Krafttraining im Alter


Seminararbeit, 2018
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gesundheit und Krankheit im Alter
2.1 Der Demographische Wandel
2.2 Das Sportengagement der älteren Bevölkerung

3. Die Sarkopenie mit zunehmendem Alter
3.1 Krafttraining
3.2 Bedeutung, Wirkung und Ziele des Krafttrainings im Alter

4. Krafttraining im Alter: Aber wie?

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Abb.1: Altersstruktur der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1950 und 2001, sowie eine Prognose für das Jahr 2020. Quelle: Klingholz, 2004

Tab.1: Empfehlungen für das Maximalkrafttraining im Alter. Quelle: Zahner & Steiner, 2013

Tab. 2: Empfehlungen für das Schnellkrafttraining im Alter. Quelle: Zahner & Steiner, 2013

1. Einleitung

Seit vielen Jahrzehnten beschäftigt sich die Sportwissenschaft mit dem Thema "Krafttraining mit alten Menschen", denn der richtige Einsatz von Bewegung ist ein Medikament ohne Risiko und Nebenwirkungen.

Die hohe Bedeutung und das Zusammenwirken von Gesundheit und Bewegung hat ihre Ursprünge in der Menschheitsgeschichte und gewinnt heute an zunehmender Bedeutung. Unsere heutige, moderne Gesellschaft ist geprägt von hochtechnisierten Erfindungen, aber auch durch mangelnder Bewegung der Bevölkerung. Der Homo sapiens ist ausgelegt auf Bewegung, denn dies ist notwendig, um unsere Leistungs- und Funktionsfähigkeit sowie die Funktionstüchtigkeit aller Organsysteme zu erhalten (vgl. Kapustin, 1980).

Der Alterungsprozess ist aktuell nicht nur ein sportwissenschaftliches Problem. Das Alter und das Älter werden ist derzeit eines der Topthemen unserer Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Abgesehen von regionalen Variationen ist die Alterung der Bevölkerungen ein globales Ereignis des 20. und 21. Jahrhunderts (vgl. Hoffmann et al., 2009).

Der älter werdende Mensch rückt demzufolge immer mehr in den öffentlichen Vordergrund in unserer Gesellschaft (vgl. Mechling,1998). Die demographische Entwicklung in Deutschland zeigt einen weiter ansteigenden Anteil der älteren Bevölkerung. Folglich führt dies zu einer großen finanziellen Belastung für das Gesundheitssystem, denn die medizinischen Betreuungs- als auch die Behandlungskosten steigen immerzu durch die wachsende Anzahl der älteren Bevölkerung. (Schweizerische Zeitschrift für Sportmedizin und Sporttraumatologie 62 (4), 23-28, 2014). Des Weiteren kommt es aufgrund des zunehmenden Kraftverlustes im Alter zu erhöhter Sturzgefahr. Folglich führt es zu persönlichen Einschränkungen in der Autonomie und Lebensqualität und auch bei der medizinischen Fürsorge (vgl. Marottoli,1992; Rubenstein, 2006).

Daraus ergibt sich für diese Arbeit folgende Fragestellung: Kann Krafttraining den altersbedingten Abbau der Skelettmuskulatur entgegen wirken und in einer Verbesserung der Maximal-und Schnellkraft resultieren?

Es ist bewiesen, dass ein zielgerichtetes Krafttraining den altersbedingten Risiken, wie dem Verlust an Muskelmasse und motorischen Kraftdefiziten entgegenwirkt. Somit gewinnt Krafttraining immerzu an Bedeutung in unserer heutigen Gesellschaft, da diese Form des körperlichen Trainings nicht nur zur körperlichen Fitness, sondern auch zur Rehabilitation und Prävention beiträgt.

