Der Heimvorteil als Einflussfaktor für den Erfolg in der Basketball-Bundesliga


Bachelorarbeit, 2018

46 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt

Zusammenfassung

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Spielentscheidende Faktoren im Basketballsport
2.1 Definition Heimvorteil
2.2 Der Heimvorteil im Basketballsport
2.3 Der Heimvorteil in anderen Spielsportarten

3 Analyse des Heimvorteils in der Basketball-Bundesliga
3.1 Hypothesen
3.2 Methodik
3.3 Ergebnisse der statistischen Analyse

4 Diskussion

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

7 Internetdokumente

Anhang A: Tabellen und Abbildungen

Zusammenfassung

Diese Thesis befasst sich mit dem Heimvorteil als Einflussfaktor für den Erfolg in der Basketball-Bundesliga. Die Basis der Thesis bildet eine statistische Analyse des Heimvorteils in der Basketball-Bundesliga über die Spielzeiten 2007/2008 bis 2016/2017 und die sich jeweils anschließenden Playoffs.

Vorherig werden spielentscheidende Faktoren im Basketballsport angeführt und der Heimvorteil wird, nach einer Definition, im Basketballsport und in anderen Spielsportarten hinsichtlich der bestehenden Literatur beschrieben. Nach der Formulierung der Forschungshypothesen wird die Methodik aufgezeigt und es werden die Ergebnisse der statistischen Analyse dargestellt. Letztlich werden die Ergebnisse im Rahmen einer Diskussion umfassend eingeordnet. Abschließend folgt ein entsprechendes Fazit.

Es stellt sich im Rahmen dieser Thesis unter anderem heraus, dass nicht nur ein höchst signifikanter Heimvorteil in der Basketball-Bundesliga im untersuchten Zeitraum statistisch nachgewiesen werden kann, sondern außerdem ein signifikanter Unterschied zwischen dem Heimvorteil in den regulären Spielzeiten 2007/2008 bis 2016/2017 und dem Heimvorteil in den Playoffs 2008-2017 besteht. Weiter kann ein höchst signifikanter Unterschied zwischen den Heim- und Auswärtsmannschaften in den Playoffs statistisch nachgewiesen werden und somit festgehalten werden, dass der Heimvorteil in den Playoffs der Basketball-Bundesliga einen klaren Vorteil darstellt.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Konzeptionelles Framework des Heimvorteils

Quelle: Legaz-Arrese, A., Moliner-Urdiales, D., & Munguía-Izquierdo, D. (2013). Home advantage and sports performance: evidence, causes and psychological implications. Universitas Psychologica, 12 (3),

Abbildung 2: Heimvorteil Basketball-Bundesliga reguläre Saison 2007/2008-2016/2017

Abbildung 3: Differenz der Heimsiegesquote der Playoff-Mannschaften und der Heimsiegesquote der Plätze 9-18

Abbildung 4: Heimvorteil Basketball-Bundesliga Playoffs 2008-2017

Abbildung 5: Differenz der Heimsiegesquote in der regulären Spielzeit und in den Playoffs 2007/2008-2016/2017

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zusammenfassung alle Spiele

Tabelle 2: Zusammenfassung reguläre Saison 2007-2017

Tabelle 3. Zusammenfassung Playoffs 2008-2017

Tabelle 4: Differenz Heimsiegesquote reguläre Spielzeiten und Heimsiegesquote Playoffs

