Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Charakteristiken des Controllings in Genossenschaften, das mit Blick auf eine verantwortungsvolle Unternehmensführung immer relevanter wird. Die besonderen Merkmale sowie eventuelle Chancen und Schwierigkeiten, die im Zuge der Controllingtätigkeiten in Genossenschaften auftreten, werden erläutert. Aufgabe des genossenschaftlichen Controllings ist die Partizipation bei der Realisierung der Geschäftsziele der Genossenschaft und die Sicherstellung der rationalen Entscheidungsfindung in allen Hierarchiestufen. Die geschäftspolitischen Ziele sind bekanntermaßen die Wahrung der Konkurrenzfähigkeit des gemeinsam geführten Geschäftsbetriebs sowie die Mitgliederförderung, wobei der Fokus des Controllings in Genossenschaften bei der Sicherung eben dieser Förderung liegen muss.
Kooperationen auf genossenschaftlicher Basis sind aber keineswegs ein Trend oder eine Modeerscheinung in Zeiten der Technisierung. Vielmehr kann die Geschichte der Genossenschaften bis in die mittelalterlichen Zeiten zurückverfolgt werden. Bereits in dieser Zeit schlossen sich die Menschen beispielsweise in der Hanse zusammen und profitierten so von den Vorteilen des gemeinsamen Handels, der zu mehr Erfolg und ökonomischer Nachhaltigkeit sowie Stabilität beiträgt. Die ersten Genossenschaften im heutigen Sinne bildeten sich ca. um die Jahrhundertwende vom 18. auf das 19. Jahrhundert, als der Kapitalismus immer mehr an Bedeutung gewann und die ersten wirtschaftlichen Krisen mit sich brachte. Um dem auf Kapitalismus beruhenden Druck entgegenzuwirken, wurden vermehrt genossenschaftliche Kooperationen gegründet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Relevanz und Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise
2 Genossenschaften
2.1 Rechtliche Grundlage
2.2 Genossenschaftsprinzipien
2.3 Abgrenzung der Genossenschaften von anderen Unternehmensformen
2.4 Erscheinungsformen der Genossenschaft
3. Controlling
3.1 Controlling-Begriff
3.2 Funktionen des Controllings
3.3 Übertragbarkeit des Controllings auf andere Unternehmensformen
3.4 Zweck und Aufgaben des Controllings
4. Genossenschaftliches Controlling
4.1 Transferierung des klassischen Controllings auf die Unternemensform der Genossenschaften
4.2 Der Einsatz klassischer Controlling-Instrumente im genossenschaftlichen Sektor
4.2.1 Genossenschaftliches Finanzcontrolling
4.2.2 Genossenschaftliches Investitionscontrolling
4.2.3 Benchmarking in Genossenschaften
4.2.4 Berichte und Kennzahlen
4.3 Genossenschaftsspezifische Controlling-Instrumente
4.3.1 Förderplan und Förderbericht
4.3.2 Konzept des MemberValues
4.3.3 Genossenschaftliche Balanced Scorecard
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die besonderen Anforderungen an das Controlling in Genossenschaften und untersucht, wie klassische sowie genossenschaftsspezifische Instrumente eingesetzt werden können, um den Förderauftrag der Mitglieder langfristig zu sichern und das Management zu unterstützen.
- Rechtliche und organisatorische Grundlagen von Genossenschaften.
- Funktionen und Aufgaben des Controllings in kooperativen Organisationsformen.
- Transfer klassischer Controlling-Instrumente auf den genossenschaftlichen Sektor.
- Einsatz spezieller Instrumente wie Förderplan, Förderbericht und MemberValue.
- Anwendung der Balanced Scorecard unter Berücksichtigung genossenschaftsspezifischer Ziele.
Auszug aus dem Buch
4.3.1 Förderplan und Förderbericht
Das von Boettcher im Jahre 1980 mit dem Ziel des Entgegenwirkens der Entdemokratisierung entworfene Modell aus Förderplan und Förderbericht wurde später zum Gesamtkonzept des sog. Förderauftragscontrollings weiterentwickelt. Das Ermöglichen, Fördern und Beleben der Herausbildung gemeinschaftlicher Interessen und Wünsche innerhalb der Mitgliedergruppe und der Beaufsichtigung der Führung mit Hilfe kooperativer und auf Demokratie ausgerichteter Richtlinien ist Ziel der Konzepte des Förderplans und Förderberichts. Auf eine vorhergegangene aufsichtsratsinterne Besprechung folgt die Entscheidungsfindung in der Mitgliederversammlung, wobei durch Abstimmung über die zu realisierenden und zur Verfügung stehenden Umsetzungsmaßnahmen zur Förderauftragserfüllung entschieden wird. Mit dieser Befragung der Mitglieder liegt ein Punkt zum Aufgreifen dieses bedeutenden Controlling-Aspekts vor, denn um ein Eingehen auf die Mitgliedererwartungen und -interessen möglich zu machen, werden von der Genossenschaftsleitung operativ wie auch strategisch bedeutsame Daten benötigt. Aus diesen Informationen wird anschließend ein sog. Förderplan verfasst, welcher die von der Gesamtheit der Mitglieder mehrheitlich gewählten und somit zu verfolgenden Ziele vorgibt.
