Der Mensch ist nicht immer rational. Dieser schlichten Tatsache entgegen geht die Wirtschaft häufig von einem Homo Oeconomicus aus. Dieser handelt ausnahmslos rational, entscheidet unter Nutzung vollständiger Informationen und trifft rationale Entscheidungen.
Doch heute stößt diese Annahme immer häufiger an Grenzen. Die Behavioral Finance fordert deshalb einen Paradigmenwechsel. Michael Schäfer zeigt, wie man das Geschehen auf den Finanzmärkten unter Einbezug menschlicher, das heißt nicht-rationaler Verhaltensweisen, erklären kann.
Seine Publikation konzentriert sich dabei vor allem auf das Anlageverhalten bei Investitionsentscheidungen. Aus seinen Ergebnissen leitet er jedoch auch Konsequenzen für die Praxis und konkrete Handlungsempfehlungen ab. Mit seiner Publikation beantwortet er so eine zentrale Frage: Wie lassen sich beim irrationalen Menschen Fehlinvestitionen durch begrenzt rationale Anlageentscheidungen vermindern?
Aus dem Inhalt:
- Kapitalmarkt;
- Aktieninvestment;
- Privatanleger;
- Portfoliozusammenstellung;
- Investition
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Klassische Kapitalmarkttheorie
2.1.1 Aufbau und Inhalt klassischer Kapitalmarkttheorien
2.1.2 Klassische Kapitalmarkttheorien und Ihre zugehörigen Modelle
2.1.2.1 Portfolio Selection Theorie
2.1.2.2 Capital Asset Pricing Model
2.1.2.3 Arbitrage Pricing Theorie
2.1.3 Kritische Würdigung
2.2 Behavioral Finance
2.2.1 Inhalt und Ziele der Behavioral Finance
2.2.2 Das Modell der Prospect Theory
2.2.3 Finanzmarktanomalien
2.2.3.1 Herdenverhalten
2.2.4 Anomalien im menschlichen Verhalten
2.2.4.1 Wahrnehmung von Informationen
2.2.4.2 Verarbeitung von Informationen
2.2.4.3 Investmententscheidungen
2.2.5 Erkenntnisse der Behavioral Finance
3 Empirische Analyse zum Anlegerverhalten
3.1 Klassifizierung und Risikoneigung von Investoren
3.2 Analyse der Portfoliozusammenstellung von Privatanlegern
3.3 Anomalien und Aktieninvestments im Zusammenhang
4 Praktischer Nutzen und Handlungsmöglichkeiten
4.1 Herdenverhalten
4.2 Confirmation Bias
4.3 Availability Bias
4.4 Home Bias
4.5 Loss Aversion
4.6 Overconvidence
4.7 Representativeness Bias
4.8 Self Attribution Bias
4.9 Conservatism Bias
4.10 Status Quo Bias
4.11 Illusion of Control
5 Thesenförmige Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Anlegerverhalten an Finanzmärkten, insbesondere im Spannungsfeld zwischen rationalen Marktmodellen und psychologisch begründeten Verhaltensanomalien. Ziel ist es, zu klären, inwieweit das vermeintlich irrationale Verhalten von Privatanlegern empirisch nachweisbar ist und daraus Handlungsempfehlungen zur Verminderung von Fehlinvestitionen abzuleiten.
- Gegenüberstellung von klassischer Kapitalmarkttheorie und Behavioral Finance
- Empirische Analyse des Anlegerverhaltens mittels einer quantitativen Umfrage
- Untersuchung kognitiver Verzerrungen (Biases) bei Investitionsentscheidungen
- Ableitung praktischer Handlungsempfehlungen für das aktive Anlagemanagement
- Evaluierung des Einflusses demografischer Faktoren auf das Entscheidungsverhalten
Auszug aus dem Buch
1 Problemstellung
Mit der Aussage, „There is nothing so disastrous as a rational investment policy in an irrational world“, beschreibt Keynes den Einfluss rationalen Anlageverhaltens in einer irrational getriebenen Welt. Tatsächlich lernen tausende Business School-Studierende weltweit, die Risiken von Investments zu bewerten und die erwarteten Renditen, mittels der Portfoliotheorie oder des Capital Asset Pricing Models (CAPM) zu berechnen. Doch worauf basieren diese Modelle und ist es dadurch tatsächlich möglich, die Wirklichkeit abzubilden? Die restriktive Annahme eines rational handelnden Individuums bildet eine der theoretischen Grundlagen. Insbesondere die daraus abgeleitete Existenz eines effizienten und somit reibungslos funktionierenden Kapitalmarktes wird hierbei vorausgesetzt. So bildete sich eine weitere Annahme, das Modell des Homo Oeconomicus. Insbesondere haben durch diese Theorien, die aus der Kapitalmarkttheorie hervor gebrachten Instrumente, in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen.