Tabelle 5: Kreuztabellen und Ergebnisse Chi^2-Test S. 28

Tabelle 6: Ergebnis Zwei-Stichproben F-Test

Tabelle 7: Ergebnis Zwei-Stichproben T-Test

Tabelle 8: Ergebnis Zwei-Stichproben F-Test

Tabelle 9: Ergebnis Zwei-Stichproben T-Test

1 Einleitung

Diese Thesis befasst sich mit der Thematik des Heimvorteils in der Basketball-Bundesliga. Aufgrund der komplexen Struktur aller Spielsportarten, also auch des Basketballsports, ist es immer von Interesse, Einflussfaktoren auf den Erfolg in den einzelnen Spielen zu analysieren, um potentielle Erfolgsfaktoren näher erklären und definieren zu können. Der Heimvorteil ist als ein wichtiger Einflussfaktor auf den Erfolg in der Spielsportart Basketball in der wissenschaftlichen Literatur mehrfach dokumentiert (siehe Kapitel 2.2). Jedoch ist es in Hinblick auf die bestehenden Studien und die Literatur sehr interessant, speziell den Heimvorteil im deutschen Basketballsport näher zu untersuchen, da die deutsche Bundesliga in bisherigen Untersuchungen nicht hinreichend berücksichtigt wurde. Um umfassende und allgemeingültige Aussagen über den Heimvorteil als Einflussfaktor für den Erfolg im professionellen Basketballsport treffen zu können, müssen möglichst alle Ligen, auch aufgrund des unterschiedlichen Spielniveaus, untersucht werden. Aus der Sicht des Autors dieser Arbeit findet die Basketball-Bundesliga in bisherigen Studien nur ein einziges Mal Erwähnung hinsichtlich der Thematik. Pollard und Gómez beschreiben in Ihrer Studie „Variations in home advantage in the national basketball leagues of europe“ hier einen Heimvorteil von 62,75% über einen Zeitraum von drei regulären Spielzeiten (Pollard et al., 2013).

Die genannte Studie zeigt aber eine Problematik auf: Oftmals wird der Heimvorteil im Basketballsport über einen verhältnismäßig kleinen Zeitraum untersucht. Dies ist vermehrt bei Studien bzgl. der europäischen Ligen der Fall, somit werden langfristige Entwicklungen nicht ausreichend berücksichtigt. Außerdem gibt es in der Literatur widersprüchliche Aussagen zur Rolle des Heimvorteils in besonders wichtigen Spielen (siehe Kapitel 2.2), z.B. Playoff- oder Finalspielen. So wird hier zum Teil von einem Vorteil ausgegangen, zum Teil jedoch von einem Nachteil, der in verschiedenen Subfaktoren begründet ist. Es ist daher auch besonders interessant zu sehen, wie es sich mit dem Heimvorteil in den Playoffspielen der deutschen Basketball-Bundesliga verhält.

Im Ergebnis einer anderen Untersuchung (Pojskic, Separovic und Uzicanin, 2011) wurden keine signifikanten, statistischen Unterschiede zwischen Heim- und Auswärtsteams, während des Euroleague TOP 16 Turniers im Gegensatz zum bisherigen Turnierverlauf festgestellt. Ist die Qualität der einzelnen Teams also ähnlich hoch, so spielt der Heimvorteil laut diesem Ergebnis keine besondere Rolle mehr. Daher ist es ebenfalls aufschlussreich, ob gemäß dem obigen Ergebnis, in den Playoffspielen der Basketball-Bundesliga bei den teilnehmenden Mannschaften zwischen der Heim- und Auswärtssiegesquote kein signifikanter Unterschied besteht.

Im Rahmen dieser Thesis wird der Autor als Ausgangsbasis den Heimvorteil in der wissenschaftlichen Literatur aufarbeiten, auch um die grundlegenden Forschungsfragen dieser Arbeit zu konkretisieren und letztlich Querverweise zu den im Folgenden erarbeiteten Ergebnissen aufzuzeigen. Im weiteren Verlauf findet die statistische Analyse des Heimvorteils in der Basketball-Bundesliga über den Zeitraum von zehn Jahren statt, von der Spielzeit 2007/2008 bis zur Spielzeit 2016/2017. Untersucht werden dabei alle Spiele der regulären Saison, sowie alle Playoffspiele. Ist die Heimsiegesquote höher als die Auswärtssiegesquote, über alle Teams der Bundesliga gerechnet, ist zunächst ein Heimvorteil nachgewiesen. Je größer die Differenz zwischen der Heimsiegesquote und der Auswärtssiegesquote, desto bedeutender ist der Heimvorteil. Da die hier vorliegende Untersuchung den aussagekräftigen Zeitraum von zehn Jahren analysiert, können weiter eventuell mögliche Entwicklungen des Heimvorteils festgestellt werden. Alle Ergebnisse der Untersuchung werden in detaillierter Form dargestellt und anhand dessen, die vorher formulierten Hypothesen überprüft. Abschließend werden die Ergebnisse in einer Zusammenfassung mit den Resultaten anderer Studien verglichen, um sie weiter in Hinblick auf diese umfassend zu diskutieren.

