Beziehungsebenen und Weltenverbindungen zwischen fiktiven Parallelwelten in "Harry Potter" und der realen Welt


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Phantastische Welt vs. fiktiv-reale Welt: Welten von Zauberern und „Muggel“ in Harry Potter
2.1 Raum- und Zeitschemata
2.2 Figurenwelten
2.2.1 Gesellschaftsordnungen

3. Weltenzusammenhänge: Verbindungen und Übergänge
3.1 Parallelen zu geschichtlichen Ereignissen in der realen Welt
3.2 Rassismus
3.3 Nazi-Regime
3.4 Sklaverei

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Roman-Reihe „ Harry Potter“ von J.K. Rowling verzaubert noch heute zahlreiche Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Als Leser hat man die Möglichkeit, durch die Perspektive des jungen Zauberers Harry, in eine magische Welt einzutauchen und mit ihm seine gesamte Schulzeit an der „Howartsschule für Hexerei und Zauberei“ zu erleben. Genau wie der Leser muss sich auch Harry erst mit der ihm unbekannten, magischen Welt vertraut machen.

Die zwei unterschiedlich dargestellten Welten des Romans und ihre Verbindungen zueinander sollen in dieser Arbeit differenziert betrachtet werden und mit dem Blick auf ihre inhaltlichen Zusammenhänge analysiert werden. Die fantastische Welt der Zauberer und die, unserer Welt ähnliche, nichtmagische Welt stehen sich dabei gegenüber.

Die Arbeit ist in zwei Hauptteile gegliedert, die sich folgendermaßen zusammensetzen: Im ersten Teil sollen zunächst die Differenzen der fiktiv-realen Welt der „Muggel“ und die der magisch-fantastischen Welt von „Hogwarts“, anhand von raum-zeitlichen und figurenweltlichen Gestaltungsweisen der literarischen Parallelwelten, herausgestellt werden. Als „fiktiv-real“ wird im Folgenden die nichtmagische Welt der „Muggel“ bezeichnet. Daneben existiert eine, vor der fiktiv-realen Welt geheim gehaltene, magische Welt der Hexen und Zauberer, die fortan auch als „fantastische Parallelwelt“ bezeichnet wird.

Im zweiten Teil der Arbeit sollen vor allem semantische Verbindungen zu der real existierenden Welt der Rezipienten hergestellt werden. In diesem Zusammenhang stütze ich mich auf Anreize aus folgendem Interviewzitat:

“It was conscious. I think that if you’re, I think most of us if you were asked to name a very evil regime we would think Nazi Germany. There were parallels in the ideology. I wanted Harry to leave our world and find exactly the same problems in the wizarding world. So you have the intent to impose a hierarchy, you have bigotry, and this notion of purity, which is this great fallacy, but it crops up all over the world. People like to think themselves superior and that if they can pride themselves in nothing else they can pride themselves on perceived purity. So yeah that follows a parallel.” (J. K. Rowling, Carnegie Hall appearance, Oct. 2007)

Mit diesen Worten bestätigte Joanne K. Rowling in einem Interview, dass eine Verbindung zwischen den Inhalten der realen Welt und der von ihr erschaffenen fantastischen Welt der Harry Potter- Reihe beabsichtigt ist. Im letzten Teil der Arbeit möchte ich die zitieren intertextuellen Verbindungen herausarbeiten und auf Parallelen zu geschichtlichen Ereignissen unserer realen Welt aufmerksam machen. Ich möchte gleich zu Anfang hervorheben, dass die hier gezogenen Vergleiche lediglich Interpretationsansätze für mögliche Parallelen zwischen der literarischen und der realen Welt darstellen und nicht miteinander gleich zu setzten sind. Ebenso wenig soll der Autorin eine bestimmte Absicht unterstellt werden. Dennoch lassen sich gewisse Parallelen zu totalitären Regimen nicht bestreiten und sind teilweise sogar von der Autorin bestätigt worden.

In einem kurzen Fazit möchte ich abschließend darauf eingehen, welche rezeptiven Wirkungen die Darstellungsweisen der verschiedenen Welten auf den Leser der Roman-Reihe haben können und inwieweit diese mit unserer eignen Welt in Verbindung gebracht werden kann.

