Saul David Alinsky und Community Organization


Studienarbeit, 2003

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung
2.1 Definition Gemeinwesenarbeit
2.2 Definition Community Organization

3. Die Biographie des Saul D. Alinsky
3.1 Saul D. Alinsky von 1909 bis 1930
3.2 Der beruflicher Werdegang von 1930 bis 1946
3.3 Von 1947 bis 1960

4. Neue Wege und Erfolge

5. Historische Hintergründe des 17./ 18. und 19. Jahrhunderts

6. Alinskys Radikalität

7. Alinskys Gemeinwesenarbeits-Strategien

8. Alinsky in der Kritik

9. Alinskys Modell in Deutschland?
9.1 Der Unterschied
9.2 Übertragbarkeit nach Deutschland
9.3 Wie funktioniert das Organizing eigentlich?
9.3.1 Die Einzelgespräche
9.3.2 Die Recherche und die Planung
9.3.3 Die Aktion
9.3.4 Die Auswertung

10. Schluss

11. Literaturverzeichnis

Internetquellen

1. Einleitung

Saul D. Alinsky ist wohl einer der bedeutendsten Gemeinwesenarbeitspraktiker in den USA gewesen. Seine Arbeit und seine Bücher haben nachhaltig die spätere Theorie und Praxis der Gemeinwesenarbeit, auch in Europa, beeinflusst.

Auch uns hat Saul Alinsky in der Vorlesung im dritten Semester stark beeindruckt.

Seine etwas außergewöhnliche und revolutionäre Art und vor allem seine Einstellung und Definition zu Macht haben unserer Meinung nach ein gewaltiges Potential um Probleme von Bürgern zu bekämpfen. Gerade deshalb haben wir uns entschieden uns mit Saul David Alinsky und seiner Strategie des Community Organizings auseinander zu setzen.

In unserer Ausarbeitung wollen wir deutlich machen, welche Bedeutung Saul D. Alinsky für die Gemeinwesenarbeit hat. Zunächst haben wir uns mit der Person beschäftigt und die Frage der Radikalität, die für ihn geradezu bezeichnend ist, versucht zu klären. Anschließend geben wir einen Überblick über seine Strategie, in der wir unter anderem den Begriff der Macht versucht haben auszuführen. Nachdem wir uns mit der Kritik an Alinsky befasst haben, wollen wir anschließend die Übertragbarkeit auf Deutschland ausarbeiten.

Aufgrund der Komplexität und Größe dieses Themas, haben wir diese Hausarbeit zu dritt verfasst.

Dabei hat sich Anita Rund mit folgenden Kapiteln befasst:

- 2.2 Definition Community Organisation
- 5 Historische Hintergründe
- 8. Alinsky in der Kritik

Sabrina Büchle behandelte:

- 2.1 Definition Gemeinwesenarbeit
- 3 Die Biographie des Saul D. Alinsky
- 4. Neue Wege und Erfolge
- 6. Alinskys Radikalität

Kim Göhner hat folgende Kapitel verfasst:

- 7 Alinskys Gemeinwesenarbeits- Strategien
- 9 Alinskys Modell in Deutschland
Diese Arbeit wollen wir mit der Klärung der Begriffe Gemeinwesenarbeit und Community Organisation beginnen.

2. Begriffserklärung

2.1 Definition Gemeinwesenarbeit

Gemeinwesenarbeit ist neben sozialer Einzelfallhilfe und sozialer Gruppenarbeit eine wichtige Form der Sozialen Arbeit.

Gemeinwesenarbeit birgt allein die Möglichkeit, Bedingungen menschlichen Zusammenlebens nachhaltig zugunsten des Einzelnen zu verändern. Ihre große Stärke liegt in grunddemokratischen Entscheidungsprozessen.

Da „die Machthabenden“ meist ihre Macht nur äußerst ungern teilen, ist sie jedoch eine sehr langwierige Angelegenheit.

