Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Russian / Slavic Languages

Wohin wird Lenin zitiert? Ästhetisch-politische Bildhaftigkeiten Russlands

Ein Beispiel ikonographischer Kanonisierung

Title: Wohin wird Lenin zitiert? Ästhetisch-politische Bildhaftigkeiten Russlands

Seminar Paper , 2013 , 29 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christina Schwigon (Author)

Russian / Slavic Languages
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Dass Kriege sowohl die Nationen im Kampf zusammenführen, als auch einen komplexen Impulsgeber und Rahmen für die abbildende fotografische Dokumentation und Fotobearbeitung liefern, zeigt sich auch am Beispiel des 5. Mai 1920 in Moskau: Lenin spricht, flankiert von Trotzkiund Kamenev, zu den Truppen der Rotgardisten. Grijgorij Gol’dštein schießt an diesem Tag mehrere Fotos, von denen eines Eingang in den zeitgenössischen Rezeptionshorizont fand und durch den Künstler Isaak Brodskij in die Kunst des sozialistischen Realismus eingefügt wurde. Im Spannungsfeld der Wahrnehmung dieser Abbildungen, stehen zudem bearbeitete Abarten der Gol’dšteinfotografien. In Bezug auf die zeitnahe Rezeption dieser Abbildungen, zeigt die wissenschaftliche Betrachtung keine eindeutige Perspektive. Im Hinblick auf die Nennung eines konkreten Bildstatus, schreibt David King: „Diese Fotografie, die von G.P. Goldstein stammt [...], ist wahrscheinlich das erste und sicher das berühmteste Beispiel der stalinistischen Retuschen. Das Original, das zu Lenins Lebzeiten und als Trotzki noch an der Macht war zum Kultbild wurde, ging um die Welt.“ Während King auf die Kanonisierung des Pressefotos und die politisch motivierten Umformungsprozess unter Stalin verweist, deutet Klaus Waschik auf die heute bestehende fehlerhafte Wahrnehmung, die im Spannungsverhältnis der rezeptiven Relationen zwischen Bildern und Abbildern zu suchen ist: „Vielleicht entwickelten sich diese Fotografien gerade deshalb zu Bild-Ikonen mit einem festen Platz in der Lenin-Ikonographie und damit im Kanon revolutionärer Herrscherbilder. Dies betrifft jedoch nicht alle Aufnahmen der Serie vom 5. Mai 1920, die wenigen ausgewählten nicht in Gänze und nicht zwingend als Fotodokumente.“ Angesichts dieser Positionen stellt sich die Frage nach dem Rezeptionskonzept, einer Vermittlungsabsicht und deren Transportelementen, d.h. bildimmanenten Mitteln und bildtranszendenten, symbolischen Bezügen, sowie den zeitgemäßen Kanonisierungsstrategien, die sich für den Zeitraum von 1920 bis zur vollen Etablierung von Stalins Herrschaft bis. ca. 1935 ergeben. Für die Beantwortung, stellt sich eine kultur- und kunsthistorische Analyse als Notwendigkeit dar. Ihr möchte ich nachkommen, in dem ich zunächst den traditionellen Ikonenhorizont und dessen Rezeptionsmöglichkeiten in Bezug auf die Visualisierung von Herrschaft offen lege um daran in Bezug auf das Medium der Fotografie einen modernen Rezeptionshorizont darzustellen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ikone und das Gewaltbild

2.1. Die moderne Ikone

2.2. Schlagbilder

3. Russland und die semantische Herrschaft

3.1 Die Ästhetische Kanonisierung des russischen Kultursinns

3.2. Das affektive Monopol der Herrschaft

3.3. Leninsche Bildhaftigkeit

3.4. „Die Überwindung der Sekundarität“

4. Die „Gol’dšteinbilder“

4.1.Das Pressefoto - Die Pressefotos?

4.2. Wo ist Trotzki? Das Gemälde als prädeformierte Fotografie?

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die visuelle Kanonisierung und politische Manipulation historischer Pressefotografien in der frühen Sowjetunion am Beispiel der Aufnahmen von Grijgorij Gol’dštein vom 5. Mai 1920. Dabei wird analysiert, wie diese Bilder durch Retuschen, ideologische Einbettung und künstlerische Adaptionen, insbesondere durch Isaak Brodskij, als Instrumente der Herrschaftslegitimierung und Erinnerungskontrolle unter Stalin umgedeutet wurden.

  • Analyse des Spannungsfeldes zwischen Fotografie, politischer Inszenierung und Zensur.
  • Untersuchung der Ikonographie von Herrschaft und der ästhetischen Kanonisierung in totalitären Systemen.
  • Erforschung der Mechanismen der "Überwindung der Sekundarität" in der sowjetischen Bildpolitik.
  • Vergleich zwischen dem ursprünglichen Pressefoto und dessen späteren manipulierten Versionen und Gemälden.

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

Dass Kriege sowohl die Nationen im Kampf zusammenführen, als auch einen komplexen Impulsgeber und Rahmen für die abbildende fotografische Dokumentation und Fotobearbeitung liefern, zeigt sich auch am Beispiel des 5. Mai 1920 in Moskau: Lenin spricht, flankiert von Trotzkiund Kamenev, zu den Truppen der Rotgardisten. Grijgorij Gol’dštein schießt an diesem Tag mehrere Fotos, von denen eines Eingang in den zeitgenössischen Rezeptionshorizont fand und durch den Künstler Isaak Brodskij in die Kunst des sozialistischen Realismus eingefügt wurde.

