Umstrukturierungen von einst als vorteilhaft qualifizierten Strukturen sind in der betrieblichen Realität notwendig, um sich den ständig ändernden wirtschaftlichen, rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen anzupassen und weiterhin im unternehmerischen Umfeld erfolgreich bestehen zu können. Nicht untypisch sind Motive wie der Zusammenschluss von Unternehmen, um Synergieeffekte auszunutzen oder Kosten zu reduzieren. Allerdings kann es vorkommen, dass die einst als vorteilhaft qualifizierte Umstrukturierungsmaßnahme nicht die erhoffte Wirkung zeigt oder die Gesellschafter nicht effizient zusammenarbeiten.
Die Gründe hierfür sind vielfältig. Deshalb kann eine erneute Umstrukturierung der Gesellschaft als notwendig erscheinen. Das Bedürfnis der Praxis nach betriebswirtschaftlich notwendigen Umstrukturierungen konfligiert jedoch regelmäßig mit dem Subjektsteuerprinzip. Obwohl der Bundesfinanzhof im Jahr 1993 ausdrücklich bestätigte, dass das deutsche Steuerrecht von einem Grundsatz beherrscht werde, welcher die interpersonelle Übertragung von Vermögen nicht erlaubt. wurden dennoch im Zeitverlauf zunehmend Ausnahmen durch den Gesetzgeber in das Steuerrecht implementiert.
Im Zuge dieser Rechtsprechung und der Entwicklung des Steuerrechts sind zahlreiche, kasuistische, aber wirtschaftlich vergleichbare Priviligierungsvorschriften entstanden. Insbesondere hervorzuheben sind die §§6Abs.5, 16Abs.3S.2 - 4EStG und §24UmwStG. Grundlegend verfolgen diese Vorschriften das Ziel, betriebswirtschaftlich erforderliche und sinnvolle Umstrukturierungsmaßnahmen nicht durch Steuerbelastungen zu erschweren, sofern die Besteuerung der stillen Reserven durch die Bundesrepublik Deutschland sichergestellt ist. Diese Vorschriften bilden jedoch ein Geflecht von untereinander unabgestimmten und in ihren Voraussetzungen sowie ihren jeweiligen Rechtsfolgen inkonsistententen Individualprivilegierungen.
Deshalb beschäftigt sich diese Masterarbeit mit der Frage, wie Umstrukturierungen bei Personengesellschaften durchgeführt werden sollten und wann welche der genannten Alternativen zu bevorzugen ist. Diese Frage ist erneut in den Mittelpunkt von Umstrukturierungsüberlegungen geraten, da der BFH, durch die Änderung seiner Rechtsauffassung hinsichtlich der Realteilung, neue Möglichkeiten zur Umstrukturierung von Personengesellschaften geschaffen hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2. Grundproblematik der stillen Reserven
2.1 Entstehung stiller Reserven
2.1.1 Buchwert als Einflussgröße
2.1.2 Verkehrswert als Einflussgröße
2.1.2.1 Teilwert
2.1.2.2 Gemeiner Wert
2.1.3 Fallvarianten der Entstehung
2.2 Ermittlung der stillen Reserven
2.3 Zahlung aus der Substanz
3. Umstrukturierungsmaßnahmen
3.1 Einbringung nach § 24 UmwStG
3.1.1 Qualifiziertes Vermögen
3.1.1.1 Betrieb
3.1.1.2 Teilbetrieb
3.1.1.3 Mitunternehmeranteil
3.1.2 Bewertung des eingebrachten Betriebsvermögens
3.1.3 Missbrauchsklauseln und Sperrfristen
3.2 Realteilung nach § 16 Abs. 3 S. 2 EStG
3.2.1 Entwicklung der Rechtsprechung
3.2.2 Qualifiziertes Vermögen
3.2.2.1 Teilbetrieb
3.2.2.2 Einzelwirtschaftsgüter
3.2.3 Missbrauchsklauseln und Sperrfristen
3.2.3.1 Sachgesamtheiten
3.2.3.2 Einzelwirtschaftsgüter
3.3 Umstrukturierung nach § 6 Abs. 5 EStG
3.3.1 Überführung nach § 6 Abs. 5 S. 1 und 2 EStG
3.3.2 Überführung nach § 6 Abs. 5 S. 3 EStG
3.3.3 Qualifiziertes Vermögen
3.3.4 Missbrauchsklauseln und Sperrfrist
3.4 Übersicht und Beurteilung
4. Allgemeine Vorteilhaftigkeitsüberlegungen
4.1 Vermeidung der Gewinnrealisierung
4.2 Flexibilität der Wirtschaftsgüter
4.3 Kosten- und Zeiteffizienz
4.4 Methodische Vorgehensweise
5. Vorteilhaftigkeitsanalyse
5.1 Ausgangsfall
5.1.1 Alternative I - Einbringung
5.1.2 Alternative II - Kettenübertragung
5.1.3 Alternative III - § 6b EStG
5.1.4 Alternative IV - Kombination