Der Erfolg für die Beharrlichkeit ist jedoch dann auch eine wesentlich nachhaltigere Verbesserung der Situation für das Klientel. („Steter Tropfen höhlt den Stein!“)

Gemeinwesenarbeit passt also die Verhältnisse den Klienten an, nicht die Klienten den Verhältnissen. Zusätzlich trägt sie dazu bei, die demokratische Kultur in unserem Lande zu festigen.[1]

Im Allgemeinen geht es also um die ganzheitliche Betrachtung von Menschen und ihren Problemen in einem Gemeinwesen, um deren Lebensverhältnisse, Lebensformen und Lebenszusammenhänge.[2]

2.2 Definition Community Organization

Community Organization[3] ist der Aufbau und die Entwicklung von BürgerInnenorganisationen durch die Schaffung von sozialen Beziehungen, die Macht zum Handeln geben. Die BürgerInnenorganisationen haben die doppelte Zielsetzung:

Veränderung von Machtbeziehungen und die unmittelbare Verbesserung der Lebenslage für die betreffende Gemeinschaft, die Community.

Community bezieht sich zunächst auf die soziale Dimension einer Nachbarschaft, eines Stadtteils oder einer Stadt, auf das Gemeinwesen. Es gibt Verbindungen bis hin zur nationalen oder internationalen Ebene, seltener wird der Begriff für Identitätsgruppen oder thematisches Organizing verwendet.

3. Die Biographie des Saul D. Alinsky

3.1 Saul D. Alinsky von 1909 bis 1930

Saul David Alinsky wurde am 30. Januar 1909, als Sohn orthodoxer Juden, die von Russland nach Amerika emigriert waren, in Chicago geboren.

Er kam in einem Elendsviertel Chicagos zur Welt und musste sich deshalb schon früh behaupten, um sich gegen eine feindliche Umwelt zu wehren. Als Alinsky 14 Jahre alt war, ließen sich seine Eltern scheiden – und so wuchs er in seiner Kindheit bei seinem Vater, in einem jüdischen Ghetto auf. Armut, Kriminalität, katastrophale Wohnbedingungen und Konflikte innerhalb des Elternhauses und der unmittelbaren Nachbarschaft prägten Alinsky. Er wuchs als Einzelkind und ziemlich auf sich allein gestellt auf. Bedeutende Erfahrungen und Einsichten erwarb er durch die harte Erziehung und die religiöse Ausrichtung seines Vaters schon in früher Kindheit, die auf sein späteres Wirken starken Einfluss genommen haben.

Der junge Alinsky änderte sein Weltbild aufgrund schlechter Erfahrungen, die er im Elternhaus machte: Die Eltern zeigten keinerlei soziales Engagement, obwohl soziale Nöte vorhanden waren und lebten dagegen streng orthodox.[4]

Später betonte Alinsky „immer wieder, dass, um gegenseitige Verständigung unter den Menschen zu erreichen, es notwendig sei, mit solchen Illusionen wie der größeren intellektuellen Befähigung der Juden, einer rein religiösen Identifizierung und ethnischen Mythen aufzuräumen.“[5]

Im Laufe seiner Jugend löste sich seine religiöse Bindung, obwohl er sich weiterhin zum Judentum bekannte. In seiner praktischen Tätigkeit machte er sich die Identifikation von Menschen mit religiösen Ausrichtungen dagegen zunutze und wandte sich, um seine Ziele durchzusetzen, sogar an kirchliche Gruppen und Institutionen.

Eine weitere wichtige Lebenseinsicht, die er durch die strenge Erziehung des Vaters genießen durfte, war jene, dass die Ausübung von Macht vom Glauben an diese Macht durch den Unterdrückten abhängig ist.

