Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Berufsgruppe der Bader in der Frühen Neuzeit. Interessant an diesem Beruf ist, dass seine Stellung innerhalb der Gesellschaft schwankte, sowohl regional wie auch epochal. In der wissenschaftlichen Literatur wird die Stellung der Bader am Rande der Gesellschaft verortet und beschrieben. Bis auf wenige Ausnahmen herrscht darüber auch Einigkeit. Die Arbeit des Baders wurde von allen Gesellschaftsschichten in Anspruch genommen. So ist die Frage, warum diese Gruppe, obwohl sie gesellschaftlich von Notwendigkeit war, ausgegrenzt wurde und wie die Obrigkeit zu ihr stand. In dieser Hausarbeit wird versucht, diese beiden Fragen zu klären. Um zu verstehen, wie die Obrigkeit handelte, müssen die Vorurteile gegen die Bader deutlich werden. Als Quelle dient dazu der Gildebrief aus dem Jahr 1669, konfirmiert durch den Kurfürsten Friedrich Wilhelm, an die Bader der Altmark und Prignitz. Die Frage an die Quelle ist, ob dieser Gildebrief der Resozialisierung diente.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausgrenzung von (medizinisch) notwendigen Berufen
3. Stellung der Bader innerhalb der Gesellschaft
3.1. Pflichten und Aufgaben des Bader
3.2. Die Badstube
3.2.1. Untergang der Badstube
3.2.2. Die Sittenlosigkeit in den Bädern
3.3. Die Zunft
3.4. Formen der Ausgrenzung
4. Reaktionen der Obrigkeit
5. Fazit
6. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziale Randstellung der Bader in der Frühen Neuzeit und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob der Gildebrief des Kurfürsten Friedrich Wilhelm aus dem Jahr 1669 als Instrument zur Resozialisierung dieser Berufsgruppe diente.
- Gesellschaftliche Ausgrenzung und Stigmatisierung heilkundiger Handwerksberufe
- Die Rolle der Badstube als Ort der Hygiene und sozialer Konfliktpunkt
- Strukturen des Baderhandwerks und der Zunftorganisation
- Einfluss von Vorurteilen (Sittenlosigkeit, Trunkenheit) auf das Ansehen der Bader
- Wissenschaftliche Analyse der Obrigkeitsreaktionen und Resozialisierungsversuche
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Untergang der Badstube
Die Badkultur verebbte in der Frühen Neuzeit. Erstens veränderten die Seuchen, wie etwa die Syphilis, die Wahrnehmung des Bades. Krankheit und Gesundheit hingen im damaligen Verständnis immer mit Gott zusammen. Die Ursache der Krankheit war nicht so wichtig wie deren Sinn. Die Krankheit der Seele und des Körpers waren eng miteinander verbunden. Das Verständnis von Krankheit war auch eng mit den Gestirnen verbunden. Gott veränderte die Gestirne, die daraufhin die Luft verpesteten. Das hatte eine Veränderung der Säfte innerhalb des Menschen zur Folge und man wurde krank. Laut Josef Grünpeck (1473-1532) zeigen die Gestirne die Absicht Gottes. Krankheit, Hungersnöte und Kriege seien auf drei Sünden zurückzuführen: Hochmut, Geiz und Unkeuschheit. Die warme Luft in den Badstuben öffnete laut Grünpeck die Poren, und die verpestete Luft konnte eindringen. Daher sollte man diese meiden. Dass die Syphilis Folge von Geschlechtsverkehr mit Infizierten ist, wurde als Erkrankungsursache nur nebenbei erwähnt. Die Unkeuschheit als Sünde war die wichtigere Ursache. Geschlechtskrankheiten wurden unter der Einwirkung vom Teufel oder Gott verstanden. Nach Annemarie Kinzelbach führte die Angst vor Syphilis nicht zum Untergang der Badstuben, sondern die Obrigkeiten schufen neue Hygienevorschriften.
