Bei dieser Arbeit handelt es sich um ein Exzerpt der Textgrundlage: Haug, Walter. "Mittelhochdeutsche Klassik." Simm, Hans-Joachim (Hg.): Literarische Klassik, Frankfurt/Main: Suhrkamp (1988): 230-247.
Inhaltsverzeichnis
1. Dichterkataloge des 13. Jh. und damit verbundene Kanonisierungseffekte
1.1 Entstehungsprozess
1.1.1 Innovative Phase
1.1.2 Kanonisierende Phase
1.2 Kanonische Effekte
1.3 Kanonischer Kern und Dichterkataloge
1.3.1 Gottfrieds „Tristan“ als Beispiel
1.3.2 Gottfrieds Dichterkatalog
2. Kanonisierungseffekte im Überblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit analysiert den Prozess der Kanonisierung in der mittelhochdeutschen Klassik, wobei sie insbesondere die Entstehung von Dichterkatalogen und die damit verbundenen ästhetischen sowie gesellschaftlichen Transformationen untersucht. Das Ziel ist es, das Verständnis von Klassizität als Rezeptionsphänomen zu schärfen und die Funktion von Autorenreihen als Legitimationsvehikel für literarische Innovation zu ergründen.
- Charakterisierung der mittelhochdeutschen Klassik als Rezeptionsphänomen.
- Untersuchung der zwei Phasen der Kanonbildung (innovativ und kanonisierend).
- Analyse der Rolle von Dichterkatalogen, speziell bei Gottfried von Straßburg.
- Reflexion über Kanonisierungseffekte wie Nivellierung und Normbildung.
- Diskussion über das Verhältnis von literarischer Innovation und Tradition.
Auszug aus dem Buch
Dichterkataloge des 13. Jh. und damit verbundene Kanonisierungseffekte
Mittelhochdeutsche Klassik = Epiker und Lyriker der sog. Höfischen Blütezeit um 1200. Begriff des Klassischen analog zu Weimarer Klassik in Mittelalter übertragen. Anachronisch. 13.Jh: Herausbildung eines Kanon von Autoren. Als normativ angesehen. Ihnen kam für eine bestimmte Zeit die Position und Funktion von Klassikern in unseren Verständnis zu. Klassizität = Rezeptionsphänomen. Zeigt ein bestimmtes Traditionsverhalten (=überzeitlicher Charakter).
Literarischer Kanon: i.d.R. nicht streng kodifizierte Form von Kanonbildung. kann zu einer Institutionalisierung kommen (Schulbetrieb, Singschule der Meistersänger, Lektürekanon der höheren Bildungsanstalten). Kern von unabdingbaren Werken, offene fluktuierende Randzone (bsp.: Kanon antiker Texte im mittelalterlich-klösterlichen Unterricht). Schwacher Kanon. Gegensatz zu streng geschlossenem Korpus (religiöse/juristische Texte). Verbindlichkeit außerhalb der Schule = Kraft der Identifikation die der ihn tragenden Gruppe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Dichterkataloge des 13. Jh. und damit verbundene Kanonisierungseffekte: Dieses Kapitel führt in den Begriff der mittelhochdeutschen Klassik ein und erläutert die Entstehung literarischer Kanones sowie deren grundlegende Charakteristika im 13. Jahrhundert.
2. Kanonisierungseffekte im Überblick: Hier werden die spezifischen Auswirkungen der Kanonisierung auf literarische Texte, wie die Nivellierung von Differenzen oder die Transformation von Problematik in Normverhalten, detailliert aufgeführt.
Schlüsselwörter
Mittelhochdeutsche Klassik, Kanonisierung, Dichterkatalog, Rezeptionsphänomen, Innovationsakt, Höfische Blütezeit, Literarischer Kanon, Gottfried von Straßburg, Tristan, Literaturkritik, Normverhalten, Tradition, Epik, Lyrik, Literaturtheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und den Auswirkungen literarischer Kanonisierungsprozesse in der mittelhochdeutschen Klassik um 1200.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Definition der Klassizität, der Prozess der Kanonbildung in zwei Phasen sowie die Funktion von Dichterkatalogen für das Selbstverständnis von Autoren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Dichterkataloge als literarische Instrumente dazu dienen, neue ästhetische Standards gegenüber der Tradition zu legitimieren und als "klassisch" zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturtheoretische Analyse, die Begriffe der Kanonforschung auf mittelalterliche Texte anwendet und durch konkrete Beispiele wie Gottfrieds "Tristan" veranschaulicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Phasen der Innovation und der Kanonisierung sowie die spezifischen Kanonisierungseffekte wie die Reduktion des Ästhetischen auf Form und Technik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind u.a. Mittelhochdeutsche Klassik, Kanonisierung, Dichterkatalog, Rezeptionsphänomen und Literarische Tradition.
Warum wird Gottfrieds "Tristan" als Beispiel für einen Dichterkatalog herangezogen?
Der "Tristan" enthält eine der ersten kritisch-charakterisierenden Autorenauflistungen des Mittelalters, die als Modell für die eigene literarische Positionierung dient.
Welche Rolle spielt die "innovative Phase" bei der Kanonisierung?
In dieser Phase erkennen Rezipienten ein neues Wertesystem als ihr eigenes an, was eine Abgrenzung gegenüber älteren literarischen Traditionen ermöglicht.
- Citation du texte
- Elena Schreer (Auteur), 2017, Exzerpt zu "Mittelhochdeutsche Klassik" von Walter Haug in Stichpunkten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/443102