2. Phantastische Welt vs. fiktiv-reale Welt: Welten von Zauberern und „Muggel“ in Harry Potter

2.1 Raum- und Zeitschemata

In den Harry Potter Büchern bewegt sich der Leser zwischen zwei nebeneinander existierenden Welten, die sowohl räumliche als auch zeitliche Besonderheiten aufzeigen.

Neben der nichtmagischen Welt der „Muggel“ existiert eine fantastische Sekundärwelt. Diese ist an den realen räumlichen Kontext angelehnt bzw. in ihn verwoben. Man kann auch von einer gebundenen Topografie sprechen (vgl. Mohr 2012, S.50). Anhand der Stadt London lässt sich eine literarisch gebundene Topografie gut beschreiben: Sie ist ein realer Ort, der sowohl in der fiktiv-realen Welt der Dursleys, als auch in der magischen Welt existiert. Die Autorin baut beim Imaginationsgang auf bereits bestehende Ortsschemata des Lesers auf und aktiviert durch die bloße Nennung der Stadt London gewisse Assoziationen im Kopf des Lesers (vgl. ebd, S.53). Die entstandenen Imaginationen der Rezipienten unterscheiden sich folglich, je nach bestehendem Wissens- und Erfahrungshorizont. Bestimmte Teile der realen Topografie werden von der Autorin literarisch verändert, hinzugefügt oder angepasst, so wie das „Gleis 9¾“ auf dem Bahnhof King´s Cross. Es entstehen Verflechtungsräume zwischen der phantastischen Sekundärwelt und der nichtmagischen Primärwelt.

Für „Muggel“ sind diese Übergänge nicht sichtbar, so wie der Eingang zur „Winkelgasse“ in einer Londoner Einkaufsstraße. Hexen und Zauberer können hingegen ungehindert zwischen den beiden Welten hin und her wechseln und sich frei bewegen.

Im Raumfeld der fantastischen Welt von „Hogwarts“ findet man vermehrt Darstellungen von freier Topografie. Dies sind fiktive Orte die sich nicht auf reale Orte beziehen, sondern lediglich allgemeine Schemata von bspw. Landschaften und Städten im Gedächtnis des Lesers aktivieren, ansonsten jedoch frei nach den Vorstellungen der Autorin entworfen wurden (vgl. ebd, S.52). Der „Verbotene Wald“ stellt eine solche freie Topografie dar. Er beherbergt eine Vielzahl magischer Kreaturen wie Zentauren, Thestrale Einhörner und ist Schauplatz für gefährliche Abenteuer, wie Harrys und Rons Begegnung mit den Riesenspinnen im zweiten Band (vgl. Rowling 2006, S.284ff). Wie sich zeigt, kann die Raumgestaltung von freier und gebundener Topografie parallel in einem Roman angewendet werden und ist nicht immer eindeutig voneinander abgegrenzt.

Neben den Raumschemata werden in den verschiedenen Welten auch unterschiedliche Zeitschemata verwendet. Während die Welt der „Muggel“ auf ein modernes Zeitalter unserer Welt hinweist, erinnern in der magischen Welt gewisse Gegenstände und Gebräuche an hinterweltliche Zeiten. Das Schlossgebäude „Hogwarts“ ist beispielsweise mit Gemälden, Rüstungen und Statuen ausgestattet. Die Schüler schreiben mit Federn und Tinte auf Pergamentpapier und tragen Umhänge und Gewänder als Schuluniform. Der technische Fortschritt scheint sich in der magischen Welt ebenso wenig durchgesetzt zu haben. Jegliche Form von Technik wird von Magie ersetzt. Den Geschirrabwasch übernimmt für Molly Weasley daher nicht eine Spülmaschine. Es säubert sich mit Hilfe eines Zauberspruchs ganz von selbst (vgl. ebd, S.38). Im Zeitschema der magischen Welt sind jedoch auch moderne Aspekte aufzufinden. Ein Beispiel dafür ist die Existenz eines Zauberministeriums oder einer Dampflokomotive, dem „Hogwarts Express“.

Das Zeitschema der phantastischen Welt ist im Gegensatz zur fiktiv-realen Welt nicht klar zu definieren. Es setzt sich sowohl aus modernen, als auch aus mittelalterlichen bis antiken Zeitindikatoren zusammen.

