Die bewusste Planung von Change-Management Maßnahmen bei grösseren Projekten wird in der Fachliteratur und in der Projektmanagement-Lehre allgemein empfohlen. Die positiven Auswirkungen auf die Akzeptanz für das Projekt, auf den Abbau von Ängsten und Widerständen, auf die intrinsische Projektbeteiligung, auf das Verständnis für den Gesamtzusammenhang des Wandels, auf den besseren Einblick aller Beteiligten in die Projekt-Inhalte und -Visionen sind einige der Argumente, die für den Einsatz von Change-Management Methoden sprechen.
Die Einführung von Lean-Management ist jedoch kein Projekt im allgemeinen Sinne. Projekte sind einmalige Prozesse, die einen bestimmten Start- und Endtermin haben. Lean-Einführungen sind im Gegensatz dazu Vorhaben mit sehr langer Laufzeit, ohne festgelegte Dauer. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Das heißt also, dass die Motivation der Mitarbeitenden, eine solche Veränderung durchzuziehen, noch länger anhalten muss als bei einem gewöhnlichen Projekt. Außerdem erfordert Lean meist einen Paradigmenwechsel in der Unternehmenskultur: Viele Elemente und Methoden der aus Japan stammenden Lean-Philosophie sind für die westlichen Arbeitgeber und Angestellten fremd. Umso erstaunlicher ist also die Tatsache, dass die Notwendigkeit von Change-Management Maßnahmen im Zusammenhang mit Lean-Vorhaben im vom Thesis-Autor besuchten Lean-Seminar praktisch nicht erwähnt wurde. Auch in der Fachliteratur wird der Einsatz von Change-Maßnahmen bei Lean-Management Einführungen wenig dokumentiert.
Das Ziel dieser Forschung ist es, Strategien und Instrumente des Change-Managements zu analysieren, die sich bei der Entwicklung einer Lean-Thinking Unternehmung verwenden lassen. Es wird eine spezifische Toolbox geschaffen, die aus diversen anerkannten Methoden zur Begleitung des Wandels besteht. Daraus resultieren Empfehlungen, wie die vorgeschlagenen Werkzeuge aus dieser Werkzeugkiste gezielt in Lean-Management Vorhaben angewendet werden können.
Die Analyse der Hauptmerkmale von Lean-Management Vorhaben führt zur Erkenntnis, dass diese meist eine hohe Veränderungsbereitschaft im Unternehmen erfordern. Konsequent angewendete Change-Management Maßnahmen tragen wesentlich dazu bei, die Vision einer Lean-Thinking Organisation erfolgreich umzusetzen. Der Aufwand eines zielgerichteten Change-Managements ist eine lohnende, langfristige Investition auf dem Weg zu einer lean-funktionierenden Organisation.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangslage, Forschungsproblem und -frage
1.2 Zielsetzungen, inhaltliche Abgrenzung
2 Theoretischer Teil
2.1 Zum Change-Management
2.1.1 Die Auslöser des Wandels
2.1.2 Menschen meiden die Veränderung
2.1.3 Modelle und Konzepte des Change-Managements
2.1.3.1 Das Drei-Phasen-Modell nach Lewin
2.1.3.2 Das Sieben-Phasen-Modell nach Streich
2.1.3.3 Das Acht-Stufen-Modell nach Kotter
2.1.3.4 Das Implementierungsmodell von Wimmer
2.1.3.5 Die Intensität der Veränderung
2.1.3.6 Die Werkzeuge des Change-Managements
2.2 Zum Lean-Management
2.2.1 Ursprung von Lean-Management
2.2.2 Ist Lean eine Philosophie?...
2.2.3 …Oder ist Lean eine kulturelle Eigenschaft des japanischen Volkes?
3 Methodische Vorgehensweise
3.1 Ein Rückblick
3.2 Weiteres Vorgehen
3.3 Ethische Aspekte
4 Praktischer Teil
4.1 Allgemeines zum Praxisbezug: Das Vorhaben «Lean@KSW»
4.2 Die Intensität von Lean-Veränderungen
4.2.1 Praxisbezug: Erfahrungen aus dem Vorhaben «Lean@KSW»
4.3 Die Einführung von Lean-Management ist kein Projekt
4.3.1 Unterscheidung zwischen Projekt und Lean-Vorhaben
4.3.2 Praxisbezug: Erfahrungen aus dem Vorhaben «Lean@KSW»
4.3.3 Passende Tools des Change-Managements
4.4 Auch eine Lean-Einführung kann Angst machen
4.4.1 Praxisbezug: Erfahrungen aus dem Vorhaben «Lean@KSW»
4.4.2 Passende Tools des Change-Managements
4.5 Hinweise zur spezifischen Verwendung der Change-Management Tools im Lean-Kontext
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Master Thesis ist die Erarbeitung einer Toolbox mit Strategien und Instrumenten des Change-Managements, die gezielt zur Unterstützung von Lean-Management-Vorhaben eingesetzt werden können, um den Erfolg des Wandels sicherzustellen.
