Wie steht es um die verfassungsmäßig einzig wirklich demokratisch legitimierten Institutionen in Deutschland? Welche Position übernehmen die Parlamente im politischen Orchester Deutschlands heutzutage?
Dieser Literaturbericht will sich der Frage weniger von der theoretischen Seite als vielmehr von der Seite der praktischen Politik aus nähern. Dies geschieht anhand der Betrachtung einer Fallstudie zum Thema Koalitionen auf Landesebene. Die Arbeit beschäftigt sich mit ausgesuchten Teilen der Studie „Regieren in Koalitionen. Handlungsmuster und Entscheidungsbildung in deutschen Länderregierungen“ von Sabine Kropp. Im Mittelpunkt des Interesses stehen die Koalitionsverhandlungen.
Diese Studie von verschiedenen Koalitionsverhandlungen und deren übergreifenden Gemeinsamkeiten bietet Möglichkeiten, aus der Realität heraus, Antworten auf die Frage nach der Relevanz von Länderparlamenten zu finden. Aus Struktur und Ablauf der Koalitionsverhandlungen sowie aus den Handlungen der beteiligten Koalitionspartner sollen Rückschlüsse auf die reale Position der Parlamente im Politikprozess gezogen werden.
Die übergeordnete Fragestellung der Arbeit ist demnach, welches Verständnis von der Rolle von Parlamenten sich aus der Betrachtung von Koalitionsverhandlungen gewinnen lässt. Von Interesse sind daher hauptsächlich die Aussagen zur Rolle des Parlamentes. Die Arbeit ist daher selektiv und es werden größere Teile der Studie ausgeklammert.
Im ersten Teil werden die Ziele der Studie aufgezeigt und der Aufbau sowie die theoretischen Grundlagen zusammengefasst.
Der zweite Abschnitt befasst sich dann mit den konkreten Erkenntnissen der Fallstudie. Hier steht die Beschreibung der Koalitionsverhandlungen im Vordergrund. Die Koalitionsverhandlungen sind daher von besonderem Interesse, da sie das Bindeglied zwischen der Wahl und der späteren parlamentarischen Arbeit darstellen und ein großer Teil der Politik bereits hier festgelegt wird.
Die Rolle und das Verständnis von Parlamentarismus soll dann im dritten Teil anhand der Betrachtung der Fallbeispiele herausgearbeitet werden.
In der Schlussbetrachtung werden die Ergebnisse zusammengefasst und eine abschließende Bewertung vorgenommen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG UND FRAGESTELLUNG
2. HAUPTTEIL
2.1 DIE FALLSTUDIE, AUFBAU UND THEORIE
2.2 ERKENNTNISSE ÜBER KOALITIONSVERHANDLUNGEN
2.3 FOLGERUNGEN FÜR DIE ROLLE DES PARLAMENTES
3. SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die tatsächliche Relevanz von Landesparlamenten im Kontext von Koalitionsverhandlungen. Die zentrale Forschungsfrage lautet, welches Verständnis von der Rolle der Parlamente aus der Betrachtung der Koalitionsbildung gewonnen werden kann, wobei insbesondere das Spannungsfeld zwischen Parteienmacht und parlamentarischer Mitwirkung analysiert wird.
- Analyse der Rolle von Parlamenten im politischen Prozess
- Untersuchung von Koalitionsverhandlungen auf Landesebene
- Die Dominanz informeller Entscheidungsstrukturen
- Das Verhältnis zwischen Parteien und parlamentarischen Fraktionen
- Effizienz versus demokratische Transparenz
Auszug aus dem Buch
2.2 Erkenntnisse über Koalitionsverhandlungen
Die Erkenntnisse der Studie über das Fallbeispiel der Koalitionsverhandlungen werden im folgenden im Hinblick auf die Rolle der Parlamente zusammengefasst. Dabei werden hier lediglich die Aussagen erwähnt, die für die Fragestellung als wichtig erachtet werden.