2.2 Figurenwelten

Die Figurenwelt der nichtmagischen Welt gleicht in den Grundzügen der unserer Figurenwelt. Sie spiegelt die gewöhnliche Bevölkerung Englands gegen Ende des 20. Jh. wieder. Figuren und Charaktere dieser Welt sind beispielsweise die Dursleys, oder Harry´s Tante Magda, die Harry im dritten Band während eines Besuchs bei den Dursleys versehentlich aufbläst (Rowling, 2007).

Die Figurenwelt der magischen Welt besteht zudem aus Hexen, Zauberern und zahlreichen fantastischen Wesen.

Zauberer und Hexen fallen häufig durch ihr technisches Unwissen und ihre unpassende Kleidung in der nichtmagischen Welt auf. Es scheint in der Zauberergesellschaft ein allgemeines Desinteresse an der nichtmagischen Bevölkerung zu geben. Man kann teilweise sogar von einer Geringschätzung der „Muggel“ sprechen, worauf ich später noch genauer eingehen werde. Die fantastischen Wesen, wie Drachen und Einhörner, sind ebenso ein Teil der magischen Figurenwelt. Auch sie werden von einer Mehrzahl der Zauberergesellschaft nicht wie gleichberechtigte Kreaturen behandelt. Ein friedliches Zusammenleben aller Lebewesen ist jedoch nur in einem solidarischen und toleranten Regierungssystem möglich, welches Werte von Gleichheit und Freiheit aller Individuen vertritt.

2.2.1 Gesellschaftsordnungen

Die Gesellschaftsordnung der nichtmagischen Welt ist die dem Leser bekannte Ordnung des Vereinigten Königreichs gegen Ende des 20. Jh. Die Zauberergesellschaft in Großbritannien hat ein eigenes dreigliedriges Regierungssystem, welches sich aus dem Ministerium für Magie, dem Zauberergamot als Judikative und den Auroren als Exekutive zusammensetzt (Rowling 2008, S.170). Hinzu kommt das Zauberergefängnis „Azkaban“.

Abgesehen vom jeweils amtierenden Premierminister der „Muggel“, wird die Existenz der Zaubererwelt durch entsprechende Geheimhaltungsgesetzte und Kontrollen vor der nichtmagischen Welt geheim gehalten. Bei Verstößen gegen die Vorschriften werden die Erinnerungen an die Begegnung mit Magie aus den Köpfen der betroffenen Nichtmagier verändert oder gelöscht, sodass diese weiterhin unwissend bleiben. Das Ministerium hat seinen Sitz unterirdisch im Londoner Zentrum. Hexen und Zauberer können entweder das „Flohnetzwerk“ benutzen und über Kamine ins Ministerium gelangen oder den Besuchereingang über eine Telefonzelle nutzen. Eine bestimmte Tastenkombination bringt sie dann ähnlich wie ein Aufzug in die darunter gelegene Eingangshalle des Zaubererministeriums. Das Ministerium ist sowohl für die Einhaltung und Durchsetzung von Zauberergesetzen zuständig, als auch in der Lage dazu Gerichtsverhandlungen durchzuführen und Gesetze zu verabschieden oder neu einzuführen.

Im Laufe der Harry Potter -Reihe wird das Amt des Zaubererministers mehrfach neu vergeben. Unter der Leitung von Cornelius Fudge wird erstmals der ernorme Einfluss des Ministeriums auf die Zauberergemeinschaft deutlich. Er stäubt sich vehement die Rückkehr Voldemorts anzuerkennen und intervenierende Maßnahmen gegen die Bedrohung zu ergreifen (Rowling 2009). Stattdessen richtet er sich gegen Albus Dumbledore aus Angst dieser könnte seine Autorität untergraben. Fudge wird im sechsten Band durch den neuen Minister Rufus Scrimgeour ersetz, nachdem die Rückkehr Voldemorts bestätigt wurde. Unter seiner Führung versucht man gegen die Gefahr, die von Lord Voldemort und seinen Anhängern ausgeht, vorzugehen. Als der Minister jedoch im siebten Band von den Todessern ermordet wird, tritt Pius Thicknesse an seine Stelle. Er steht unter dem Imperius-Fluch, was ihn wie eine Marionette das tun lässt, was Voldemort ihm induziert. Durch die politische Machterlangung ändern sich die Werte und Richtlinien des Regimes in extremem Ausmaße. Die vom Ministerium propagierte Ideologie wird später ausführlich erläutert.

