Beten und Kult im Urchristentum - an welcher Stelle im Neuen Testament ließe sich das besser festmachen als in der Korrespondenz des Apostels Paulus mit den Korinthern? Konkret geht es in dieser Arbeit um das Thema „Zorn und Zungenrede“: Urchristlicher Gottesdienst (1 Kor 11.14). Dies ist ein sehr interessantes und gleichzeitig äußerst umfangreiches Feld, weshalb wir uns zur gezielten Auseinandersetzung mit zwei Kapiteln entschlossen haben. Während Karlheinz Lang sich speziell mit dem „Rahmen“, also Eucharistiefeier und Wortgottesdienst befasste, bearbeitete Josef Reithmeier insbesondere das Phänomen der Glossolalie und Prophetie und die Rezeptionsgeschichte an einem ausgewählten Beispiel. Diese Koproduktion bot sich an, da sich diese Aufteilung schon beim Referat im Seminar bewährt hatte.
Die deutschen Schriftzitate folgen zumeist der Übersetzung des Münchener Neuen Testaments, die griechischen Zitate stammen aus der Nestle-Aland-Ausgabe.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Gottesdienst in der korinthischen Gemeinde
2. Eucharistiefeier
3. Wortgottesdienst
3.1 Eine Einführung
3.2 Glossolalie und Prophetie
3.2.1 Begriffserklärung Glossolalie
3.2.2 Struktur von 1 Kor 14,1-25
3.2.3 Interpretation
3.3 Schweigegebot für Frauen
4. Rezeption
5. Theologisches Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit rekonstruiert das Verständnis und die Praxis des Gottesdienstes in der korinthischen Gemeinde basierend auf den Ausführungen des Apostels Paulus im Ersten Korintherbrief. Dabei wird untersucht, wie Paulus auf Missstände reagierte, um eine ordentliche und gemeinschaftsfördernde gottesdienstliche Praxis zu etablieren.
- Gottesdienstlicher Rahmen und Praxis im Korinth des 1. Jahrhunderts
- Die Einheit von Eucharistiefeier und Wortgottesdienst
- Das Spannungsfeld zwischen Glossolalie (Zungenrede) und Prophetie
- Die Rolle der Frauen im urchristlichen Gottesdienst
- Methoden der paulinischen Korrektur und Gemeindeordnung
Auszug aus dem Buch
3. Eucharistiefeier
Wie nun die korinthische Eucharistiefeier im Einzelnen aussah, wird in der Forschung noch sehr verschieden beantwortet. Weitgehend einig ist man sich darüber, dass in der Versammlung Jesu eucharistische Doppelhandlung über Brot und Wein wiederholt wurde, verbunden mit einer Sättigungsmahlzeit.
Die Sättigungsmahlzeit darf man aus der Benennung der Feier als κυριακὸν δεῖπνον (11,20) erschließen, denn δεῖπνον bezeichnet, wie auch schon aus unserer obigen Anmerkung hervorgeht, eine „wirkliche Mahlzeit mit Speise und Trank, die satt machen soll“. Annehmen darf man immerhin laut den Einsetzungsworten 11,24f und hier speziell μετὰ τὸ δειπνῆσαι, dass „Brotkommunion und Weinkommunion also mindestens ursprünglich durch eine Sättigungsmahlzeit getrennt waren“. Die These, die Einsetzungsworte seien beim Herrenmahl gar nicht gesprochen worden, ist unhaltbar, da das paulinische Zitat 11,24f schon den zweimaligen Wiederholungsbefehl τοῦτο ποιεῖτε Jesu an die Jünger beinhaltet, was sich nur jeweils auf Brot- und Kelchhandlung und -worte beziehen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einführung in das Thema „Zorn und Zungenrede“ und die Aufteilung der Arbeit zwischen den Verfassern.
1. Gottesdienst in der korinthischen Gemeinde: Untersuchung der Rahmenbedingungen, der Gemeindeform und der paulinischen Korrekturbemühungen für die korinthische Mahlfeier.
2. Eucharistiefeier: Analyse des Ablaufs und der Bedeutung der Mahlfeier als Gemeinschaftsmahl unter Einbeziehung theologischer und soziologischer Forschung.
3. Wortgottesdienst: Detaillierte Betrachtung des zweiten Versammlungsteils, fokussiert auf charismatische Beiträge, Glossolalie, Prophetie und das umstrittene Schweigegebot für Frauen.
4. Rezeption: Anwendung der Erkenntnisse auf moderne Gottesdienstformen, beispielhaft illustriert am Film „The Blues Brothers“.
5. Theologisches Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der korinthischen Gottesdienstpraxis als offene Versammlung, die von den Beiträgen der Mitglieder lebt.
Schlüsselwörter
Urchristentum, 1. Korintherbrief, Paulus, Gottesdienst, Eucharistiefeier, Wortgottesdienst, Glossolalie, Prophetie, Gemeindeauferbauung, Mahlgemeinschaft, Charismen, Kirchengeschichte, Exegese, Korinth, Gemeinschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verständnis und die gottesdienstliche Praxis der urchristlichen Gemeinde in Korinth, wie sie in den Kapiteln 11 und 14 des Ersten Korintherbriefs durch den Apostel Paulus reflektiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Aufbau des Gottesdienstes, die Verbindung von Eucharistie und Wortgottesdienst, die Ausübung geistlicher Gaben wie Glossolalie und Prophetie sowie die Rolle der Frau im Gottesdienst.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aus den oft knappen und auf Korrektur zielenden Hinweisen des Paulus eine Rekonstruktion des korinthischen Gottesdienstes zu erarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden exegetischen Analyse der entsprechenden Bibelstellen und bezieht aktuelle Forschungspositionen der neutestamentlichen Wissenschaft sowie historische Analogien ein.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Eucharistiefeier, des Wortgottesdienstes mit seinen charismatischen Elementen (Zungenrede und Prophetie) sowie eine kritische Prüfung des Schweigegebots für Frauen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Urchristentum, Paulus, Eucharistie, Wortgottesdienst, Glossolalie, Prophetie und Gemeindeauferbauung.
Wie bewerten die Autoren die Rolle der Frau im korinthischen Gottesdienst?
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass das Schweigegebot in 1 Kor 14,34f eine spätere Interpolation darstellt und Frauen von den verschiedenen Formen charismatischen Betens und Sprechens im urchristlichen Gottesdienst nicht ausgeschlossen waren.
Was zeigt die Analyse des Films "The Blues Brothers"?
Die Analyse des Films dient als Beispiel für die Rezeptionsgeschichte; sie illustriert, wie auch in modernen Gottesdienstformen (hier am Beispiel der Afroamerikaner) eine „Erleuchtung“ oder Geisterfüllung erst durch eine Auslegung für die Gemeinde fruchtbar und verständlich gemacht werden kann.
- Quote paper
- Karlheinz Lang (Author), Josef Reithmeier (Author), 2004, Urchristlicher Gottesdienst (1 Kor 11;14), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44258