Die Verschärfung des Wettbewerbs auf den Finanzmärkten, zunehmender Kostendruck, sinkende Zinsmargen in Verbindung mit geringen Provisionserträgen, abnehmende Kundenloyalität bei gleichzeitig steigenden Kundenanforderungen und immer neue gesetzliche Bestimmungen stellen hohe Ansprüche an die Unternehmensführung einer Bank.
Als Subsystem der Unternehmensführung hat das Controlling die Aufgabe, das Management bei der Steuerung des Unternehmens zu unterstützen. Durch das entscheidungsbezogene Auswerten der Daten des betrieblichen Rechnungswesens sowie die Aufbereitung von außerbetrieblichen Informationen werden dem Management Informationen geliefert, die die Effizienz der Unternehmensführung steigern sollen. Aufgrund der aufbereiteten Informationen können von der Unternehmensführung Entscheidungen auf fundierter Basis getroffen werden, Handlungsalternativen verglichen sowie das laufende Geschäft überwacht und gesteuert werden.
Das Controlling kann also als eine Art Informationszentrum verstanden werden, das steuerungsrelevante Informationen erfasst, aufbereitet und weiterleitet. Adressaten des Bank-Controllings sind alle Entscheidungsverantwortlichen des Kreditinstitutes.
Zur Erfüllung dieser Aufgaben bedient sich das Bank-Controlling diverser Instrumente. Es werden Instrumente aus der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre ohne bankspezifische Charakteristika genutzt. Da sich aber die Bankleistungen von den Leistungen der Industrie- und Handelsbetriebe durch ihren Dualismus und die besondere Verflochtenheit unterscheiden, kommen daneben spezielle Instrumente zum Einsatz. Im Rahmen dieser Hausarbeit soll eine Auswahl von Controlling-Instrumente n vorgestellt werden, die eigens für Kreditinstitute entwickelt wurden oder Instrumente aus der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre, die entsprechend den Anforderungen des Bank-Controllings modifiziert wurden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Controlling-Instrumente zur Ertragssteuerung
1.1. Strategisches Controlling
1.1.1. ROI-Schema
1.1.2. Weitere Kennzahlen des Banken-Controllings
1.2. Operatives Controlling
1.2.1. Marktzinsmethode
1.2.2. prozessorientierte Standard-Einzelkostenrechnung
1.2.3. Konto-Kalkulation
1.2.4. Kunden-Kalkulation
1.2.5. Profit-Center-Rechnung
2. Controlling-Instrumente zur Risikosteuerung
2.1. Instrumente zur Messung von Risiken
2.1.1. Value-at-Risk
2.1.2. Korrelationskoeffizientenmatrix
2.2. Risikotragfähigkeitsanalyse
2.3. Instrumente zur Begrenzung von Risiken
2.3.1. Zins-Swaps
2.3.2. Forward Rate Agreements
2.3.3. Zins-Caps
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die wesentlichen Instrumente des Controllings in Banken, um den gestiegenen Anforderungen an eine ertragsorientierte und risikobewusste Unternehmenssteuerung zu begegnen. Dabei wird analysiert, wie moderne Controlling-Methoden zur Erfolgssteuerung sowie zur Messung und Begrenzung von Risiken beitragen.
- Methoden zur Ertragssteuerung im strategischen und operativen Bereich.
- Einsatz des ROI-Schemas und der Marktzinsmethode zur Rentabilitätsanalyse.
- Prozessorientierte Kostenrechnung als Basis für die Deckungsbeitragsrechnung.
- Analyse von Risikotragfähigkeit und Messung mittels Value-at-Risk.
- Begrenzung von Marktpreisrisiken durch den Einsatz derivativer Finanzinstrumente.
Auszug aus dem Buch
1.2.1. Marktzinsmethode
Die Produkte einer Bank entstehen zum einen durch Arbeitskräfte und Betriebsmittel (Produktionsfaktoren), zum anderen durch das Überlassen von Kapital. Das unterscheidet die Bankleistung von der Leistung eines Industrie- oder Handelsbetriebes. Man bezeichnet dies als Dualismus der Bankleistung. Es entstehen somit Kosten und Erlöse aus der Betriebs- und der Wertleistung. Die im Betriebsbereich anfallenden Betriebskosten resultieren ausschließlich aus dem Einsatz von Personal, Gebäuden, Maschinen, Einrichtungen, Formularen. Die Wertkosten sind dagegen Zinskosten und zinsähnlichen Kosten, die der Bank bei der Beschaffung des notwendigen Kapitals entstehen.
