Mit dem Datum des 11. Septembers verbindet man heute den wohl grausamsten Terroranschlag in der Geschichte der Menschheit, welcher im Anschluss die gesamte Weltordnung in Frage stellen sollte.
Es gibt mehrere Gründe, warum dieser Anschlag und der Tag an dem er geschah, solch gravierende Folgen für die Weltpolitik hatte. Zum Einem natürlich der Angriff auf die USA auf eigenem Territorium. Nie zuvor ist dieses Land so tief in seinem Selbstverständnis und in seinem Gefühl der Unangreifbarkeit verletzt worden, zudem von einer nichtstaatlichen, terroristischen Organisation. Zum Anderen natürlich das Ausmaß, welches dieser Anschlag erreichte.
Nicht zuletzt allerdings muss man auch den Eindruck dieses Ereignisses und dieses Tages erwähnen, den er weltweit hinterlassen hat. Es war ein mediales Großereignis. Die ganze Welt konnte die Ereignisse in (vor allem) New York live am Fernsehen verfolgen. Das Unfassbare per Direktübertragung. Der zweite Einschlag in den Südturm war bereits live auf CNN zu sehen. Eine Repräsentativstudie der TU Ilmenau hat ergeben, dass fast 70% der deutschen Bevölkerung innerhalb von einer Stunde über das Geschehen in den USA informiert war. Der Einsturz der brennenden Bürotürme wurde von mehr Zuschauern am Bildschirm verfolgt, als irgendeine andere Katastrophe zuvor. Ulrich Wickert meint dazu: „Am Tag der Terroranschläge waren es die Fernsehbilder […], die die Zuschauer vor den Fernseher bannten.“
Es darf vermutet werden, dass die Terroristen vom 11. September 2001 auch diese Wirkung im Auge hatten. Neben der Tatsache, dass ihnen das Unglaubliche gelungen war, die USA zu demütigen, wollten sie mit Sicherheit auch genau diesen Effekt erzielen. Die Verbreitung des Schreckens von New York aus über die ganze Welt. Anderes wäre dieser Anschlag auch nicht zu erklären. Die Heftigkeit, mit der man hier vorging und die Brutalität sollten so real wie möglich auch die Leute erreichen, welche nicht vor Ort waren. Auf diese Art haben sie es erreicht, Angst und Schrecken auch dorthin zu transportieren, wo sie selbst nicht zugegen waren. Um die Berichterstattung am 11. September soll es in dieser Arbeit gehen. Dazu soll zunächst die Krisen- und Kriegsberichterstattung allgemein vorgestellt, später auf das Verhältnis von Terrorismus und (Massen-) Medien eingegangen und im Hauptteil auf die Berichterstattung am 11. September speziell im deutschen Fernsehen eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Krisen- und Kriegsberichterstattung
2.1 Information als Ware
2.2 Der Krieg und die Experten
2.3 Die Darstellungsform des „Infotainments“
2.4 Politischer Einfluss
3. Terrorismus und die Medien
4. Die Berichterstattung am 11. September 2001
4.1 Chronologie des Anschlags
4.2 Das Unfassbare beschreiben
4.2.1 Die Spontaneität des Ereignisses
4.2.2 Etwas kommentieren, das man selbst nicht versteht
4.2.3 Zu schnelle Klischees, zu schnell Krieg?
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die mediale Krisenberichterstattung im deutschen Fernsehen anlässlich der Terroranschläge vom 11. September 2001. Dabei steht die journalistische Herausforderung im Mittelpunkt, über ein unfassbares und spontanes Extremereignis zu berichten, während die klassischen Rahmen und Deutungsmuster der Berichterstattung an ihre Grenzen stoßen.
- Mechanismen der Krisen- und Kriegsberichterstattung
- Die Symbiose zwischen Terrorismus und Massenmedien
- Herausforderungen der Live-Berichterstattung unter Zeitdruck
- Verwendung von Deutungsmustern wie „Krieg“ zur Komplexitätsreduktion
- Die Rolle von Experten in der Nachrichtenvermittlung
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Die Spontaneität des Ereignisses
Ich komme zuerst zum zweiten angesprochen Punkt. Das Problem der Ereignisse am 11. September 2001 war die Tatsache, dass die Moderatoren der ersten Stunden über etwas berichten mussten, dass sich so gar nicht an den Rahmen einer „normalen“ Sendung halten wollte. Sie mussten dem Zuschauer etwas verständlich machen, von dem sie selber nicht wussten, wie es ausgehen würde und was der Auslöser des Ganzen war. Selbst als man sich im klaren war was da passierte, wusste man nicht, warum es passierte. Aber zunächst zum Anfang des Geschehens.
Alle Sondersendungen des 11. Septembers haben eines gemeinsam: Sie mussten unvorbereitet über etwas berichten, mit dem Niemand gerechnet hatte. Bei den großen Sendern war klar, dass man live auf Sendung muss und das normale Programm unterbrechen müsse. Doch war dies nicht überall gleich schnell der Fall. Am Schnellsten war N-TV, welche durch ihre Zusammenarbeit mit CNN von Beginn an über Bildmaterial verfügte. Von den „großen Sendern“ war zuerst RTL mit einer Sondersendung on air, da hier die Mechanismen eine Unterbrechung des laufenden Programms, am Einfachsten ermöglichten. Am Schwierigsten war die Entscheidung, hin zu einer Sondersendung, bei der ARD. Zwar hatten diese bereits eine Meldung inklusive Bilder in der Tagesschau um 15.04 und darauf noch weitere Meldungen, die eigentliche Sondersendung zu den Ereignissen begann aber erst um 15.33. Am längsten brauchte allerdings das ZDF, welches erst um 15.48 mit einer Sondersendung begann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Anschläge vom 11. September 2001 als mediales Großereignis ein und skizziert den Angriff auf das Selbstverständnis der USA.
