Controlling & Compliance. Inwiefern kann der Controller einen Beitrag zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität leisten?


Projektarbeit, 2017

42 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Gliederung und Vorgehensweise

2 Compliance
2.1 Begrifferklärung
2.2 Wirtschaftskriminalität
2.2.1 Entstehung
2.2.2 Arten
2.3 Gesetzliche Rahmenbedingungen
2.3.1 national
2.3.2 international
2.4 Ziele und Funktionen
2.5 Corporate Social Responsibility

3 Untersuchung Controlling und Compliance
3.1 Gegenstand der Untersuchung
3.2 Formulierung der Thesen

4 Implementierung von Compliance und die Rolle des Controllings
4.1 Compliance in internationalen Konzernen
4.1.1 Vorraussetzungen
4.1.2 Zuständigkeiten
4.1.3 Compliance Komitee mit Informationsfluss vom Controlling
4.2 Compliance in kleinen und mittleren Unternehmen
4.2.1 Definition
4.2.2 Voraussetzungen und Probleme
4.2.3 Implementierung und präventive Maßnahmen
4.3 Zwischenfazit

5 Frühaufklärung und Kontrolle von Compliance-Risiken
5.1 Aufdeckung von Compliance-Verstößen
5.1.1 Ziffernanalyse - Benford's Law
5.1.2 Red Flags
5.2 Verbesserungen durch das Controlling
5.3 Erweiterungen der Balanced Scorecard
5.4 Zwischenfazit

6 Bilanzmanipulation/-delikte
6.1 Begriffserklärung
6.2 Praxisbeispiel
6.3 Besonders gefährdete Bilanzpositionen

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 : Durchschnittliche Schäden durch verschiedene Delikttypen

Abbildung 2: Vorrangig manipulierte Positionen bei Bilanzdelikten

Abbildung 3: Fraud Triangle

Abbildung 4: Pyramid of Corporate Social Responsibility nach A.B. Carrol

Abbildung 5: Compliance Komitee mit Informationsfluss vom Controlling

Abbildung 6: Verteilung führender Ziffern nach Benford's Law

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 : Mögliche Organisationseinheiten zur Aufklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

״Wirtschaftskriminalität ist ein facettenreiches Phänomen: Allein 2010 entstand in Deutschland ein Schaden von 4,65 Milliarden Euro. Compliance ist daher ein wichtiges Thema für deutsche Unternehmen. Die Erstellung von Richtlinien ist der erste Schritt, das »Leben« dieser Grundsätze der entscheidende zweite. Es geht darum, Gefahren zu kennen, Möglichkeiten des Schutzes zu nutzen und Unrechtsbewusstsein zu schaffen.“1 So äußerte sich Jörg Ziercke, damaliger Präsident des deutschen Bundeskriminalamts, zum Thema Compliance. Trotz einer rückläufigen Tendenz, unterstreicht die Gesamtsumme der Schäden von ca. 2,9 Milliarden Euro im Jahr 2015 weiterhin die erheblichen Auswirkungen der Wirtschaftskriminalität.2 Zudem ist von einer hohen Dunkelziffer nicht entdeckter Delikte und immateriellen Schäden auszugehen. Sowohl Unternehmen mit internationalem Geschäft sowie kleinere lokal-orientierte Unternehmen müssen sich somit mit den jeweiligen Rahmenbedingungen und Gepflogenheiten auseinander setzen. Für die einzelnen Unternehmens­organe und deren handelnden Personen bedeutet das, zu jeder Zeit den jeweils vielschichtigen Ansprüchen und Richtlinien von Gesetzgebern, Kreditinstituten und Geschäftspartnern Genüge tun zu müssen.

1.2 Zielsetzung

Die vorliegende Belegarbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung von Compliance für deutsche Unternehmen und wie das Controlling bei der Umsetzung und Kontrolle mitwirken kann. Sie beschäftigt sich somit mit der Frage, inwiefern der Controller einen Beitrag zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität leisten kann. Flierzu soll die Rolle des Controllings insbesondere im Implementierungsprozess und bei der Auffindung von Compliance-Verstößen untersucht werden. Des Weiteren soll die Arbeit einen Einblick in das Thema Wirtschaftskriminalität und die Tätigkeitbereichen von Corporate Compliance geben.

