Pornographie – eine Männerdomäne. Vergewaltigung innerhalb der Institution Ehe. Sex und Nacktheit als etwas Obszönes. Die weibliche Lust als etwas Böses. Das 21. Jahrhundert und seine Geister der Vergangenheit. Obwohl der Fortschritt in Deutschland ganz großgeschrieben wird, ist die Entwicklung der sexuellen Freiheit, insbesondere die der Frau, noch lange nicht abgeschlossen. Heute lässt es sich in gesellschaftlichen Kontroversen wie der „MeToo Debatte“, der „Rape-Kultur“ und dem „Slut-Shaming“ erkennen, dass der Fortschritt in manchen Bereichen des Lebens stagniert.
In ihrem Buch „Lust“(1989) beschreibt Elfriede Jelinek den Alltag einer Frau, die jeden Tag dem Willen ihres Mannes gehorcht. Auf vulgäre und direkte Art und Weise versucht sie dem Leser zu zeigen, welche Erwartungen die Gesellschaft an die Geschlechter, an die Institution Ehe und an Sexualität stellt.
Diese Arbeit ist eine Analyse des Buches „Lust“ von Elfride Jelinek. Die Analyse beschäftigt sich vor allem damit, inwieweit Jelinek Sex und Pornographie realitätsnah darstellt und welchen darstellerischen Mitteln sie sich dafür bedient. Ziel der Arbeit ist es, die Relevanz von „Lust“ im gesellschaftlichen Kontext aufzuzeigen.
Zu Beginn gibt die Arbeit einen Überblick über Sex und Pornographie in den Medien geben. Die jeweiligen Unterkapitel sollen einen Einblick in die Bereiche Medien und Pornoindustrie, Erotik, Gesetzeslage von Sex und Pornographie, Darstellung von pornographischen Material und Feminismus geben. Das dritte Kapitel beinhaltet die Analyse von „Lust“. Dabei wird besonders beleuchtet, wie Sex bei Elfriede Jelinek aussieht und ob man in diesem Zusammenhang von pornographischer Literatur sprechen kann. In den einzelnen Unterkapiteln wird auf die drei zentralen Figurentypen des Romans und Jelineks Beziehung zur Leserschaft eingegangen. Abschließend wird im Fazit zusammengefasst, wie Sex und Pornographie in Jelineks Roman dargestellt werden und inwiefern er eine gesellschaftliche Relevanz hat.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Sex und Pornographie in den Medien
2.1 Pornographie und Erotik
2.2 Gesetzeslage, Pornographie und gesellschaftliche Entwicklung
2.3 Darstellerische Mittel von Pornographie
2.4 Feminismus und PorNO-Kampagne
3. Analyse von „Lust“
3.1 Darstellung von Sex
3.2 Figurenanalyse
3.2.1 Gerti
3.2.2 Hermann
3.2.3 Michael
3.4 Auswertung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit Elfriede Jelineks Roman „Lust“ (1989) auseinander, um aufzuzeigen, inwieweit das Werk als Anti-Pornographie zu verstehen ist, die die patriarchalen Machtstrukturen und Gewaltverhältnisse innerhalb der Ehe thematisiert. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, welche darstellerischen Mittel Jelinek einsetzt, um die Entfremdung von Sexualität und die Instrumentalisierung der Frau als gesellschaftliche Realität aufzudecken.
- Theoretische Einordnung von Sex, Erotik und Pornographie in den Medien
- Analyse der rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere im Kontext der Ehe
- Untersuchung der pornographischen Inszenierung und der Rolle von Gewalt im Roman „Lust“
- Figurenanalyse der Protagonisten Gerti, Hermann und Michael als Stereotype einer entmenschlichten Sexualität
Auszug aus dem Buch
3.1 Darstellung von Sex
Der Beischlaf ist das Hauptszenario in „Lust“. Er wird in den unterschiedlichsten Konstellationen beschrieben, ähnlich wie in einem Porno. Dazu kommt die schrittweise Steigerung des Geschehens durch Gewalt und die Anzahl der Personen.
