 Prozent häufiger betroffen als Männer mit 3,3 Prozent. Ein Vergleich der Altersgruppen zeigt, dass Burnout am häufigsten in der Gruppe 50 bis 59 Jahre, nämlich 6,6 Prozent, diagnostiziert wurde. Danach lagen in der Gruppe 18 bis 29 Jahre die Werte dagegen nur bei rund 1,4 Prozent und in der Gruppe 70 bis 79 Jahre bei 1,9 Prozent. Weiterhin zeigen die Ergebnisse, dass die Ausprägung des Burnouts umso höher lag, je höher der sozioökologische Status der Person zum Erhebungszeitpunkt war. Bei einem hohen sozioökologischen Status lagen die Werte bei 5,8 Prozent. Im Vergleich dazu konnten bei einem niedrigen sozioökologischen Status Werte von gerade einmal 2,6 Prozent nachgewiesen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Prävalenz von Burn-out in Deutschland nach Geschlecht, Alter und sozialem Status im Jahr 2012 (Spiegel, 2012).

* SES = Sozioökonomischer Status

Die Statistik (Abbildung 2) zeigt die Berufsgruppen mit den meisten Arbeitsunfähigkeitstagen (AU-Tage) aufgrund von Burnout-Erkrankungen in Deutschland im Erhebungszeitraum 2016. In diesem Jahr kamen auf 1.000 AOK-Mitglieder in Berufen der Erziehungswissenschaften durchschnittlich 277,9 Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von Burnout-Erkrankungen nach ICD-10, Diagnose Z73. Die Berufe der Erziehungswissenschaften lagen damit an vierter Stelle hinter den Gruppen der Berufe im Dialogmarketing mit 366,4 AU-Tagen, Aufsichts-/Führungskräfte in der Gesundheits-/Krankenpflege, Rettungsdienst und Geburtshilfe mit 325,4 AU-Tagen sowie die Aufsichts-/Führungskräfte im Verkauf mit 325,1 AU-Tagen. Im Vergleich dazu lagen bei der Gruppe der Berufe im Verkauf ohne Produktspezialisierung die Werte bei 209,5 AU-Tagen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Berufsgruppen mit den meisten Arbeitsunfähigkeitstagen aufgrund von Burnout-Erkrankungen * im Jahr 2016 (je 1.000 AOK-Mitglieder) (Badura et al., 2017, S. 328).

* Diagnose Z73: "Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung"

Wie bereits angegeben weisen die Prävalenzraten von Burnout-Erkrankungen erhebliche Abweichungen auf, selbst bei gleichen Berufsgruppen besteht eine hohe Schwankungsbreite. Diese kommen aufgrund der heterogenen Definitionskriterien, der angewandten Erhebungsinstrumente sowie der untersuchten Bevölkerungsgruppierungen zustande. Daher kann abschließend keine wissenschaftlich abgesicherte, allgemeingültige Aussage über Prävalenzen des Burnout-Syndroms getätigt werden (Korcza, Kister & Huber, 2010, S. 20).

2.4 Diagnostik und Differentialdiagnostik

Nach der „International Classification of Diseases, ICD-10“, das als Diagnoserichtlinie gilt, wird Burnout mit dem Zusatzschlüssel Z=73 als „Zustand der totalen Erschöpfung“ oder mangelnder Bewältigung der Lebenssituation definiert. Burnout wird jedoch nicht als eigenständige Krankheit aufgelistet. Dabei wird der Begriff „Ausgebranntsein/Burnout“ nicht als eigenständige Diagnose, sondern nur als Subkategorie als Inklusivum in dem Code Z73 aufgeführt. Unabhängig davon können mit diesem Code auch andere, weniger schwere Erkrankungen kodiert werden, die nicht mit einem Burnout-Syndrom zusammenhängen. Dies ist eine der vielen Ungenauigkeiten der ICD-10-GM (DIMDI, 2018).

2.4.1 Erhebungsinstrumente

Ein objektives Erhebungsinstrument zur Diagnostik von Burnout existiert nicht. Erhoben wird Burnout gegenwärtig über Selbstbeurteilungsbögen, von denen eine Vielzahl veröffentlicht wurde, sich jedoch lediglich drei durchgesetzt haben, auf die im Folgenden noch näher eingegangen wird. Strukturierte Messinstrumente zur Fremdbestimmung werden nicht systematisch eingesetzt (Korcza, Kister & Huber, 2010, S. 20).

Maslach Burnout Inventory (MBI)

Bei der Entwicklung des MBI lag die Forschungsfrage zugrunde, welche psychologischen Mechanismen Individuen einsetzen, um intensive emotionale Belastungen zu bewältigen, denen sie im Rahmen ihrer Arbeit ausgesetzt sind.