2. Gesundheit und Krankheit im Alter

2.1 Der Demographische Wandel

In der Forschung als auch in der Öffentlichkeit wird immer häufiger und verstärkt über das Ausmaß und die Auswirkungen vom demografischen Wandel diskutiert. Die demografische Entwicklung in Deutschland stellt einen signifikanten Grund für die Bedeutungszunahme des Alterssport dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 : Altersstruktur der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1950 und 2001, sowie eine Prognose für das Jahr 2020. Quelle: Klingholz, 2004

Die Geschichte und Soziologie des Alterns in Abbildung 1 zeigt, dass zu Zeiten der beiden Weltkriege und der Weltwirtschaftskrise nur wenige Menschen ein hohes Alter erreichen konnten aufgrund der hohen Geburtenausfälle. Doch im Verlauf der letzten fünfzig bis einhundert Jahre kam es zur einer sichtbaren Erhöhung der Lebenszeit. Es kommt zu bedeutenden demographischen Veränderungen. Der Anteil der über 60-jährigen von 14,0% im Jahr 1950 steigt auf 24,1% im Jahr 2001 und ein weiterer Anstieg auf 29,3% wird für das Jahr 2020 erwartet. So leben derzeit ca. 17 Millionen Menschen im Alter von 65 Jahren und älter in Deutschland. Vorausberechnungen zu Folge wird diese Zahl auf ca. 24 Millionen im Jahr 2030 ansteigen (vgl. Statistisches Bundesamt, 2011). Auch die Zahl der extrem Alten über Hundertjährigen wird zunehmen. So berechnet eine United Nationsstudie, dass Deutschland im Jahr 2025 über 44200 Hundertjährige haben wird (vgl. Eichberg & Mechling, 2009).

Sowohl die Gründe für den demographischen Wandel in Deutschland als auch das "Überaltern" in allen Industriegesellschaften sind vielseitig. Durch eine geringe Geburtenrate und eine steigende Lebenserwartung, die überwiegend auf einer verringerten Sterblichkeit im Alter gründet, steigt die Zahl an älteren und alten Menschen in unserer Gesellschaft drastisch an. Außerdem kommt es zu einer deutlichen Reduzierung der Säuglingssterblichkeit. Aufgrund von Verbesserung der medizinischen und hygienischen Bedingungen, sowie eine Voll- bzw. sogar Überversorgung der lebensnotwendigen Güter durch wirtschaftliche und soziale Fortschritte erhöhen sichtlich die Lebensverhältnisse.

Die daraus resultierenden medizinischen Bertreuungs- und Behandlungskosten führen zu einer enormen finanziellen Belastung des Gesundheitssystems. Die Ursachen für die stetig wachsenden medizinischen Behandlungskosten sind einerseits die zunehmenden altersspezifischen Erkrankungen, andererseits die altersbedingte Verringerung der neuromuskulären Leistungsfähigkeit.

Die Vielzahl älterer, alter und auch hochbetagter Menschen führt zu einem bewussten Wahrnehmen des Alterns. Seit mehreren Jahren ist bekannt, dass Altern nicht nur Abbau und Verlust bedeutet, sondern Entwicklungsmöglichkeiten bestehen und durch gezielte Interventionen eine Wiedergewinnung von Fähigkeiten erfolgen kann (vgl. Lehr, 2000). So hat sich die Sichtweise auf das Altern verändert und die negativen Ansichten werden zunehmend durch die Erkenntnis der Vielfalt des Alters ersetzt.

Es entstand das neue Paradigma des „active aging“ oder auch „successful aging“ (vgl. Fernàndez-Ballesteros, 2008). Es geht um das Erhalten des Wohlbefindens im Alter durch physische, psychologische und soziale Interventionen sowie um die Prävention von Alterskrankheiten und physischen Einschränkungen. Dabei ist Altern nicht nur ein biologischer Prozess, sondern ein multidirektionaler und multidimensionaler Prozess, der durch eine Vielzahl von endogenen und exogenen Faktoren beeinflusst wird.

2.2 Das Sportengagement der älteren Bevölkerung

Ein wichtiger Einflussfaktor ist die regelmäßige körperliche Aktivität. Neben der Ernährung kann vor allem das Bewegungsverhalten und die körperliche Aktivität gut beeinflusst werden. Allerdings belegen aktuelle Zahlen, dass die körperliche Aktivität mit zunehmendem Alter abnimmt und Bewegungsmangel zu den bedeutendsten Risikofaktoren im Alter gehört. So ist die Bevölkerungsgruppe der über 65Jährigen die inaktivste Gruppe (vgl. GEDA, 2009). Dennoch zeigt die Erhebung von Wurm et al. (2010) im Rahmen des deutschen Alterssurveys, dass die Zahl der körperlich aktiven Senioren in den letzten Jahren zugenommen hat.