1.3 Gliederung und Vorgehensweise

Die Gliederung und Vorgehensweise wurden in Anbetracht der aufgezeigten Problemstellung und Zielsetzungen gewählt. Zu Beginn werden die Begriffe Compliance und Wirtschaftskriminalität geklärt. Sowie die Entstehung von Wirtschaftskriminalität, um die Wichtigkeit und Notwendigkeit von Compliance hervorzuheben. Da Compliance ein globales Thema ist, unterscheidet man zwischen nationalen und internationalen Anforderungen. Besonders die Ziele verdeutlichen die Motivation zur Implementierung von Compliance. Ein gesondertes Augenmerk wird auf die Entwicklung der Compliance hin zu Corporate Social Responsibility mit besonderem Bezug auf Nachhaltigkeit gelegt. Die Rolle des Controllings wird bei der Untersuchung des Implementierungsprozesses von Compliance deutlich. Als besondere Thematik wird auf das Thema Compliance in kleinen und mittelständischen Unternehmen eingegangen, da hier andere Voraussetzungen gegeben sind als bei großen Unternehmen und Konzernen. Probleme und mögliche Lösungsansätze werden hierbei diskutiert. In einem weiteren Kapitel werden verschiedene Untersuchungstechniken näher erklärt und auf die Bedeutung des Controllings untersucht. Des Weiten wird mit der Bilanzmanipulation noch eine spezielle Form der Wirtschaftskriminalität betrachtet und besonders gefährdete Bilanzpositionen analysiert. Im Fazit wird noch mal auf die Bedeutung des Controllings in Bezug auf Compliance eingegangen und die vorher aufgestellten Thesen bewertet.

2. Compliance

2.1 Begriffsklärung

״Der Begriff Compliance steht für die Einhaltung von gesetzlichen Bestimmungen, regulatorischen Standards und Erfüllung weiterer, wesentlicher und in der Regel vom Unternehmen selbst gesetzter ethischer Standards und Anforderungen.“3 Um ein rechtmäßiges Verhalten des Unternehmens, seiner Führungspersonen und Mitarbeiter zu gewährleisten, bedarf es zunächst einer individuellen Analyse der Unternehmenssituation. Ein Großunternehmen hat andere Anforderungen zu erfüllen und mehr Ressourcen Compliance umzusetzen, als ein kleines Unternehmen. Eine entscheidende Voraussetzung für regelkonformes Verhalten ist dabei, dass Regeln im Unternehmen existent sind und auch jedem betroffenen Mitarbeiter bekannt. Auch die Sanktionen für nicht-regelkonformes Verhalten müssen geläufig sein.4

Compliance wird häufig in Verbindung mit dem Begriff Corporate Governance genannt. Compliance ist ein wichtiger Teil der als Ziel der Corporate Governance geforderten guten und verantwortungsvollen Unternehmensführung.5 Die Corporate Governance bezeichnet die rechtlichen und institutioneilen Rahmenbedingungen, die unmittelbar oder mittelbar Einfluss auf die Führungsentscheidungen eines Unternehmens und somit auf den Unternehmenserfolg haben. In Deutschland sind diese Grundsätze in dem so genannten Corporate-Governance-Kodex fixiert. Der Kodex soll dazu beitragen, die in Deutschland geltenden Regeln für die Unternehmensleitung und -Überwachung für nationale und internationale Investoren transparent zu machen und das Vertrauen in die Unternehmensführung deutscher Unternehmen nachhaltig gestärkt werden. Der Deutsche Corporate Governance Kodex definiert Compliance als, die in der Verantwortung des Vorstands liegende Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen und unternehmensinternen Richtlinien.6

2.2 Wirtschaftskriminalität

2.2.1 Entstehung

Am häufigsten kommt Compliance im Bereich der Wirtschaftskriminalität zum Tragen. Wirtschaftskriminalität ist die Bezeichnung für Straftaten, die wirtschaftliche Bezüge aufweisen. Diese können sich gegen Privatpersonen, Unternehmen oder den Staat richten. Im Allgemeinen steht die persönliche Bereicherung des Täters durch geschäftsschädigendes Handeln im Vordergrund. Diese Geschäftsschädigenden Handlungen lassen sich im Rahmen dieses Erklärungsansatzes in drei Kategorien einteilen: Rechnungsmanipulation, Vermögensschädigung und Korruption. Jedoch umfasst Wirtschaftskriminalität eine Vielzahl von Delikten.

