Konflikte und Konfliktlösung. Konfliktbewältigung nach Thomas-Kilmann und Rosenberg


Hausarbeit, 2017

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Begriffserklärung: Konflikt
2.2 Konfliktbewältigung
2.2.1 Die Kommunikationsstile nach Thomas - Kilmann
2.2.2 Die Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg
2.3 Vereinbarkeit der Konzepte
2.4 Kritik
2.5 Anwendung für Beratungsgespräche in der Agentur für Arbeit

3. Resümee

4. Anhang
4.1 Quellen- und Literaturverzeichnis
4.2 Abkürzungsverzeichnis

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht.

1. Einleitung

„Ziel eines Konfliktes oder einer Auseinandersetzung

soll nicht der Sieg, sondern der Fortschritt sein.“

~ Joseph Joubert

Das Wort Konflikt leitetet sich aus dem Lateinischem confligere ab, welches „zusammentreffen, kämpfen“ bedeutet. Von einem Konflikt spricht man, wenn beispielsweise zwei Kommunikationspartner zusammentreffen und verschiedene Interessen, Zielsetzungen oder Wertvorstellungen von gewissen Standpunkten nicht miteinander vereinbaren können oder diese unvereinbar erscheinen. Meist sind Konflikte unvermeidliche Begleiterscheinung von Veränderungsprozessen. Diese Veränderungen können bei der betroffenen Person Verlustängste hervorrufen. Gibt der Treiber der Veränderung in seiner Einstellung nicht nach, so resultiert aus der Situation ein Konflikt. (vgl. Schwarz, 2014)

Gespräche in der Agentur für Arbeit oder im Jobcenter sind meist mit persönlichen, sozialen und/ oder organisatorischen Veränderungen für den Kunden verbunden. In einem Beratungsgespräch zwischen Berater und Kunde werden, unter anderem, verschiedene Rollen, Verhaltensweisen und Wertschätzungen beider Interaktionspartner thematisiert. Dabei können die Kommunikationspartner individuelle Standpunkte zu bestimmten Ansichten vertreten. Aus diesen Prozessen kann sich für den Kunden eine natürliche Abwehrhaltung, in Form eines Konfliktes, gegenüber dem Berater entwickeln. Schließlich geht es bei dem Gespräch auch um die materielle und soziale Existenz der Kunden, weshalb sich diese leicht angegriffen fühlen können, sobald man in ihre persönlichen Rechte eingreift. Aus diesem Grund ist es bedeutsam, dass Berater über Kompetenzen verfügen, wie sie mit dem Gesprächspartner in Konfliktsituationen umgehen und deeskalierend wirken. Auch spielt in der Gesprächsführung vor allem Vertrauen, Offenheit und Kooperation mit dem Kunden eine große Rolle. Der Fokus für Berater sollte daraufgelegt werden, dass Veränderungsprozesse greifbar gemacht werden, damit die Kunden lernen mit diesen umzugehen. Eine deeskalierende Wirkung lässt aus entstandenen Konflikten Lernerfahrungen gewinnen und bedeutet daher ein Fortschritt für den Kunden und den Berater.

In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich mit den Ansätzen der Konfliktwissenschaftler Rosenberg und Thomas - Kilmann auseinandersetzen. Ziel dieser Arbeit ist es, die Konfliktstile nach Thomas - Kilmann und die Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg darzustellen, sowie herauszuarbeiten, welche Konfliktstile mit dem Konzept von Rosenberg umgesetzt werden können und welche vermieden werden sollten.

2. Hauptteil

2.1 Begriffserklärung: Konflikt

In alltäglichen Situationen unseres Lebens treffen wir ständig viele Entscheidungen und bestimmen danach unsere persönliche Vorgehensweise. Gewöhnlich sind an diesen Entscheidungen und Handlungen auch andere Personen beteiligt. Nicht selten kommt es daher zu Uneinigkeiten und einen möglichen Beginn einer Konfliktsituation. Handlung bedeutet daher (fast) immer Konflikt.

Grundsätzlich wird unter einem Konflikt das Aufeinandertreffen von zwei miteinander unvereinbaren Handlungstendenzen verstanden. In der Literatur gibt es zahlreiche Begriffsbestimmungen. Im Folgenden werden einige aufgezeigt.

