Um das Arbeitsthema der Nikotinprävention im Elternhaus bei Kindern im Vorschulalter unter wissenschaftlichen Aspekten in Augenschein nehmen zu können, erscheint es sinnvoll, etwas weiter auszuholen und den Umgang mit Drogen in unserer Gesellschaft sowie das Phänomen der allgemeinen Suchtentstehung zu untersuchen.
Ein Großteil der Arbeit wird sich ohne eine spezielle Differenzierung der Nikotinsucht auf die gesamten stoffgebundenen Drogen beziehen. Dies geschieht aus dem Grund, da beispielsweise eine Suchtgefährdung oder eine suchtmittelunspezifische Prävention nicht an einen bestimmten Suchtstoff gebunden ist, sondern sich aus dem süchtigen Verhalten im Allgemeinen herausbildet(vgl. Haug-Schnaben, Schmid-Steinbrunner, 2000, S. 10 ff.).Nachdem daher anfangs die Bereiche der Sucht und Gesellschaft, der Ätiologie von Süchten sowie die Folgen der Sucht im Hinblick auf die Nikotinsucht thematisiert werden, werde ich anschließend auf die Frage der Präventionsrelevanz im Vorschulalter und die diesbezügliche Verantwortung sowie die Möglichkeiten der Familie eingehen. Der darauf folgende empirische Teil bezieht sich auf die Untersuchungsergebnisse aus einer Befragung von Eltern, deren Kinder in einer Kindertageseinrichtung in Magdeburg untergebracht sind. Im Mittelpunkt dieser Befragung stehen das Verhalten des Kindes und der Umgang mit dem Kind, das familiäre Gesundheitsbewusstsein, der Umgang mit Alltagsdrogen sowie die eigene erlebte Kindheit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sucht und Gesellschaft
2.1. Leben in einer Konsumgesellschaft
2.2. Bagatellisierung der legalen Sucht
3. Sucht und ihre Folgen am Beispiel der Nikotinsucht
3.1. Wissenschaftliches Verständnis von Sucht
3.2. Nikotin in der Gesellschaft
3.2.1. Geschichte des Tabaks
3.2.2. Nikotin als Droge
3.2.3. Zahlen und Fakten zum Konsum
3.3. Gesundheitliche Schädigungen durch die Nikotinsucht
3.4. Tabakkonsum als Einstieg in die gekoppelte Abhängigkeit
4. Sucht als Ergebnis eines Entwicklungsprozesses
4.1. Ätiologie süchtigen Verhaltens
4.1.1. Risikoorientierte Konzepte
4.1.2. Suchtprotektive Konzepte
4.2. Theoretische Konzepte zur Entwicklung einer Nikotinsucht
4.3. Determinanten des Rauchbeginns
5. Relevanz der Drogenthematik im Vorschulalter
5.1. Suchtgefährdung in der Kindheit
5.2. Vorläufer einer Sucht
6. Die Rolle der ersten Sozialisationsinstanz der Familie
6.1. Risikofaktoren in der Familie
6.2. Protektive Faktoren in der Familie
6.3. Familiärer Wandel und pädagogische Grenzen
7. Familiäre Suchtprävention
8. Empirischer Teil
8.1. Angewandte Methodik
8.2. Darstellung der Ergebnisse aus der Untersuchung
8.2.1. Allgemeine Lebenssituation
8.2.2. Einstellungen zur Gesundheit
8.2.3. Einstellungen zu Alltagsdrogen
8.2.4. Verhalten des Kindes
8.2.5. Verhalten gegenüber dem Kind
8.2.6. Kindheit der Probanden
9. Prüfung und Diskussion der Hypothesen
10. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Notwendigkeit einer Nikotinprävention bereits im Vorschulalter zu untersuchen und zu erörtern, welche Rolle das familiäre Umfeld dabei spielt. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Familie als erste Sozialisationsinstanz die Grundlage für ein suchtpräventives oder suchtgefährdendes Verhalten legen kann.