5.2 Ergebnis und Beurteilung
6. Sensitivitätsanalyse
6.1 Verbindlichkeiten
6.1.1 Alternative I - Einbringung
6.1.2 Alternative II - Kettenübertragung
6.1.3 Alternative III - Kombination
6.1.4 Ergebnis und Beurteilung
6.2 Vorliegen eines Teilbetriebs
6.2.1 Alternative I - Einbringung
6.2.2 Alternative II - Kettenübertragung
6.2.3 Alternative III - Kombination
6.2.4 Ergebnis und Beurteilung
6.3 Verlustvorträge
6.3.1 Alternative I - Einbringung
6.3.2 Alternative II - Kettenübertragung
6.3.3 Alternative III - Kombination
6.3.4 Ergebnis und Beurteilung
6.4 Änderung der Gesellschafterstruktur
6.4.1 Übertragung von Einzelwirtschaftsgütern
6.4.1.1 Alternative I - Einbringung
6.4.1.2 Alternative II - Kettenübertragung
6.4.1.3 Alternative III - Kombination
6.4.1.4 Ergebnis und Beurteilung
6.4.2 Übertragung von Sachgesamtheiten
6.4.3 Verlustvorträge
6.4.3.1. Alternative I - Einbringung
6.4.3.2 Alternative II - Realteilung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die steuerlichen Vorteilhaftigkeiten verschiedener Umstrukturierungsmaßnahmen bei Personengesellschaften zu analysieren, insbesondere vor dem Hintergrund neuer Rechtsprechung zur Realteilung und bestehender Privilegierungen wie § 24 UmwStG und § 6 Abs. 5 EStG. Dabei sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten identifiziert werden, um Rechts- und Planungssicherheit für die steuerliche Beratungspraxis zu schaffen.
- Grundproblematik stiller Reserven und deren Bewertung
- Analyse der Umstrukturierungsprivilegien (§ 24 UmwStG, § 16 Abs. 3 EStG, § 6 Abs. 5 EStG)
- Vorteilhaftigkeitsanalyse anhand eines praxisnahen Ausgangsfalls
- Sensitivitätsanalyse unter Berücksichtigung von Verbindlichkeiten, Teilbetrieben und Verlustvorträgen
- Diskussion von Missbrauchsklauseln und Sperrfristen
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Umstrukturierungen von einst als vorteilhaft qualifizierten Strukturen sind in der betrieblichen Realität notwendig, um sich den ständig ändernden wirtschaftlichen, rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen anzupassen und weiterhin im unternehmerischen Umfeld erfolgreich bestehen zu können. Nicht untypisch sind Motive wie der Zusammenschluss von Unternehmen, um Synergieeffekte auszunutzen oder Kosten zu reduzieren. Allerdings kann es vorkommen, dass die einst als vorteilhaft qualifizierte Umstrukturierungsmaßnahme nicht die erhoffte Wirkung zeigt oder die Gesellschafter nicht effizient zusammenarbeiten. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Deshalb kann eine erneute Umstrukturierung der Gesellschaft als notwendig erscheinen.
Das Bedürfnis der Praxis nach betriebswirtschaftlich notwendigen Umstrukturierungen konfligiert jedoch regelmäßig mit dem Subjektsteuerprinzip. Nach Auffassung der h. M. und der Rechtsprechung besagt das Subjektsteuerprinzip, dass stille Reserven bei demjenigen zu versteuern sind, bei dem sie erwirtschaftet wurden bzw. bei dem sie entstanden sind. Sie dürfen grds. nicht auf andere Steuersubjekte übertragen werden. Dies gilt auch bei Mitunternehmerschaften, da hier eine partielle Verlagerung von gemeinsam erwirtschafteten stillen Reserven erfolgt. Dies führt in der steuerlichen Beratungspraxis regelmäßig zu hohen Anforderungen, nicht nur aufgrund der für sich genommenen hohen Komplexität des Steuerrechts, sondern vor allem auch, weil sich die Rechtsprechung in Bezug auf die Übertragung von Vermögen stetig ändert. Diese Diskontinuität im Deutschen Steuerrecht, geprägt von unterschiedlichen Vorstellungen von der Übertragbarkeit von Vermögen und deren möglichen Ausnahmen, geht bis in die 1920 Jahre zurück.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit von Umstrukturierungen bei Personengesellschaften und den Konflikt mit dem Subjektsteuerprinzip sowie dem Steueraufkommen bei der Aufdeckung stiller Reserven.