Ein Konflikt ist ein Widerstreit oder das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Interessen. (vgl. Duden, 2006, S. 9)

Ein Konflikt ist eine meist gewaltsame Auseinandersetzung zwischen zwei oder mehreren Individuen, deren Interessen, Ziele oder Rollen unvereinbar sind und deren gleichzeitige Verwirklichung den Konfliktparteien nicht möglich erscheint. (vgl. Glasl, 2004, S. 16)

Aufgrund des vielseitigen Facettenreichtums ist es kaum möglich eine einheitliche Definition für den Begriff Konflikt abzuleiten. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Auslöser eines Konfliktes. Uneinigkeiten können aus Situationen und Gegebenheiten jeglicher Art entstehen. (vgl. Schwarz, 2014) Nach Mullins resultieren Konflikte oft aus individuellen Wahrnehmungsunterschiedenen (je nach Erfahrung, Stimmung und Charakter) oder aufgrund begrenzt verfügbarer Ressourcen und Veränderungen der Umwelt.

Laut Schwarz ist das klassische Ursache- Wirkungsprinzip nicht anwendbar, da die Kausalität eines Konfliktes alles darstellen kann. Daher stellt sich Schwarz in seinen Untersuchungen die Frage nach dem Sinn des Konfliktes. Den Sinn eines Konfliktes sieht Schwarz darin, vorhandene Unterschiede zu verdeutlichen und fruchtbar zu machen. (vgl. Schwarz, 2014, S. 15)

Ein Konflikt bildet sich meist aus folgenden Komponenten:

§ einer oder mehreren Personen,

§ mindestens einer Ursache und

§ das jeweilige Konfliktverhalten.

Es ist möglich, dass ein Konflikt eine Person alleinig betrifft. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem intrapersonalen Konflikt. Im Rahmen der tiefenpsychologischen Ansätze wird dabei unter verschiedenen intrapersonalen Konfliktformen differenziert. Diese Hausarbeit fokussiert jedoch die interpersonalen Konflikte.

Interpersonale Konflikte sind Konflikte zwischen zwei oder mehreren Individuen. (vgl. Hugo-Becker, 2000, S. 103)

Der Konfliktgegenstand interpersonaler Konflikte ist meist ein Interessensgegensatz, hinter welchem unterschiedliche Werte, Beurteilungen oder Gefühle stehen und aus denen die Konfliktbeteiligten gegensätzliches Verhalten ableiten. Nicht selten handelt es sich dabei um Missverständnisse aufgrund fehlender, falscher oder falsch verstandener Informationen der Kommunikation. (vgl. Mullins, 1989) Oftmals sind sich die betroffenen Personen ihrer Gegnerschaft bewusst. Ein solcher Konflikt wird daher auch als Kommunikations- und Interaktionsproblem bezeichnet. Nach Morton Deutsch gibt es vier verschiedene Merkmale eines Konfliktes. (vgl. Deutsch, 1976)

Zum einen kann die Kommunikation verzerrt, irreführend oder bewusst getäuscht werden. Zum anderen kann die Trennung der Inhalte viel schärfer und somit als vollkommen unvereinbar wahrgenommen werden. Konflikte äußern zudem Misstrauen, Argwohn oder Feindseligkeit. Konfliktparteien verhalten sich egozentrisch und versuchen das eigene Vorgehen anderen Menschen aufzuzwingen. (vgl. Hugo-Becker, 2000)

Konflikte zwischen zwei Individuen schwellen, wenn die Beteiligten ungeduldig miteinander umgehen, sich gegenseitig ins Wort fallen und nur auf dem eigenen Standpunkt beharren. Die Individuen beklagen sich gegenseitig, dass der andere sie selbst nicht verstehen würde und kommunizieren dabei einen aggressiven Unterton. (vgl. Hugo-Becker, 2000)