Um die Vorrausetzungen für das Entstehen von Wirtschaftsdelikten zu erklären, eignet sich das ״Fraud Triangle“.7 Es beschreibt die 3 Grundvorrausetzungen für Betrug bzw. wirtschaftskriminelles Handeln. Zum einen muss der Täter einen Anreiz verspüren, ein zum Beispiel finanzielles Problem oder Erwartungsdruck nur durch Vertrauensbruch lösen zu können. Um diesen Vertrauensbruch zu begehen, braucht der Täter neben dem Anreiz, auch die Gelegenheit beispielsweise durch ein mangelhaftes internes Kontrollsystem mit unzureichenden Überwachungsmaßnahmen, hoher Personalfluktuation, sehr schnellem Unternehmenswachstum oder mangelhaften Informations-und Dokumentationssystemen. Die Möglichkeit des Täters, sein Tun zu rechtfertigen, wird als dritte Grundvorrausetzung für das Zustandekommen von Fraud, also Betrug bzw. betrügerische Handlung, angesehen. Es handelt sich um eine individuelle wie soziokulturelle Komponente, die vor allem durch mangelhafte Vermittlung oder Durchsetzung ethischer Normen durch das Topmanagement verursacht werden kann. Treffen diese drei Punkte aufeinander, so besteht eine erhöhte

Wahrscheinlichkeit für Wirtschaftsstraftaten. Für Unternehmen liefern die Bestandteile des Fraud Triangles Ansatzpunkte für mögliche Präventionsmaßnahmen.8

Den Unternehmen drohen bei Gesetzesverstößen hohe Unternehmensstrafen, Bußgelder, so wie Gewinnabschöpfung oder Verfall des durch den Gesetzesverstoß erzielten Gewinns. Flinzu kommen die externen und internen Kosten der Aufarbeitung und Betreuung eines eingeleiteten Verfahrens, mögliche Schadenersatzansprüche Geschädigter, die Rückabwicklung von Verträgen und vieles mehr.9

2.2.1 Arten

Wie bereits beschrieben existieren eine Vielzahl von Arten der Wirtschaftskriminalität. Die nachfolgende Grafik zeigt die verschiedenen Wirtschaftsdelikte in Abhängigkeit ihrer Schadenssumme in Deutschland. Es werden hierbei jedoch nur tatsächlich geldwirksame Schäden berücksichtigt. Immaterielle und nicht aufgedeckte Schäden, die aus Wirtschaftsdelikten resultierten, gingen nicht mit in die Grafik ein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Durchschnittliche Schäden durch verschiedene Delikttypen10

Wie die Abbildung 1 zeigt, werden die höchsten Schäden in Deutschland durch Kartellrechtsverstöße und Geldwäsche verursacht. Auch durch Korruption wurden Schäden in Höhe von 216 Mio. Euro verursacht. Dabei liegt Deutschland in dem jährlich erscheinenden Korruption-Index von Transparency Deutschland im internationalen Vergleich auf einen guten Rang 10. Die ersten Ränge belegen hierbei die skandinavischen Länder, welche somit nur sehr wenig Korruption in ihrer Wirtschaft aufweisen. Beim Thema Betrug fällt auf, dass in der Grafik nur die Schadenssumme betrachtet wurde und nicht die Anzahl der Delikte. Auch wenn Betrugsdelikte nicht per se der Wirtschaftskriminalität zugerechnet werden, sondern nur bei massenhaft begangenen Betrugsstraftaten, liegt hier die höchste Anzahl von Fällen vor. Der Fokus rückt dabei immer mehr auf Delikte im Internet.11