In einem Konflikt mit seinem Vater berichtete er : „… You know what´s going to happen to you if you do that again?”...”No, what´s going to happen?”… my father was completely in a loss, he didn´t know what the hell to say. He was absolutely disorganized. I learned my lesson then: Power is not in what the establishment has but in what you think it has.”[6]

Alinsky erlebte außerdem in seiner Kindheit, durch sein soziales Umfeld schon prädestiniert, Gewalttätigkeit und Antisemitismus:

Er war selbst in einem Bandenkrieg Mitglied und hatte verschiedene Auseinandersetzungen, unter anderem mit polnischen Jungs, nach der er sogar verhaftet wurde. Auch in seinem weiteren Leben erlebte er weiterhin Auseinandersetzungen, wie etwa in der Bürgerrechtsbewegung, wo viele brutale Aufstände stattfanden, demonstrative Verbrennungen veranstaltet und tödlich endende Kämpfe ausgetragen wurden. Doch gerade dies ging dem voraus, dass er sich ausdrücklich gegen jeden Gebrauch von Gewalt in seinen späteren Organisationsprojekten aussprach.

Mit 18 Jahren absolvierte er seinen High- School Abschluss und schrieb sich in die renommierte `University of Chicago` ein.

Neben seinem Hauptfach Archäologie besuchte Alinsky einige Soziologiekurse, wobei er sich immer wieder über die Weltfremdheit der Soziologen beklagte. Hingegen war er von der Archäologie begeistert: „… I fell in love with the subject. The artefacts were not just pieces of stone and clay. My imagination could carry me back to the past so that when I stood in front of an old Inca altar I could hear the cries of human sacrifices.”[7]

Das tief empfundene menschliche Mitgefühl, welches hier zum Ausdruck kommt, wurde zu einem typischen Charakterzug Alinskies. Im Alter von 21 Jahren schloss er sein Studium sehr erfolgreich ab.

3.2 Der beruflicher Werdegang von 1930 bis 1946

In den Monaten[8] nach seinem Studiumsabschluss, in der Zeit der Weltwirtschaftskrise, machte Alinsky sehr harte Zeiten durch: Er konnte mit seinem Archäologieabschluss kein Geld verdienen und auf die Unterstützung seiner Eltern konnte er auch nicht zählen.

Glücklicherweise wurde ihm im Jahre 1930 ein Dissertations- Projekt angeboten und er erhielt ein Stipendium der „Sozial Science Fellowship“ in „Criminology“.

Nach zwei Jahren gab er jedoch sein Dissertationsvorhaben, in dem er die „Al Capone- Bande“ untersuchte, auf, um einen „richtigen“ Job auszuüben.

Er nahm eine Arbeitsstelle bei der „Illinois State Division of Criminology an, an welcher er mit jugendlichen Straftätern zusammen arbeitete. In diesem Institut arbeitete er in mehreren Aufgabenbereichen: In den Jahren 1933 bis 1936 wurde er als Kriminologe an das „State Prison“ in Joliet, Illinois, engagiert, wo er unter anderem Vorlesungen im Gefängnis hielt. Jedoch entfernte er sich immer mehr von der wissenschaftlichen Betrachtungsweise, da sie für ihn zu realitätsfern waren.

Nebenher nutzte er seine Freizeit für andere soziale Tätigkeiten; er unterstützte den Aufbau der Community International Organisation, indem er versuchte Gelder aufzutreiben und arbeitete beispielsweise im Auftrag dieser Organisation mit den Erntearbeitern im Süden Amerikas oder auch mit der Internationalen Brigade in Spanien zusammen, um diese finanziell zu unterstützen.

1938 wurde ihm angeboten, bei der Schaffung von Jugendkommitees in den Chicagoer Slumbezirken mitzuwirken. Er versuchte sich dabei als „community organizer“ zu beweisen, indem er die gesamte Nachbarschaft eines Slumbezirks durch das „Back of the Yards Neighborhood Council“ präsentieren ließ.