2 Spielentscheidende Faktoren im Basketballsport

Auf eine Spielentscheidung in der Spielsportart Basketball hat eine Vielzahl an unterschiedlichen Faktoren Einfluss. Welche Faktoren dies sind und in welcher Dimension diese Auswirkungen auf Sieg oder Niederlage haben, ist weiterhin aktueller Gegenstand vieler Untersuchungen, da der Basketballsport in seiner Struktur eine immense Komplexität aufweist. Über einige spielentscheidende Faktoren im Basketballsport herrscht jedoch bereits Einigkeit. Es lässt sich festhalten, dass sich in Hinblick auf diese Faktoren eine Unterscheidung anbietet: Zum einen sind hier die Leistungsfaktoren im basketballspezifischen Anforderungsprofil zu nennen, die den Athleten ermöglichen, in Verbindung mit der Gruppenzusammenarbeit, ihre bestmögliche Leistung in einem Spiel abzurufen und im kooperativen Teamgefüge qualitativ hochwertig zu agieren. Zum anderen existieren verschiedene externe Faktoren, die im Spiel auf diese Leistungsfaktoren einwirken und diese so positiv oder negativ beeinflussen können.

Als wichtigste individuelle Leistungsfaktoren im Basketball nennen Bösing, Bauer, Remmert, der Deutsche Basketball-Bund und Lau (2014, S. 33) “Taktik, Koordination und Technik, Kondition, Konstitution, psychische Dispositionen und soziale Kompetenzen”. Die konditionellen Leistungsfaktoren “sind dabei ‘Mittel zum Zweck’ und werden erst in den koordinativ-technischen Spielhandlungen wirksam” (Bösing et al., 2014, S. 34). Da weiter alle Spielhandlungen von der individuellen und kollektiven Taktik geprägt werden, lässt sich also festhalten, dass zwischen den Leistungsfaktoren bzw. Voraussetzungen im Leistungsprofil Wechselwirkungen bestehen, die den Erfolg beeinflussen. Diese Wechselwirkungen zeigen die komplexe Struktur im individuellen Leistungsprofil der Sportart auf.

Der Kondition kommt im Basketballsport eine besondere Rolle zuteil, da überdurchschnittliche konditionelle Grundlagen natürlich Voraussetzung für die Entwicklung der anderen Faktoren im Leistungsprofil eines Basketballers sind. Es lässt sich aus trainingsmethodischer Sicht in den konditionellen Grundvoraussetzungen differenzieren in die Fähigkeiten Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft und Beweglichkeit.

Der Leistungsfaktor Koordination und Technik beinhaltet alle koordinativen Fähigkeiten, die motorischen bzw. sporttechnischen Fertigkeiten und die bereits erwähnte Beweglichkeit, die aus trainingsmethodischer Sicht aber im Basketball eher den konditionellen Fähigkeiten zugeordnet wird. Ein Basketballspiel stellt hohe technisch-koordinative Anforderungen an einen Spieler.

Im Basketballsport ist die Taktik ebenfalls ein sehr wichtiger Einflussfaktor für die Spielleistungsfähigkeit eines Einzelspielers und einer Mannschaft. Die Taktik wird untergliedert in die individuelle und kollektive Taktik. Die individuelle Taktik beschreibt die Verhaltensweise des einzelnen Spielers und die kollektive Taktik ein Zusammenwirken mehrerer Spieler oder eines Mannschaftsteils, um taktische Zielsetzungen zu erreichen. Als Beispiele für die individuelle Taktik im Basketball wären das Verhalten im eins gegen eins oder das Verhalten eines Spielers, der von zwei Spielern “gedoppelt” wird, anzuführen. Das Doppeln selbst, Spielsysteme oder eine Aufstellung in der Verteidigung wären Beispiele für eine kollektive Taktik.

Taktisch entscheidend sind meist schnelle Reaktionen auf situationsbedingte Gegebenheiten, die auf Informationen und Erfahrungen beruhen, um effektiv eine Gewinnmaximierung (z.B. Korberfolg) und Verlustminimierung (z.B. Verhindern von Ballverlusten) zu realisieren.