2.3 Gesetzliche Anforderungen

2.3.1 National

Die Thematik Corporate Compliance hat ihren Ursprung im Bankenrecht. Wertpapierdienstleistungsunternehmen werden bereits seit 1994 in § 33 WpHG dazu verpflichtet, eine dauerhafte und unabhängige Compliance Organisation zu errichten. Diese muss mit hinreichend Personal- und Sachmitteln ausgestattet sein, um ihre Aufgaben ordnungsgemäß wahrnehmen zu können.12 In § 12 WpDVerOV wird die Ernennung eines Compliance Beauftragten verlangt. Dieser muss unabhängig handeln können, erforderliche Fachkenntnisse besitzen und zudem Zugang zu relevanten Informationen haben. Für die Aktiengesellschaft und ihre Organe folgt die Pflicht für den Aufbau einer Compliance Organisation und auch eines Risikomanagements aus § 91 Abs.2 AktG. Aufbau und Umfang des einzurichtenden Überwachungssystems hängen von der jeweiligen Unternehmensgröße, Branche und Unternehmensstruktur ab. Dass die Gestaltung der Compliance Organisation sowie die Erstellung nachvollziehbarer Regelungen eine Kernaufgabe des Vorstands darstellt, ergibt sich zum einen aus betriebswirtschaftlicher Hinsicht aus den allgemeinen Leitungspflichten des Vorstands gemäß § 76 Abs.1 AktG und zum anderen aus der gesetzlichen Vorschrift des § 130 OwiG. Die Unternehmensverantwortlichen haben dafür Sorge zu tragen, dass aus dem Unternehmen heraus keine Gesetzesverstöße erfolgen. Danach werden der Vorstand und auch das Unternehmen selbst mit erheblichen Bußgeldern sanktioniert, wenn er es unterlässt, seine Mitarbeiter zu Verhinderung oder Erschwerung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten zu überwachen.13 Damit steht fest, dass jede Unternehmensleitung eine gesetzliche Pflicht trifft, organisatorische Vorkehrungen zur Verhinderung von Gesetzesverstößen zu treffen. Nicht geregelt wird hierbei wie diese Pflicht im Einzelnen zu erfüllen ist.14

2.3.2 International

Es existieren keine einheitlichen internationalen Reglungen zu Compliance. Anders als in Deutschland können in manchen anderen Ländern, beispielsweise Spanien und Kolumbien, gesetzliche Anzeigepflichten bei Korruptionsdelikten bestehen. Insoweit empfiehlt sich jeweils eine sorgfältige Prüfung der Rechtslage in relevanten Ländern.15

Auch auf europäischer Ebene gibt es Bemühungen, eine einheitliche Compliance-Struktur zu regeln. Bislang Stehen kleine und mittlere Unternehmen vor der Aufgabe, dass sie sich internationalen Vertriebsstrukturen auf europäischer und globaler Basis unterschiedlichen Compliance-Anforderungen unterwerfen müssen. Jedoch haben sie häufig nicht die Ressourcen, ihr Vertriebssystem und ihre jeweilige zugrunde liegende Compliance-Struktur der jeweiligen Rechtsordnung anzupassen.

2.4 Ziele und Funktionen

Das Ziel der Compliance ist die Vermeidung von rechtlichen Konsequenzen für das Unternehmen. Potentielle Haftungsrisiken und Vermögensschäden sollen aufgrund des Verhaltes der Mitarbeiter vermieden bzw. minimiert werden. Compliance-Maßnahmen dienen dem wirtschaftlichen Nutzen von Unternehmen und deren Eigentümern. Sie soll dafür sorgen, dass im Unternehmen Gesetze, Richtlinien, aber auch freiwillige Kodizes eingehalten werden.16

Compliance Maßnahmen dienen aber nicht nur der Prävention von Rechtsverstößen, sondern können auch ein strategischer Vorteil im Wettbewerb sein. Compliance verfolgt neben juristischen Zielen auch ethische Ziele. Es verhindert ein negatives Image in der Öffentlichkeit des Unternehmens. So soll sich das Verhältnis zu Geschäftspartnern, Kunden und Lieferanten durch soziale Standards wie Ehrlichkeit, Fairness, Transparenz und Vertrauen auszeichnen. Denn heute ist für Unternehmen bei der Auswahl von Geschäftspartnern auch deren Compliance Organisation zunehmend wichtig. Die Unternehmen fürchten, dass auch die Rechtsverstöße des Geschäftspartners sich auf ihre eigene Reputation auswirken könnten.

Auch bei der Gewinnung von Eigenkapitalgebern hilft das Vorhandensein einer Compliance Organisation. Die Eigenkapitalgeber entwickeln dann ein größeres Vertrauen in die Unternehmung, weil diese rechtlichen Risiken vorbeugt und sich größtmöglich gegen Schadenseintritte absichert. Langfristig wird so der Unternehmenserfolg gesichert. Abschließend sorgt die Einführung einer Compliance Organisation für eine Optimierung der Prozessabläufe im Unternehmen und somit für Effizienz. Damit wird gleichzeitig Nachhaltigkeit im Unternehmen geschaffen.