Dennoch mehrten sich Stimmen aus der Wissenschaft, die diese Annahmen in Frage stellen. Insbesondere werden die seit Jahrzehnten dominierenden Modelle auf Grund ihres geringen Erklärungs- und Prognosegehaltes als zunehmend ungeeignet betrachtet. Daraus bildeten sich neue Forschungsansätze, deren Wurzeln auf die verhaltenswissenschaftliche Forschung zurückgehen und zumeist unter dem Begriff der „Behavioral Finance“ bekannt sind. Innerhalb der Behavioral Finance steht nicht nur die Weiterentwicklung der vorherrschenden Modelle im Vordergrund, sondern es werden zunehmend Stimmen laut, die einen Paradigmenwechsel fordern. Im Ergebnis bedeutet dies, eine Abkehr von rationalen Annahmen und hinzu einer realistischeren Gestaltung des Homo Oeconomicus.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Dieses Kapitel erläutert die Diskrepanz zwischen traditionellen, rational geprägten Kapitalmarkttheorien und der Realität, was die Notwendigkeit für den Forschungszweig der Behavioral Finance begründet.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden die klassischen Modelle (wie CAPM und Portfolio Selection) sowie die verhaltensorientierten Ansätze (Prospect Theory, diverse Biases) gegenübergestellt und kritisch gewürdigt.
3 Empirische Analyse zum Anlegerverhalten: Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse einer eigenen Umfrage unter 52 Teilnehmern zur Risikoneigung und zum Entscheidungsverhalten bei spezifischen Marktphänomenen.
4 Praktischer Nutzen und Handlungsmöglichkeiten: Hier werden konkrete Empfehlungen für Anlageberater und Investoren formuliert, um typischen kognitiven Fehlern und Verzerrungen bei der Geldanlage entgegenzuwirken.
5 Thesenförmige Zusammenfassung: Dieses Kapitel bietet eine komprimierte Übersicht der zentralen theoretischen Erkenntnisse, der empirischen Untersuchungsergebnisse und der praktischen Schlussfolgerungen der gesamten Arbeit.
Schlüsselwörter
Behavioral Finance, Kapitalmarkttheorie, Anlegerverhalten, Prospect Theory, Homo Oeconomicus, Markt-Anomalien, Herdenverhalten, Loss Aversion, Overconfidence, Confirmation Bias, Portfolio Management, Investitionsentscheidungen, Kognitive Verzerrungen, Risikoneigung, Diversifikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Anleger tatsächlich auf Finanzmärkten agieren und ob dies den Annahmen rationaler Marktmodelle entspricht oder durch psychologische Einflüsse verzerrt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Gegenüberstellung klassischer Finanztheorien und moderner verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse (Behavioral Finance) sowie deren praktischer Relevanz.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die empirische Überprüfung irrationaler Verhaltensmuster bei Privatanlegern und die Ableitung praktischer Handlungsempfehlungen zur Optimierung von Investitionsentscheidungen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der theoretische Teil basiert auf einer Literaturanalyse, ergänzt durch eine quantitative empirische Umfrage unter 52 Teilnehmern zur Analyse spezifischer Verhaltensanomalien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine detaillierte empirische Analyse zur Risikoneigung und Portfoliozusammensetzung sowie konkrete Handlungsmöglichkeiten gegen verschiedene psychologische Verzerrungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Behavioral Finance, Loss Aversion, Overconfidence, Homo Oeconomicus, Marktanomalien und Anlegerpsyche.
Warum schneiden jüngere Teilnehmer in der empirischen Analyse oft rationaler ab?
Die Studie deutet darauf hin, dass jüngere Teilnehmer – oft verbunden mit einer höheren Risikobereitschaft – in den durchgeführten Tests rationalere Entscheidungen treffen als ältere Altersgruppen.
Welche Rolle spielt die Verlustaversion für den praktischen Anleger?
Die Verlustaversion führt dazu, dass Anleger Verluste zu lange halten und Gewinne zu früh realisieren; die Arbeit empfiehlt hier unter anderem den Einsatz von Stop-Loss-Regeln als Gegenmittel.
- Citation du texte
- Michael Schäfer (Auteur), 2018, Behavioral Finance bei Investitionsentscheidungen. Das Anlegerverhalten zwischen Rationalität und Emotion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441891