Dieses situationsbedingte, schnelle Handeln setzt dabei aber nicht nur taktisches Verständnis voraus. So schreibt Schul, dass „[…] die einzelnen kognitiven Fähigkeiten im Rahmen individualtaktischer Entscheidungshandlungen immens leistungsrelevant und dabei häufig sogar spielentscheidend sind“ (Schul, 2015, S.4). Jede Entscheidung im Laufe eines Basketballspiels ist also in kognitiven Faktoren wie Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Antizipation begründet, die einen großen Einfluss auf die Informationsverarbeitung haben.

Außerdem spielen individuell die körperliche Konstitution sowie das Fähigkeitsprofil eine Rolle: So muss körperliche Gesundheit gegeben sein. Weiter ist es wenig sinnvoll, einen Spieler mit anthropometrischen Daten wie z.B. 165 Zentimeter Körpergröße als Center einzusetzen. Anthropometrisch eine größere Rolle im Basketball spielt auch die Armspannweite, vor allem defensiv und im Rebounding (Sampaio und Janeira, 2003).

Psychische Dispositionen (z.B. Einsatzwille) und soziale Kompetenzen (z.B. die Fähigkeit im Team zu agieren) bilden weitere Faktoren im Leistungsprofil.

Sind die obig beschriebenen, individuellen Leistungsfaktoren durch entsprechendes Training und Wettkampferfahrung im Bereich des jeweiligen Optimums entwickelt, so ist die Gesamtspielleistung der einzelnen Athleten potentiell erhöht. Da diese individuellen Leistungsfaktoren und Ressourcen im Zusammenhang mit der Gruppenzusammenarbeit, die Gesamtleistung einer Mannschaft bilden, ist damit die kooperative Leistung, also die qualitative Spielfähigkeit einer Mannschaft als Ganzes, ebenfalls potentiell höher. Jedoch existieren noch weitere, externe Faktoren, die auf die Leistungsfaktoren in einem Spiel Einfluss nehmen und so ebenfalls spielentscheidende Konsequenzen haben können. Hierzu zählen Faktoren wie z.B. Gegnereinfluss, Trainereinfluss, Zuschauerreaktionen und das Schiedsrichterverhalten. Zwischen diesen Faktoren bestehen ebenfalls Wechselwirkungen, so können z.B. die Zuschauer potentiell das Gegner- oder Schiedsrichterverhalten beeinflussen und advers (Unkelbach und Memmert, 2010). Als weitere spielentscheidende Faktoren können außerdem die Familiarität mit dem Spielort sowie die Anreise zu diesem genannt werden. Beide Faktoren können ebenfalls eine Auswirkung auf die emotionale und psychische Konstitution der Athleten haben.

Der Gegner und der Trainer können in einem Spiel auf das Spielverhalten einer Mannschaft oder eines einzelnen Athleten in ausgeprägter Form, nicht nur bzgl. des taktischen Verhaltens, sondern auch psychologisch und emotional, einwirken. So kann zum Beispiel das Wissen über einen schwachen oder starken Gegner eine Mannschaft beeinflussen. Wird der Gegner z.B. als sehr schwach eingeschätzt, gibt es Mannschaften die ihren Gegner unterschätzen und so gegen einen vermeintlichen „Underdog“ verlieren. Außerdem können Trainer z.B. eine Mannschaft mit emotionalen und inspirierenden Reden positiv beeinflussen. Auch kann durch eine zum idealen Zeitpunkt gewählte Auszeit ein gegnerisches „Momentum“ unterbrochen werden. Als taktisches Mittel wird weiter in einigen Fällen ein technisches Foul provoziert, um so auf die eigenen Spieler emotional einzuwirken. Basis für dieses situative Trainerverhalten ist selbstverständlich eine möglichst optimale Entwicklung der Komponenten im Anforderungsprofil eines Trainers.

Das Zuschauerverhalten hat einen klar belegten Einfluss auf die Leistung im Basketballsport (Greer, 1983; Wallace, Baumeister und Vohs, 2005). Jedoch ist hier umstritten, ob die Zuschauer einen positiven oder negativen psychologischen Einfluss auf die Spieler haben (Wallace et al., 2005). Dies ist nicht weiter überraschend, wenn man die Spieler als Individuen betrachtet, die entsprechend ihrer psychosozialen Disposition unterschiedliche Reaktionen auf externe Reize zeigen. Ein Heimpublikum muss daher nicht zwingend als unterstützend wahrgenommen werden, sondern kann bei den Athleten auch den gegenteiligen Effekt hervorrufen und sogar lähmend wirken (Wallace et al., 2005, S. 433).

