Ziel dieser Arbeit ist es zunächst, die Grundlagen des Fuzzy-Controllers zu erarbeiten und zu beschreiben. Anschließend soll anhand eines Anwendungsbeispiels die Funktionsweise eines Fuzzy-Controllers dargestellt werden. Abschließend gilt es die Vor- und Nachteile von Fuzzy-Controllern gegenüber regelbasierten Systemen ohne Fuzzy-Logik aufzuzeigen.
Der Mensch beschäftigt sich einen Großteil seiner Zeit damit, Entscheidungen zu fällen oder Probleme zu lösen. Häufig werden unsere Entscheidungen von Unsicherheiten begleitet. Möglicherweise ist die Ausgangssituation so komplex, dass eine präzise Beschreibung nicht möglich ist. Vielleicht aber weiß man nicht genau, was man eigentlich will oder es sind Dinge, die man nicht wissen kann, besonders zukünftige Ereignisse, die dabei eine Rolle spielen. Unsere Unsicherheiten werden in unserer Umgangssprache widergespiegelt. Die drei beschriebenen Unsicherheitsquellen stellen für den Menschen kein Hindernis dar, um Entscheidungen zu fällen, im Gegensatz zum klassischen computergestützten Problemlösungsansatz, wo Präzision entscheidend ist. Der Mathematiker LOTFI A. ZADEH, der Begründer der Fuzzy-Logik, hat 1973 in seinem „Prinzip der Inkompatibilität“ dargelegt, dass Präzision über ein gewisses Maß hinaus nicht sinnvoll ist: „In dem gleichen Maße, in dem die Komplexität eines Systems steigt, vermindert sich unsere Fähigkeit, präzise und zugleich signifikante Aussagen über sein Verhalten zu machen. Ab einer gewissen Schwelle werden Präzision und Signifikanz (Relevanz) fast sich gegenseitig ausschließende Eigenschaften.“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Zielsetzung
1.2. Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen
2.1 Fuzzy-Controller
2.2 Fuzzifizierung
2.3 Inferenz
2.4 Defuzzifizierung
3 Darstellung der Funktionsweise eines Fuzzy-Controllers anhand eines Anwendungsbeispiels
3.1 Beschreibung des Anwendungsbeispiels: Klimaanlage
3.2 1. Arbeitsschritt: Fuzzifizierung
3.3 2. Arbeitsschritt: Inferenz
3.4 3. Arbeitsschritt: Defuzzifizierung
4 Vor- und Nachteile des Fuzzy-Controllers
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die theoretische Erarbeitung und methodische Beschreibung der Funktionsweise von Fuzzy-Controllern, illustriert anhand eines praktischen Anwendungsbeispiels zur Steuerung einer Klimaanlage, sowie die kritische Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen gegenüber herkömmlichen regelbasierten Systemen.
- Grundlagen der Fuzzy-Logik und Fuzzy-Mengenlehre
- Prozessschritte der Fuzzifizierung, Inferenz und Defuzzifizierung
- Anwendung der Fuzzy-Steuerung an einem MISO-Klimaanlagensystem
- Analyse der Robustheit und Wartbarkeit von Fuzzy-Systemen
- Diskussion des Trade-offs zwischen Berechnungsaufwand und Ergebnisgüte
Auszug aus dem Buch
3.3 2. Arbeitsschritt: Inferenz
Zu Beginn des zweiten Arbeitsschrittes des Fuzzy-Controllers wird die Regelbasis gebildet. Dafür werden folgende Regeln aufgestellt, die im Rahmen dieses Anwendungsbeispiels auf neun Regeln begrenzt werden:
1. WENN die Raumtemperatur (T) „kühl“ UND die Raumsolltemperatur (Ts) „kühl“ ist, DANN soll die Klimaanlage auf „Ausgeschaltet“ schalten.
2. WENN die Raumtemperatur (T) „kühl“ UND die Raumsolltemperatur (Ts) „angenehm“ ist, DANN soll die Klimaanlage auf „niedrige Kühlstufe“ schalten.
3. WENN die Raumtemperatur (T) „kühl“ UND die Raumsolltemperatur (Ts) „warm“ ist, DANN soll die Klimaanlage auf „hohe Kühlstufe“ schalten.
4. WENN die Raumtemperatur (T) „angenehm“ UND die Raumsolltemperatur (Ts) „kühl“ ist, DANN soll die Klimaanlage auf „niedrige Kühlstufe“ schalten.
5. WENN die Raumtemperatur (T) „angenehm“ UND die Raumsolltemperatur (Ts) „angenehm“ ist, DANN soll die Klimaanlage auf „Ausgeschaltet“ schalten.