Im Jahre 1940 gründete er die „Industrial Areas Foundation“ (IAF), seine erste eigene Agentur, die er durch Geldspenden unter anderem von kirchlichen Institutionen aufbaute, um ähnlich wie bei der „Back of the Yards- Projekt“ als „community organizer“ zu agieren.

Außerdem organisierte er in der Zeit zwischen 1940 und 1941 zwei „Gemeinde“-Projekte, eines in Kansas City, das andere in South St. Paul, wozu es jedoch keine exakten Literaturangaben gibt. Unter anderem arbeitete er während des 2. Weltkrieges zusätzlich im Außenministerium der US- Regierung, wobei er sich nach Kriegsende wieder ganz seiner Organisationstätigkeit und seiner IAF- Organisation widmete.

3.3 Von 1947 bis 1960

„Gegen Ende der vierziger und während der fünfziger Jahre organisierte Alinsky fünf weitere „communities“. Im einzelnen waren es die „Community Service Organisation“ in Los Angeles (1947), das „Chelsea Community Council“ in New York City (1956), die „Citizens Federation of Lackawanna“ im Staate New York in der Nähe von Buffalo (1957), die „Organisation for a Southwest Community“ in Chicago (1959) und das “Citizen´s Council of Butte” in Montana (1959). Alinsky selbst hat sich nie besonders lautstark zu diesen Projekten geäußert.“[9]

Die wohl bekannteste Organisation war die „Community Service Organisation“(CSO), die aus den Bemühungen resultierte, mit den Chicanos (Mexiko- Amerikaner) zusammenzuarbeiten, und unter anderem durch den bekannten Cesar Chavez durchgeführt wurde.

Jedoch trennte sich Alinsky aufgrund schwerer Konflikte im Leitungsstab im Jahre 1962 von der CSO.

Alinsky hatte jedoch nicht nur eine schwierige Zeit politischer Anschuldigungen in der McCarty- Ära, sondern musste auch viele persönliche Schicksalsschläge tragen: Seiner Ehe mit Helene Simon entstammten zwei Kinder; Lee David und Kathryn zu denen er sich um ein enges Verhältnis bemühte. Durch einen tragischen Versuch, eines ihrer Kinder vor dem Ertrinken zu retten, kam Helene selbst ums Leben.

Drei Jahre nach Helenes Tod wollte Alinsky erneut heiraten, doch seine Verlobte erkrankte an Polio und starb.

Zum zweiten Male heiratete Alinsky im Jahre 1952 Jean Graham, von welcher er sich 1969 schon wieder scheiden ließ.

Eine dritte Ehe, mit Dr. Irene Mc Ginnes, einer Soziologin aus Boston, ging er 1971 ein.

Im Juni 1972 starb Alinsky an einem Herzinfarkt in Carmel, Kalifornien. Mitten auf der Straße brach er zusammen: ein schneller Tod ohne großes Leiden, so wie er es sich immer gewünscht hatte.[10]

[...]


[1] vgl. http//www.wissen.ist.macht.de

[2] vgl. http//www.members.internettrash.com

[3] vgl. http//www.rothschuh.bei.t-online.de

[4] vgl. Freyth, 1985, S. 31f

[5] Freyth zitiert nach Sanders S.32f

[6] Freyth zitiert nach Norden S. 33

[7] Freyth zitiert nach Sanders, 1985, S 35

[8] vgl. Freyth, 1985, S. 35ff

[9] Freyth, 1985, S. 41

[10] vgl Freyth, 1985, S. 41ff

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Saul David Alinsky und Community Organization
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart
Veranstaltung
Soziale Gemeinwesenarbeit
Note
1,0
Autoren
Jahr
2003
Seiten
27
Katalognummer
V44338
ISBN (eBook)
9783638419611
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Saul, David, Alinsky, Community, Organization, Soziale, Gemeinwesenarbeit
Arbeit zitieren
Kim Göhner (Autor)Sabrina Büchle (Autor)Anita Rund (Autor), 2003, Saul David Alinsky und Community Organization, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44338

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