Wie sehr das Schiedsrichterverhalten grundsätzlich für die Spielentscheidung eine Rolle spielt, zeigt sich besonders in engen Basketballspielen, in denen die Anzahl der Fouls und der ausgeführten Freiwürfe eine entscheidende Komponente für die Spielentscheidung darstellt (Sampaio et al., 2003; Pim, 1986). Die Beeinflussung des Schiedsrichterverhaltens durch Zuschauer ist mehrfach festgestellt worden (Unkelbach und Memmert, 2010; Nevill, Balmer und Williams, 2002) und gemeinhin unumstritten.

Die Familiarität mit dem Spielort wird von Pollard unterteilt in physische, sensorische und psychologische Familiarität (Pollard, 2002). Durch eine eigene, familiäre Charakteristik einer Spielhalle, z.B. das Feld, die Zuschauerränge (eventuell bekannte Zuschauer), die Körbe, die Akustik oder die Beleuchtung, kann sich laut seiner Untersuchung ein Spieler in seiner Umgebung orientieren und ist so während eines Spiels mental gefestigter. Im Ergebnis seiner Untersuchung stellte er fest, dass Basketballmannschaften (hier Mannschaften der Nordamerikanischen Basketballliga NBA) nach einem Umzug in eine neue Heimspielstätte einen signifikanten Rückgang ihrer Heimsiegesquote vorzuweisen hatten (Pollard, 2002). Demnach ist die Familiarität eines Spielorts als ein weiterer, spielentscheidender Faktor zu nennen, auch wenn die geringe Anzahl von bestehenden Untersuchungen zur Thematik berücksichtigt werden muss.

Die Anreise zum Spielort kann gleichermaßen zu einem Einfluss nehmenden Faktor werden. Unter gewissen Umständen kann eine Anreise eine geistige und körperliche Erschöpfung hervorrufen. Bei Pace und Carron (1992) wurden verschiedene Variablen im Zusammenhang mit der Anreise genannt. Die relevantesten Nennungen für die hier vorliegende Bachelorarbeit sind z.B. die zurückgelegte Distanz, die Eingewöhnungszeit vor Ort sowie die Anzahl der Auswärtsspiele in Folge (Pace et al., 1992). Der letzte Punkt gewinnt an Relevanz, wenn ein Bundesligist im internationalen Wettbewerb, z.B. der Euroleague, qualifiziert ist und an diesem innerhalb der Bundesliga-Spielzeit teilnimmt. Eine längere Auswärtsreise im Europäischen Raum könnte sich, durch resultierende Ermüdung, negativ auf ein direkt anschließendes Spiel in der Basketball-Bundesliga auswirken. Darüber, dass die Anreise grundsätzlich als Erfolgsfaktor und spielentscheidendes Kriterium einen Einfluss besitzt, herrscht in der wissenschaftlichen Literatur ein Konsens. Über die Relevanz jedoch gibt es sehr unterschiedliche Ansichten. So wird zum Teil der Einfluss der Anreise als sehr gering eingestuft (Smith, Ciacciarelli, Sercan und Lambert, 2000), andere Untersuchungen stellten eine klare Benachteiligung von Auswärtsmannschaften nach längeren Anreisen fest (Snyder und Purdy, 1985). So lässt sich diesbezüglich über die Anreise keine klare Aussage treffen.

Ergänzend muss als weiterer externer Faktor, der insgesamt auf die Leistung einer Mannschaft und somit letztlich auch auf die Leistung im Spiel Einfluss nimmt, im professionellen Leistungssport außerdem das Management bzw. die Führungsebene eines Vereins genannt werden (Hohmann, Lames und Letzelter, 2002; Brack 2002). Die Erfüllung einer Zielsetzung im sportlichen Bereich kann nur erfolgen, sofern Rahmenbedingungen in Form einer ökonomisch sinnvollen Unternehmensführung geschaffen werden. Entscheidend ist hier, dass Kontroll- und Planungsprozesse effizient vollzogen werden, da sich betriebliche Diskrepanzen negativ auf die Mannschaftssportleistung auswirken können.