6. WENN die Raumtemperatur (T) „angenehm“ UND die Raumsolltemperatur (Ts) „warm“ ist, DANN soll die Klimaanlage auf „niedrige Heizstufe“ schalten.
7. WENN die Raumtemperatur (T) „warm“ UND die Raumsolltemperatur (Ts) „kühl“ ist, DANN soll die Klimaanlage auf „hohe Kühlstufe“ schalten.
8. WENN die Raumtemperatur (T) „warm“ UND die Raumsolltemperatur (Ts) „angenehm“ ist, DANN soll die Klimaanlage auf „niedrige Kühlstufe“ schalten.
9. WENN die Raumtemperatur (T) „warm“ UND die Raumsolltemperatur (Ts) „warm“ ist, DANN soll die Klimaanlage auf „Ausgeschaltet“ schalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Problematik von Unsicherheiten bei Entscheidungsprozessen und führt in das Prinzip der Fuzzy-Logik nach Lotfi A. Zadeh ein.
2 Grundlagen: Hier werden die theoretischen Konzepte von Fuzzy-Controllern, insbesondere die Schritte Fuzzifizierung, Inferenz und Defuzzifizierung, fundiert dargestellt.
3 Darstellung der Funktionsweise eines Fuzzy-Controllers anhand eines Anwendungsbeispiels: Das Kapitel veranschaulicht die praktische Anwendung der Fuzzy-Logik durch die Steuerung einer Klimaanlage basierend auf Raum- und Solltemperaturen.
4 Vor- und Nachteile des Fuzzy-Controllers: Es erfolgt eine Gegenüberstellung der Vorteile hinsichtlich der Wartbarkeit und Flexibilität gegenüber den Nachteilen wie mangelnder Lernfähigkeit.
5 Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse über die Funktionsweise und den Einsatzbereich von Fuzzy-Controllern zusammen.
Schlüsselwörter
Fuzzy-Controller, Fuzzy-Logik, Fuzzifizierung, Inferenz, Defuzzifizierung, Klimaanlage, Regelbasis, linguistische Variablen, MISO-System, Flächenschwerpunktverfahren, CoA-Methode, Systemdesign, Automatisierung, Regelungstechnik, unscharfe Mengen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Funktionsweise von Fuzzy-Controllern und deren praktischer Umsetzung zur Steuerung komplexer Systeme.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den logischen Schritten der Fuzzy-Verarbeitung sowie der Implementierung eines regelbasierten Modells für eine Klimaanlage.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Fuzzy-Controller als eine robuste Alternative zu klassischen Reglern darzustellen und deren Vor- sowie Nachteile fundiert zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine deskriptive und modellbasierte Methode verwendet, die durch ein konkretes Anwendungsbeispiel und die Anwendung der Fuzzy-Logik-Prozesskette (Fuzzifizierung, Inferenz, Defuzzifizierung) untermauert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Fuzzy-Regelmechanismen und eine detaillierte schrittweise Implementierung dieser Logik anhand einer Klimaanlagen-Regelung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fuzzy-Logik, Regelbasis, Fuzzifizierung, Defuzzifizierung und Regelungstechnik charakterisiert.
Warum wurde eine Klimaanlage als Anwendungsbeispiel gewählt?
Das Beispiel der Klimaanlage dient der Illustration eines MISO-Systems (Multiple Input Single Output), an dem sich die Wirkung unscharfer Eingangsgrößen und linguistischer Regeln anschaulich nachvollziehen lässt.
Welche Defuzzifizierungsmethode wurde im Beispiel verwendet?
Im Anwendungsbeispiel wurde das Flächenschwerpunktverfahren (center-of-area, CoA) eingesetzt, um aus der unscharfen Inferenzmenge einen scharfen Steuerwert zu generieren.
Warum gelten Fuzzy-Controller als wartungsfreundlich?
Da die Regelbasis auf linguistischen Ausdrücken und Expertenwissen basiert, können Regeln intuitiv ergänzt oder angepasst werden, ohne dass eine komplexe mathematische Neu-Modellierung erforderlich ist.
Was ist der sogenannte "Trade-off" bei Fuzzy-Systemen?
Es besteht eine gegenläufige Abhängigkeit zwischen der Rechengeschwindigkeit des Controllers und der erzielten Ergebnisgüte, was bedeutet, dass genauere Ergebnisse oft komplexere und langsamere Berechnungen erfordern.
- Arbeit zitieren
- Alëna Knaus (Autor:in), 2018, Grundlagen des Fuzzy Controllers. Vor- und Nachteile gegenüber regelbasierten System ohne Fuzzy-Logik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441728