2. Krisen- und Kriegsberichterstattung: Dieses Kapitel erläutert die strukturellen Probleme und den Nachrichtenwert von Kriegen in den Massenmedien, insbesondere unter dem Aspekt der Ökonomisierung.
2.1 Information als Ware: Die Analyse zeigt das Dilemma der Medien auf, bei komplexen Konflikten unter Zeitdruck und Mangel an verifizierbaren Quellen über das Geschehen berichten zu müssen.
2.2 Der Krieg und die Experten: Hier wird kritisch beleuchtet, wie der Einsatz von Experten dazu beitragen kann, Komplexität zu reduzieren, aber auch zur Verbreitung von Spekulationen beitragen kann.
2.3 Die Darstellungsform des „Infotainments“: Dieses Kapitel untersucht die Tendenz, Krisenberichterstattung in Unterhaltungsformate zu verpacken, was zu Verzerrungen in der Wahrnehmung der Rezipienten führen kann.
2.4 Politischer Einfluss: Es wird diskutiert, wie Medien als „Vierte Gewalt“ politische Prozesse beeinflussen können und in welches Dilemma sie geraten, wenn sie auf Krisenherde stoßen.
3. Terrorismus und die Medien: Dieses Kapitel thematisiert die Symbiose zwischen Terrorismus und Medien und untersucht, wie Terroristen mediale Aufmerksamkeit kalkuliert für ihre Ziele instrumentalisieren.
4. Die Berichterstattung am 11. September 2001: Das Hauptkapitel analysiert den konkreten Ablauf der deutschen Fernsehberichterstattung am Tag der Anschläge.
4.1 Chronologie des Anschlags: Diese Übersicht liefert eine detaillierte zeitliche Auflistung der wichtigsten Ereignisse des 11. Septembers 2001.
4.2 Das Unfassbare beschreiben: Dieses Unterkapitel widmet sich der journalistischen Herausforderung, Ereignisse zu kommentieren, die sich außerhalb der gewohnten Deutungsrahmen bewegen.
4.2.1 Die Spontaneität des Ereignisses: Die Analyse zeigt die Schwierigkeiten der Moderatoren auf, auf unvorhersehbare Entwicklungen live zu reagieren und eine Struktur in das Geschehen zu bringen.
4.2.2 Etwas kommentieren, das man selbst nicht versteht: Hier wird thematisiert, wie Journalisten zunächst versuchten, das Unbegreifliche in bekannte Kategorien wie „Unglück“ einzuordnen.
4.2.3 Zu schnelle Klischees, zu schnell Krieg?: Dieses Kapitel hinterfragt die Verwendung des Begriffs „Krieg“ als Deutungsmuster und die schnelle Bildung von Feindbildern durch die Medien.
5. Resümee: Die Zusammenfassung bewertet die journalistische Leistung während der Live-Berichterstattung positiv, trotz der unvermeidbaren Fehler in einer Ausnahmesituation.
Schlüsselwörter
Krisenberichterstattung, Kriegsberichterstattung, 11. September 2001, Fernsehen, Terrorismus, Infotainment, Medienethik, Live-Berichterstattung, journalistische Arbeit, Deutungsmuster, USA, Informationsbedürfnis, Experten, Nachrichtenwert, Medien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Qualität und die Schwierigkeiten der Live-Berichterstattung des deutschen Fernsehens am Tag der Terroranschläge vom 11. September 2001.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Mechanismen der Kriegsberichterstattung, die Symbiose von Terror und Medien, den Druck der Echtzeit-Nachrichtenvermittlung und die Herausforderung, das Unbegreifliche journalistisch aufzuarbeiten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie Fernsehmoderatoren mit einer völlig neuen Situation umgingen, in der gewohnte Deutungsmuster versagten, und ob ihre Arbeit als gute journalistische Leistung zu werten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von Fachliteratur zur Krisen- und Kriegsberichterstattung sowie auf die Auswertung von Transkripten und Berichten über das Sendeverhalten der großen deutschen Sender an diesem Tag.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird der Ablauf des 11. Septembers chronologisch rekonstruiert und die Schwierigkeiten der Moderatoren untersucht, das Ereignis ohne Vorbereitung sinnvoll in Sprache zu fassen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Krisenberichterstattung, 11. September, Terrorismus, Live-Fernsehen, Deutungsmuster und journalistische Verantwortung.
Warum griffen Moderatoren so schnell zum Begriff „Krieg“?
Der Begriff diente als Deutungsmuster, um das enorme Ausmaß der Zerstörung und das Leid besser in Worte fassen zu können, da „Terror“ oder „Unglück“ den Geschehnissen für die Mediensprecher in dem Moment nicht gerecht wurden.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Medien als „Nutznießer“ der Terroristen?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Medien ihrer Rolle als Informationsvermittler nachkamen und das Ereignis nicht ignorieren konnten, und somit nicht als bloße Handlanger der Terroristen zu bezeichnen sind.
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- Marko Tomasini (Author), 2005, "Genaues wissen wir nicht..." Krisenberichterstattung am Beispiel der Liveübertragungen in den ersten Stunden des 11. September im deutschen Fernsehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44184