2.1 Definition Heimvorteil

Der Versuch den Heimvorteil als Phänomen zu definieren, wurde in der wissenschaftlichen Literatur mehrfach durchgeführt. Aufgrund der zahlreichen Differenzen in Hinblick auf die unterschiedlichen Subfaktoren, die den Heimvorteil aufs Ganze gesehen bilden, treten jedoch oft Schwierigkeiten bei dem Versuch einer detaillierteren, umfassenderen Definition auf. Als einfache Definition, im Sinne einer Basis für den weiteren Verlauf der vorliegenden Untersuchung, kann eine Definition von Courneya und Carron aus dem Jahre 1992 herangezogen werden. Hier heißt es:

„Home field advantage is the consistent finding that home teams in sport competitions win over 50% of games played under a balanced home and away schedule.“ (Courneya et al., 1992, S. 14).

Wenn also in Studien zum Heimvorteil, bei gleicher Anzahl von Heim- und Auswärtsspielen pro Mannschaft, die beobachtete Heimsiegesquote höher als 50% beträgt, wird laut der Autoren angenommen, dass ein Heimvorteil existiert. Der ermittelte Wert repräsentiert dabei in den meisten Studien einen Durchschnittswert für alle Mannschaften einer ganzen Liga. Dies war erstmalig bei Schwartz und Barsky (1977) zu erkennen. Auch bei Legaz-Arrese, Moliner-Urdiales und Munguía-Izquierdo ist der Heimvorteil allgemein definiert als höhere Erfolgswahrscheinlichkeit bei Heimspielen als bei Auswärtsspielen (Legaz-Arrese et al., 2013). In einer Definition von Bray hingegen gilt der Heimvorteil als existent, wenn die Heimsiegesquote subtrahiert mit der Auswärtssiegesquote größer als fünf Prozent beträgt (Bray, 1999).

Bei Carron und Paradis repräsentiert die Begrifflichkeit des Heimvorteils den Ort des Wettbewerbs und die Wahrscheinlichkeit auf einen erfolgreichen Spielausgang (Carron et al., 2014).

Nevill und Holder sowie Courneya und Carron beschreiben den Heimvorteil als multifaktoriell und unterteilen den Heimvorteil in die vier Faktoren Zuschauer, die Familiarität mit der Umgebung, die Anreise und Regelfaktoren (z.B. im Baseball schlägt die Heimmannschaft zuletzt) (Nevill et al., 1999; Courneya et al., 1992). Zuschauer, die Anreise des Auswärtsteams und die Familiarität mit der Umgebung werden ebenfalls genannt bei Schwartz und Barsky (1977). Bei Wallace, Baumeister und Vohs werden diese Faktoren ebenfalls aufgezählt und der Faktor des Schiedsrichterverhaltens ergänzt (Wallace et al., 2005). Pollard nennt hingegen als entscheidende sechs Subfaktoren des Heimvorteils die Zuschauer, die Anreise, die Familiarität, das Schiedsrichterverhalten, interne psychologische Faktoren und Spezialtaktiken, z.B. die Tendenz von Auswärtsmannschaften defensiver zu agieren, was einen psychologischen Vorteil und damit eine Leistungssteigerung bei der Heimmannschaft zur Folge haben kann (Pollard, 1986).

Neave und Wolfson fügten den genannten Subfaktoren des Heimvorteils explizit die Territorialität hinzu (Neave et al., 2003). Sie belegten den deutlichen Anstieg der Konzentration des männlichen Sexualhormons Testosteron bei den Athleten vor Heimspielen, im Gegensatz zu Auswärtsspielen. Testosteron führt zu gesteigertem Revierverhalten und z.B. zu einer erhöhten Aggressivität, Reaktionsgeschwindigkeit und einem erhöhten Risikoverhalten (Neave et al., 2003).