3. Weltenzusammenhänge: Verbindungen und Übergänge

Wie im ersten Teil bereits beschrieben, kann man die raum-zeitliche Gestaltungen der Primär- und Sekundärwelt in Harry Potter nicht eindeutig voneinander abgegrenzt. Teilweise verschwimmen sie ineinander und greifen ähnliche Inhalte auf. Dabei treten sowohl äußerliche als auch inhaltliche Parallelen auf. Solche Verknüpfungen helfen dem Leser beim literarischen Transfer zwischen den beiden Welten. Außerdem schaffen sie Nähe zwischen dem Fantastischen und dem Alltäglichen.

Die Weltenübergänge der fantastischen und der nicht magischen Welt sind durch Zauber geschützt, sodass nur Magier Kenntnis von der Existenz der fantastischen Parallelwelt haben. Die Hogwartsschule wird von Nichtmagiern beispielsweise als heruntergekommene Schlossruine wahrgenommen (vgl. Rowling 2008, S.175). Diese magisch getarnten Orte existieren innerhalb der alltäglichen fiktiv-realen Welt und stellen Sekundärwelt-Inseln innerhalb der Primärwelt dar. Sie können nur von Hexen und Zauberern beteten werden, was darauf schließen lässt, dass die einzig wirksame Verbindung zwischen den beiden Welten die Magie ist. Das Übertreten der beiden Weltenverbindungen kann beispielsweise nur durch die Anwendung von Zaubersprüchen oder magischer Gegenstände erfolgen, wie der Zutritt in die „Winkelgasse“ oder das Benutzen des „Flohnetzwerks“ mit Hilfe von Flohpulver. Andere Formen des Übergangs sind das Apparieren und Disapparieren oder das Durchschreiten der Trennmauer zwischen Gleis 9 und 10 auf dem Bahnhof King’s Cross, welches auf das magische Gleis 9¾ führt. Jede dieser Vatianten setzt den Einsatz magischer Fähigkeiten voraus.

3.1 Parallelen zu geschichtlichen Ereignissen in der realen Welt

Beim aufmerksamen Lesen der Harry Potter Bücher können einem gewisse Parallelen zu historischen Ereignissen aus unserer Welt auffallen. Besonderes einprägend sind Ähnlichkeiten zu totalitären Regierungssystemen, wie dem NS-Regime im Nationalsozialismus, oder der Apartheid in der amerikanischen Geschichte.

„Although there are quite consciously, overtones of Nazi Germany, there are also associations with other political situations. So I can´t really single one out.“ (J. K. R. Carnegie Hall appearance, Oct. 2007)

Ähnlich wie die im ersten Teil behandelte kognitive Aktivierung von bestehenden Ortsschemata können auch inhaltliche Schemata von charakteristischen Handlungs- und Organisationsformen durch intertextuelle Transfersignale aktiviert werden und Assoziationen im Kopf des Lesers hervorrufen. Ob jede dieser Assoziationen von der Autorin beabsichtigt ist, ist fragwürdig. J.K. Rowling bestätigte in einem Interview jedoch, dass sie in ihren Büchern bewusst Signale und Parallelen zu Ereignissen unserer Welt kreiert hat, um eine Verbindung zur Realität des Rezipienten herzustellen (siehe S.1).

3.2 Rassismus

Rechtsextreme Einstellungen haben häufig charakteristische Merkmale wie autoritäre, fremdenfeindliche, antisemitistische oder nationalsozialistische Überzeugungen. Rassismus, Kollektivismus oder Geschichtsrevisionismus sind Begriffe, die zum Verständnis der rechtsextremen Ideologie beitragen und im Folgenden weiter erläutert werden.

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Beziehungsebenen und Weltenverbindungen zwischen fiktiven Parallelwelten in "Harry Potter" und der realen Welt
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für deutsche Sprache und Literatur II)
Veranstaltung
Parallelwelten und Raumkonzepte in der zeitgenössischen Kinder- und Jugendliteratur
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V443082
ISBN (eBook)
9783668825826
ISBN (Buch)
9783668825833
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Parallelwelten, Harry Potter, Raumkonzepte, Jugendliteratur
Arbeit zitieren
Elena Schreer (Autor:in), 2017, Beziehungsebenen und Weltenverbindungen zwischen fiktiven Parallelwelten in "Harry Potter" und der realen Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/443082

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