- Analyse der Notwendigkeit von Change-Management im Lean-Kontext
- Gegenüberstellung von klassischem Projektmanagement und Lean-Vorhaben
- Erarbeitung eines "Barometers der Veränderung" zur Bewertung der Veränderungsintensität
- Identifikation und Empfehlung geeigneter Change-Management-Tools für verschiedene Projektphasen
- Praxisnahe Untersuchung am Beispiel des Vorhabens "Lean@KSW"
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Menschen meiden die Veränderung
Menschen meiden aber evolutionsbedingt, wenn immer möglich, die Veränderung. Diese verursacht oft eine grosse Verunsicherung und löst im Extremfall Angstzustände aus. Seit der prähistorischen Zeit ist im Stammhirn 4 unserer Spezies eingebrannt, dass Veränderungen und neue Gegebenheiten das Leben bedrohen können. Diese Angst führt – sehr vereinfacht gesagt – zu einem Adrenalin-Ausstoss und verursachte damals je nach Situation eine der drei möglichen Ur-Reaktionen: Flucht, Kampf oder Todesstarre. In der modernen Welt hat der Mensch meistens gelernt, diese Signale zu relativieren und adäquat darauf zu reagieren. Ausgestorben ist aber der Adrenalin-Schub aufgrund von Veränderungssignalen nicht. Deutinger (2017, S. 49) bezieht sich auf eine Studie der Universität Hohenheim zur Rolle der Kommunikation im Change-Management von Deutschlands Top-Unternehmen und zitiert die Studienautorin Claudia Mast wie folgt: «Menschen sind bilanzierende Wesen, die Veränderungen erst einmal als Unsicherheiten erleben. Emotionen wirken dabei wie Vergrösserungsgläser».
Wie in Abbildung 1 bereits gezeigt, sind Veränderungen im unternehmerischen Kontext unabdingbar. Aber: «Die Veränderung hat keine Anhänger. Die Menschen hängen am Status quo. Man muss auf massiven Widerstand vorbereitet sein» (Jack Welch, langjähriger CEO von General Electrics, zitiert von Deutinger, 2017, S. 49).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Ausgangslage, in der Change-Management bei Lean-Vorhaben oft vernachlässigt wird, und definiert die Forschungsfrage sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2 Theoretischer Teil: Dieses Kapitel fundiert die Arbeit durch eine Analyse gängiger Change-Management-Modelle (Lewin, Streich, Kotter, Wimmer) und die Auseinandersetzung mit der Lean-Philosophie.
3 Methodische Vorgehensweise: Das Kapitel erläutert den Rückblick auf die theoretischen Erkenntnisse und das weitere methodische Vorgehen, inklusive der Herangehensweise an den praktischen Teil.
4 Praktischer Teil: Hier wird der Praxisbezug zum Vorhaben "Lean@KSW" hergestellt, die Intensität von Lean-Veränderungen untersucht und eine Toolbox passender Change-Management-Tools abgeleitet.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit von bewusstem Change-Management zur Unterstützung langfristiger Lean-Transformationsprozesse.
Schlüsselwörter
Change-Management, Lean-Management, Kaizen, Veränderungsintensität, Lean-Thinking, Unternehmenskultur, Projektmanagement, Organisationsentwicklung, Führung, Kommunikation, Kontinuierlicher Verbesserungsprozess, Lean@KSW, Transformationsmanagement, Widerstand, Toolbox
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Master Thesis im Kern?
Die Arbeit untersucht, wie Change-Management-Methoden gezielt eingesetzt werden können, um Lean-Management-Initiativen in Unternehmen erfolgreich zu begleiten und nachhaltig zu verankern.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Kombination von Change-Management-Modellen mit den spezifischen Anforderungen einer Lean-Transformation, die Analyse von Widerständen und die Schaffung einer Toolbox zur praktischen Anwendung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fokussiert auf die Frage: "Welche Strategien, Instrumente und Methoden des Change-Managements lassen sich bei der Entwicklung einer Lean-Thinking Unternehmung verwenden?"
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine theoretische Fundierung durch Literaturanalyse mit einem empirischen Praxisbeispiel kombiniert, basierend auf einem Interview zur Einführung von "Lean@KSW".
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung von Change-Modellen und Lean-Prinzipien sowie einen praktischen Teil, der durch das "Barometer der Veränderung" und eine Tool-Matrix die Anwendungsempfehlungen liefert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Change-Management, Lean-Management, Kaizen, Unternehmenskultur, kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) und Veränderungsbereitschaft.
Wie unterscheidet sich ein Lean-Vorhaben von einem klassischen Projekt laut der Arbeit?
Lean-Vorhaben sind meist kontinuierliche Verbesserungsprozesse ohne festes Ende, während Projekte klassisch zeitlich begrenzt sind und ein klar definiertes Ziel verfolgen.
Warum ist Change-Management bei Lean-Vorhaben laut dem Autor so kritisch?
Da Lean-Transformationen tiefgreifende kulturelle Veränderungen erfordern und auf Widerstände durch den "Faktor Mensch" stoßen, ist eine gezielte Begleitung notwendig, um die Akzeptanz und Motivation langfristig zu sichern.
Welches konkrete Fallbeispiel wird im Praxisteil analysiert?
Die Arbeit analysiert das Vorhaben "Lean@KSW" am Kantonsspital Winterthur, um die Anwendung der Change-Management-Tools in einem Dienstleistungsunternehmen zu evaluieren.
- Quote paper
- Erik Poly (Author), 2018, Strategien, Instrumente und Methoden des Change-Managements im Lean-Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/443195