- Gesellschaftlicher Umgang mit Drogen und das Phänomen der Suchtentstehung.
- Wissenschaftliche Grundlagen der Nikotinsucht und ihre Folgen.
- Familiäre Einflussfaktoren als Risiko- oder Schutzfaktoren.
- Empirische Untersuchung zur Einstellung und zum Verhalten von Eltern in Kindertageseinrichtungen.
- Präventionsmöglichkeiten durch Erziehungsstile und Vorbildverhalten.
Auszug aus dem Buch
3.2. Nikotin in der Gesellschaft
Laut Bergler entwickelt jede Gesellschaft sozial wünschenswerte Eigenschaften und Verhaltensweisen, welche jedoch der gesellschaftlichen Entwicklung und dem Wandel der Einstellungen unterworfen sind. So zeigt auch die soziale Akzeptanz des Rauchens eine Reihe qualitativer Veränderungen, welche ihren Einfluss auf das Verhalten der Menschen nahmen (vgl. Bergler, 1992, S. 22ff.). Die Veränderungen dieser Akzeptanz vollzog sich in mehren Phasen:
Phase I: Rauchen als Leitbild. Das Rauchen gilt als männlich und ist unerlässlicher Bestandteil des männlichen Verhaltens. Der Vorwurf eines Defizits an Männlichkeit wird bei Nichtrauchern erhoben und auch Frauen nehmen im Zuge der Emanzipation zunehmend das ursprüngliche, männliche Recht des Rauchens für sich in Anspruch.
Phase II: Rauchen zwischen Genuss und Gesundheitsschädlichkeit. Das Rauchen gehört in dieser Phase nicht mehr nur zu einem allgemein akzeptierten Lebensstil, sondern gewinnt eine gesundheitsschädigende Komponente. Raucher und Nichtraucher werden zunehmend über diese Schädigungen aufgeklärt.
Phase III: Rauchen als sozial unerwünschtes Verhalten. Durch radikale Leitbildveränderungen geraten Raucher zunehmend unter Sanktionsdruck, da das Rauchen nicht mehr nur ambivalent gesehen, sondern zunehmend negativ bewertet wird. Nichtraucher fühlen sich nun verstärkt durch das Rauchen anderer Menschen belästigt.
Phase IV: Rauchen als allgemein sozial schädigendes Verhalten. Das Passivrauchen als Risikofaktor wird zusätzlicher Bestandteil der gesundheitspolitischen Debatte. Mit zunehmender öffentlicher Diskussion wird das Rauchen als Gesundheitsrisiko der gesamten Bevölkerung und damit ein Handlungsbedarf gesehen.
Phase V: Der Raucher als „Feindbild“. Auf Seiten vieler Nichtraucher geht die Etablierung der sozialen Norm des Nichtrauchens mit der Entwicklung eines Feindbildes einher. Dieses Feindbild, welches durch unerwünschte Eigenschaften charakterisiert wird, wird vor allen bei den „aggressiven“, sich zum Teil organisierenden Nichtrauchern gesehen. Demnach sind Raucher in hohem Maße nervös, leichtsinnig, unsicher, unzufrieden, kränklich, rücksichtslos, genussorientiert, verantwortungslos, abhängig, konditionsschwach und anfällig (vgl. Bergler, 1992, S. 22 ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigenden Drogenkonsumzahlen bei Jugendlichen und unterstreicht die Relevanz der Suchtprävention im Vorschulalter.
2. Sucht und Gesellschaft: Dieses Kapitel beschreibt den historischen und gesellschaftlichen Wandel im Verständnis von Rausch und Sucht und wie Konsumgesellschaften Suchtentstehung beeinflussen.
3. Sucht und ihre Folgen am Beispiel der Nikotinsucht: Hier werden das wissenschaftliche Suchtverständnis sowie die gesundheitlichen Gefahren und die Rolle von Nikotin als Einstiegsdroge thematisiert.