2. Grundproblematik der stillen Reserven: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung, Ermittlung und die Problematik bei der Besteuerung stiller Reserven, wobei der Fokus auf der Rolle von Buchwerten und Verkehrswerten liegt.
3. Umstrukturierungsmaßnahmen: Hier werden die wesentlichen kasuistischen Umstrukturierungsprivilegien (§ 24 UmwStG, § 16 Abs. 3 S. 2 EStG, § 6 Abs. 5 EStG) im Detail analysiert.
4. Allgemeine Vorteilhaftigkeitsüberlegungen: Es werden Entscheidungskriterien für die anschließende Analyse definiert, wie die Vermeidung der Gewinnrealisierung und Kosteneffizienz.
5. Vorteilhaftigkeitsanalyse: Basierend auf einem Ausgangsfall wird die steuerliche Vorteilhaftigkeit der verschiedenen Umstrukturierungsmöglichkeiten untersucht.
6. Sensitivitätsanalyse: Die Sensitivitätsanalyse überprüft die Robustheit der Ergebnisse aus Kapitel 5 unter geänderten Bedingungen, wie bei Vorhandensein von Verbindlichkeiten, Teilbetrieben oder Verlustvorträgen.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet die Flexibilität und Anwendbarkeit der verschiedenen Umstrukturierungsalternativen.
Schlüsselwörter
Umstrukturierung, Personengesellschaft, stille Reserven, Umwandlungssteuergesetz, Realteilung, Einbringung, § 24 UmwStG, § 16 EStG, § 6 Abs. 5 EStG, Teilbetrieb, Sperrfrist, Gewinnrealisierung, Steuerneutralität, Verlustvorträge, Mitunternehmerschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den steuerlichen Vorteilhaftigkeitsüberlegungen bei Umstrukturierungen von Personengesellschaften unter Berücksichtigung der komplexen gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Behandlung stiller Reserven bei Umstrukturierungen sowie die Analyse der Anwendungsbereiche und Rechtsfolgen der §§ 24 UmwStG, 16 Abs. 3 EStG und 6 Abs. 5 EStG.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, für die steuerliche Beratungspraxis Rechts- und Planungssicherheit zu schaffen, indem Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Umstrukturierungsvorschriften herausgearbeitet und Entscheidungshilfen für die vorteilhafteste Vorgehensweise gegeben werden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor verwendet eine methodische Vorteilhaftigkeitsanalyse anhand eines konkreten Ausgangsfalls, gefolgt von einer Sensitivitätsanalyse, um Einflussfaktoren wie Verbindlichkeiten oder Verlustvorträge zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Grundlegung der stillen Reserven, die detaillierte Analyse der Umstrukturierungsprivilegien und eine umfangreiche, beispielbasierte Vorteilhaftigkeits- und Sensitivitätsanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben Umstrukturierung und Personengesellschaft sind dies vor allem stille Reserven, Realteilung, Einbringung, Sperrfristen und die spezifischen Paragrafen des UmwStG und EStG.
Welche Rolle spielt die Realteilung in dieser Arbeit?
Die Realteilung wird aufgrund aktueller BFH-Rechtsprechung als besonders flexible Gestaltungsmöglichkeit hervorgehoben, die nun auch unter Einbeziehung von Einzelwirtschaftsgütern steuerneutrale Umstrukturierungen erlaubt.
Warum sind Sperrfristen ein so wichtiges Thema in der Untersuchung?
Sperrfristen stellen ein erhebliches steuerliches Risiko dar, da deren Verletzung zu einer rückwirkenden Aufdeckung stiller Reserven führt, was für den Steuerpflichtigen eine unerwartete Steuerbelastung ohne Liquiditätszufluss bedeutet.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Vorteilhaftigkeitsüberlegungen bei der Umstrukturierung von Personengesellschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/443163