Zu "Autorität dank Autoritäten" von Claudia Brinker von der Heyde. Ein Exzerpt in Stichpunkten


Exzerpt, 2017
5 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

BRINKER VON DER HEYDE: Autorität dank Autoritäten

Textgrundlage: BRINKER-VON DER HEYDE, Claudia. „Autorität dank Autoritäten: Literaturexkurse und Dichterkataloge als Mittel zur Selbststilisierung. Autorität der/in Sprache, Literatur, Neuen Medien. Vorträge des Bonner Germanistentags, 1997, S. 442-464.

Literaturexkurse und Dichterkataloge als Mittel zur Selbststilisierung

- Jan-Dirk:
- Ausgangspunkt: „Krise“ des Autors im modernen literaturwissenschaftlichen Diskurs
- Foucault: These vom „Verschwinden des Autors“
- Postmoderne:
- Ersetzt den Autor als allgemein Initiator seines Werks mehr und mehr durch ein „Netzwerk“ in dem Autor, Leser Intertextualität, kultureller Diskurs und Sprache als infinites System der Interpretationsmöglichkeiten gemeinsam Text konstituieren
- Diskussion über Anwendbarkeit des kritischen Autorbegriffs auf mittelalterliche Dichter und dessen postmoderne Destruktion
- Zuordnungen Autor – Text – Autorität – Authentizität seit dem 12.Jh. in volkssprachigen Texten reflektiert, möglicherweise in dieser Zeit etabliert
- Durch fehlenden Werkbegriff Mehrfach- und Fehlzuweisung von Autoren (v.a. Minnelyrik und Spruchdichtung)
- Offenes Verhältnis zwischen Autor und Werk
- Erfindung des 18.Jh. : Eigentumsrecht des Autors auf seinen Text in einmaliger autorisierter, nicht veränderbarer Form
- Nicht auf mittelalterliche Texte anwendbar
- Moderne Prämissen oder Definitionen unzureichend um mittelalterlichem Autoren- oder Autoritätsbewusstsein gerecht zu werden
- Mittelalterliche Formen des Autoren-/Autoritätsbewusstsein:
- Eigennennungen
- Kollegenlob bzw. –schelte
- Intertextuelle Zitate
- Literaturtheoretische Äußerungen in Lyrik, Spruchdichtung, Epik und didaktischem Schriftum
- Interesse an Systematisierung, Katalogisieren, Kanonisieren
- Ziel: Autor als Autorität mit Anspruch auf Authentizität
- Genese eines literarischen Kanons: (bsp. Dichterkataloge)
- Innovationsakt
- Bewusstsein der Innovation als eines epochalen Schrittes
- Innovation als neue Sinngebung in einer Gruppe von Werken
- Primärrezeption: erster Kreis von Rezipienten erkennt das neue Wert- und Sinnsystem
- Kanonisierende Phase
- Etablierung des Kanon
- Sekundärrezeption: 6 Kanonisierungseffekte (miteinander verknüpft)
- Nivellierung individueller Differenzen
- Transformation von Problematik in Normativverhalten
- Reduktion des Ästhetischen auf Form und Technik
- Literarische Stilisierung des Faktischen
- Extrapolation von Dichterrollen, mit der Legitimation und Gründerfiguren einhergeht
- Geburt der Parodie aus dem Kurzschluss zwischen Literatur und Leben
- à Frage nach der autoritätsstiftenden Funktion, die derartige Literaturexkurse für den sie initiierenden Dichter haben
- à Frage nach den Strategien, die den Anspruch auf Autorität und Authentizität legitimieren
- à Frage nach der Rolle, die sich der jeweilige Dichter innerhalb seines Textes zuweist
- Literaturexkurs des Gottfried von Straßburg (erster Literaturexkurs)
- Hartmann von Aue (poeta laureatus)
- Bligger von Steinach, Heinrich von Veldeke, Reinmar, Walther von der Vogelweide
- Des hasen geselle
- Maere wildenaere
- Selektiert selbstbewusst aus der Schar der Vielen
- Nur wenige Vertreter der literarischen Gattungen (höfische Epik und Lyrik) finden Aufnahme und kritische Begutachtung
- Namentliche Nennung derer, die den Kriterien genügen, die für ihn Qualität des literarischen Erzeugnisses ausmachen (= harmonische Komposition von Sinn und Wort zu einem erzählerischen Ganzen
- Ordnung nach subjektiv qualitativen, gattungsspezifischen Gesichtspunkten
- Gottfried im Sprecher-Ich als kenntnisreicher Literaturkritiker, in einer Rolle innerhalb des Exkurses (größere Gemeinschaft = wir)
- Suggeriert sich selbst als einer von vielen
- Rezipienten sind sachkundig und fähig ein objektives Urteil zu fällen
- Würdigung und Verurteilung nicht subjektiv willkürlich, sondern als allgemeingültiger Konsens
- Eigensetzung als kompetenten Literaturkritiker
- Abwertung Wolrams
- Nicht Nennung des Namens
- allein die Überlieferung des Namens erlaubt gedechtus der Nachfahren und das Überleben nach dem Tod
- wichtiger Stellenwert der christlichen Totenmemoria
- Dichter als Garant für das Überleben des Namens im kulturellen Gedächtnis
- Anonymisierung und Marginalisierung
- Augen- und Lebenszeugen:
- Erhöhte Glaubwürdigkeit
- Als Primärrezipienten in der Lage an Akt der Innovation zu erkennen und zu benennen
- Inspirationshilfe
- Mythologische Figuren und Zauberwesen, nicht Gott!
- Musen des Helikon
- Affektive Bescheidenheit, Unfähigkeitstopos
- à doppeltest Rollenspiel Gottfrieds
- Zirkuläres Verfaren
- Selbstzuweisung eines herausgehobenen Platzes in der Literaturgeschichte
- Kreation als Autor durch:
- Akt des Schreibens (agere)
- Einbindung in den von ihm selbst definierten Diskurs
- Fähigkeit die schriftliche Tradition zu rezipieren
- à Gottfried erkennt und reflektiert das neue Wert- und Sinnsystem
- Legt es selbstbewusst als solches fest und propagiert sich als dessen vollkommener Vertreter
- Selbstgefertigtes „Idealporträt“
- Von Maler der Manessischen Liederhandschrift übernommen à Entwurf seines Autorbildes