Wie werden die Wahlergebnisse umgesetzt? Aus der Wahl des Parlamentes leitet eine Koalition ihre Legitimation ab. Wie wird also mit dem Wählerwillen umgegangen, und hat das Parlament mehr als nur einen formalen Stellenwert? Der Wählerwille äußert sich in den von den Parteien erzielten Mandaten im Parlament. Diese stellen nun für die Parteien eine wichtige Ressource dar, die in den Koalitionsverhandlungen genutzt werden kann. Ein ebenfalls wichtiger Aspekt ist der des „dominant players“, einer Partei die z.B. damit drohen kann mit einem anderen Partner zu koalieren. Es zählt somit nicht die rein parlamentarische Stärke einer Partei, sondern vielmehr ihre relative oder perzipierte Stärke. Von einer exakten Umsetzung des Wählerwillens gemäß der parlamentarischen Verhältnisse kann also nicht gesprochen werden, da der Einfluss einer kleinen Partei wie, z.B. der F.D.P. in Rheinland-Pfalz, größer sein kann als er dem Parlament nach ein dürfte.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der personale Faktor: Einzelne Personen spielen oft eine maßgebliche Rolle, da bei Koalitionsverhandlungen immer nur kleine Zirkel die wichtigen Entscheidungen treffen und oft werden „(...) die Fraktion, die Leitungsebene der Regierung und die Parteispitzen in der [Verhandlungs-]Kommission personell miteinander verzahnt, (...).“ Eine Trennung zwischen Fraktion und Partei findet nicht statt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG UND FRAGESTELLUNG: Die Einleitung führt in die Problematik der parlamentarischen Legitimation ein und definiert das Ziel, die Rolle der Parlamente anhand einer Fallstudie zu Koalitionsverhandlungen kritisch zu hinterfragen.
2. HAUPTTEIL: Dieser Teil analysiert den Aufbau der gewählten Fallstudie, untersucht die Dynamiken der Koalitionsverhandlungen und leitet daraus Folgerungen für die Bedeutung der parlamentarischen Ebene ab.
3. SCHLUSSBETRACHTUNG: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Parlamente im Prozess der Koalitionsbildung lediglich eine untergeordnete Rolle spielen, während informelle parteipolitische Zirkel dominieren.
Schlüsselwörter
Parlamentarismustheorie, Koalitionsverhandlungen, Landesregierungen, Parteienstaat, Demokratische Legitimation, Regierungsbildung, Fraktionen, Koalitionsausschuss, Informelle Politik, Politische Steuerung, Landesparlamente, Politische Entscheidungsprozesse, Transparenz, Parteienwettbewerb
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die tatsächliche politische Rolle und Relevanz von Parlamenten im Prozess der Regierungsbildung in Deutschland, insbesondere bei Koalitionsverhandlungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Koalitionsverhandlungen auf Landesebene, das Verhältnis von Parteien und Parlamenten sowie die Effizienz informeller Entscheidungsstrukturen im Vergleich zu formalen parlamentarischen Abläufen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und inwieweit Parlamente als zentral legitimierte Institutionen tatsächlich Einfluss auf die inhaltliche Ausgestaltung von Koalitionsverträgen nehmen oder ob sie eher flankierende Rollen einnehmen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor verwendet eine Literaturanalyse auf Basis einer ausgewählten Fallstudie, um die theoretischen Aussagen mit der politischen Realität abzugleichen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil vertieft?
Der Hauptteil beleuchtet, wie Wahlergebnisse in Koalitionen umgesetzt werden, welche Rolle personale Faktoren und der "Dominant Player" spielen und wie informelle Gremien wie Koalitionsausschüsse die parlamentarische Willensbildung beeinflussen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Koalitionsverhandlungen, Parlamentarismustheorie, Parteienstaat, informelle Regierungsbildung und die schwache Rolle formaler parlamentarischer Institutionen.
Warum spielt das Parlament in Koalitionsverhandlungen laut der Arbeit oft nur eine "zweite Geige"?
Da wichtige Entscheidungen vorab in informellen Zirkeln und durch Parteispitzen getroffen werden, bleibt dem Parlament oft nur die formale Bestätigung der vorab ausgehandelten Verträge.
Welche Rolle spielt die Transparenz bei diesen Prozessen?
Laut der Studie wird Transparenz kaum angestrebt, da sie die Entscheidungseffizienz in kleinen Verhandlungsgruppen hemmen würde, was jedoch die demokratische Qualität des Prozesses mindert.
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- Carsten Freitag (Author), 2003, Bausteine moderner Parlamentarismustheorie. Koalitionsverhandlungen und die Rolle von Parlamenten anhand einer Fallstudie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44199