Für die Ermittlung der Wertkosten orientieren sich die traditionellen Methoden der Zinsverrechnung (z. B. die Pool-, die Schichtenbilanz- und die Bilanzausgleichs-Methode) nicht an Geld- oder Kapitalmarktzinssätzen, sondern basieren auf Daten des eigenen Rechnungswesens und stellen eine Beziehung zwischen dem Aktiv- und dem Passivgeschäft her. Diese Methoden haben in der heutigen Praxis gänzlich an Bedeutung verloren.
Die Marktzinsmethode als „neue Form“ der Zinsverrechnung verzichtet auf die Gegenüberstellung von Aktiv- und Passivprodukten. Jedes Geschäft wird als isolierter Erfolgsfaktor betrachtet und leistet somit einen eigenständigen, unabhängigen Beitrag zum Gesamterfolg. Es gilt das Opportunitätsprinzip: jedes Kundenkreditgeschäft verdrängt eine Anlage am Geld- und Kapitalmarkt und jede Kundenanlage verdrängt eine Refinanzierung am Geld- und Kapitalmarkt. Der Erfolg eines Geschäftes ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Preis, den die Bank für das Produkt festsetzt (Kundeneffektivzins) und dem Preis eines qualitativ gleichartigen Produktes am Geld- und Kapitalmarkt (GKM) am Abschlusstag des Kundengeschäftes. Die Differenz zwischen Kundenzins und dem Zinssatz am GKM wird als Marge bezeichnet. Die Marge multipliziert mit dem Volumen ergibt den Zinskonditionenbeitrag (ZKB) Aktiv bzw. Passiv.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Controlling-Instrumente zur Ertragssteuerung: Dieses Kapitel erläutert die strategische und operative Steuerung, wobei Rentabilitätskennzahlen wie das ROI-Schema sowie Kalkulationsverfahren wie die Marktzinsmethode vorgestellt werden.
2. Controlling-Instrumente zur Risikosteuerung: Hier stehen die Identifikation und Bewertung von Risiken mittels Value-at-Risk sowie Strategien zur Risikotragfähigkeit und Begrenzung durch Derivate im Fokus.
Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit einer integrierten Rendite-Risiko-Steuerung zusammen und betont die stetige Anpassung der Instrumente an das Marktumfeld.
Schlüsselwörter
Bank-Controlling, Ertragssteuerung, Risikosteuerung, ROI-Schema, Marktzinsmethode, Prozesskostenrechnung, Deckungsbeitragsrechnung, Konto-Kalkulation, Profit-Center-Rechnung, Value-at-Risk, Risikotragfähigkeit, Derivate, Zins-Swap, Forward Rate Agreement, Zins-Cap.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit primär?
Die Arbeit behandelt die vielfältigen Instrumente des Controllings in Kreditinstituten, die zur effizienten Steuerung der Erträge und zur professionellen Risikokontrolle eingesetzt werden.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit gliedert sich in die Bereiche Ertragssteuerung (strategisch und operativ) sowie Risikosteuerung, inklusive deren Messung und Begrenzung.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie Controlling-Instrumente – seien es modifizierte allgemeine Methoden oder bank-spezifische Ansätze – das Management bei der langfristigen Unternehmenssicherung unterstützen.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Es erfolgt eine deskriptive Darstellung und Analyse gängiger Controlling-Instrumente auf Basis betriebswirtschaftlicher Fachliteratur zur Rentabilitäts- und Risikoanalyse.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil detailliert Kennzahlenhierarchien (ROI), Kalkulationsmethoden (Marktzinsmethode, PSEK) sowie Techniken zur Risikoquantifizierung und Absicherung durch Finanzderivate.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Wichtige Begriffe sind Bank-Controlling, Rentabilität, Ertragssteuerung, Risikotragfähigkeit, Marktzinsmethode und verschiedene derivative Finanzinstrumente.
Wie unterscheidet sich die Marktzinsmethode von traditionellen Ansätzen?
Im Gegensatz zu traditionellen Methoden verzichtet die Marktzinsmethode auf die Verknüpfung von Aktiv- und Passivgeschäften und bewertet jedes Geschäft isoliert nach seinem Beitrag gegenüber dem Geld- und Kapitalmarkt.
Was ist das Ziel einer Risikotragfähigkeitsanalyse?
Sie stellt sicher, dass das Kreditinstitut eingegangene Risiken quantitativ erfassen kann und über ausreichend Risikodeckungspotenziale verfügt, um mögliche Verluste abzufangen.
Warum sind Derivate für das Bank-Controlling wichtig?
Sie dienen als außerbilanzielle Instrumente zur gezielten Reduzierung oder Eliminierung von Marktpreisrisiken, insbesondere des Zinsänderungsrisikos.
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- Emme Alide (Author), 2005, Controlling-Instrumente in Banken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44329