Im Spannungsfeld der Wahrnehmung dieser Abbildungen, stehen zudem bearbeitete Abarten der Gol’dšteinfotografien. In Bezug auf die zeitnahe Rezeption dieser Abbildungen, zeigt die wissenschaftliche Betrachtung keine eindeutige Perspektive. Im Hinblick auf die Nennung eines konkreten Bildstatus, schreibt David King: „Diese Fotografie, die von G.P. Goldstein stammt [...], ist wahrscheinlich das erste und sicher das berühmteste Beispiel der stalinistischen Retuschen. Das Original, das zu Lenins Lebzeiten und als Trotzki noch an der Macht war zum Kultbild wurde, ging um die Welt.“

Während King auf die Kanonisierung des Pressefotos und die politisch motivierten Umformungsprozess unter Stalin verweist, deutet Klaus Waschik auf die heute bestehende fehlerhafte Wahrnehmung, die im Spannungsverhältnis der rezeptiven Relationen zwischen Bildern und Abbildern zu suchen ist: „Vielleicht entwickelten sich diese Fotografien gerade deshalb zu Bild Ikonen mit einem festen Platz in der Lenin-Ikonographie und damit im Kanon revolutionärer Herrscherbilder. Dies betrifft jedoch nicht alle Aufnahmen der Serie vom 5. Mai 1920, die wenigen ausgewählten nicht in Gänze und nicht zwingend als Fotodokumente.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der fotografischen Dokumentation und Manipulation sowie Darlegung der Forschungsfrage bezüglich der Kanonisierungsstrategien in der Sowjetunion.

2. Die Ikone und das Gewaltbild: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Ikonenbegriff, der Ästhetisierung von Gewalt und der Funktion von Schlagbildern im politischen Kontext.

3. Russland und die semantische Herrschaft: Analyse der russischen "atopischen Kultur", der ästhetischen Kanonisierung des Kultursinns und der Rolle des affektiven Monopols sowie der Leninkult-Inszenierung.

4. Die „Gol’dšteinbilder“: Konkrete Untersuchung der Gol’dštein-Fotos, deren Wandel durch Retusche und die mediale Umformung durch das Gemälde von Isaak Brodskij.

5. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der totalitären Variabilität von Fakt und Fiktion in den analysierten Bildquellen.

Schlüsselwörter

Sowjetunion, Stalinismus, Lenin, Fotografie, Bildpolitik, Kanonisierung, Ikonographie, Bildmanipulation, Sozialistischer Realismus, Erinnerungskontrolle, Propaganda, Herrschaftslegitimierung, Grijgorij Gol’dštein, Isaak Brodskij, visuelle Repräsentation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die fotografische Dokumentation des russischen Bürgerkriegs und wie diese Bilder im stalinistischen System instrumentalisiert, retuschiert und in einen neuen ideologischen Kanon überführt wurden.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit verknüpft Fototheorie, politische Ikonographie, sowjetische Geschichte und Mechanismen totalitärer Machtausübung durch visuelle Medien.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie historische Fotografien von politischen Führern wie Lenin und Trotzki manipuliert wurden, um eine neue, parteikonforme Geschichtsschreibung und Herrschaftslegitimation zu erschaffen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?

Es handelt sich um eine kultur- und kunsthistorische Bildanalyse, die mit zeichentheoretischen Ansätzen und historischer Kontextualisierung arbeitet.

Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?

Der Hauptteil analysiert die ästhetischen Kanonisierungsprozesse unter Stalin sowie die spezifischen Bildveränderungen der Gol’dštein-Aufnahmen vom 5. Mai 1920.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Wichtige Begriffe sind Bildpolitik, Kanonisierung, stalinistische Retuschen, sowjetische Identitätsstiftung und visuelle Herrschaftssymbolik.

Warum spielt die Person Isaak Brodskij eine wichtige Rolle für die Analyse?

Brodskij malte auf Basis der Pressefotos ein idealisiertes Gemälde, das entscheidend dazu beitrug, Trotzki und Kamenev aus der offiziellen Erinnerung zu tilgen und Lenin als unantastbares Vorbild zu inszenieren.

Welche Rolle spielt der "Leichnam Lenins" für die Bildpolitik?

Die Arbeit erläutert, dass die Mumifizierung Lenins als Teil einer politischen Theologie diente, um eine quasi-sakrale Kontinuität der Macht zu behaupten, die für die Stabilität des Regimes unter Stalin zentral war.

Excerpt out of 29 pages  - scroll top

Details

Title
Wohin wird Lenin zitiert? Ästhetisch-politische Bildhaftigkeiten Russlands
Subtitle
Ein Beispiel ikonographischer Kanonisierung
College
Humboldt-University of Berlin
Grade
1,0
Author
Christina Schwigon (Author)
Publication Year
2013
Pages
29
Catalog Number
V442587
ISBN (eBook)
9783668805149
ISBN (Book)
9783668805156
Language
German
Tags
Russland Lenin Bridskij Realismus Sozialismus Goldstein Bildhaftigkeit Ästhetik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christina Schwigon (Author), 2013, Wohin wird Lenin zitiert? Ästhetisch-politische Bildhaftigkeiten Russlands, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442587
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  29  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint