Ein musikgeschichtlich herausragendes Ereignis, das einen weitreichenden Einfluss auf die Musik des 19. Jahrhunderts ausübte, war die Komposition und Aufführung der Symphonie fantastique. Im Jahr 1830, mit bereits 26 Jahren, schrieb Hector Berlioz dieses erste seiner Hauptwerke. Als erstes werde ich in der Hausarbeit auf den Terminus „Programm-Musik“ eingehen und verschiedene Definitionen darstellen (Kap. 2). Der nächste Abschnitt befasst sich direkt mit der Symphonie fantastique (Kap. 3). Zum Verständnis dieses Werkes ist, unter vielen Aspekten, sein autobiographischer Hintergrund von wesentlicher Bedeutung. Auf diesen werde ich, in Anlehnung an die Memoiren von Berlioz, in der Hausarbeit gesondert eingehen (Kap. 3.1). Ich bin mir dabei bewusst, dass die Memoiren nicht als objektive Geschichtsquelle zu werten sind. Die Datierung und die Reaktionen der Aufführungen der Symphonie werden in den nächsten Kapiteln erläutert (Kap. 3.2 und 3.3).
Der nächste Abschnitt ist dem Programm, seinen verschiedenen Fassungen, Besonderheiten und Einflüssen vorbehalten (Kap. 4.4). Dem Kapitel „Kompositorische Besonderheiten“ (Kap. 3.5) liegt der Notentext „Berlioz Symphonie fantastique Op. 14“ hrsg. von Nicholas Temperley vom Verlag Eulenberg zu Grunde. In ihm stelle ich dar, wie das „Hauptthema“ der Symphonie, die idée fixe, in den Sätzen auftritt.
Ein Fazit (Kap. 4) rundet die Hausarbeit am Ende ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Programm-Musik
3. Die Symphonie fantastique
3.1 Entstehungsgeschichtliche Kontexte
3.2 Erste Aufführung der Symphonie fantastique
3.3 Zweite Aufführung der Symphonie fantastique
3.4 Das Programm
3.5 Kompositorische Besonderheiten
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht Hector Berlioz’ Symphonie fantastique unter Berücksichtigung ihrer musikgeschichtlichen Einordnung, der komplexen Gattungsdefinition von Programm-Musik sowie der spezifischen kompositorischen Merkmale des Werkes. Ziel ist es, die Vielschichtigkeit der Symphonie, insbesondere das Zusammenspiel von autobiographischen Motiven und musikalischer Struktur, zu analysieren und kritisch zu beleuchten.
- Definition und Problematik des Begriffs „Programm-Musik“
- Biographische und literarische Kontexte der Entstehung
- Die Rolle der idée fixe und ihre kompositorische Ausgestaltung
- Kritische Rezeption und Aufführungsgeschichte des Werkes
- Formale Analyse im Kontext konventioneller Gattungstraditionen
Auszug aus dem Buch
3.2 Erste Aufführung der Symphonie fantastique
Um die Aufführung der Kantate „Sardanapal“, deren Finale in der ersten Aufführung bei der Verleihung des Institutspreises missglückt war, zu wiederholen und dabei gleichzeitig die Symphonie fantastique der Öffentlichkeit zu präsentieren, arrangierte Berlioz im Dezember 1830 ein Konzert.
„Die Aufführung war allerdings nicht tadellos: mit nur zwei Proben konnte ein solch schwieriges Werk nicht zur Vollkommenheit gebracht werden. Der Gesamteindruck genügte jedoch, um die Hauptzüge hervorzuheben.“
Über die folgenden Reaktionen der Öffentlichkeit äußerte sich Berlioz wie folgt:
„Einige Tage darauf sprachen sich die Aristarche der Presse teils für, teils wider mich, mit Leidenschaft aus.“
Im folgenden beschreibt Berlioz wie man sich daran rieb, dass er offenbar die konventionellen Formen der Symphonie verließ, zumindest versuchte man die Symphonie nach den konventionellen Formen zu messen und die „Härte“ von Modulationen, die nach Berlioz keine Modulationen waren, die „Nichtanwendung gewisser musikalischer Formen“ an den Stellen wo sie zur Anwendung kamen, oder die „systematische Nichtbeachtung gewisse[r] Grundregeln aller Kunst“ zu kritisieren, die an jenen Stellen gerade beachtet wurden. Berlioz gesteht den Kritikern seiner Zeit nicht die Fähigkeit zu, seine Symphonie beurteilen zu können. Was in diesem Konflikt zum Ausdruck kommt, ist die Reibung und Irritation, die entsteht, wenn man die konventionelle Formenlehre als Richtmaß nimmt (beispielsweise die Sonatenhauptsatzform) und auf Teile der Symphonie fantastique anwendet (Kap. 3.5). Berlioz schreibt in seinen „Memoiren“ auch vom „Anprallen meiner Stilformen“ auf die „Marksteine“ der Musikprofessoren und die „Pietätlosigkeit gegen gewisse scholastische Glaubenslehren“, womit er die Abkehr und das Unverständnis der akademischen Musikwelt in Frankreich gegenüber seiner Symphonie fantastique zum Ausdruck bringt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Bedeutung der Symphonie fantastique im 19. Jahrhundert und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2. Programm-Musik: Dieses Kapitel erörtert die komplexe Definition und die verschiedenen Strömungen innerhalb des Begriffs „Programm-Musik“ im musikwissenschaftlichen Diskurs.
3. Die Symphonie fantastique: Das Hauptkapitel analysiert die Entstehungskontexte, die Aufführungsgeschichte, das Programm sowie die kompositorische Struktur des Werkes.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die Bedeutung des Werkes für die Weiterentwicklung der Musik sowie die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung des Gattungsbegriffs „Programm-Musik“ hervor.
Schlüsselwörter
Hector Berlioz, Symphonie fantastique, Programm-Musik, idée fixe, 19. Jahrhundert, Romantik, Musikgeschichte, Symphonie, Komposition, Aufführungsgeschichte, Harriet Smithson, drame instrumental, Gattung, Orchesterwerk, Musikästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Hector Berlioz’ Werk Symphonie fantastique, wobei besonders die Verbindung zwischen musikalischer Form und außermusikalischen, autobiographischen Inhalten untersucht wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition von Programm-Musik, der Entstehungshintergrund des Werkes, die Bedeutung der idée fixe sowie die zeitgenössische Rezeption des Komponisten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Komplexität der Symphonie fantastique als musikalisches Werk zu umreißen und den Umgang mit dem Begriff der Programm-Musik kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von Fachliteratur, Musiklexika und primären Quellen wie den Memoiren von Berlioz sowie dem Notentext des Werkes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Entstehungsgeschichte, der Aufführungen, der Analyse des Programmtextes in seinen Fassungen und die kompositorische Gestaltung, insbesondere der idée fixe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Berlioz, Symphonie fantastique, Programm-Musik, idée fixe, Romantik und Musikästhetik charakterisiert.
Wie beeinflusste Harriet Smithson die Komposition?
Die Begegnung mit der Schauspielerin und ihre Shakespeare-Interpretationen wirkten als biografischer Katalysator und Inspiration für das Werk, was sich in der Konzeption des drame instrumental niederschlägt.
Warum wird das Werk als „neue Form“ bezeichnet?
Die Form des Werkes entstand nicht aus der traditionellen Gattungsgeschichte, sondern aus heterogenen Überlagerungen, die sich einer starren Einordnung in die klassische Formenlehre, wie die Sonatenhauptsatzform, entziehen.
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- Lukas Jäger (Author), 2018, Berlioz und seine Symphonie fantastique, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442356