An einigen Stellen in der gängigen, wissenschaftlichen Literatur findet sich der Versuch, die Subfaktoren und die entsprechenden Auswirkungen sowie Wechselwirkungen, in einem systematischen Rahmen aufzubereiten. Exemplarisch lässt sich hier ein konzeptionelles Framework von Legaz-Arrese, Moliner-Urdiales und Munguía-Izquierdo (2013, S. 937) anführen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Konzeptionelles Framework des Heimvorteils (Legaz-Arrese et al., 2013)

Es lässt sich festhalten, dass es zwar gelingt, den Heimvorteil in einfacher Form zu definieren. Jedoch ist es bisher in keiner Studie gelungen, die einzelnen Komponenten, die den Heimvorteil in seiner Gesamtheit ausmachen, zu belegen und in einer umfassenderen Definition klar einzeln herauszustellen. Dies liegt auch darin begründet, dass Einzelfaktoren wie z.B. die Anzahl der Zuschauer, die Anreise oder interne psychologische Faktoren nicht konstant sind.

2.2 Der Heimvorteil im Basketballsport

Der Heimvorteil ist als ein wichtiger Einflussfaktor für den Erfolg in der Spielsportart Basketball mehrfach dokumentiert.

Bereits im Jahre 1977 stellten Schwartz und Barsky in einer umfassenden Studie aus archivarischem Material aus dem Jahre 1971 in der National Basketball Association (NBA) einen Heimvorteil von 67% fest (Schwartz et al., 1977).

Pollard untersuchte gleichermaßen die NBA. Sein Ergebnis, für die Spielzeiten von 1981 bis 1984, lag etwas niedriger bei 63,3% (Pollard, 1986).

Einige frühe Untersuchungen beschäftigten sich speziell mit dem Heimvorteil des Basketballsports in der US-College-Liga National Collegiate Athletic Association (NCAA). Snyder und Purdy fanden hier einen ähnlichen Heimvorteil von 66% (Snyder et al., 1985). Sie stellten dabei explizit heraus, dass der Heimvorteil als spielentscheidender Faktor zwar den gleichen Stellenwert wie die Qualität der Mannschaften hat, aber die Mannschaftsqualität als Einflussfaktor eine große Rolle spielt. So gewannen die Mannschaften aus der zweiten Division nur 40% ihrer Heimspiele gegen Mannschaften aus der ersten Division (Snyder et al., 1985).

1987 stellten Silva und Andrew einen Heimvorteil von 70% während der zehn Spielzeiten von 1971 bis 1981 in der Atlantic Coast Conference der NCAA fest (Silva et al., 1987).

In ihrem Ergebnis zum Heimvorteil im Basketballsport der NCAA kamen Courneya und Carron hingegen auf eine niedrigere Heimsiegesquote von 62% (Courneya et al., 1990). Ein sehr drastisches Ergebnis in Hinblick auf den Heimvorteil in der NCAA konnte Varca bei einer Untersuchung von zehn College-Mannschaften über 90 Spiele aufzeigen, mit einem ermittelten Wert von 80% (Varca, 1980).

Moore und Brylinski beschrieben für den Basketballsport in der genannten College-Liga einen Heimvorteil von 64,4% (Moore et al., 1995).

Als eines der wichtigsten Werke zur Thematik des Heimvorteils gilt die Meta-Analyse von Jamieson (2010). In der genannten Analyse untersuchte und subsummierte er Studien zur Thematik von zahlreichen Sportarten (sowohl Team- als auch Individualsportarten), mit dem Ziel der Identifikation von Variablen, die auf den Heimvorteil Einfluss nehmen. Insgesamt errechnete Jamieson einen allgemeinen Heimvorteil über alle Sportarten von 60,4% bei einer Standardabweichung von 0,65% (Jamieson, 2010).

Im Ergebnis seiner Analyse kam er dabei weiter auf einen Heimvorteil im professionellen Basketballsport von 62,9% (Jamieson, 2010). Es lässt sich vermuten, dass diese Differenz vom unterschiedlichen, sportartspezifischen Einfluss der in Kapitel 2.1 aufgezeigten Subfaktoren des Heimvorteils im Basketballsport stammt.

Carron und Paradis sprachen von 61,0% Heimvorteil im professionellen Basketballsport über einen Zeitraum von fünf Jahren (Carron et al., 2014).