Ältere Menschen haben oft verschiedene Vorstellungen zum Krafttraining bzw. zum Alterssport. Es unterscheiden sich Triebe, Bedürfnisse, Wünsche und Interessen. Der Wunsch nach sozialem Kontakt wird vor allem im späteren Verlauf des Lebens immer weiter wirksam. Für die Sportmotivation Älterer ist eine emotionale Bindung als affektive Grundlage der Sportmotivation wichtig (vgl. Meusel, 1999). Trotz der bereits zahlreich aufgeführten positiven Auswirkungen des Sports auf Körper und Geist gibt es immer noch eine sehr große Anzahl Älterer, die keinen Sport treiben und keinen Sport treiben wollen. Die sogenannten Barrieren sind vielschichtig.

Allmer (1986) nennt acht Gründe für Barrieren und Hindernisse, wobei die politischen Barrieren abgebaut worden:

1. Ich bin gesund, ich brauche keinen Sport.
2. Sport ist ein zu großer Aufwand.
3. Sport vs. andere Interessen und Verpflichtungen.
4. Die sozialen Ängste
5. Sport ist Zeitverschwendung.
6. Für Sport ist es zu spät.
7. Informationsmangel: Der Mangel an Informationen über Sportangebote und Sportanlagen verhindert den Zugang zur sportlichen Betätigung.
8. Politische Barrieren: Diese sind zum Beispiel die ungenügende aktive Gesundheitsförderung, der unzureichende Umfang des Sportunterrichtes und die wenigen finanziellen Mittel für Alterssportgruppen.

3. Die Sarkopenie mit zunehmendem Alter

Der Begriff Sarkopenie hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten bei Ärzten und Forschern immerzu an Relevanz gewonnen (vgl. Henderson, 2009). Im Allgemeinen wird diese Bezeichnung mit dem Muskel- und Kraftverlust nach Alter und Geschlecht eines Individuums assoziiert (vgl. Bauer, 2008; Clark, 2008). Somit entsprechen rund 50% der 80- Jährigen und 13% bis 24% der unter 70-Jährigen den Merkmalen einer Sarkopenie (vgl. Baumgartner, 1998). Die Pathogenese der Sarkopenie ist durch viele Faktoren bedingt und gekennzeichnet von Mobilitäts- als auch Funktions-einschränkungen, Gleichgewichtsproblemen, Beschränkungen im Gangbild und Verlust der Eigenständigkeit (vgl. Henderson, 2009; Latham, 2003). Die Konsequenzen sind schwerwiegend und erstrecken sich über eine neuromuskuläre Einschränkung und Stürzen sowie Heim- oder Pflegeunterbringungen bis hin zur Krankenanstalt.

Mit zunehmenden Alter sinkt die allgemeine Leistungsfähigkeit durch kardiovaskuläre, pulmonale und degenerativ-reaktive Veränderungen am Bewegungsapparat (vgl. Hollmann, 1993). Die ersten Leistungseinbußen sind ab dem 30. Lebensjahr zu verzeichnen (vgl. Bauer et al., 1998).

Chronischer Bewegungsmangel wird verbunden mit etlichen orthopädischen, inneren und psychischen Krankheiten. Die altersbedingten, physiologischen Veränderungen sind weitgehend durch eine Reduzierung der Muskelproteinsynthese, Veränderungen der Hormone, mitochondrialen Funktionsstörungen und Apoptose bedingt und führen zu einer Verminderung der Skelettmuskelmasse (vgl. Marzetti, 2009; Dirks, 2005; Mühlberg, 2004).