Dies würde aber bedeuten, dass die Menschen verstanden hätten, dass Geschlechtsverkehr, und nicht Luft, Ursache für Syphilis ist. Da aber unabhängig von der Syphilis dem Bad neue gesundheitsschädigende Faktoren im Zusammenhang mit der warmen Luft angelastet wurden, wie Kopfschmerzen, Verweichlichung, Sehminderung und Schäden am Hirn, ist ein allgemeiner Glaube an die Erkrankung durch verpestete Luft wahrscheinlich. Außerdem konnte Gott nicht durch Hygieneverordnungen aufgehalten werden. So kann zusammenfassend gesagt werden: ob es nun sexuelle Handlungen in den Badstuben gab oder nicht, war gemäß damaliger Auffassung für die Ansteckung mit Syphilis nicht von Belang, denn man steckte sich automatisch durch die Luft an. Insofern spielte der Ausbruch der Syphilis sicherlich eine Rolle beim Niedergang der Bäder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der gesellschaftlichen Ausgrenzung der Bader ein und erläutert die Forschungsfrage hinsichtlich des Gildebriefs von 1669.
2. Ausgrenzung von (medizinisch) notwendigen Berufen: Dieses Kapitel analysiert allgemeine Ursachen für die soziale Stigmatisierung bestimmter Handwerksberufe im Mittelalter und der Frühen Neuzeit.
3. Stellung der Bader innerhalb der Gesellschaft: Der Abschnitt beleuchtet das Aufgabenprofil, die soziale Einbettung und das Zunftwesen der Bader sowie die Vorurteile, die zu ihrer Randstellung führten.
4. Reaktionen der Obrigkeit: Hier wird untersucht, wie staatliche Stellen durch Gildebriefe und Regulierungen versuchten, den sozialen Status der Bader zu heben und ihr Handwerk zu professionalisieren.
5. Fazit: Das Fazit kommt zu dem Schluss, dass der Gildebrief zwar eine Resozialisierung beabsichtigte, diese jedoch aufgrund tief verwurzelter gesellschaftlicher Vorurteile scheiterte.
6. Bibliographie: Das Verzeichnis listet sämtliche herangezogene Forschungsliteratur sowie die verwendeten Quellen für die Analyse auf.
Schlüsselwörter
Bader, Frühe Neuzeit, Ausgrenzung, Unehrlichkeit, Badstube, Resozialisierung, Gildebrief, Zunftwesen, Syphilis, Sittenlosigkeit, Handwerk, soziale Randgruppen, Medizinalwesen, Kurfürst Friedrich Wilhelm, Obrigkeitsreaktionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die soziale Stellung und die Ausgrenzung der Berufsgruppe der Bader im Zeitraum der Frühen Neuzeit.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?
Im Fokus stehen die medizinische Notwendigkeit der Bader, das Ansehen des Badstubenbetriebs, die Rolle des Zunftwesens und die Versuche der Obrigkeit, diese Gruppe durch Regulierungen zu integrieren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Die zentrale Frage ist, ob der Gildebrief des Kurfürsten Friedrich Wilhelm aus dem Jahr 1669 als ein gezieltes Instrument zur Resozialisierung der Bader in der Altmark und Prignitz fungierte.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine historische Arbeit, die auf einer fundierten Auswertung zeitgenössischer Quellen (Gildebriefe) und aktueller wissenschaftlicher Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der allgemeinen Ausgrenzungsmechanismen, die detaillierte Analyse der Bader-Berufstätigkeiten, die Entwicklung der Badkultur und die Untersuchung der rechtlichen Reaktionen durch die Obrigkeiten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bader, Unehrlichkeit, Badstube, soziale Randgruppen, Zunftwesen und gesellschaftliche Wahrnehmung.
Warum wurde die Badstube von Zeitgenossen teilweise als sittenlos angesehen?
Die Kombination aus Nacktheit, der Anwesenheit beider Geschlechter und dem Gerücht, dass dort Kuppelei oder Prostitution stattfanden, schädigte den Ruf der Bader massiv.
Warum blieb die angestrebte Resozialisierung der Bader durch den Gildebrief letztlich ohne dauerhaften Erfolg?
Der Autor stellt fest, dass die tiefe gesellschaftliche Verankerung des Bildes der „Unehrlichkeit“ gegenüber der Macht administrativer Verordnungen dominierte, wodurch der soziale Status trotz staatlicher Bemühungen kaum stieg.
- Arbeit zitieren
- Konstantin Blaß (Autor:in), 2013, Diente der Gildebrief des Kurfürsten Friedrich Wilhelm im Jahr 1669 zur Resozialisierung der altmarkischen und prignitzschen Bader?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442002