- Autorenreihe im Alexanderroman des Rudolf von Ems (nachfolgend)

- Unfähigkeitstopos: droht an einer sich selbst gesetzten Aufgabe zu scheitern
- Intention und Rolle verändert sich gegenüber Gottfried
- Anruf an die meister, denen er sein Werk zur kür vorlegen möchte
- à Bitte, ihn in ihre hohe kunst einzuweihen, ihn zu belehren
- Umgekehrtes Verhältnis zwischen Vorgängern und Sprecher-Ich
- Fordert auf zur Begutachtung und Belehrung seiner Arbeit
- Gliedert sich nicht in die Gemeinschaft der kompetenten Literatursachverständigen ein, sonder in die Masse namenloser, qualitativ nicht genügender Dichter
- Ausgangspunkt des Katalogs und Zäsur zwischen erstem und zweitem Teil
- Prüft nicht kritisch, sondert nicht aus
- Zählt lediglich stereotyp die Vorzüge der Genannten auf (17 Epiker, chronologische Reihenfolge)
- Baummetapher (Anleihe an Gottfrieds Diktion)
- Umdeutung: Veldeke veredelt nicht mehr den bereits bestehenden Stamm deutscher Dichtkunst, sondern er ist Stammvater volkssprachigen Dichtens
- Ausdem Stamm haben sich starke Blütenzweige entwickelt mit verschiedenartigem Aussehen, aber einander gleichwertig
- Keine Wertung von Stilgegensätzen zwischen Gottfried, Hartmann und Wolfram
- Gottfried erhält aber mit Abstand die längste Charakterisierung

- Zweiter Teil:

- Verknüpfung von Dichter und Werk noch deutlicher
- Nennung derer, die zu Rudolfs Zeitgenossen gezählt werden können
- Hoffnung auf Belehrung
- Bild des sich immer mehr verzweigenden Baums
- Nicht Dichter, sondern Werke, die ihre Erschaffer kennzeichnen
- Der Stoff war kein Besitz eines einzelnen, aber die ihn erneut aufgreifen wollten, hatten sich an demjenigen zu orientieren, dessen sinnfindende und sinnstiftende Bearbeitung (dank der Dichterkataloge) als Vorbild / Autorität gesetzt worden war
- Das Alte: vertreten durch Werke Veldekes, Hartmanns, Wolframs, Gottfreids à garantiert die Standfestigkeit und Kraft des Baumes
- Die Jüngeren: neue Triebe auf den Ästen, weiterpflegen der Tradition à ebenfalls Anspruch auf Anerkennung
- Zirkularität des Autoritätsdiskurses
- Mehr um Vollständigkeit bemüht als um kritische Selektion
- Ziel: Eingliederung bzw. Anbindung nicht Überbietung
- Seine Zweige: (bereits verfassten Werke)
- Guote Gerhart
- Balaam
- Josaphat
- Sant Eustachius
- à seinem literarischen Stammbaum aufgepfropft
- à Platz in der Literaturgeschichte zugesprochen
- à braucht Legitimierung anerkannter Autoritäte
- Zwerg, der nur auf den Schultern der Dichterriesen Weitblick erhält
- Quelle seiner Inspiration: die Gepriesenen (Stamm des Baumes)
- Diese entscheiden über seine Gewährung oder Ablehnung
- Bezug des Alexanderstoff:
- 3 Namen, die vor ihm die Geschichte erzählt haben
- Konnten Anforderungen nicht genügen
- Rudolf will urhap dieser maere sein
- Silisiert sich poötzlich geradezu zur Gründerfigur der Geschichtsepik
- à Beides Varianten der Autoritätssetzung
- à Varianten nicht ausgeschöpft ( Willehalm, Rudolf von Ems)
- Allegorische Figur (Frau Aventiure) ruft Rudolf zum Dichter ihrer Geschichte auf
- Bescheidenheitstopos von Rudolf (es gäbe würdigere Vertreter, Auflistung)
- Ulrich Turheim: Anbindung an den Vorgänger , Privileg des noch Lebenden, Werkfortsetzung
- Johann von Würzburg: Prologgebet an Wolfram von Eschenbach
- Ulrich von Etzenbach: Kombination der letzten Möglichkeiten à beklagt führen Tod Wolframs, der ihm geholfen hat sein Werk zu vollenden, Autorisierung als Dichter kraft siener Lebendigkeit
- à Selbststilisierung, Rollenspiele
- à eigener Name/ eigenes Werk soll in einen literarischen Diskurs eingebunden werden
- à mittelalterliche Dichter nicht ausschließlich als Überlieferer, Sachwalter, Gewährsleute der Wahrheit des Überlieferten
- à Texte waren nicht beliebig veränderbar: Wurden weitergedichtet, versucht sie besser zu dichten, ABER immer ein Werk, was an einen Autor geknüpft und durch ihn definiert war
- Grundprobleme heutiger Forschung:
- Unterscheidung der biographischen Autorexistenz
- Literarische Szenerie der Autorbilder
- Autorrollen
- Autorstilisierungen
- à in mittelalterlichen Texten selbst und wohl bewusst angelegt
- Bewusstsein von Ambivalenz der fiktiven Erzählfiguren
- Mittel um Bild und Rolle als Autoren in der Literaturgeschichte mitzubestimmen
- Notwendig dabei ist der Diskurs der Autoritäten um sich selbst als Autorität zu setzen

[...]

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Zu "Autorität dank Autoritäten" von Claudia Brinker von der Heyde. Ein Exzerpt in Stichpunkten
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für deutsche Sprache und Literatur II)
Veranstaltung
Hauptseminar: Dichter über Dichter
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
5
Katalognummer
V443101
ISBN (eBook)
9783668811867
Sprache
Deutsch
Schlagworte
autorität, autoritäten, claudia, brinker, heyde, exzerpt, stichpunkten
Arbeit zitieren
Elena Schreer (Autor), 2017, Zu "Autorität dank Autoritäten" von Claudia Brinker von der Heyde. Ein Exzerpt in Stichpunkten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/443101

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