Zur Messung einer Präventionsmaßnahmen bei Sarkopenie werden die positiven und negativen Effekte berücksichtigt. Die Proteinsynthese erhält somit eine Kernfunktion, denn bei einer ungenügenden Aktivierung resultiert dies in einer Reduzierung der Proteinreserven im Skelettmuskel (vgl. Henderson, 2009). Die Proteinvorräte sind gleichzusetzen mit der Skelettmuskelmasse, demzufolge ist eine Herabsetzung der Proteinsynthese ist im höheren Alter folgenschwer, denn sie nehmen Einfluss auf Stürze, Mobilität, Frakturen bei Osteoporose, arthrotische Probleme und die funktionelle Lage (vgl. Singh, 2002). Mithilfe von geeigneten Trainingsreizen kombiniert mit einer zeitlich exakten entsprechenden Einnahme von Eiweißen (min.0,8 g/kg KG/Tag) kann zur Steigerung der Proteinsynthese führen. Somit ist eine erhöhte Proteinsynthese zuständig für das Zellwachstum im Muskel (vgl. Tegtbur, 2009).

3.1 Krafttraining

In Anlehnung an den dimensionsanalytischen Strukturierungsansatz (vgl. Bührle, 1989; Bührle & Schmidtbleicher, 1981; Schmidtbleicher, 1980) erfolgt die Unterteilung der Kraftfähigkeit in die Komponenten Maximalkraft, Schnellkraft, Explosivkraft, Startkraft und Kraftausdauer auf der Basis morphologisch-physiologischer und neurophysiologischer Einflussgrößen. Im Vergleich zum phänomenologisch-beschreibenden Ansatz (vgl. Harre, 1986; Letzelter & Letzelter, 1986), welcher aus trainingspraktischen Gründen nur auf die drei Subkategorien Maximalkraft, Schnellkraft und Kraftausdauer eingeht. Jedoch stehen diese einzelnen Komponenten nicht gleichrangig auf einer Ebene. Obwohl sich alle Kraftkomponenten wechselseitig beeinflussen, bildet die Maximalkraftfähigkeit gemeinsam mit der Startkraft und der Explosivkraft die Grundlage für Schnellkraft sowie für die Kraftausdauer (Güllich & Schmidtbleicher, 1999; Pampus, 2001). Das bedeutet, dass einerseits Steigerungen der Maximalkraft mit Schnellkraft-und Kraftausdauersteigerungen einhergehen andererseits der Grad der Ausprägung von Schnellkraft und der Kraftausdauer von der Maximalkraft abhängt.

Die vorliegende Arbeit thematisiert in erster Linie die Maximal- und Schnellkraft. Die Maximalkraft stellt die höchstmögliche Kraft dar, die das Nerv-Muskel-System bei maximaler willkürlicher Kontraktion auszuüben vermag. Dabei wird eine statische von einer dynamischen Maximalkraft unterschieden (vgl. Kern, 2002).

Unter Schnellkraft wird die Fähigkeit des neuromuskulären Systems verstanden, den Körper oder Teile des Körpers mit maximaler Geschwindigkeit zu bewegen. Sie ist vor allem abhängig vom Querschnitt der für maximal schnelle Bewegungen erforderlichen schnellzuckenden Muskelfasern (vgl. Kern, 2002). Im Alter sind hauptsächlich die schnellen Typ-II-Muskelfasern vom Abbau der Muskelmasse betroffen (vgl. Mühlberg, 2004; Bogaerts, 2007). Die Typ-I-Muskelfasern, welche eine geringere Dichte an Mitochondrien aufweisen, bestehen weiterhin und nehmen im Vergleich zu den Typ-II-Muskelfasern zu.

3.2 Bedeutung, Wirkung und Ziele des Krafttrainings im Alter

In den letzten Jahren wurde das gesundheitliche Potenzial von Krafttraining stärker erkannt und als klassische Interventionsmöglichkeit hat sich das Krafttraining als effektive Methode zur Verlangsamung des Muskelmassenverlusts sowie zur Erhaltung und zum Aufbau der Muskelkraft etabliert (vgl. Dirks,2005). Krafttraining wird in der Physiotherapie und Rehabilitation verstärkt genutzt (vgl. Froböse & Lagerström, 1991; Radlinger et al., 1998). Auch im Gesundheitssport kann Muskelaufbautraining mittlerweile als etabliert betrachtet werden (vgl. Froböse & Lagerström, 1991; Zimmermann, 2000).