Der Förderplan ist durch die Managementebene zu erstellen und sollte Vorteile bezüglich der Kosten oder des Wettbewerbs enthalten. Auch eine eventuell intendierte Idealförderung ist im Plan festzuhalten. Die Möglichkeit zur Überprüfung der dokumentierten Zielvorgaben bildet die Grundlage des Konzepts und ist zwingende Notwendigkeit. So dürfen die Pläne nicht unpräzise oder unverbindlich skizziert werden, sondern müssen mit Hilfe numerischer Wertvorgaben konkret benannt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beleuchtung der Relevanz und Problemstellung sowie Definition der Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Krisen.
2 Genossenschaften: Rechtliche Einordnung, Grundprinzipien, Abgrenzung zu anderen Unternehmensformen und Darstellung der verschiedenen Erscheinungsformen.
3. Controlling: Erläuterung des Controlling-Begriffs, der Funktionen, Aufgaben sowie der Übertragbarkeit auf verschiedene Unternehmensformen.
4. Genossenschaftliches Controlling: Detaillierte Betrachtung der Transferierung des klassischen Controllings, des Einsatzes erprobter Instrumente sowie der speziellen genossenschaftlichen Steuerungsmethoden.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Controlling-Instrumente zur Sicherung des Förderauftrags und Ausblick auf die zukünftige Bedeutung dieser Methoden.
Schlüsselwörter
Controlling, Genossenschaften, Förderauftrag, Mitgliederförderung, MemberValue, Förderplan, Förderbericht, Balanced Scorecard, Genossenschaftsprinzipien, Finanzcontrolling, Investitionscontrolling, Benchmarking, Identitätsprinzip, Transparenz, Unternehmensführung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich der Analyse von Controlling-Anforderungen in Genossenschaften und untersucht, welche Instrumente geeignet sind, um den genossenschaftlichen Förderauftrag effektiv zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf den Prinzipien der Genossenschaft, den allgemeinen Controlling-Grundlagen sowie der Adaption dieser Konzepte an die spezifische Struktur der Mitgliederförderung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Chancen und Schwierigkeiten von Controlling-Tätigkeiten in Genossenschaften aufzuzeigen und Lösungsansätze für eine professionelle, mitgliederorientierte Unternehmensführung zu liefern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf Literaturrecherche basiert, um klassische Management-Instrumente mit genossenschaftlichen Besonderheiten zu verknüpfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl klassische Controlling-Instrumente wie Finanz- und Investitionscontrolling als auch spezielle Instrumente wie der Förderplan, der Förderbericht und die Balanced Scorecard im genossenschaftlichen Kontext erörtert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Genossenschaftliches Controlling, Förderauftrag, MemberValue sowie die Balance zwischen wirtschaftlichem Erfolg und der Förderung der Mitglieder.
Was unterscheidet eine Genossenschaft in Bezug auf das Controlling von einer Kapitalgesellschaft?
Im Gegensatz zu gewinnorientierten Unternehmen steht bei der Genossenschaft die Förderung des Mitglieds im Zentrum, was das Controlling zwingt, neben wirtschaftlichen Kennzahlen auch den sozialen und kulturellen Fördererfolg messbar zu machen.
Warum ist das "MemberValue"-Konzept für Genossenschaften so bedeutend?
Das MemberValue-Konzept operationalisiert den Förderauftrag und macht den Gesamtwert der unternehmerischen Tätigkeit für die Mitglieder sichtbar, wodurch Informationsasymmetrien zwischen Management und Mitgliedern verringert werden.
Welche Rolle spielt der Förderplan im genossenschaftlichen Controlling?
Der Förderplan ist ein zentrales Steuerungsinstrument, das durch die Managementebene erstellt wird, um die von den Mitgliedern gewählten Ziele konkret festzulegen und deren Einhaltung messbar zu machen.
Warum ist die Implementierung einer speziellen Balanced Scorecard für Genossenschaften empfehlenswert?
Da eine konventionelle Balanced Scorecard primär auf finanzielle Aspekte ausgerichtet ist, muss sie für Genossenschaften um eine explizite Mitgliederperspektive ergänzt werden, um dem Kernauftrag der Organisation gerecht zu werden.
- Arbeit zitieren
- Pia Prause (Autor:in), 2017, Controlling in Genossenschaften. Instrumente und Anforderungen einer erfolgreichen Etablierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442205