2.2 Konfliktbewältigung

Ein Konflikt kann nicht einfach hingenommen werden, da sich ohne ein Einwirken eine explosive Kraft und destruktive Dynamik entwickeln kann. (vgl. Berkel, 2014, S.71) Um diese lösen zu können, bedarf es vielfältiger Kompetenzen. Konflikte können aus jeglicher Art entstehen, weshalb der Begriff der Konfliktlösung nicht mit einer Problemlösung gleichgesetzt werden kann. Dies liegt größtenteils daran, dass Konflikte, im Gegensatz zu Problemen, nicht beseitigt oder aufgehoben werden können. Die unterschiedlichen Assoziationen, welche zu einem Konflikt geführt haben, existieren weiter und verschwinden nicht. Um einen Konflikt endgültig zu lösen, muss man daher auch die Träger beseitigen. (vgl. Berkel, 2014, S.71ff.)

„Die Bezeichnung Konfliktbewältigung verweist auf die Eigenschaften, die eine konfliktfähige Person auszeichnen, bestimmt die Prinzipien und Grenzen der ethischen Bewertung von Lösung und ordnet den Raum für eine differenzierte Einteilung der Konfliktformen.“ (Berkel, 2014, S. 72)

In den folgenden Abschnitten werden zwei verschiedene Theorien der Konfliktbewältigung nach Thomas - Kilmann und Rosenberg beschrieben. Thomas - Kilmann bezieht sich dabei auf Untersuchungen „wie“ Menschen mit Konflikten umgehen und Rosenberg liefert einen Ansatz des produktiven Umgangs mit konflikthaften Situationen.

2.2.1 Die Kommunikationsstile nach Thomas - Kilmann

Der Amerikaner Thomas - Kilmann hat Forschungen in Bezug auf das Verhalten von Menschen in Konfliktsituationen betrieben. Aus diesen Forschungen visualisierte er ein Modell über das Verhalten einer Person in Konfliktsituationen, welches systematisch beurteilt wird. Sein zweidimensionales Modell umfasst fünf verschiedene „conflict- handling modes“. Er klassifiziert jedes dieser einzelnen „conflict- handling modes“ entlang von zwei Dimensionen. Konfliktsituationen werden durch Thomas - Kilmann als Ereignisse bezeichnet, in denen zwei Kommunikationspartner unterschiedliche Ansichten vertreten und diese nicht miteinander vereinbaren können oder diese als unvereinbar erscheinen. In derartigen Situationen ordnet er das Verhalten einer Person diesen zwei Dimensionen zu:

§ 1. Dimension Selbstbehauptung: Darunter versteht Thomas - Kilmann, dass die betroffene Person versucht die eigenen Interessen in den Vordergrund zu stellen und besondere Geltung zu verleihen.

§ 2. Dimension kooperatives Verhalten: Kooperatives Verhalten bezeichnet Thomas - Kilmann durch eine Berücksichtigung der Interessen des Gesprächspartners. (vgl. Thomas, 1992)

Seine Untersuchungsergebnisse stellt er anhand eines Koordinatensystems dar.

Die beiden Verhaltensweisen sind in der Abszisse (kooperatives Verhalten) und Ordinate (Selbstbehauptung) dargestellt (siehe Abb. 1). Er nutzt diese um daraus fünf Konfliktbewältigungsmodalitäten abzuleiten: (vgl. Thomas, 1992)

§ Konkurrierend (kooperatives Verhalten gering, hohe Selbstbehauptung)

§ Entgegenkommend (kooperatives Verhalten hoch, geringe Selbstbehauptung)

§ Meidend (kooperatives Verhalten gering, geringe Selbstbehauptung)

§ Zusammenarbeitend (kooperatives Verhalten hoch, hohe Selbstbehauptung)

§ Kompromissbereit (ausgeglichener Mittelwert der Verhaltensweisen)

Abb.1: Konfliktbewältigung nach Thomas - Kilmann

Eigene Darstellung in deutscher Sprache (Originaltext Englisch) in Anlehnung an: Thomas, K. W. (1992)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Je nach vorhandenen Maß der beiden Verhaltensweisen ordnet Thomas - Kilmann das Verhalten einer Person in dieses System ein. Eine Person kann demnach entweder sehr kooperativ oder überhaupt nicht kooperativ bzw. mit einem hohen oder sehr geringen Maß an Selbstbehauptung interagieren. Für eine systemische Einordnung in das Koordinatensystem definiert Thomas - Kilmann die fünf Konfliktbewältigungsmodalitäten genauer.