Der Fragebogen besteht aus insgesamt 22 Items, der in drei Skalen untergliedert ist: emotionale Erschöpfung (neun Items), Depersonalisierung (fünf Items) und persönliche Leistungsfähigkeit (acht Items). Die Intensitätsskalen reichen dabei von einer Einstufung in „0 = nie“ bis „6 = täglich“. Gemäß diesem Instrument ist eine Person umso stärker von Burnout betroffen, je höher die Werte in den Skalen EE und DP und je niedriger die Werte in der Skala persönliche Leistungsfähigkeit sind. Bei der Skala zur Leistungsfähigkeit erreichen Personen, die sich als leistungsfähig ansehen hohe Werte und Personen, die sich als weniger leistungsfähig einschätzen niedrigere Werte. In der dritten Auflage des MBI werden spezielle Varianten für den Sozial- und Dienstleistungs- (MBI-HSS) sowie eine Version für den Bildungsbereich (MBI-ES) vorgestellt, das eine Ergänzung zu dem bestehenden Standardfragebogen darstellt (Maslach, Jackson & Leiter, 1997, S. 193ff).

Tedium Measure (TM)

Dieses Instrument von Pines, Aronson & Kafry (2006) wird auch als Überdrussskala bezeichnet und besteht aus insgesamt 21 Items, die hinsichtlich ihrer Häufigkeit beantwortet werden. Neben emotionaler Erschöpfung bezieht der TM auch körperliche und geistige Erschöpfung als Hauptkomponente des Burnouts hinzu. Die Items werden mit einer Skalierung von „1 = niemals“ bis „7 = immer“ beantwortet.

Der TM zeichnet sich durch seine Ökonomie aus, er ermöglicht eine schnelle Selbstdiagnose und Auswertung (Korcza, Kister & Huber, 2010, S. 21ff).

Arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebnismuster (AVEM)

AVEM ist in zwei Versionen verfügbar, einer Standardversion mit insgesamt 66 Items und einer Kurzversion mit 44 Items. Die Langversion wird zur Erstellung individualdiagnostischer Fragestellungen empfohlen, während die Kurzversion für Studien mit hoher Teilnehmerzahl mit gruppenbezogenen Aussagen herangezogen werden kann. Dieses Instrument ist ein mehrdimensionales persönlichkeitsdiagnostisches Verfahren bei dem 11 theoretisch begründete und faktorenanalytische Dimensionen abgebildet werden, sie umfassen: subjektive Bedeutsamkeit der Arbeit, beruflicher Ehrgeiz, Verausgabungsbereitschaft, Perspektivstreben, Distanzierungsfähigkeit, Resignationstendenzen bei Misserfolg, offensive Problembewältigung, innere Ruhe und Ausgeglichenheit, Erfolgserleben im Beruf, Lebenszufriedenheit sowie Erleben sozialer Unterstützung. Der Zusammenhang dieser Dimensionen wird weiter in vier arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebnismuster ausgedrückt: G (Gesundheit), S (Schonung), A (Risiko in der Selbstüberforderung) und B (Risiko von chronischem Erschöpfungserleben und Resignation). Diese vier dienen als Referenzmuster zur Ermittlung der Ähnlichkeit des individuellen Musters für jede Person. Es werden dabei volle, akzentuierte und tendenzielle Musterausprägungen sowie Musterkombinationen unterschieden. Durch dieses Messinstrument lassen sich Rückschlüsse in Bezug auf die gesundheitsförderlichen und -gefährdenden Verhalten und Erlebnisweisen bei der Bewältigung von Arbeitsanforderungen ziehen. Damit kann es zur Früherkennung von gesundheitlichen Risiken sowie zur Begründung und Ableitung von Präventionsmaßnahmen genutzt werden (Schaarschmidt & Fischer, 2001, S. 5).

2.4.2 Differentialdiagnostik

Die Differentialdiagnostik ist Bestandteil der Diagnostik, die darauf abzielt, eine bestimmte Krankheit von Krankheiten einer symptomatisch ähnlichen Gruppe abzugrenzen und zu identifizieren. Den unspezifischen Symptomen der Müdigkeit und Erschöpfung sowie einem chronischem Erschöpfungszustand können zahlreiche Erkrankungen ursächlich sein. Daher ist zunächst eine umfangreiche körperliche und laborchemische Untersuchung erforderlich, um körperliche Grunderkrankungen auszuschließen. Im Anamnese-Verfahren wird mittels Interview und Fragebogen eine Abklärung dessen erfolgen. In der nachfolgenden Tabelle (Tabelle 3) erfolgt eine Verdeutlichung der diagnostischen Abgrenzung zu anderen somatischen und psychosomatischen/psychiatrischen Erkrankungen.