Jelinek bedient sich bei der Darstellung von sexuellen Praktiken an pornographischem Material. Die Leserschaft blickt durch einen voyeuristischen Blick auf die monotonen Wiederholungen und Gewaltszenen und empfindet Scham.
Durch den passiven Erzählmodus zeichnet Jelinek den Videoblick nach. Insgesamt befinden sich sechs Sexakte im Roman, welche durch Steigerung von Gewalt und Ekel gekennzeichnet sind. Der hauptsächliche Schauplatz der Routine ist der eheliche Sex. Jelinek bedient sich außerdem der Technik des „Zoomens“ auf bestimmte Körperteile, ähnlich der Kameraführung eines Pornos. Das spontane, zärtliche und natürliche an Sexualität ist in „Lust“ nicht vorzufinden. Jede sexuelle Praktik wird in „Lust“ zu einer abgestumpften „Wichsvorlage“ und verliert seine Eigendynamik.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der pornographischen Darstellung in Jelineks Roman ein und legt die methodische Vorgehensweise zur Analyse gesellschaftlicher Machtverhältnisse dar.
2. Sex und Pornographie in den Medien: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen zu Pornographie und Erotik sowie deren rechtliche und mediale Einbettung und gesellschaftliche Entwicklung.
3. Analyse von „Lust“: Hier wird der Roman „Lust“ intensiv analysiert, indem die Darstellung von Sex sowie die drei zentralen Figurentypen und deren Interaktion untersucht werden.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet Jelineks Werk als gesellschaftskritischen Kommentar ein, der bis heute an Aktualität im Diskurs über Frauenrechte und sexualisierte Gewalt nicht verloren hat.
Schlüsselwörter
Elfriede Jelinek, Lust, Pornographie, Ehe, Patriarchat, Gewalt, Sexualität, Feminismus, PorNO-Kampagne, Frauenbild, Machtinstrument, Figurenanalyse, Körperlichkeit, Ekel, Gesellschaftskritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Elfriede Jelineks Roman „Lust“ hinsichtlich der Darstellung von Pornographie und Sex als Werkzeug zur Dekonstruktion von gesellschaftlichen Machtverhältnissen in der Ehe.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die mediale Darstellung von Pornographie, der Feminismus der 80er Jahre, die rechtliche Situation der Frau in der Ehe vor 1997 sowie die Entmenschlichung der Sexualität in Jelineks Roman.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass „Lust“ entgegen einer rein pornographischen Einordnung als „Anti-Porno“ fungiert, um Gewalt und Unterdrückung innerhalb der Institution Ehe aufzudecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Die Arbeit verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der das Werk auf seine darstellerischen Mittel, die Figurengestaltung und den Kontext von Pornographie und Gesellschaftskritik hin untersucht wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Pornographietheorie sowie eine detaillierte Analyse des Romans „Lust“, inklusive der Untersuchung der drei Hauptfiguren und der Auswertung der sexuellen Gewaltszenen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Elfriede Jelinek, Pornographie, Patriarchat, Gewalt, Feminismus und gesellschaftliche Machtstrukturen.
Wie definiert Jelinek in ihrem Roman die Rolle des Ehemannes Hermann?
Hermann wird als patriarchaler Ehemann dargestellt, der Macht und Kontrolle über seine Frau ausübt und deren Körper als Besitztum und Instrument zur Befriedigung seiner Bedürfnisse betrachtet.
Warum fungiert die Figur der Gerti als passives Objekt?
Gerti stellt die unterdrückte Frau dar, die keinen Bezug zu ihrem eigenen Körper hat, gesellschaftliche Rollenerwartungen erfüllen muss und durch ihren Mann sowie die Institution Ehe in einer fremdbestimmten, objektifizierten Rolle gefangen bleibt.
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- Rebecca Böttcher (Author), 2018, Die Darstellung von Sex und Pornographie in Elfriede Jelineks Roman "Lust", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442624