Dupin vs. Holmes - Ein Vergleich


Seminararbeit, 2000

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Kapitel: Person und Persönlichkeit
2. Kapitel: Freundschaft und Liebe
3. Kapitel: Methode und Instinkt

III. Schluss

I. Einleitung

Poe ist der „Begründer der Detektivnovelle“ (Depken 1). Auf diese Aussage stößt man immer wieder, wenn man sich mit Poes ‚tales of ratiocination‘ beschäftigt.

Aus dieser Behauptung folgt dann auch, dass C.Auguste Dupin, der Held aus seinen Detektiv-novellen, die Figur ist, durch die „die eigentliche Kriminalgeschichte ihren Anfang f[indet]“ (Vollenweider 51). Das heißt natürlich auch, dass Dupin, den man ja nun als Vorreiter späterer Detektivfiguren sehen kann, diese was ihre Ausgestaltung angeht nicht nur maßgeblich beeinflusst sondern sogar als das Vorbild vieler dieser Figuren dient.

Trotzdem führt Dupin in Bezug auf seinen Bekanntheitsgrad, vor allem was eine besondere ihm nachempfundene Gestalt betrifft, heutzutage eher ein Schattendasein. Stellt man nämlich heute die Frage nach einem berühmten Detektiv, so lässt die sehr bestimmte Antwort nicht lange auf sich warten: Sherlock Holmes!

Doch warum ist der Name Holmes „a household word in every country in the civilised world“ (Becker 12), während der Name Dupin, obwohl er ersterem Model steht, sehr vielen Men-schen sogar vollkommen unbekannt ist?

Genau diese Überlegung ist es, die meine Neugierde weckt und auf die sich folglich mein Entschluss gründet, in dieser Arbeit einen Vergleich zwischen Dupin und Holmes anzustellen.

Dabei soll die Vorbildfunktion Dupins betont werden, indem in jedem Abschnitt der Arbeit in einem ersten Schritt die Tatsachen, die Dupin betreffen, geschildert werden, um so eine Aus-gangsbasis für einen Vergleich mit Holmes zu schaffen.

Dieser Vergleich wird dann in einem zweiten Schritt vollzogen und soll sowohl Übereinstim-mungen als auch eventuelle Abweichungen zwischen den beiden Charakteren verdeutlichen, denn auch wenn ich in dieser Arbeit von der Richtigkeit der Aussage, dass Dupin als Vorbild für Holmes benutzt wird, ausgehe, bestreite ich natürlich keinesfalls, dass Holmes keine exakte Kopie Dupins ist.

Der anschließende dritte Schritt soll dann noch einmal die Kernaussage des jeweiligen Vergleichspunktes ganz kurz und treffend herausstellen.

Diese Arbeitsweise wähle ich auch, weil sie für mein Empfinden erlaubt, Übersichtlichkeit zu wahren, wofür ich gerne in Kauf nehme, dass die Arbeit etwas ausgedehnt wird.

II. Hauptteil

1.Kapitel: Person und Persönlichkeit

Als ersten Vergleichspunkt habe ich die Person und Persönlichkeit des jeweiligen Detektivs an sich ausgewählt.

Dupin ist ein französischer „gentleman“ (Poe 4), lebt in Paris und stammt aus einer reichen und vornehmen Familie, ist aber aufgrund einer „variety of untoward events“ (Poe 4) nun gänzlich verarmt. Daher ist der einzige Luxus, den er sich jetzt noch leistet, seine Bücher, die wohl einen großen Beitrag zu seinen bemerkenswerten Kenntnissen zum einen im Bereich der Weltliteratur, zum anderen aber auch im Bereich der Naturwissenschaften beitragen. So zitiert er des öfteren Denker wie Bryant (vgl Poe 134) oder Chamfort (vgl Poe 133), mit denen er sich genauso beschäftigt wie mit den „theories of Epicurus“ (Poe 7), dem Verwesungsvorgang von Wasserleichen (vgl Poe 53) oder bestimmten Arten von Pilzen (vgl Poe 53). All dieses wohl angelesene Wissen wird ergänzt durch Dupins eigenen Erfahrungsschatz, vor allem was die Stadt Paris und die Gewohnheiten, Eigenschaften und Denkweise seiner Bewohner angeht, was man sieht, wenn Dupin genau beschreibt, wie die „public opinion“ (Poe 52) in ‚The Mystery of Marie Rôget‘ zustandekommt.

Darüber hinaus ist Poes Held noch ein kulturell sehr begeisterter Mensch, der sich besonders im Bereich des Theaters auskennt (vgl Poe 6), weswegen er auch eine Zeile Crébillons benutzt, um dem Minister aus „The Purloined Letter“ einen Streich zu spielen (vgl Poe 138).

Nimmt man all dies zusammen, so erweckt Dupin also den Eindruck eines hochgebildeten, klugen und in wirklich allen Bereichen der Wissenschaften und auch des alltäglichen Lebens interessierten Mannes.

Doch nicht nur sein sowohl breitgefächertes als auch exaktes Wissen, sondern auch und wohl vor allem seine „außerordentliche[n], fast märchenhafte[n] Geisteskräfte“ (Depken S31) sind so erstaunlich an ihm. Dazu gehört zum einen seine phantastische Beobachtungsgabe, die so bestimmend ist, dass Dupin selbst behauptet: „observation has become with me, of late, a species of necessity“ (Poe 7), zum anderen seine noch viel unglaublichere Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und ihre Gedankengänge nachzuvollziehen, als wären sie seine eigenen (Poe 5ff).

Und genau diese Geisteskräfte zu benutzen, bereitet Dupin so viel „amusement“ (Poe 13), dass er sich der Fälle der drei Kurzgeschichten allein aus idealem Interesse annimmt. Der Erzähler selbst liefert eine passende Beschreibung für dieses Phänomen:

„I could not help remarking and admiring [...] a peculiar analytic ability in Dupin. He seemed, too, to take an eager delight in its exercise – if not exactly in its diplay – and did not hesitate to confess the pleasure thus derived.“ (Poe 5)

In der Tat ist die analytische Tätigkeit, die seine Geisteskräfte ihm erlauben, so wichtig für ihn, dass er eine sehr außergewöhnliche Lebensweise angenommen und sein gesamtes Leben in die Nacht verlagert hat, denn in der Dunkelheit kann er einfach besser nachdenken (vgl Poe 125). Erst wenn das Sonnenlicht, das er tagsüber mit Hilfe der Rolläden aus seiner Wohnung aussperrt, erlischt, wagt Dupin sich auf die Straßen, vor allem um dort seinen Beobachtungsdrang zu befriedigen (vgl Poe 5).

Seine Hingabe an die analytische Tätigkeit geht soweit, dass er sich, wann immer er sich ihr mit ganzer Kraft widmet, scheint er sich in seiner eigenen geistigen Welt zu befinden, denn seine Augen sind dann „vacant in expression“ (Poe 5), oder mit dieser „frigid and abstract“ (Poe 5) Art und der veränderten Stimme (vgl Poe 5) sogar ein vollkommen anderer Mensch zu sein. Der Erzähler spricht in diesem Zusammenhang von „the old philosophy of the Bi-Part Soul“ (Poe 5) und „a double Dupin - the creative and the resolvent“ (Poe 5).

Es ist wohl verständlich, dass dieser Lebenswandel vom unbeteiligten Zuschauer nicht nur als äußerst eigenartig sondern sogar als bedrohlich eingestuft werden kann, und der Erzähler selbst gibt zu, dass er und Dupin von ihren Mitmenschen durchaus für verrückt erklärt werden könnten (vgl Poe 5).

So vereint Dupin in einer Person das Bild des bewundernswerten hochgebildeten Genies mit dem des eher abschreckenden und etwas unheimlichen Exzentrikers, eigentlich ist er aber nur ein Mensch, der sein Leben so gestaltet, dass er ungehindert seiner einzigen Leidenschaft, nämlich der analytischen Tätigkeit, nachgehen kann.

Holmes ist im Gegensatz zu Dupin kein Franzose sondern Engländer, lebt aber ebenfalls in der Hauptstadt und Metropole seines Landes, nämlich London, und man erfährt, dass seine Großmutter französischer Abstammung ist (vgl Redmond 32). Sonst lernt man über Holmes Vorfahren genauso wenig wie über Dupins und weiß lediglich, dass sie „country squires“ (Redmond 32) gewesen sind. Auch von ihrem Vermögen ist nichts übrig geblieben, so dass Holmes nun ähnlich wie sein Vorbild in eher einfachen Verhältnissen lebt, was man daraus ersehen kann, dass er einen Mitbewohner für sein Appartment „at 221 B, Baker Street“ (Doyle I 167) sucht, um sich mit ihm die Miete zu teilen, wenn seine finanzielle Lage auch weit weniger bedenklich erscheint als Dupins, da er als „consulting detective“ (Doyle I 15), seinem selbstgewählten Beruf, gerne Klienten annimmt und sich damit etwas Geld verdient.

Auffällig ist, dass man bei Holmes sehr viel über seine äußere Erscheinung erfährt:

„In heigth he was rather over six feet, and so excessively lean that he seemed to be

considerably taller. His eyes were sharp and piercing [...] ; and his thin and hawk-like

nose gave his whole expression an air of alertness and decision. His chin, too, had the

prominence and squareness which mark the man of determinatination.“ (Doyle I 10)

Auch im weiteren Verlauf der Geschichten wird immer wieder auf Details hingewiesen wie seine “long, white, nervous fingers“(Doyle I 107), insgesamt eine Beschreibung, die bei Dupin völlig fehlt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Dupin vs. Holmes - Ein Vergleich
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,7
Autor
Jahr
2000
Seiten
18
Katalognummer
V44214
ISBN (eBook)
9783638418607
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dupin, Holmes, Vergleich
Arbeit zitieren
Tanja Hollederer (Autor), 2000, Dupin vs. Holmes - Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44214

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