Pollard und Gomez untersuchten im Jahre 2013 alle 35 nationalen, professionellen Basketball-Ligen Europas auf den Heimvorteil über einen Zeitraum von drei regulären Spielzeiten. Der Durchschnittswert betrug dabei 60,7%. In der Liga von Bosnien-Herzegovina wurde der höchste Wert ermittelt, mit 72,75% Der niedrigste Heimvorteil war in der Liga von Georgien zu erkennen, mit einem Wert von 50,65% (Pollard et al., 2013).

Außerdem findet sich in dieser Untersuchung auch die einzige Erwähnung der deutschen Basketball-Bundesliga in der aktuellen Literaturlage. Der ermittelte Heimvorteil in der Bundesliga betrug hier 62,75% (Pollard et al., 2013).

García, Saéz, Ibáñez, Parejo und Cañadas stellten in einer Untersuchung der Saison 2007/2008 in der spanischen ACB-Liga fest, dass in 55,22% aller Spiele die Heimmannschaft gewann (García et al., 2009).

In der Literatur sind weiter widersprüchliche Aussagen zur Rolle des Heimvorteils

in wichtigen Spielen (z.B. Playoff- oder Finalspielen) im professionellen Basketballsport zu finden. So geht Jamieson im Basketballsport von einem Vorteil aus (Jamieson, 2010). Dies deckt sich mit Schlenker, Phillips und Bonieki, die ebenfalls von einem Vorteil in Heimspielen ausgehen (Schlenker et al., 1995).

Wallace, Baumeister und Vohs hingegen sprechen von einem Nachteil in wichtigen Spielen aufgrund eines höheren psychischen und emotionalen Drucks auf die Athleten (Wallace et al., 2005). Ein Nachteil in Heimspielen wird auch von Baumeister und Steinhilber aufgezeigt (Baumeister et al., 1984).

In einer Untersuchung des TOP 16 Turniers der Euroleague, die Thematik der Rolle des Heimvorteils in wichtigen Spielen betreffend, wurden außerdem von Pojskic, Separovic und Uzicanin keine signifikanten, statistischen Unterschiede zum bisherigen Turnierverlauf zwischen den Heim- und Auswärtsmannschaften festgestellt (Pojskic et al., 2011). Ist die Qualität der einzelnen Mannschaften also ähnlich hoch, so spielt der Heimvorteil laut ihrem Ergebnis keine besondere Rolle mehr.

Von Stockinger wurde in der National Basketball Association (NBA) über die Jahre 2008 bis 2013 ein Heimvorteil von 60,15% in der regulären Saison und 66,42% in den Playoffs festgestellt (Stockinger, 2014).

Erwähnt werden muss, dass der Heimvorteil im Basketballsport in einer Vielzahl an Studien auch in untersuchten Spielstatistiken deutlich wurde. So besteht bei gewissen statistischen Parametern ein klar belegter, signifikanter Unterschied zwischen den Heim- und Auswärtsmannschaften.

In der obig genannten Studie von Pojskic, Separovic und Uzicanin wurden in Spielen in der regulären Saison bei Heimmannschaften mehr Assists, mehr Steals, mehr erzielte Punkte, sowie mehr erzielte Punkte der Starting Five festgestellt. Die Auswärtsmannschaften hingegen hatten mehr Ballverluste vorzuweisen (Pojskic et al., 2011).

Auch bei Andrew und Silva zeigten sich signifikante Differenzen bei der Wurfquote, den Ballverlusten, den persönlichen Fouls und den Rebounds (Andrew et al., 1987).

In einer Untersuchung der Portuguese Professional Basketball League von Sampaio und Janeira wurden bei siegreichen Heimmannschaften weniger persönliche Fouls, weniger verfehlte Wurfversuche aus dem Zwei-Punkte-Bereich und mehr erfolgreiche Freiwürfe deutlich (Sampaio et al., 2003).

[...]

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Der Heimvorteil als Einflussfaktor für den Erfolg in der Basketball-Bundesliga
Note
1,5
Autor
Jahr
2018
Seiten
46
Katalognummer
V441721
ISBN (eBook)
9783668799011
ISBN (Buch)
9783668799028
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heimvorteil Basketball Bundesliga Trainingswissenschaft
Arbeit zitieren
Joachim Hahn (Autor), 2018, Der Heimvorteil als Einflussfaktor für den Erfolg in der Basketball-Bundesliga, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441721

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