2.5 Corporate Social Responsibility

Das Einhalten aller rechtlichen Normen ist jedoch keine Garantie, dass dem Unternehmen Vertrauen entgegen gebracht wird und es gesellschaftliche Akzeptanz findet. Die Bedeutung von Compliance für die Unternehmen ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Die rein rechtliche Betrachtungsweise entscheidet nicht alleine, sondern auch soziale, moralische und ethische Standpunkte werden immer wichtiger. ״Auch rechtmäßiges Handeln kann nach allgemein anerkannten Grundsätzen unmoralisch, unethisch sein.“17 Somit geht Compliance, direkt in den Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) über. Die Europäische Kommission definiert CSR als ״Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren.“18 Somit sind neben den ökonomischen auch die ökologischen und sozialen Belange von zentraler Bedeutung. Dies wird im Modell “Pyramid of Corporate Social Responsibility” von Archie в. Carroll gezeigt.19 20 CSR bildet dabei eine Pyramide, die aus vier Ebenen besteht. Die Basis stellt dabei die ökonomische Verantwortung des Unternehmens. Aufbauend darauf kommt die zweite Ebene, die gesetzliche Verantwortung. In der dritten Ebene des Modells befindet sich die ethische Verantwortung, in der nicht nur nach Gesetzen, sondern auch fair und nach den gesellschaftlichen Anforderungen entsprechend gewirtschaftet werden muss. In der letzten Ebene, der philantropischen Verantwortung, ist Engagement über das gesellschaftlich Geforderte hinaus gemeint. Erst wenn alle vier Ebenen beachtet und erfüllt werden, kann von einem systematischen und erfolgreichen CSR- Management gesprochen werden.

3. Untersuchung Controlling und Compliance

3.1 Gegenstand der Untersuchung

ln den folgenden beiden Kapiteln sollen die Zusammenhänge zwischen Controlling und Compliance offengelegt werden. Sie beschäftigen sich somit mit der Frage, inwiefern der Controller einen Beitrag zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität leisten kann. Hierzu wurde die Analyse in zwei verschiedene Kapitel geteilt. Zunächst Stehen die Implementierung von Compliance im Unternehmen und die potentielle Rolle der Controlling­Abteilung im Vordergrund. Hierbei sollen auch die finanziellen und personellen Unterschiede je nach Unternehmensgröße beachtet werden. Viele kleinere Unternehmen sehen sich trotz des gewachsenen Bewusstseins für Corporate Compliance im Mittelstand irrtümlicherweise weniger gefährdet als Großkonzerne. Sie vernachlässigen aufgrund des Vertrauensverhältnisses zu ihren Mitarbeitern oft interne Kontrollsysteme. Dabei geraten aktuell insbesondere kleinere Unternehmen mehr und mehr ins Visier der Staatsanwaltschaften.21 Zudem sollen entsprechende präventive Maßnahmen zum Schutz vor Compliance-Risiken näher erläutert werden. Anschließend soll untersucht werden, inwiefern das Controlling bei der Frühaufklärung und der Kontrolle von Compliance-Risiken mithelfen kann. Hierbei werden verschiedene Untersuchungstechniken erläutert und Verbesserungen durch Controlling-Methoden vorgeschlagen.

3.2 Formulierung der Thesen

ln diesem Abschnitt werden zunächst auf Basis von Ergebnissen aus der Vergangenheit Thesen formuliert und anschließend überprüft.

Bei der Recherche fiel auf, dass die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität und Korruption bislang relativ wenig mit dem Controlling in Verbindung gebracht wurde. Dennoch sind Controller durch die große Informationsbasis und eine Vielzahl an Kontakten im Unternehmen bei der Implementierung neuer Prozesse besonders wertvoll. In der Praxis zeigt sich, dass die

Compliance-Messinstrumente meist auf einfachen Modellen beruhen und zum Beispiel das Nutzen von Kennzahlen noch kaum verbreitet ist.22 Potentielle Compliance-Verstöße werden stattdessen über Beobachtungen von Indikatoren wahrgenommen, die in Form von Checklisten abgehakt werden. Die methodischen Kenntnisse des Controllers könnten auch hier Verbesserungen bringen. Außerdem findet zwischen den jeweiligen Bereichen Interne Revision, Rechtsabteilung, Controlling sowie Compliance zumeist nur wenig Informationsaustausch statt.23 Die möglichen Synergien durch das jeweilige Spezialwissen im Unternehmen bleiben dabei größtenteils ungenutzt. Durch eine verbesserte, gemeinsame Wissensbasis können jedoch Optimierungspotenziale erkannt und Möglichkeiten einer intensiveren Zusammenarbeit eröffnet werden.