Krafttraining im Alter zielt auf den Erhalt der allgemeinen Gesundheit, Lebensqualität und Selbstständigkeit sowie auf die Entwicklung der Muskelmasse und -kraft ab. Konditionelle und koordinative Fähigkeiten leisten einen großen Teil beim Erhalt der Selbstständigkeit und spielen eine wichtige Rolle bei der Verrichtung und Ausübung des täglichen Lebens. Der aktuelle Forschungsstand zeigt, dass durch körperliche Aktivität die körperliche Leistungsfähigkeit mit all ihren Komponenten trainierbar ist (vgl. Eichberg & Mechling, 2009). So können durch ein altersgerechtes Training Kraft- und Ausdauerleistung verbessert und die Koordination und Beweglichkeit trainiert werden (vgl. Conzelmann, 1997; Meusel, 1996; Werle et al., 2006). Ein Mindestmaß an Kraft ist erforderlich, um die Sturzwahrscheinlichkeit im Alter zu reduzieren und Mobilitätseinschränkungen vorzubeugen (vgl. Pijnappels et al., 2008).

Querschnittstudien an Untrainierten zeigen, dass die Kraftleistung bis zum 30. Lebensjahr zunimmt. Ab dem 30. bis zum 55. Lebensjahr nimmt die Kraftleistung nur noch geringfügig zu. Nach dem Überschreiten des 60. Lebensjahres nimmt die Kraftleistung jährlich ab. Dies ist durch eine Verringerung des Muskelquerschnitts bedingt (vgl. Larsson et al., 1978).

Conzelmann (1997) hypothetisiert, dass die Trainierbarkeit der konditionellen Fähigkeit Kraft während des Erwachsenenalters unabhängig vom chronologischen Alter sei. Untermauert wird diese Hypothese durch mehrere Trainingsstudien mit über 70-Jährigen, die neben immensen Kraftsteigerungen auch signifikante Zunahmen der Muskelquerschnittsflächen erzielen konnten (vgl. Fiatarone et al., 1990; Fiatarone et al., 1994; Frontera et al., 1988).

Die Studie von Frontera et al. (1990) konnte nach einem 12 wöchigen Krafttraining eine Maximalkrafterhöhung der Beinkraft von 107% vorweisen. Zahlreiche andere Studien belegen, sofern ein überschwelliger und trainingswirksamer Reiz erreicht wurde, dass die Kraft nach durchschnittlich 10 Wochen um 40 bis 60% erhöht werden kann. Begründet wurde dies mit der Hypertrophie und der Querschnittsflächenvergrößerung der Muskulatur.

Wieser und Haber (2007) konnten mithilfe eines klassischen Krafttrainings mit Freihanteln, Geräten und am Kabelzug einen Anstieg der Maximalkraft um bis zu 38% bei über 70-Jährigen nachweisen.

Mithilfe eines intensiven, multidimensionalen Trainingsprogramm (Kraft-, Gleich-gewichts- und aerobes Training) zeigten Binder et al. (2002) bei älteren Personen mit sitzendem Lebensstil auf, dass sich Kraft als auch Gleichgewicht bei den Studienteilnehmern deutlich verbesserten. Ein kombiniertes Kraft- und Gleichgewichtstraining erscheint aus sturzpräventiver Sicht am effektivsten. Die Studie von Gillespie et al. (2009) zeigte, dass Sturzunfälle von selbstständig lebenden 65- bis 97-Jährigen durch Kraft- und Gleichgewichtstraining um 15–50% verringert werden konnten (vgl. Gillespie et al., 2009).

In jüngster Vergangenheit hat sich das Interesse der Forschung im Zusammenhang mit Krafttraining vermehrt dem Schnellkrafttraining zugewandt. Gemäß de Vos et al. (2005) verringert sich im Alterungsprozess die Schnellkraft schneller als die rohe Muskelkraft.

Mit Bezug darauf konnten Orr et al. (2006) verdeutlichen, dass ein Training der Schnellkraft mit geringeren Gewichten und hoher Ausführungsgeschwindigkeit zu einer Verbesserung des Gleichgewichts bei 70-Jährigen führt. Henwood et al. (2008) stellten ein allgemein bekanntes Krafttraining und ein Krafttraining mit hoher Ausführungsgeschwindigkeit gegenüber. Dabei erreichten sie vergleichbare positive Entwicklungen bei den Kraft- und Schnellkraftkomponenten.

Das Krafttraining im Alter mit ihren positiven Wirkungen gehen über die Aufrechterhaltung der Muskelmasse und -kraft hinaus. Auch in der Osteoporoseprävention spielt das Krafttraining eine wichtige Rolle. Durch mechanische Beanspruchung des Knochens (z.B. durch die Kontraktion des Muskels) lassen sich die Knochendichte und der Knochenmineralgehalt positiv verändern und dadurch das Frakturrisiko reduzieren (vgl. Paillard, 2014; Wolff et al., 1999).

Des Weiteren ist Krafttraining ein wichtiger Bestandteil in der Therapie und Rehabilitation von degenerativen Gelenkserkrankungen. Studien konnten positive Wirkungen von leichtem Krafttraining auf die Funktionalität, Mobilität und eine Reduktion von Schmerzen bei Arthrosepatienten darstellen (vgl. Ettinger & Afable, 1994; Ettinger et al., 1997).

Außerdem konnte gezeigt werden, dass Krafttraining bei Typ-2-Diabetikern ähnliche Effekte erzielt wie die Einnahme eines Antidiabetikas (vgl. Castaneda et al., 2002; Dunstan et al., 2002; Naci & Ioannidis, 2013)

Diese Befunde verdeutlichen die Sinnhaftigkeit eines regelmäßigen Krafttrainings bis ins hohe Alter. Die Wirkungsebenen von Krafttraining im Alter sind multidimensional und bei korrekter Umsetzung von weitreichender Bedeutung. Vor allem der präventive Gesichtspunkt des Kraft- bzw. Muskelaufbautrainings wird immer stärker fokussiert aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung sowie nicht zuletzt leerer Kassen im Gesundheitswesen.

4. Krafttraining im Alter: Aber wie?

Für die Erhaltung der Muskelmasse und der Mobilität im Alter sollte beim Krafttraining im Alter einerseits das klassische Hypertrophietraining fokussiert werden. In den allgemeinen Bewegungsempfehlungen der American Heart Association und des American College of Sports Medicine wird für Erwachsene über 65 Jahren empfohlen, mit 8-10 Kraftübungen á 10-15 Wiederholungen an 2-3 Tagen pro Woche zu trainieren (vgl. Garber et al., 2011).

Aus funktioneller und sturzpräventiver Sicht geht der Fokus andererseits auch in Richtung Schnellkrafttraining. Im Falle eines drohendem Gleichgewichtsverlustes ist eine erfolgreiche Korrekturbewegung zur Wiedererlangung des Gleichgewichts maßgeblich von einer schnellstmöglich mobilisierbaren Muskelschnellkraft abhängig. In diesen Situationen ist die Fähigkeit, schnell Kraft zu entwickeln, bedeutsamer als möglichst hohe Kraftwerte zu erzielen.

Studienergebnissen zufolge ist ein Krafttraining mit mittleren Lasten und explosiven Krafteinsätzen effektiver für die Verbesserung der Explosivkraft und die Bewegungsqualität von Alltagsaktivitäten als traditionelle Krafttrainingsmethoden (vgl. Bottaro et al., 2007; Hazell et al., 2007; Sayers, 2007). Aufgrund dessen dass die Explosivkraft im Alter schneller abnimmt als die Maximalkraft, sollte nach einem anfänglichen Maximalkrafttraining zur Verbesserung der Bewegungsqualität und Zunahme der Muskelmasse, die Bewegungsgeschwindigkeit erhöht werden bei gleichzeitiger Reduktion der Gewichtsbelastung, damit die Übungen so schnellkräftig wie möglich ausgeführt werden können (vgl. Skelton et al, 1994). In den Tabellen 1 und 2 sind Angaben zu den Belastungsnormativa eines Maximal- und Schnellkrafttrainings mit älteren Menschen zu entnehmen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Krafttraining im Alter
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Angewandte Bewegungswissenschaften)
Veranstaltung
Sportmedizin
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V442084
ISBN (eBook)
9783668809130
ISBN (Buch)
9783668809147
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Krafttraining im Alter, Krafttraining, Alter, Demographischer Wandel, Therapie, Prävention, Ernährung, Sarkopenie, Atrophie, Muskulatur
Arbeit zitieren
M.Sc. David R. (Autor), 2018, Krafttraining im Alter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442084

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