4. Sucht als Ergebnis eines Entwicklungsprozesses: Das Kapitel erläutert verschiedene theoretische Modelle zur Entstehung von Sucht, inklusive risikoorientierter, protektiver und entwicklungspsychologischer Konzepte.
5. Relevanz der Drogenthematik im Vorschulalter: Es wird dargelegt, warum das Kindesalter eine prägende Phase für die Ausbildung von Persönlichkeitseigenschaften ist und welche Suchtgefährdungen bereits in der frühen Kindheit existieren.
6. Die Rolle der ersten Sozialisationsinstanz der Familie: Dieses Kapitel analysiert die Familie als primären Ort der Sozialisation und untersucht, welche familiären Risikofaktoren und protektiven Potenziale das Suchtrisiko beeinflussen.
7. Familiäre Suchtprävention: Der Fokus liegt auf praktischen Ansätzen der Primärprävention in der Familie, wie die Förderung von Lebenskompetenzen und ein gesundheitsbewusstes Vorbildverhalten.
8. Empirischer Teil: Darstellung und Auswertung der durchgeführten Befragung von Eltern in Magdeburger Kindertagesstätten zur Einschätzung ihrer Erziehungsrolle und Suchtprävention.
9. Prüfung und Diskussion der Hypothesen: In diesem Kapitel werden die aufgestellten Hypothesen mit den Ergebnissen der Literaturrecherche und der eigenen Befragung abgeglichen.
10. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer persönlichen Reflexion und Empfehlungen für Eltern sowie Kindertageseinrichtungen.
Schlüsselwörter
Nikotinprävention, Vorschulalter, Elternhaus, Suchtprävention, Sozialisation, Familie, Vorbildverhalten, Erziehungsstil, Suchtentstehung, Kindheit, Alltagsdrogen, Gesundheitsbewusstsein, Lebenskompetenz, Primärprävention, Drogenaffinität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Notwendigkeit und den Möglichkeiten einer frühen Suchtprävention (insbesondere in Bezug auf Nikotin) innerhalb der Familie bei Kindern im Vorschulalter.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die soziokulturelle Suchtentstehung, die Rolle der Familie als Sozialisationsinstanz, entwicklungspsychologische Grundlagen der Suchtgefährdung sowie Möglichkeiten der Erziehung zur Förderung protektiver Faktoren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob und wie eine Suchtprävention bereits vor dem Schulalter im Elternhaus stattfinden kann, um die Widerstandsfähigkeit der Kinder gegenüber späteren Drogenkarrieren zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine fundierte Literaturrecherche mit einem empirischen Teil, bestehend aus einer schriftlichen, halbstandardisierten Elternbefragung in Kindertagesstätten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erläuterungen zur Suchtentstehung, eine Analyse der familiären Rahmenbedingungen sowie eine detaillierte Darstellung und Auswertung der empirischen Ergebnisse aus der Elternbefragung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nikotinprävention, Vorschulalter, Elternhaus, Sozialisation, Vorbildverhalten und familiäre Suchtprävention.
Welche Erkenntnisse lieferte die Befragung zum Rauchverhalten der Eltern?
Die Untersuchung ergab eine signifikante Korrelation zwischen dem Rauchverhalten der Eltern und dem Aufwachsen der Kinder in einem Elternhaus, in dem zumindest ein Elternteil raucht, was das elterliche Vorbildverhalten als einflussreichen Faktor bestätigt.
Wie bewerten die befragten Eltern ihre eigene Rolle in der Prävention?
Während viele Eltern das Präventionspotenzial durch Aufklärung und Vorbildverhalten theoretisch anerkennen, unterschätzen sie häufig die Gefahr einer Einstiegsdroge in die Mehrfachabhängigkeit und verweisen bei gesundheitlichen Beschwerden der Kinder oft vorschnell auf Medikamente.
- Quote paper
- Nicole Walter (Author), 2005, Nikotinsucht verhindern. Wie sinnvoll ist Prävention in der Erziehung von Kindern im Vorschulalter?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44179