Tabelle 3: Differentialdiagnosen zum Burnout-Syndrom (nach Korcza, Kister & Huber, 2010, S. 23).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.5 Ätiologie

Die Ursachen für Burnout bei Lehrkräften sind vielfältig. An der Entstehung sind jedoch immer innere (Persönlichkeit) und externe Faktoren (Umwelt) beteiligt. Die Person befindet sich in einer angespannten Stress-Situation, die zumeist beruflich bedingt ist und ihnen keinen ausreichenden Platz für seelische Regeneration lässt. Sie fühlt sich durch den Kontakt mit anderen Menschen emotional überanstrengt und ausgelaugt. Häufig wird dies durch eine Abnahme an Idealismus und Energie verursacht. Chronische Erkrankungen oder Konflikte können zusätzlich ursächlich sein.

Zu den möglichen individuellen Bedingungsfaktoren zur Entstehung von Burnout können zum einen die folgenden Persönlichkeitsmerkmale zählen: Perfektionismus, hohe Leistungserwartung an sich selbst, mangelnde Delegierfähigkeit, mangelnde Sensitivität gegenüber körperlichen Symptomen.

Zu den arbeits- und organisationsbezogenen Einflüssen zählen: Rollenkonflikte, Rollenüberlastung, Länge und Intensität zwischenpersönlicher Kontakte, hohe Erwartungen von Seiten des Unternehmens oder Arbeitgebers, Übermaß an Verantwortung, mangelnde Zielsicherheit und Transparenz (Korcza, Kister & Huber, 2010, S. 18ff).

Die gegenwärtige wissenschaftliche Diskussion zur Ätiopathogenese im Lehrerberuf bezieht sich zum einen auf die beruflichen und gesellschaftlichen Faktoren zu der eine zunehmende berufliche Belastung sowie schlechte Rahmenbedingungen (Klassengröße, Stundenzahl, Schülerverhalten) zählen. Weiterhin ist das Image des Lehrerberufs (mangelnde Anerkennung, fehlender Leistungsanreiz), das Schulklima (Personalführung, Schulleitungen, fehlender Teamgeist), der gesellschaftliche Wandel (mangelhafte Elternverantwortung, Wertekrise), die Doppelbelastungen insbesondere für Lehrerinnen und die rechtlichen Rahmenbedingungen (Regelaltersgrenzen, Versorgungsformen, Dienstrecht) zu nennen. Die sozial- und arbeitsmedizinischen Faktoren umfassen zunehmende berufstypische arbeitsbedingte Erkrankungen (stressassoziierte Leiden: Burn-out, depressive Syndrome), fehlende oder falsche Prävention (Versorgung statt Vorbeugung), unausgeschöpftes Rehabilitationspotenzial (Versorgung statt Reintegration) sowie die Versorgung und Begutachtung (Qualitätsaspekte, Alibidiagnose-Psyche, Medikalisierung von Personalproblemen). Hinzu kommen noch die persönlichen Faktoren, wie eine geringere individuelle Belastbarkeit (defizitäre Bewältigungsstrategien) und die persönliche Lebenssituation (Weber, Weltle & Lederer, 2004, S. 852).

Als weitere lehrerspezifische Belastungen konnte die störanfällige, extrem hohe Interaktionsdichte in der Unterrichtssituation identifiziert werden. Eine potenzielle Ressource, ein hoher Handlungs- und Entscheidungsspielraum, kann ebenfalls zum Risikofaktor werden, denn Unklarheit der Aufgaben bedeutet Unsicherheit darüber, welchen Erwartungen entsprochen werden soll, was die Kriterien für beispielsweise einen angemessenen Arbeitseinsatz, für Erfolg der eigenen Tätigkeit wiederspiegeln (Blossfeld et al., 2014, S. 91).

Die Burnout-Ursachen sind somit individuell so unterschiedlich wie es die Betroffenen selbst sind. Die Bedürfnisse und Ziele jedes Menschen sind in ihrer besonderen Konstellation einmalig. Ebenso unterschiedlich ist die Umwelt, in der sie leben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Burnout bei Lehrern. Analyse der Ursachen und Ableitung präventiver Interventionen
Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
36
Katalognummer
V441718
ISBN (eBook)
9783668800021
ISBN (Buch)
9783668800038
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Empirische Forschung, Burn-out, Lehrer, Pädagogik, Psychologie, Prävention, Gesundheitspsychologie
Arbeit zitieren
Christin Hoffmann (Autor), 2018, Burnout bei Lehrern. Analyse der Ursachen und Ableitung präventiver Interventionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441718

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