Die konkurrierende Position ist durch einen machtorientierten Modus bestimmt. Eine solche Person verfolgt stets ihre eigenen Anliegen auf Kosten des anderen Gesprächspartners. Auch versucht sie konsequent ihre eigene Position durch ein hohes Maß an Argumentationsstärke durchzusetzen. Eine typische Eigenschaft ist beispielsweise das Beharren auf dem eigenen Standpunkt, ohne die Berücksichtigung anderer Anliegen. (vgl. Thomas, 1992)

Der Modus der Zusammenarbeit zeichnet sich dadurch aus, dass die Person mit anderen Gesprächspartnern zusammen an einer Lösung arbeitet, mit dem Ziel die Anliegen aller zufriedenzustellen. Basis dafür ist eine umfassende Thematisierung und Analyse des Problems und der Anliegen aller Personen. Das Verhalten kooperierender Personen basiert auf der Fähigkeit zum Zuhören, Verstehen und Mitfühlen, sowie die Bemühung beide Seiten zufriedenzustellen.

Gegensätzlich dazu symbolisiert der Modus vermeidend Nachgiebigkeit und einen niedrigen Maß an Kooperation. Die Person sorgt sich weder um die eigenen Aspekte, noch um die der anderen Person. Der Gesprächspartner umgeht den Konflikt, indem er z.B. das Problem nicht annimmt, bzw. geringe Bedeutung verleiht und somit eine Problembewältigung aufschiebt. (vgl. Thomas, 1992)

Letzteres Extremum ist das Entgegenkommen und somit das Gegenteil von konkurrierend. Entgegenkommende Personen vernachlässigen eigene Interessen, damit die der anderen Person berücksichtigt werden können. Dadurch entsteht eine gewisse Art von Selbstaufopferung um die Probleme anderer Menschen zu lösen. (vgl. Thomas, 1992)

Kompromisse eingehen bildet graphisch gesehen den Mittelpunkt des Koordinatensystems. Personen gehen Kompromisse mit dem Ziel ein, eine sinnvolle und zufriedenstellende Lösung für beide Parteien zu finden. Dabei wird ein Mittelweg zwischen konkurrieren und entgegenkommen verfolgt, wobei mehr Eigenschaften des Modus konkurrieren, jedoch weniger Eigenschaften des Modus entgegenkommen abgebaut werden. Das Problem wird thematisiert, doch nicht in der Ausprägung wie beim Modus Zusammenarbeiten. (vgl. Thomas, 1992)

Das Konfliktbewältigungsmodell ist leicht verständlich und durch das Identifizieren alternativer Konfliktstile wird ermöglicht Konflikte neu auszurichten und deeskalierend zu handeln. Daher eignet sich das Model um mit Hilfe eines Fragebogen oder Test die fünf Konfliktstile zu identifizieren und somit zu Lösungen in der Konfliktbewältigung beizutragen. Beispielsweise greift das Unternehmen OPP auf das Konfliktbewältigungsmodell nach Thomas - Kilmann zurück. OPP bietet verschiedene Schulungen und Beratung für unternehmerische Herausforderungen an, unter anderem auch einen Test, welcher auf dem Thomas - Kilmann Modell beruht. Mittels eines Fragebogens und der Analyse des jeweiligen Konfliktstils kann einzelnen Personen ermöglich werden Konflikte zu verstehen, sowie alternative Möglichkeiten im Umgang mit verschiedenen Situationen zu schaffen. (https://www.opp.com/de-DE/tools/TKI)

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Konflikte und Konfliktlösung. Konfliktbewältigung nach Thomas-Kilmann und Rosenberg
Hochschule
Hochschule der Bundesagentur für Arbeit - Mannheim/Schwerin
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V441955
ISBN (eBook)
9783668807396
ISBN (Buch)
9783668807402
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konflikt, Konfliktlösung, Beratung
Arbeit zitieren
Sarah Maria Held (Autor:in), 2017, Konflikte und Konfliktlösung. Konfliktbewältigung nach Thomas-Kilmann und Rosenberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441955

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