Aufgrund dieser Überlegungen können folgende Thesen formuliert werden:

These 1: Ein Compliance-Modell lässt sich nur mittels effizienten Controllings in einem Unternehmen implementieren.

These 2: Das Methoden-Wissen der Controller kann bei der Früherkennung von Fraud-Risiken und beim Aufstellen von Compliance-Kennzahlen weiterhelfen.

4. Implementierung von Compliance und die Rolle des Controllings

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Implementierung von Compliance in kleinen bzw. mittleren Unternehmen und großen international agierenden Konzernen. Hierbei soll auch jeweils insbesondere die Rolle des Controllings untersucht und erläutert werden. Aber auch auf die Aufgaben und Funktionen von anderen Unternehmensorganen soll näher eingegangen werden. Eine Unterscheidung erfolgt aufgrund der unterschiedlichen Vorrausetzungen hinsichtlich finanziellen Ressourcen und internationaler Komplexität von Compliance-Anforderungen.

4.1 Compliance in internationalen Konzernen

Im ersten Abschnitt geht es um die Implementierung von Compliance in internationalen Konzernen. Diese verfügen oftmals über ein weltweites Netz an Niederlassungen und Tochterunternehmen und sind dementsprechend auch internationalen Fraud-Risiken ausgesetzt.

4.1.1 Voraussetzungen

Die erfolgreiche Implementierung von Compliance erfordert im Unternehmen einen ganzheitlichen Ansatz. Darunter ist zu verstehen, dass der Bereich Compliance konsequent in der Strategie verankert und damit in das Zielsystem des Unternehmens integriert werden muss. Diese Verankerung muss von der kompletten Unternehmensleitung und der weiteren Managementebene anerkannt und befürwortet werden. Die Compliance- Themen müssen an messbaren Zielsetzungen festgemacht werden und es müssen Konsequenzen bei Nichteinhaltung drohen. Bei Verstößen gegen gesetzliche Vorschriften und Verhaltensrichtlinien sind die erforderlichen rechtlichen, disziplinarischen und organisatorischen Maßnahmen einzuleiten. Gleichzeitig kann das bedeuten, dass bestehende Strukturen möglicherweise zu ändern, mindestens aber zu überprüfen sind. Die Entwicklung und Umsetzung von Compliance ist außerdem sehr kostenintensiv und erfordert eine entsprechende Planung, Steuerung und Kontrolle.

[...]


1 Vgl. kerkhoff-consulting.de

2 Vgl. bka.de

3 Vgl. Eberhard Krügler (2011) s.l

4 Vgl. Jäger; Rödl (2009) Seite 57-58

5 Vgl. Baumöl (2009)

6 Vgl. corporate-governance-code.de

7 Vgl. Anhang A, Abbildung 1

8 Vgl. Thust/WeberS.57-58

9 Vgl. Eberhard KrüglerS. 1

10 KPMG (2010): Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2010, s. 8

11 Vgl. transparency.de

12 Vgl. Schäfer/Poeschel S.37

13 Vgl. Schäfer/Poeschel S.36

14 Vgl. Eberhardt KrüglerS. 1

15 Vgl. Röhrich S.60

16 Vgl. Harz/Weyand (2012) S.31

17 Zitat, Harz/Weyand (2012)) S.33

18 Vgl. Grünbuch (2001)

19 Vgl. ethik-in-der-praxis.de

20 Vgl. Anhang В Abbildung 2

21 Vgl. haufe.de

22 Vgl. Horváth, Peter (2008), s. 3

23 Vgl. Reißig-Thust/Weber (2011), s. 29

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Controlling & Compliance. Inwiefern kann der Controller einen Beitrag zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität leisten?
Hochschule
Fachhochschule Brandenburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
42
Katalognummer
V441768
ISBN (eBook)
9783668799868
ISBN (Buch)
9783668799875
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Compliance, Controlling, Wirtschaftskriminalität, Compliance Komitee, Compliance in KMU, Compliance in Konzernen, Ziffernanalyse – Benford`s Law, Red Flags, Bilanzmanipulation
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Thomas Dellmann (Autor), 2017, Controlling & Compliance. Inwiefern kann der Controller einen Beitrag zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität leisten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441768

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