Die Gruppe der G7: Klassischer Hegemon oder neuartige Institution?

Zum Aufsatz "From Traditional to Institutionalized Hegemony" von Alison Bailin


Rezension / Literaturbericht, 2002
12 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Hauptteil
2.1 Theoretische Ausgangslage
2.2 Institutionalisierte Hegemonie als neues Konstrukt
2.2.1 Globale Machtkonzentration
2.2.2 Gruppenidentität
2.2.3 Kapitalistische Demokratien
2.2.4 Der Vorbereitungsprozess
2.2.5 Ein System der Interaktion zwischen Großmächten
2.2.6 Die Dokumentation
2.3 Die G7. Eine institutionelle Hegemonie?

3. Bewertung / Schlussbetrachtung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

Dieser Literaturbericht beschäftigt sich mit dem Aufsatz „From Traditional to Institutionalized Hegemony“ von Alison Bailin. Die hier verwendete Version ist vom Februar 2001 und stammt von der G8-Website der Universität von Toronto. Dr. Alison Bailin forscht derzeit an der Universität von Toronto mit der G8 Forschungsgruppe.

In einer von Globalisierung gekennzeichneten Welt stellt die Gruppe der sieben führenden Industrienationen (G7), mit den jährlichen Weltwirtschaftsgipfeln, eine Besonderheit dar. Die Besonderheit liegt zum einen in dem selbstgewählten Anspruch die globalisierte Weltwirtschaft zu steuern und auftretende Krisen zum eigenen Nutzen zu bewältigen. Zum anderen liegt sie in dem betont informellen Gefüge der Gruppe der G7.

Die Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Japan bilden heute die G7. Weiterhin gehört Russland zur Gruppe der G8, es besitzt jedoch kein Stimmrecht. Auf den Weltwirtschaftsgipfeln werden unterschiedliche Themen behandelt wie z.B. gesamtwirtschaftliche Entwicklung, Währungspolitik, Welthandel, Energiepolitik, Nord-Süd-Probleme u.a.

Bei der Betrachtung dieser Tatsachen stellen sich viele Fragen. Wieso bilden gerade diese Staaten heutzutage die G7? Worauf gründet sich die Macht einer Gruppe von Staaten die sich absichtlich kein umfassendes formelles Gefüge geben will? Besonders interessant ist in Anbetracht dieser speziellen Voraussetzungen die Frage was die G7 eigentlich darstellt und wie es funktioniert.

Alison Bailin versucht in dem vorliegenden Beitrag eine Antwort auf diese letzte Frage zu geben. Dabei nutzt die Autorin die traditionelle intergouvernementale Hegemonietheorie und die Institutionalismustheorie als Ausgangspunkt für ihre Argumentation.

Dieser Literaturbericht versucht nun die Argumentation der Autorin kritisch nachzuvollziehen. Besonders interessant ist hier die methodische Herangehensweise an das Problem, sowie die Plausibilität der These. Die Gliederung orientiert sich daher am Aufbau des Beitrags.

2. Hauptteil

2.1 Theoretische Ausgangslage

Der erste Ansatz der Autorin ist theoretischer Natur. Zunächst verweist Bailin auf zwei anerkannte Theorien der internationalen Politik, die traditionelle Hegemonietheorie und die neoliberale Institutionalismustheorie.[1] Die beiden Theorien kommen zu unterschiedlichen Erklärungen für die gegenwärtige Situation der G7 in der internationalen Politik.

Nach der Hegemonietheorie gibt es immer eine Überlegenheit und Vormachtstellung eines Staates. Dieser Hegemon nutzt dabei seine überlegenen Kapazitäten, um die für eine kapitalistische Weltwirtschaft benötigten Güter wie Liquidität, offene Märkte und Investitionen bereitzustellen. Dementsprechend sind die Vereinigten Staaten immer noch die hegemoniale Hauptmacht, die die liberale Weltwirtschaftsordnung zusammenhält.[2]

Die Institutionalismustheorie hingegen betont die Notwendigkeit internationaler Institutionen mit festen Regeln wie z.B. die Weltbank, die Welthandelsorganisation (WHO) und der Internationale Währungsfond (IWF). Diese Institutionen, nicht der Hegemon, regulieren die Weltwirtschaft mit Hilfe wirtschaftlich mächtiger Staaten.[3]

Diese Theorien können jedoch den status quo nicht hinreichend erklären. Die USA sind nicht mehr in der Lage alle Anforderungen an die hegemoniale Macht allein zu erfüllen. Auch wenn sich die Wissenschaft darüber streitet wie weit die amerikanische Wirtschaftsmacht geschrumpft ist, steht fest, dass andere Mächte, wie z.B. die EU und Japan, stärker geworden sind. Diese Staaten erkennen, dass es notwendig ist zu kooperieren, um das bestehende Weltwirtschaftsgefüge zu erhalten. Was die bestehende Hegemonietheorie nicht erklären kann ist, warum die Staaten nicht die eigentlich effizienteste Lösung wählen indem sie Cheating-Anreize nutzen und weitestgehend Trittbrettfahren.[4]

Die existierenden internationalen Institutionen sind aufgrund ihrer Größe nicht effizient genug um das Defizit der schrumpfenden Vereinigten Staaten ausgleichen zu können. Der Institutionalismus hält trotzdem nutzbare Ideen parat. Es wird mit „coordination games“[5] beschrieben wie sich Staaten verhalten können, wenn sie versuchen gemeinsam internationale Stabilität zu schaffen. Leider gibt es nach Bailin drei Erklärungslücken. Erstens wird die Signifikanz der Macht außer Acht gelassen. Diese muss von den Großmächten geliefert werden, denn ohne ausreichende Macht kann keine Stabilität erzeugt werden. Zweitens fehlt großen internationalen Organisationen die Flexibilität um Krisen schnell zu bewältigen. Drittens können die meisten Situationen mit Cheating-Anreizen mittels coordination games nicht gelöst werden. Doch gerade dieser Natur sind die meisten Fälle von internationaler Zusammenarbeit.[6]

Wie lässt sich dann die momentane globale Situation erklären und welche Rolle spielt die Gruppe der sieben?

Zur Beantwortung dieser Fragen führt Alison Bailin die Theorie der institutionalisierten Hegemonie ins Feld. Laut dieser Theorie können Großmächte zusammenarbeiten, wenn bestimmte institutionelle Voraussetzungen erfüllt sind. Die Großmächte haben zusammengenommen die notwendigen hegemonialen Kapazitäten, um internationale Wirtschaftskrisen zu bewältigen.

In der Theorie der institutionalisierten Hegemonie führt die Autorin die beiden o.g. Theorien, die einzeln unzureichend bleiben, zu einer kombinierten Theorie zusammen.[7]

[...]


[1] Vgl. Alison Bailin: From Traditional to Institutionalized Hegemony, S. 3

[2] Vgl. ebd., S. 3

[3] Vgl. ebd., S. 3

[4] Vgl. ebd., S. 5 ff.

[5] Ebd., S. 6

[6] Vgl. ebd., S. 6 ff.

[7] Vgl. ebd., S. 4

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Gruppe der G7: Klassischer Hegemon oder neuartige Institution?
Untertitel
Zum Aufsatz "From Traditional to Institutionalized Hegemony" von Alison Bailin
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Institut für Internationale Politik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
12
Katalognummer
V44200
ISBN (eBook)
9783638418478
ISBN (Buch)
9783640885497
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gruppe, Klassischer, Hegemon, Institution
Arbeit zitieren
Carsten Freitag (Autor), 2002, Die Gruppe der G7: Klassischer Hegemon oder neuartige Institution?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44200

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